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ER hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben

von Rudolf Stein (Paulusgemeinde Wiesbaden)

Predigtdatum : 12.01.2014
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Epiphanias
Textstelle : 2. Korinther 4,3-6
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Predigt

von: Präd. Rudolf Stein, Wiesbaden

Hinweis: Da Epiphanias am 6.1. nicht gefeiert wurde, wird das am 1. Sonntag nach Epiphanias, 12.01.2014, nachgeholt.



Datum: 12.01.2014

Lesereihe: VI

Feiertag: 1. Sonntag nach Epiphanias

Textstelle: 2. Korinther 4,3-6

Thema: Gott hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben

Wochenspruch: Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt. (1. Joh 2,8)



Psalm: 100 (EG 740)



Lesungen

Altes Test.: Jesaja 60, 1-6

Epistel: Epheser 3, 2-3a.5-6

Evangelium: Matthäus 3, 13-17 Taufe Jesu (passend zur Predigt)



Liedvorschläge

Eingangslied: EG 66, 1,2,5,7 Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude

Wochenlied: EG 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern

oder EG 72, 1-3,5+6 O Jesu Christe, wahres Licht

Predigtlied: EG 134, 1,2,6,7 Komm, o komm, du Geist des Lebens

Schlusslied: EG 441, 1-5 Du höchstes Licht, du ewger Schein



Liebe Gemeinde,

An Weinachten hatten wir unsere Aufmerksamkeit zusammen mit den Engelchören auf die Jubelstimmung in unserem Herzen gerichtet. Heute, in der ersten Woche von Epiphanias, sind die Weihnachtslieder verklungen, die Geschenke sind ausgepackt, der Weihnachtsbaum ist entsorgt. Das Fest ist vorbei. Hat es Spuren hinterlassen? Wirken die weihnachtlichen Begegnungen noch nach? War das Fest für uns mehr als der alljährliche Höhepunkt in der Konsumwelt, mehr als ein kurzes Erschauern in der Romantik von Kerzenlicht, Filmen zum Träumen und Traditionsliedern? Haben wir erkannt, worauf es ankommt?

Es gibt viele, die das Licht, das aus der Frohen Botschaft, aus dem Evangelium leuchtet, nicht sehen können. Über diese Menschen macht sich Paulus Gedanken in seinem 2. Brief an die Korinther, 2. Kor 4,3-6:

3 Ist nun aber unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden, 4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, daß sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. 5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, daß er der Herr ist, wir aber eure Diener um Jesu willen. 6 Denn Gott, der <einst> sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, daß durch damit in uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. [letzten Vers in der Neuen Genfer Übersetzung:

Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«, der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen.]



Paulus sieht bei denen das Evangelium verdeckt, denen der ‚Gott dieser Welt’ den Sinn verblendet hat. Wer schon wenige Tage nach dem Fest den Alltag grau und trüb sieht, wer seine Arbeit ohne die Flügel heller Weihnachtsgedanken angeht, wer sich gar nach dem Bürogeruch sehnt, bei dem kann es zutreffen, daß der ‚Gott dieser Welt’ ihm die Frohe Botschaft verhüllt. Paulus nennt solche Menschen Ungläubige, nicht weil sie etwas gegen Gott hätten oder gar böse Menschen wären, sondern weil sie die Frohe Botschaft nicht hören.

Der ‚Gott dieser Welt’, das ist seit alters her der Teufel, das Wesen, das die Menschen verwirrt, das sie vom rechten Weg abbringen will. Freilich tut er das nicht mit roher Gewalt, das könnten wir leicht erkennen und uns dagegen wappnen. Der Teufel ist raffiniert, er lenkt uns ab, auf vielfältige Art: Z.B. ärgern wir uns über den Kommerz oder über den Kitsch oder über die Weihnachtschristen – und schon verschleiert der Ärger die Freude am Evangelium. Wir beklagen den Zustand der Kirche, schimpfen auf Amtsträger wie den Bischof von Limburg, jammern über die Höhe der Kirchensteuer – und schon verdrängt die Unzufriedenheit das helle Licht des Evangeliums. Aktuelles Beispiel anderer Art ist die Erklärung vieler Sternsinger für das C+M+B. Es stehe für Caspar + Melchior + Balthasar, statt richtig für Christus + Mansionem + Benedicat = Christus segne das Haus.

