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Früchte des Geistes

von Reinhard Keiling (04860 Zinna)

Predigtdatum : 21.07.2002
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 8. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Römer 6,19-23
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Wochenspruch:

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,8b.9)

Psalm: 48,2-3a.9-11

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 2,1-5
Epistel:
Epheser 5,8b-14
Evangelium:
Matthäus 5,13-16

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 452
Er weckt mich alle Morgen
Wochenlied:
EG 318
O gläubig Herz, gebenedei
Predigtlied:
EG 200
Ich bin getauft auf deinen Namen
Schlusslied:
EG 157
oder EG 171
Lass mich dein sein und bleiben
Bewahre uns, Gott

Der Apostel schreibt: 19 Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit eures Fleisches willen: Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden. 20 Denn als ihr Knechte der Sünde wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. 21 Was hattet ihr nun damals für Frucht? Solche, deren ihr euch jetzt schämt; denn das Ende derselben ist der Tod. 22 Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben. 23 Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.

Liebe Gemeinde,
wir sind mitten in der schönen Sommerzeit, und so mancher nutzt diese Juliwochen für seinen Jahresurlaub. Wir genießen beim Wandern die frische Waldluft, beim Baden das klare Wasser des Meeres und das Licht langer Sonnentage.
Da ist es fast wie ein störender Missklang, das uns für die Predigt heute ein Bibeltext gegeben ist, in dem solche düsteren Worte wie Tod, Sünde und Ungerechtigkeit auftauchen!
Will uns der Apostel Paulus etwa die Lust am Leben vermiesen?
Aber da gibt es eben auch diese anderen Worte wie Gerechtigkeit, Heiligkeit und ewiges Leben. Und die hören wir schon viel lieber, weil in ihnen etwas von unseren Sehnsüchten mitschwingt: mehr Gerechtigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen, mehr von der Nähe Gottes spüren, mehr Gewissheit, dass der Tod in unserem Leben nicht das letzte Wort hat! Danach sehnen wir uns!
Wir wissen aber, dass die Wirklichkeit oft anders aussieht.
Da gibt es nicht nur die Ungerechtigkeiten in der Weltwirtschaft, welche die Entwicklungsländer immer noch mehr verarmen lässt. Da gibt es auch so viel Ungerechtigkeit hier in unserem eigenen Lande, die es zu bekämpfen gilt; denken wir nur an die ungerechte Verteilung von Arbeit: Während die einen immer mehr Überstunden anhäufen, warten die anderen Monate oder gar schon Jahre auf einen Arbeitsplatz.
Da gibt es so viel Unheiliges in dieser Welt, unserer Gesellschaft und auch in unserem ganz persönlichen Leben, da nämlich, wo wir dem Willen und Gebot unseres Gottes nicht folgen und uns dann wundern, wenn Gott uns seine Nähe entzieht.
Und da gibt es so viel Verzweiflung über Sterben und Tod, vor allem über den Tod zur Unzeit, wenn wir nur an die vielen Bilder von getöteten Kindern in den Kriegsgebieten unserer Erde denken. Kann es dort noch eine Hoffnung geben, die über den Tod hinausreicht?
Paulus wusste um diese unsere Weltwirklichkeit, denn sie war im Grunde zu seiner Zeit keine andere als heute. Aber er wusste auch darum, wie man als Christenmensch sein Leben inmitten dieser Weltwirklichkeit bestehen kann.
„Da hat dich wohl der Teufel geritten!“ – Haben Sie diesen Satz auch schon einmal gehört? Manchmal hört man ihn dort, wo ein Mensch ganz offensichtlich einer bösen Tat überführt wurde. Und fast klingt es dann schon wie eine Entschuldigung für die böse Tat. Denn eigentlich war es ja nicht der Mensch selber, der sie bewusst gewollt und ausgeführt hat, sondern eine böse Macht, die ihm dabei im Nacken saß und ihn irgendwie lenkte.
