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Die Ordnungen Gottes

von Uwe Hermann (56477 Rennerod)

Predigtdatum : 21.10.2007
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 20. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Markus 2,23-28
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Wochenspruch:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
(Micha 6,8)
Psalm: 119,101-108 (EG 748)

Lesungen

Altes Testament:
1. Mose 8,18-22
Epistel:
1. Thessalonicher 4,1-8
Evangelium:
Markus 10,2-9 (10-16)

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 391
Jesu, geh voran
Wochenlied:
EG 630
Wo ein Mensch Vertrauen gibt
Predigtlied:
EG 162
Gott Lob, der Sonntag kommt herbei
Schlusslied:
EG 347
Ach, bleib mit deiner Gnade

Hinführung:
Auch wenn die Überschrift über den Predigttext meist lautet: „Ährenraufen am Sabbat“, ist das Thema doch nicht ganz einheitlich. Zumindest drei Schwerpunkte lassen sich entdecken: Zunächst beschweren sich die Pharisäer bei Jesus darüber, dass seine Jünger den Sabbat brechen. Das Ährenraufen an sich war zwar erlaubt, aber es zählte zu den Erntearbeiten, die am Sabbat verboten waren.
Der zweite Schwerpunkt ist wesentlich weiter gefasst. In der Geschichte von David geht es nicht um das Sabbatbrechen, sondern allgemein darum, dass David aus Not gegen ein Gesetz verstößt. Das Thema der Antwort Jesu lässt sich als die Frage nach Freiheit und Gesetz beschreiben.
Schließlich geht es in Vers 28 über diese Fragen hinaus um den Anspruch, den Jesus erhebt. „Der Menschensohn“ ist ein messianischer Titel, den Jesus benutzt. Es geht um den Herrschaftsanspruch Jesu, um die Frage: „Wie hältst du es mit Jesus?“
Ich entscheide mich dafür, den Text als Ganzes zu sehen und die verschiedenen Schwerpunkte am Beispiel der Sonntagsheiligung zusammen zu halten. Drei Ebenen sind mir dabei wichtig:
1. Der Bezug auf die Schöpfung: Gott schafft den siebten Tag, als Tag der Ruhe. Das ist aber mehr als Ausruhen. Es geht Frieden mit sich selbst, mit Gott und mit der ganzen Schöpfung. Hier geht es um den Sabbat (Sonntag) selbst.
2. Der Bezug auf die Geschichte des Volkes Israel: In der Fassung der zehn Gebote im fünften Buch Mose wird der Sabbat als Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten gesehen: 5. Mose 5, 15. Hier ist also das Thema „Freiheit“ beinhaltet.
3. Der Bezug auf Jesus: Der Sonntag als Tag der Auferstehung Jesu ersetzt später in der christlichen Kirche den Sabbat. Darin liegt die Bedeutung Jesu für unser Heil an Leib und Seele und die Beziehung des Glaubens zu Gott dem Vater.

Literatur:
Willi Hoffsümmer, Mehr als 1000 Kurzgeschichten, Grünewald Verlag (elektronische Ausgabe ohne Jahresangabe).
Hg. Erhard Domay, Gottesdienst Praxis Serie A, V. Perikopenreihe Band 4, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1995
Eduard Schweizer, Das Evangelium nach Markus, NTD Band 1, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1983

23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.

