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Früchte des Geistes

von Martin Bender (55128 Mainz-Bretzenheim)

Predigtdatum : 13.08.2000
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 7. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 1. Korinther 6,9-14.18-20
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Wochenspruch:

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,8b.9)

Psalm: 48,2-3a.9-11

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 2,1-5
Epistel:
Epheser 5,8b-14
Evangelium:
Matthäus 5,13-16

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 644
Nun ist vorbei die finstre Nacht
Wochenlied:
EG 318
O gläubig Herz, gebenedei
Predigtlied:
EG 166,2-4
Ich bin, Herr, zu dir gekommen
Schlusslied:
EG 320,1-2.8
Nun lasst uns Gott dem Herren

9 Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, 10 Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben. 11 Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.
12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangennehmen. 13 Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichte machen. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. 14 Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft. 18 Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. 19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? 20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

Liebe Gemeinde!
Ein hartes Wort ist es schon, das uns hier entgegenschlägt. Klar und deutlich - und ganz eindeutig sagt es uns hier der Apostel, wie wir als Christen zu leben haben. Schließlich sollen wir ja ein Vorbild für die Welt sein, unseren Mitmenschen zeigen, wie man anständig lebt. Und das nicht nur mit moralischen Worten, sondern als tägliches, sichtbares Vorbild.
“Wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? - Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Diebe noch Trunkenbolde oder Lästerer werden das Reich Gottes ererben.”
Das ist eine eindeutige Sprache. Wir wissen aus den Zehn Geboten und den Predigten Jesu und den Apostelbriefen, wie wir leben sollen, um als Christen ein anständiges Leben zu führen. Wir haben den Auftrag, der Welt zu zeigen, was Gut und Böse ist, was ein rechtes, sittliches Leben ist.
Wozu sonst ist eigentlich das Christentum gut?
Nun sagen manche Leute - und wir können das ja schon fast täglich hören - um Gutes zu tun und nach sittlichen Maßstäben zu leben, brauche man nicht jeden Sonntag in die Kirche zu gehen und sich anpredigen zu lassen.
Wozu dann solche Worte als Predigt-Text, oder was hat es sonst noch auf sich mit diesen Worten? - Ist denn die Moral das Einzige und das Entscheidende, was unser Christsein ausmacht?
Sehen wir uns einmal an, an was für eine Gemeinde dieser Brief geschrieben ist, und worauf es dem Schreiber wirklich ankommt:
Paulus war nach Korinth gekommen, in eine Hafenstadt mit allem, was eine solche Stadt ausmacht: Handel und Wandel, Geld-Verdienen und Geld-Ausgeben, Welt-Offenheit und Hafenkneipen mit dem üblichen Lasterleben.
Hier in dieser pulsierenden Atmosphäre hatte er offene Ohren gefunden. Hier waren die Menschen nicht so hochnäsig wie in dem gelehrten Athen. Da waren Seelen, die nach etwas anderem hungerten als dem schnellen vordergründigen Leben mit seinen berauschenden Pulsschlägen. Hier gab es Menschen, die spürten, dass der bisherige Inhalt ihres Lebens noch keine Erfüllung war. Erfüllung ist eben etwas anderes als Inhalt.
In dieser Stadt hatte er eine Gemeinde gegründet. Und hier gab es auch bald ein eigenständiges Gemeindeleben mit mancherlei Ausformungen und auch Widersprüchen innerhalb der Gemeinde.
Natürlich gab es auch in Korinth Tempel, denn der alte Glaube an die Götter wurde auch hier gepflegt. Aber man lebte auch in der alten griechischen Überzeugung, dass zwischen Leib und Seele eine Trennung bestünde: Entweder man führt ein Leben des Geistes, pflegt die Askese und verachtet das Leibliche. Oder man lebt in den Freuden der Körperlichkeit mit Essen, Trinken und mancherlei sonstigen Genüssen.
Damals hatte sich in der neu entstandenen Gemeinde eine andere Trennung entwickelt: Mit der Seele gehöre ich Christus, aber mit meinem Körper kann ich leben, wie es mir gefällt.
Hier setzt Paulus seinen entscheidenden Gedanken an:
“Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?”
