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Die zehn Gebote

von Sabine Hertzsch (Großobringen)

Predigtdatum : 08.10.2023
Lesereihe : V
Predigttag im Kirchenjahr : 18. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 2. Mose 20,1-17
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Wochenspruch: "Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe." (1. Johannes 4,21)

Psalm: 1 (EG 702)

Predigtreihen

Reihe I: Jakobus 2,14-26
Reihe II: 5. Mose 30,11-14
Reihe III: Markus 10,17-27
Reihe IV: Epheser 5,15-20
Reihe V: 2. Mose 20,1-17
Reihe VI: 1. Petrus 4,7-11

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 324 Ich singe dir mit Herz und Mund
Wochenlied: EG 414 Lass mich, o Herr, in allen Dingen
Predigtlied: EG 614 Lass uns in deinem Namen, Herr
Schlusslied: EG 157 Lass mich dein sein und bleiben

Predigttext: 2. Mose 20,1-17

1 Und Gott redete alle diese Worte: 2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. 3 Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. 4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: 5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, 6 aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. 7 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. 8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. 12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird. 13 Du sollst nicht töten. 14 Du sollst nicht ehebrechen. 15 Du sollst nicht stehlen. 16 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. 17 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

Predigt

Liebe Gemeinde,

„Wir mussten die 10 Gebote noch auswendig aufsagen, der Pfarrer hat uns im Gottesdienst dazu geprüft. Richtig aufgeregt sind wir gewesen.“ So oder so ähnlich ist immer wieder von Älteren aus der Gemeinde zu hören. Die 10 Gebote samt der Erklärungen Luthers: Was ist das? Sie bilden das erste Hauptstück von Luthers „Kleinen Katechismus“. Ein bekannter Text, ein Muss für jeden Christen. Man könnte fragen: Warum ist das so oder warum war das so? Sind die 10 Gebote wahrhaftig die Mitte unseres Glaubens?

Im Predigttext für heute werden uns die Gebote in der Weise vermittelt, wie sie Gott an Mose und das Volk Israel in der Wüste weitergegeben hat. Und Gott redete alle diese Worte: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt hat … alles, was dann folgt, steht unter diesem Anfang. Die Israeliten sind aus Ägypten geflohen. Sie sind nicht mehr Sklaven. In der Wüste nun hören sie jene gebietenden Worte. Im Niemandsland. Auf der Suche nach einer neuen Heimat. Das Volk Israel hatte Gott als einen Gott der Befreiung erlebt. Als befreite Menschen hören sie die Regeln für ein gutes Miteinander. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Knecht, Magd. Hier wird nicht infrage gestellt, dass es Knechte und Mägde gibt und also auch deren Herren, hier geht es nur darum, dass man sich diese nicht gegenseitig wegnimmt. Aufgestellte Regeln, die sich an den damaligen Verhältnissen orientieren.

Die ersten drei Gebote bedürfen einer ausführlichen Erläuterung. Viele Worte sind nötig, um das Verhältnis von uns Menschen zu Gott in eine Regel zu bringen. Ein schlichtes: Du sollst nicht … reicht nicht aus. Hier geht es um Himmel, Erde und Wasser. Hier wird Gott als rachsüchtig und strafend, aber auch als barmherzig vorgestellt. Ziemlich umständlich wird erklärt, warum der Sabbat zu heiligen sei. Das Feiertagsgebot bedurfte wohl schon damals einer ausführlichen Begründung. Wir ringen heute wieder um einen Tag in der Woche als Tag der Ruhe. Bei uns gibt es sie noch, die geschlossenen Läden am Sonntag. Der Streit um die Sonntagsruhe lebt immer mal wieder auf. „Ohne Sonntag gibt es nur noch Wochentage.“, so wirbt die Kirche.