Liebe Gemeinde!
Eines Tages kamen die Tiere zusammen, weil auch sie Sonntag haben wollten. Der Löwe erklärte: "Wenn ich eine Gazelle verspeise, ist für mich Sonntag." Das Pferd meinte: "Mir genügt schon eine weite Koppel, damit ich stundenlang austraben kann." Das Faultier gähnte: "Ich brauche einen dicken Ast, um zu schlafen." Der Pfau stellte stolzierend fest: "Nur ein Satz neuer Schwanzfedern, er genügt für meinen Sonntag."
So redeten die Tiere stundenlang, und alle Wünsche erfüllten sich, aber es wurde unter ihnen kein Sonntag. Da kamen die Menschen vorbei und lachten: "Ja, wisst ihr denn nicht, dass es nur Sonntag wird, wenn man mit Gott wie mit einem Freund spricht?"
(Nach einer afrikanischen Sage. Aus: Willi Hoffsümmer, Mehr als 1000 Kurzgeschichten, Grünewald Verlag [elektronische Ausgabe ohne Jahresangabe])
Damit ist doch wohl alles Wichtige über den Sonntag gesagt. Im Predigttext streiten die Pharisäer für die Einhaltung der Sabbatregeln und die Jünger Jesu verstoßen dagegen. Aber Jesus zeigt, dass das alles am eigentlichen Punkt vorbei geht. Wenn wir nicht „Vater“ zu Gott sagen, wenn wir nicht mit ihm reden wie mit einem Freund, dann gehen wir am Sinn des Sonntags sowieso vorbei.
Es geht also nicht um die Abschaffung der Regeln, es geht aber auch nicht um ein Aufstellen neuer Regeln. Es geht um den rechten Gebrauch des Sonntags als Geschenk Gottes an uns Menschen. Dieser rechte Gebrauch liegt in unserem Verhältnis zu Jesus begründet, der uns lehrt, mit Gott wie mit einem Freund zu reden.
Wenn wir heute in unserer Gesellschaft über den gesetzlichen Schutz des Sonntags streiten, dann kann es also auf der einen Seite nicht darum gehen, alles freizugeben. Es darf nicht heißen: „Wer einkaufen will, der muss das selbst entscheiden. Wer sein Geschäft aufmachen will, der muss das selbst entscheiden. Kann doch jeder mit dem Sonntag umgehen, wie er will.“
Auf der anderen Seite nutzt aber ein bloß gesetzlicher Schutz des Sonntags auch nicht viel. Wenn es nur erzwungen ist und wir nichts mehr mit dem Sonntag anzufangen wissen, dann ist es damit schnell vorbei.
Was aber dann?
Es liegt an uns selbst. Wir, die wir heute dieses Wort Jesu hören, wir sind gefragt: Wie hältst du es mit Jesus? Ist er für dich der Herr über den Sonntag, über deinen Sonntag? Machen wir uns Gedanken darum, wie wir unsere Sonntage verbringen? Immerhin sind wir ja hier im Gottesdienst. Das ist sicher ein ganz wichtiger Punkt. Ich will nicht die „Sonntagspflicht“ für evangelische Christen einführen. Das wäre wieder Gesetz. Aber wenn uns der Glaube an Jesus als den Herrn des Sonntags und unseres Lebens wichtig ist, dann ergibt es sich doch von selbst, dass ich ein Verlangen nach dem Gottesdienst habe. Oder etwa nicht?
Am siebten Tag der Schöpfung macht Gott den Tag der Ruhe. Wenn also der Sonntag ein Schöpfungsgeschenk Gottes an uns ist, dann sollte ich Gelegenheiten der Ruhe und Besinnung schaffen. Den Gottesdienst besuchen ist eine Möglichkeit dafür. Lesen – warum nicht auch mal in der Bibel? – ist eine andere. Auch ein Spaziergang in der Natur kann solche Ruhe schaffen.
In den zehn Geboten ist der Tag der Ruhe ein Tag der Erinnerung an die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Wenn der Sonntag also ein Zeichen für die Freiheit ist, die Gott seinem Volk Israel und uns Christen schenkt, dann gilt es doch, diese Freiheit zu leben. Das kann für den, der Arbeit hat, heißen, dass es vor allem um den arbeitsfreien Tag geht. Aber auch, wer nicht arbeitet, kann Sonntag feiern. Wenn wir uns fragen, wie sich der Sonntag von den anderen Tagen unterscheiden lässt, dann wird der Sonntag wieder zum Sonntag. Ein gutes Essen mit einem schön gedeckten Tisch und am besten noch mit Freunden oder Verwandten. Wir sind doch frei dazu, das zu tun.
Die Freiheit kann aber auch umgekehrt heißen, etwas zu lassen, was man sonst immer tut: Wie wäre es damit, keine Wäsche zu waschen und aufzuhängen? Es war früher ja beinah Gesetz, dass so etwas am Sonntag nicht getan werden sollte. Heute ist das nicht mehr üblich. Oft machen wir uns keine Gedanken darüber. Sicher ist keiner ein schlechterer Christ, weil er oder sie sonntags Wäsche aufhängt. Aber wir können es doch einfach lassen, weil dann wieder mehr Sonntag wird für uns.
Am ersten Tag der Woche, den die Christen später als Sonntag feierten, ist Jesus auferstanden. Wenn der Sonntag uns also an die Auferstehung Jesu erinnert, dann ist jeder Sonntag ein kleines Osterfest. Wie wäre es damit, am Sonntag auch mal den eigenen Glauben zu feiern? Vielleicht im Gottesdienst, das habe ich schon erwähnt. Vielleicht aber auch, indem ich eine Kerze entzünde und ein Gebet spreche. Vielleicht auch gerade am Grab eines lieben Menschen und indem ich mich daran erinnere, dass Gott uns neues Leben in Jesus Christus verspricht.
Als Tag der Auferstehung ist der Sonntag auch ein Tag des Neuanfangs. Alte Kontakte neu anknüpfen, Schuld eingestehen, gegenüber Gott und den Menschen, etwas anfangen, was man sich schon lange vorgenommen hat. Warum eigentlich nicht?
Liebe Gemeinde, verstehen Sie mich nicht falsch! Es geht mir nicht darum zu sagen, dass so oder so der Sonntag gefeiert werden muss. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Darin liegt ja gerade die Freiheit, die Gott uns schenkt, aber diese Freiheit ist keine Beliebigkeit. Sie besteht gerade darin, dass wir uns bewusst entscheiden, was wir wollen und was für uns das Richtige ist.
Eine Pfarrerin erzählt, dass sie einmal mit ihren Konfirmanden und Konfirmandinnen über diesen Predigttext gesprochen hat. Die Gruppe konnte mit dem Text selbst nicht allzu viel anfangen. Am meisten interessierte die Gruppe die Geschichte von David (oder wie die Jugendlichen sagten: Däivid). Und doch haben die Konfis wohl etwas mitgenommen und gespürt von dem, was Jesus uns damit sagen will. Die Pfarrerin berichtet, dass sie einige Zeit später von einem Vater eines Konfirmanden angesprochen wurde, der sagte halb scherzhaft und doch ein wenig nachdenklich geworden: Mein Sohn hat mit mir ge-schimpft. Ich soll den Sonntag gefälligst mit ihm und meiner Frau verbringen und meine Arbeit am Computer liegen lassen. (Zum Predigttext aus: Hg. Erhard Domay, Gottesdienst Praxis Serie A, V. Perikopenreihe Band 4, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1995)
Liebe Gemeinde, lassen wir den Text und den Geist Gottes doch einfach an uns wirken. In dieser Freiheit werden wir schon merken, wann bei uns wirklich Sonntag wird. Dann können wir fröhlich singen: Gott Lob, der Sonntag kommt herbei, die Woche wird nun wieder neu. Heut hat mein Gott das Licht gemacht, mein Heil hat mir das Leben bracht. Halleluja. Amen.

Verfasser: Pfr. Uwe Hermann, Stann 13, 56477 Rennerod, E-Mail: info@kirche-rennerod.de

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