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Die wartende Gemeinde

von Charlotte Hoenen (06120 Lieskau)

Predigtdatum : 23.05.2004
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Exaudi
Textstelle : Epheser 3,14-21
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Wochenspruch:



Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12,32)



Psalm: 27,1.7-14 (EG 714)



Lesungen



Altes Testament:

Jeremia 31,31-34

Epistel:

Epheser 3,14-21

Evangelium:

Johannes 15,26-16,4



Liedvorschläge



Eingangslied:

EG 325

Sollt ich meinem Gott nicht singen

Wochenlied:

EG 128

Heilger Geist, du Tröster mein

Predigtlied:

EG 140

Brunn alles Heils

Schlusslied:

EG 130

O Heilger Geist, kehr bei uns ein



14 Ich beuge meine Knie vor dem Vater, 15 der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, 16 dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, 17 dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. 18 So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, 19 auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. 20 Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, 21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.



Liebe Gemeinde,

mit diesem Bibelwort werden wir hineingenommen in ein Gebet des Apostels für die Gemeinde in Ephesus. Es liegt in der heutigen Türkei. An sie richtet der Beter den Brief. Er ist in Bedrängnis und leidet. Er sieht sein Leiden als Ehre für die Gemeinde an, wie er zuvor schreibt: „Darum bitte ich, dass ihr nicht müde werdet wegen der Bedrängnisse, die ich für euch erleide, die für euch eine Ehre sind“ (3, 13).

Das Gebet, die Hinwendung zu Gott, ist der Ausweg für den Apostel. Seine innere geistliche Bindung an Gott ist stark – und Gott selbst ist erhaben und groß. Der Betende begegnet ihm in Ehrfurcht und Demut: er beugt die Knie und neigt sich zur Erde. Aber zugleich kann er beim Beten die Grenze zu Gott überschreiten: Er ist als Schöpfer zugleich der Vater des Himmels und der Erde. Er macht den Himmel und die Erde zu unserem Vaterland, zur Heimat. Alles Lebende wird, wie Luther es übersetzt hat: zu Kindern (V. 15)! Beten – das ist die Sprache des Menschen, die Gott entspricht. Vorausgesetzt ist das Bekenntnis des Glaubens, dass Gott der Herr des Kosmos ist, der sichtbaren und unsichtbaren Welt.

Doch hier setzen heute unsere Fragen und Zweifel an: Hält diese Gottesvorstellung unserer Kenntnis vom Kosmos stand? Sind die naturwissenschaftlichen Erklärungen der Welt nicht hilfreicher und einsichtiger? Bringen sie nicht unser Wissen besser voran als der Glaube? Die moderne Psychologie versucht alle Vorgänge im Inneren des Menschen und außerhalb materialistisch naturgesetzlich zu erklären. Für die Seele, für den Glauben und eine Beziehung zu Gott ist in diesem materialistischen Weltbild kein Platz. Das alles gibt es für viele Menschen überhaupt nicht! Glaube, Liebe und Hoffnung seien nichts anderes als emotionale Erregungen und neuronale Reaktionen. Was kann eine solche oberflächliche Sicht des Menschen bieten? Kann sie aus dem Kreislauf, der sich immer nur um uns selbst als Mittelpunkt dreht, befreien? Gibt es eine Perspektive für das Leben? Gibt es eine berechtigte Frage nach dem Sinn angesichts einer undurchschaubaren Sinnlosigkeit?

Der Sonntag Exaudi will uns Gott auf neue Weise bekannt machen. Wir werden durch das alte Gebet des Apostels von einer inneren Dynamik ergriffen, die uns in der Tiefe erfasst und zum Leben, zur Fülle des Lebens erweckt. Darüber können wir nur staunen. Damals bat der Apostel für die Gemeinde um Kraft aus dem Reichtum Gottes, durch den Geist den „inwendigen Menschen“ zu stärken. Offensichtlich gewinnen wir selbst Stärke von Innen heraus, durch die Erneuerung in der Tiefe unserer Seele, von Herz und Gemüt.