Wie finden wir aus solchen Fallen heraus, die der Teufel, der Menschenverwirrer, uns stellt? Lesen wir nach bei Paulus: Gott, der <einst> sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben ...“

Am ersten Schöpfungstag schuf Gott das Licht „und Gott sah, daß das Licht gut war ... und nannte das Licht Tag.“ Derselbe Gott gibt nun einen hellen Schein in unsere Herzen. Paulus vergleicht das Licht des Schöpfungstages mit dem Licht, das unsere Herzen erhellt! Das ist doch phänomenal! Da dürfen wir wohl annehmen, daß auch das Licht in den Herzen, also in der Seele, ähnlich große Macht hat wie das Licht der Sonne. Und dann hören wir, was dieses Licht unserer Erkenntnis offenbaren kann, nämlich: damit in uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Dieses Licht soll uns Erkenntnis ermöglichen von der Herrlichkeit Gottes. Wir sollen diese unvorstellbar helle Herrlichkeit Gottes erkennen!

Freilich sollen wir die Herrlichkeit nicht direkt wahrnehmen, das würde uns verbrennen, sondern wir sollen erleuchtet werden zu ihrer Erkenntnis. Erkenntnis gewinnen wir mittels des Denkens aus dem Geist. Der helle Schein in unserer Seele ist also das Geisteslicht, mit ihm sollen wir die Herrlichkeit Gottes erkennen. Damit ist uns die Methode gewiesen. Den Weg finden wir, wenn wir ans Ende des schwierigen Satzes kommen: damit in uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Das Angesicht Christi wiederum finden wir dort, wo es die verblendeten Menschen nicht sehen [im] hellen Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes, V4.

Hier schließt sich der Gedankenbogen des Paulus, denn wir sind wiederum auf das Evangelium verwiesen. Aber wir wissen jetzt, wie diejenigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, daß sie nicht sehen, wie sie sich Verstehen verschaffen sollen. Mittels des Erkenntnislichtes, also dank des Geistes, können sie, können wir das Evangelium studieren und [in dem Angesicht Jesu Christi, i.e. ] aus den Schilderungen von Jesu Leben und Wirken auf unserem irdischen Lebensfeld die Herrlichkeit Christi im geistigen Feld sehen.

‚Sehen’ an dieser Stelle hat eine doppelte Bedeutung. Zum einen können wir uns aus den Berichten im Evangelium vorstellen, wie Jesus seine Taten vollbringt und seine Worte verkündet. Zum anderen sollen wir daraus aber auch die Herrlichkeit Christi erkennen, daß Jesus Christus also aus dem ewigen Licht schöpft, aus der Herrlichkeit Gottes selbst, weil er das Ebenbild Gottes ist.

Auf diese Zweiheit in der Wesenheit des Jesus Christus weist uns die Feier von Epiphanias hin. Epiphanias heißt Erscheinung des Herrn. An Weihnachten feiern wir die Menschwerdung Gottes in der Geburt von Jesus. Das Kind in der Krippe ist ganz Mensch. Jetzt, an Epiphanias, feiern wir die Erscheinung, die Verherrlichung von Jesus in seiner Taufe, der göttliche Aspekt steht im Vordergrund. In der Lesung, Mt 3,13-17, haben wir gehört, V16: da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Hier, in diesem Augenblick empfängt Jesus den Geist Gottes aus dem Himmel. Und von diesem Tag an beginnt das Wirken von Jesus Christus auf der Erde. Später, im Jahr 451 auf dem Konzil in Chalcedon, drückt die Kirche diese Zweiheit von Krippe und Taufe in der Formel aus „Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott“.

Ein Abbild dieser Zweiheit ist heutzutage in jedem Menschen zu finden in Form von zwei Lebensfeldern. Das eine ist das weltliche, wo wir Menschen als Sinnenwesen leben, wo wir wirken und gestalten. Das andere ist der Raum der Seele, in den Gott seinen hellen Schein gelegt hat, wo das Licht des Geistes, genauer des Heiligen Geistes, leuchtet. Beide Lebensfelder wirken zusammen. Während uns aber das erste, das Sinnenfeld, das erdenhafte Feld, uns (im Wachen) bewußt ist, bleibt das zweite, das Seelenfeld, wo der Geist leuchtet, meist verborgen, er wirkt dann unbewußt.

Weil das geistige Lebensfeld meist unbewußt bleibt, kann es der ‚Gott dieser Welt’, der Menschenverwirrer, so leicht ganz verdecken. Darauf weist Paulus im heutigen Predigtwort hin und das erklärt auch, warum wir den Text nicht gleich verstehen. Denn das Verbergen des wahren Evangeliums durch die Verwirrung des klaren Denkens ist auch in unserer Zeit ein Merkmal, das uns die rechte Orientierung im Leben und im Glauben oft erschwert.