Nach den ausführlichen ersten drei Geboten folgen sieben Gebote, kurz und prägnant, die das Verhältnis der Menschen untereinander beschreiben. In mancher Kirche sieht man Mose dargestellt mit den beiden Gesetzestafeln in der Hand, auf der einen Tafel die römischen Ziffern 1-3 und auf der anderen die Ziffern 4-10 geschrieben. Da nun heißt es, man solle die alt gewordenen Eltern ehren, nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, niemanden verleumden, sich kein fremdes Eigentum aneignen. Das klingt so einfach. Aber einfach ist es nicht. Selbst die Frage des Tötens, die man doch mit einem so klaren „Nein“ beantworten möchte, lässt sich hinsichtlich der Verteidigungssituation in der Ukraine nicht eindeutig beantworten. Was mache ich, wenn ich angegriffen werde? Halte ich die andere Backe auch hin oder setze ich mich zur Wehr?

Als Orientierung sind die 10 Gebote sicher hilfreich. Sie nehmen uns jedoch nicht ab, dass wir selbst immer wieder neu entscheiden müssen. Dazu hat Gott uns ein Gewissen gegeben.

Als „Quintessenz des Menschenanstandes“ hat Thomas Mann die 10 Gebote bezeichnet. Man kann sich schon darum bemühen, ein anständiger Mensch zu sein. Immer gelingt einem das nicht, wir scheitern, manchmal ohne, dass wir es so gewollt haben. Paulus hat das schlicht und einfach so formuliert: Das Gute, das ich will, tue ich nicht und das Böse, das ich nicht will, tue ich. Die Bibel kennt das Scheitern, auch das Scheitern an den Geboten. Wie viel wird in den Geschichten der Bibel gemordet, gebrandschatzt, gehurt und gelogen!

Unsere Welt hat sich da nicht wesentlich verändert. Menschen brechen die Gebote Gottes. Damit stellt sich die Frage: Was ist jenseits des Zaunes von Moral? Lauert dort Todesland? Oder gibt es da noch etwas? Genau wie die Menschen in den Geschichten der Bibel können auch wir in unserem Scheitern nach Gott fragen. Ich möchte sogar behaupten: Dort beginnt Evangelium. Jesus taucht dort auf, wo Gesetzesbruch vorliegt. Bei den Zöllnern und Sündern. Jenseits des Zaunes der Moral. Er hebt das Gesetzt nicht auf, auch das wissen wir. Aber er scheint gewusst zu haben um die Chance, Menschen jenseits des Zaunes der Moral zu begegnen. Da gibt es etwas den Zöllner Zachäus. Er wird als Betrüger beschrieben. In der Begegnung mit Jesus ändert er sein Leben. Er sagt: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. (Lukas 19,8)

„Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los.“ heißt es in einem Adventslied. Manchmal öffnen sich uns nach einem Scheitern Türen. Wir schlagen einen Weg ein, der sich uns ohne diese Verfehlung nicht gezeigt hätte. Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Manchmal hört man eine Stimme, die sagt: „Du bist mein geliebter Sohn/ meine geliebte Tochter, an dir habe ich Wohlgefallen.“

Die 10 Gebote sind getragen von einem, der sagt: Ich bin der Herr, dein Gott. Gott tritt mit uns in Beziehung. Dieses sich in Beziehung setzen bekommt in einer Übertragung der 10 Gebote durch den Theologen Ernst Lange ein eigenes Gewicht:

Ich, Gott, und du, Mensch,
wir gehören zusammen.
Und wenn wir zusammenbleiben,
dann wird dein Leben folgendermaßen aussehen:
Du wirst keine anderen Götter haben.
Du wirst meinem Namen Ehre machen.
Du wirst dich nicht zu Tode hetzen.
Du wirst in deiner Familie ein menschliches Leben finden.
Die 10 Gebote sind die 10 Artikel der großen Freiheit,
die Gott schenkt.

Amen.

Hinweis

Als Gebet oder Bekenntnis könnte man in den Gottesdienst das Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer einfließen lassen.

Ich glaube, dass Gott aus allem,
auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer
nicht vergeblich sind
und dass es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Sabine Hertzsch, Bad Berka


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