Der Apostel Paulus hatte an die Korinther geschrieben: „Darum werden wir nicht müde, sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert“ (2. Kor 4,16). Die Dynamik des pfingstlichen Geschehens, der Ausgießung des Geistes, überwindet den Geist des Verfalls und den Todesgeruch. Die Dynamik des Geistes führt Menschen zum Glauben und gründete und gründet christliche Gemeinden in der Welt. Heute sind immerhin ein Viertel der Menschheit Christen!

Wo die Erneuerung des inwendigen Menschen erfolgt, kann Christus im Herzen wohnen. Im Herzen wird die Liebe eingewurzelt und fest gegründet werden. Das beinhaltet die weitere Bitte des Apostels an die Gemeinde. Wenn die Wohnung Christi in unseren Herzen nicht nur wie eine Zweitwohnung ist, die nur ab und an einmal aufgesucht wird, dann werden alle unsere Lebensvollzüge durch ihn bestimmt! Das ist ein gutes Gefühl, unsere Entscheidungen und Lebensvollzüge von Christus bestimmt zu wissen! Aber zugleich ist es auch beängstigend, wenn nichts vor ihm verborgen bleiben kann, was wir lieber im Dunkeln belassen möchten. Aber es ist eine Täuschung, wenn wir meinen, uns vor dem Christus in uns verbergen zu können und zu müssen.

Wir werden von Christus bestimmt durch die Liebe. Liebe zu erfahren ist das Geschenk des Lebens! Die Liebe wird tief eingewurzelt und wie im Boden verhaftet, so dass sie nicht durch die Winde der Enttäuschungen und Versuchungen herausgerissen werden kann. Sie kann auch nicht durch die Gewalt des Bösen und des Leidens zerstört werden. Jeder von uns kennt Menschen, die trotz der Gewalt des Bösen und des Leidens, die Liebe im Herzen bewahrt haben.

Ziel der Fürbitte des Apostels ist die Erkenntnis der Christusliebe. Wer sie begreift, bereichert die Fülle Gottes. Er trägt zur Vollendung des Gottesreiches bei. Die Gottesfülle erstreckt sich in die Zeit, in die Zukunft, in das noch Ausstehende, nach dem wir uns ausstrecken und unterwegs sind. Räumlich kann man die Breite und Länge, Höhe und Tiefe am Kreuz Christi verdeutlichen, dessen beide Balken sowohl in alle Richtungen der Welt weisen wie auch alle Richtungen unseres Inneren umfassen.

Das ist mehr, als wir erkennen können. Das ist ein Glaube, der unsere Vernunft überschreitet. Dieser Glaube braucht immer wieder Bekenner, die den Kleingläubigen und Verzagten Mut machen. Die Nachrichtenflut von Krieg und Hass, Verlusten und Einschränkungen, Versagen und Fehlern, baut nicht auf, sondern macht depressiv und zerstört. Der Apostel kann gerade die unvollkommene leidende Welt nicht anders denken als erlöst und umgewandelt in die Gottesfülle.

Deshalb mündet die Fürbitte für die Gemeinde am Schluss des Gebets in den Lobpreis Gottes: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“ – das ist das Lob Gottes seit seiner Menschwerdung in Jesus Christus – von den Engeln den Armen und Schwachen verkündet. Hier wird zum Preis der Ehre Gottes aufgerufen in der christlichen Gemeinde und in Jesus Christus! Die Kirche hat diese Funktion verantwortlich in der Welt übernommen, das ist ihre Aufgabe und ihr Sinn. Auf diese Weise trägt sie zur kosmischen Fülle Gottes bei.

Zum Schluss hören wir einen Vers von Jochen Klepper aus dem Lied: „Der Herr ist nah“:

Wir wissen nicht den Sinn, das Ende.

Doch der Beginn ist offenbar.

Nichts ist, was nicht in deine Hände

Am ersten Tag beschlossen war.

Und leben wir vom Ursprung her,

Bedrückt uns keine Zukunft mehr.

Amen.



Verfasserin: Sup. i. R. Charlotte Hoenen, Am Hasengarten 14a, 06120 Lieskau

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