Passt auf, sagt Paulus seinen Mitchristen in der Gemeinde zu Rom: Achtet darauf, welche Macht euch im Nacken sitzt, welche euch beherrscht und antreibt, von welcher ihr euch abhängig macht. Es geht um Leben und Tod! Je nachdem, welche Macht über euch Gewalt gewinnt, wird sie euch zum Leben oder zum Tod verhelfen. Und bei Tod denkt Paulus nicht an das Sterben des Menschen – das haben wir ja alle vor uns – sondern an die Verzweiflung des ewigen Getrenntseins von Gott.
Es ist schon merkwürdig! Paulus schreibt hier doch an getaufte Christen, und da sollten doch die Machtverhältnisse geklärt sein. Hat nicht in der Taufe schon ein Herrschaftswechsel stattgefunden, und der Getaufte lebt von nun an sein Leben unter der Herrschaft Jesu Christi?
Ja, das ist wohl richtig, und doch weiß Paulus auch, dass jeder getaufte Mensch die Gnadengabe der Taufe wieder aufs Spiel setzen kann. Denn da hat es in der römischen Gemeinde offenbar Menschen gegeben, die sich ihres Glaubens sehr sicher, vielleicht zu sicher waren. Menschen, die meinten, durch die Taufe seien sie gewissermaßen schon mit einem Bein im Himmel, und was sie jetzt noch hier in ihrem irdischen Leben trieben, könnte daran auch nichts mehr ändern.
Seid euch da nicht so sicher, warnt Paulus. Denn ganz schnell könntet ihr Christus und damit die Auferstehungshoffnung wieder verlieren. Dann nämlich, wenn ihr wieder anderen Mächten als ihm allein in eurem Leben Geltung verschafft. Und ihr wisst doch noch, wie das vor eurer Taufe war, wie viel böse Dinge da in eurem Leben eine Rolle gespielt haben, weil ihr nichts anderes kanntet. Wollt ihr wirklich wieder hinter eure Taufe zurückfallen?
Liebe Gemeinde, das ist auch eine ernsthafte Frage an uns heute! Ist uns wirklich immer bewusst, dass durch die Taufe ein Herrschaftswechsel in unserem Leben stattgefunden hat? Dass uns nun nicht mehr irgendwelche Mächte im Nacken sitzen, sondern allein Christus? Nichts anderes und kein anderer soll bei uns das Sagen haben!
Aber was zeigt uns die Realität, die Wirklichkeit? Gibt es nicht doch allzu viele, die Christus diesen Platz nur am Sonntag zubilligen? Oder für ein paar wenige Minuten am Tag, wenn sie das Losungsbüchlein aufschlagen?
Da strahlen sie dann Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit aus, wie es im Episteltext für diesen Sonntag heißt. Aber dann am Montag, am Arbeitsplatz im Betrieb, am Dienstag in der nächsten Auseinandersetzung in der Familie oder Nachbarschaft, am Mittwoch beim Friseur oder im Wartezimmer des Arztes, wo man so schön über andere Zeitgenossen herziehen kann, da reiten sie dann oft ganz andere Mächte - nur nicht Christus.
Natürlich ist es klar, dass auch Christen, die aus ihrer Taufe leben, keine vollkommenen Menschen ohne Fehl und Tadel sind. Auch Martin Luther hat dies gewusst, als er in seinen Erklärungen zum Sakrament der Taufe sagte: „Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe“.
Nein, es gibt keinen frommen Automatismus nach dem Motto: Ich bin getauft, also habe ich das ewige Leben sicher in der Tasche. So ein Christsein wünschen sich zwar manche, es entspricht aber nicht dem Evangelium. Das Geschenk der Taufe will uns vielmehr immer wieder neu dazu führen, dass wir unser Reden und Handeln an Christus und seinen Worten überprüfen - so wie es Martin Niemöller empfohlen hat. Wenn es um wichtige Entscheidungen geht, können wir wie er fragen: „Was würde Jesus dazu sagen?“
Und dann Antworten zu finden - das ist in unserer immer komplizierter werdenden Welt gewiss nicht einfach. Viel zu groß und fast unüberschaubar ist das Geflecht von Abhängigkeiten geworden, denen auch wir Christen ausgesetzt sind.