Nehmen wir das Weihnachtsfest. Auch bei der Geburt Jesu ist der geistige, der göttliche Aspekt präsent, u.a. in Form der Engel. Die Verwirrung besteht nun darin, daß heutzutage Engel einfach als dekoratives Beiwerk angesehen werden, die bis hin zu kitschigen pausbäckigen Putten heruntergekommen sind. In Wahrheit aber sind Engel mächtige herrschaftliche Wesen; sie sind unmittelbar in Gottes Auftrag tätig. Selbst ihre vielleicht bekannteste Aufgabe, die des Schutzengels, wird einfach als Zufall oder Glück abgetan. Hier wirkt dieser Verwirrteufel. Oder wenn wir unter Himmel einfach nur die blaue Atmosphäre verstehen, dann hat der ‚Gott dieser Welt’ den Lebensraum des Heiligen Geistes für unser Bewußtsein versteckt. Es ist dann kein Wunder, wenn wir das Evangelium nicht mehr verstehen.

Wir könnten allerdings fragen, warum die alte Kirche noch im Mittelalter eine regelrechte Engellehre hatte, oder noch besser direkt in der Bibel forschen, welche Aufgaben dort die Engel eigentlich erfüllen. Und auch von den Naturwissenschaftlern könnten wir verlangen, ihre Behauptungen, daß Engel Hirngespinste seien, zu erklären. Die Antworten würden den Verwirrteufel ein Stück weit entmachten. Aber kaum einer stellt solche Fragen.

Trotz der Macht des Teufels brauchen wir aber keine Angst zu haben. Denn Jesus Christus ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende, Mt 28,20. Er wirkt auf uns und für uns, er leuchtet in unseren Herzen, auch wenn wir das nicht zur Kenntnis nehmen. Wir können aber durchaus bemerken, wie das Licht in unserem Herzen leuchtet, wenn wir die richtigen Fragen stellen.

Was kann uns aus dem trüben Trott des Alltags herausreißen? Es ist die Begeisterung, aus dem Geist heraus muß gelebt werden. Unser Wirken in der Welt wird befeuert, wenn wir aus Begeisterung heraus für ein Ideal schaffen. Was läßt uns Freude im Herzen erleben bei der Arbeit oder in Begegnungen? Wenn wir aus Liebe für etwas oder für jemanden unsere Kräfte einsetzen, dann sind wir entbrannt im Herzen. [Arbeit kann praktische Hilfe sein, wenn ein aufmerksames Auge ihren Nutzen für Menschen sieht.] Alle Zufriedenheit bei unserer Arbeit lebt daraus, daß wir von ihrem Sinn überzeugt sind. Sinn aber wird gestiftet durch geistreiche Überlegungen; Schönheit wird entdeckt von dem liebevollen Blick; Wahrheit wird gefunden von dem reinen Herzen – Alle diese Gaben schenkt das Licht, der helle Schein in unserem Herzen, unser Geisteslicht.

Heutzutage muß der Mensch die Zweiheit zusammenführen: Wenn der Mensch aus dem göttlichen Geist heraus wirkt, den Gott in unseren Herzen leuchten läßt, und zugleich die materiellen Mittel der Erde maßvoll einsetzt, dann befruchten sich beide und Neues wächst. Dann wird die Gemeinschaft der Menschen in Liebe gestaltet und für diese Gemeinschaft die Erde geformt. Dann herrscht Friede auf Erden. Licht leuchtet.

Wo aber der ‚Geist der Welt’ herrscht, wo das Evangelium, die Frohe Botschaft von dem Heil für alle Menschen, verdeckt ist, wo Nutzdenken zur Mehrung von Macht, Gewinn oder Vermögen eingesetzt wird, da wird die Erde kaltschnäuzig ausgebeutet und vernutzt. Da werden keine Gemeinschaften aufgebaut, sondern Produktionsprozesse und Wirtschaftsunternehmen mit möglichst wenig Menschen darin, sodaß sehr sehr viele kein Einkommen und kein Brot haben. Da herrschen Elend und Not. Finsternis bedeckt das Land.

Nehmen wir uns ein Beispiel an Jesus Christus. Sein ganzes Tun und Reden war Wirkung des göttlichen Geistes, war Ausfluß der Liebe. Denn Jesus spricht, Joh 12,46: „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ Im Tun verwandelt sich das Licht in Liebe. Anders ausgedrückt: Wer aus dem Licht heraus handelt, der wirkt Liebe. Denn Liebe gibt es nicht theoretisch. Liebe ist immer konkret, sie besteht aus vielen Gesten, Worten, Taten – oder sie ist nicht. Und Liebe hat immer ein Gegenüber, eine Beziehung, selbst wenn die Liebe nur unvollkommen oder gebrochen ankommt. Lieben heißt Geben. Deshalb ist es so wichtig, daß wir das helle Licht in unseren Herzen kennen, denn aus ihm können wir immer neu schöpfen.

Dazu ermutigt uns auch der Wochenspruch: „Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt.“ (1 Joh 2,8) Amen

Verfasser: Prädikant Rudolf Stein, Berliner Str. 197, 65205 Wiesbaden