Da sind die Medien, die Meinungsmacher. Glauben wir ihnen ganz unkritisch, oder fragen wir uns bei den Vorkommnissen in Politik und Wirtschaft: „Was würde Jesus dazu sagen?“
Wie oft werden vor allem bei älteren Menschen Ängste geschürt, weil fast nur noch Bilder von Verbrechen und Katastrophen ins Haus geliefert werden. Und die unzähligen Taten der Barmherzigkeit und Nächstenliebe erscheinen nur ganz am Rande.
Oder die Werbung, die uns einreden will, was wir für ein angeblich glückliches Leben unbedingt brauchen. Ja, auch Medien können über uns Macht gewinnen – und das nicht immer zu unserem Besten!
Und wie viele machen sich auch von den verschiedensten Versicherungen abhängig. Dabei lassen sie sich von der trügerischen Vorstellung leiten, wir könnten unser Leben in allen seinen Entfaltungen einhundertprozentig absichern. Das hat auch etwas zu tun mit einem Glauben, dass Geld uns das Leben sicherer macht. Ist dieser Glaube nicht am 11. September 2001 in Amerika bei dem schrecklichen Terroranschlag endgültig als ein Märchen entlarvt worden?
Und so könnten wir die Reihe der Beispiele noch fortführen. Auch die Mode, Medikamente oder die Technik sind Bereiche, wo Menschen sich in Abhängigkeiten begeben können.
Paulus gebraucht anstelle von „Abhängigkeit“ ein noch viel stärkeres Wort: Sklaverei. Wollt ihr Sklaven Gottes oder Sklaven der Sünde sein, fragt er. Wem wollt ihr die Herrschaft über euch zubilligen? Aber für getaufte Christen ist das ja eigentlich gar keine Frage mehr!
Denn – wie wir schon hörten – in der Taufe hat ja bereits ein Herrschaftswechsel stattgefunden. Nun müssen wir nur noch aufpassen, dass wir den Herrschaftsbereich Gottes nicht verlassen bzw. seine Herrschaft in unserem Leben nicht aufs Spiel setzen.
Durch die Taufe sind wir den vielen Versuchen, uns in immer neue Abhängigkeiten zu bringen, nicht mehr hilflos ausgeliefert. Gott sei Dank! Als Getaufte haben wir Ostern im Rücken, die Kraft des Auferstandenen, die uns hilft, uns nicht von der Sünde versklaven zu lassen. Nur als Sklaven Gottes sind wir in Wirklichkeit freie Menschen, nur in seinem Herrschaftsbereich gibt es gelingendes Leben, Leben im Dienst der Gerechtigkeit, wie Paulus sagt. Und solches Leben kann man heilig nennen, denn es mündet ein in Gottes Ewigkeit.
Wenn wir nun unseren Predigttext noch einmal hören, nämlich in einer ganz neuen Übersetzung*, verstehen wir ihn sicher besser als am Anfang:
Paulus schreibt:
19) Wenn ich hier von „Sklaven“ der Gerechtigkeit rede, ist das ein Vergleich, der natürlich etwas hinkt, aber weil unser menschliches Fassungsvermögen begrenzt ist, muss ich einfach Bilder gebrauchen. Früher habt ihr euch wie Sklaven in den Dienst von immer größerer Gesetzlosigkeit und Schlechtigkeit gestellt.
Wenn ihr euch jetzt wie Sklaven in den Dienst der Gerechtigkeit stellt, könnt ihr heilig werden.
20) Als ihr Sklaven der Sünde wart, gab es noch keine Verpflichtung zum Gerechtsein.
21) Der Unterschied zwischen den beiden Möglichkeiten zeigt sich am Ergebnis. Wenn ihr die Sünde wählt, kommt etwas heraus, dessen ihr euch jetzt nur schämt, und am Ende steht schließlich der Tod.
22) Jetzt aber seid ihr befreit von der Schuldhaft der Sünde und Sklaven Gottes geworden. Hier ist das Ergebnis Heiligkeit, das Ziel ist ewiges Leben.
23) Denn der Sklavenlohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod, Gott aber schenkt ewiges Leben, das uns durch den Mittler Jesus Christus unseren Herrn zuteil wird.
Amen.

* Das Neue Testament und frühchristliche Schriften neu übersetzt von Klaus Berger und Christiane Nord, Frankfurt am Main und Leipzig 2001

Verfasser: Pfr. Reinhard Keiling, Dorfstr.22, 04860 Zinna

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