Hier bekommt der Begriff des Tempels einen neuen Sinn. Wir kennen die Worte von Museen, Theatern und anderen Stätten des Kulturlebens als Musen-Tempel, den Kaufhäusern als Konsum-Tempeln, oder guten Speise-Lokalen als Fress-Tempeln.
Was ist eigentlich ein Tempel? - Ursprünglich war es ein Ort der Sammlung und Anbetung, ein geheiligter Ort. Die Heiden, also die Menschen, die an eine Vielzahl von Göttern glaubten, hatten oft recht menschenähnliche Vorstellungen vom Wesen und der Gestalt ihrer Götter. So glaubten sie auch, dass diese Götter - auch wenn sie für menschliche Augen unsichtbar waren - in Häusern wohnen müssten wie Menschen.
Tempel sind Orte der Verehrung. Da wohnen zwar keine Götter und Abgötter, aber es sind die Orte, an denen sich der Mensch dem zuwendet und auf das konzentriert, was ihm als das Wichtigste für sein Leben erscheint.
Wenn gutes Essen zum wesentlichen, zum bestimmenden Inhalt unseres Lebens wird, dann wird ein Speise-Lokal tatsächlich zum Fress-Tempel. Und wenn andere Dinge die Mitte unseres Lebens ausmachen, dann werden die Gebäude, die diesen Zwecken dienen, zu Tempeln der Abgötterei.
Das können auch luxuriöse Wohnungen sein oder schnelle Autos oder sportlicher Ehrgeiz oder allgemeiner beruflicher Erfolg und Ansehen vor den Menschen.
In Korinth pflegte man damals ein in mancherlei Hinsicht genussreiches Leben zu führen. Da wurde der Leib des Feinschmeckers oder des Unersättlichen leicht zum Tempel der Völlerei oder eines anderen Genusses.
Dass das alles nicht der wahre Inhalt eines Lebens sein konnte, das wusste man auch aus dem nahegelegenen Athen, wo die Askese als bedeutende Ausdrucksform eines geistigen Lebens galt. Aber was hatte man sonst vom Leben außer den Freuden der irdischen Genüsse? - Und: Gab es außer den beiden Extremen denn wirklich keinen vernünftigen Mittelweg?
In eine solche Atmosphäre hinein hatte Paulus die Botschaft vom auferstandenen, lebendigen Christus gebracht. Doch er hatte nicht einfach nur die irdischen Freuden den Menschen ausgeredet mit wohlklingenden Sprüchen, sondern er hatte Freiheit gepredigt. Und das tut er auch hier in unserem Brief-Abschnitt.
“Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient mit zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangennehmen.”
Es ist eben doch ein Unterschied zwischen einem Tempel und einem Gefängnis. Jesus hat uns den Weg gezeigt, wie man ohne Befangenheit, ohne Gefangensein in weltlichen Regeln und Verhaltensmustern sein Leben in Freiheit gestalten kann.
Was bedeutet das für uns Menschen von heute in unserer heutigen Welt? - wir kennen die Reklame, die uns täglich einreden will, dass nur Jugendlichkeit und Fitness einen Wert habe, dass nur der Mensch etwas tauge, der fit ist. Da gibt es die modernen Folterkammern - genannt Fitness-Studios -, in denen man den Götzenbildern des aktiven Körpers huldigt, seine Muskeln stählt, um damit renommieren zu können. Denn für einen Beruf oder eine andere Verpflichtung brauchen die wenigsten eine derartige Ertüchtigung. Oft geht es um die Kompensation von Überfütterung und Bewegungs-Armut. - Und wo es noch einfacher und bequemer zugehen soll, da werden Schlankheits-Pillen angeboten, die eine abgöttische Traumfigur versprechen, natürlich ganz ohne Verzicht auf Ess-Genuss.
Und dann sind da all die vielen Kosmetika, mit denen der ältere Mensch sich einen Anstrich von Jugendfrische verleihen soll. Wenn schon die Realität nicht mehr dem Anspruch an Jugendfrische entspricht, dann wenigstens die Fassade.
Wo bleibt da eigentlich die Achtung von den Menschen und das Selbstbewusstsein derer, die ein ehrbares und arbeitsreiches Leben hinter sich gebracht haben, denen man dies ansieht?
Es soll hier keineswegs eine vernünftige Körperertüchtigung und Gesundheitspflege in Frage gestellt werden, denn sie ist - gerade im Hinblick auf unseren Bibeltext - unverzichtbar. Es geht nur um die Übertreibung, um die Überbetonung der körperlichen Fitness. Und auch eine vernünftige Pflege des Äußeren hat ihre Berechtigung, ja, ihre Notwendigkeit. Aber sie soll nicht in den Vordergrund des Denkens und Strebens geraten.
Ohne Körper können wir nicht leben - jedenfalls nicht in dieser Welt, in die wir von Gott gestellt sind.
Wenn wir Ja sagen zu unserem von Gott geschenkten Leben und unserer Existenz, dann müssen wir uns auch dessen bewusst sein, dass wir in dieser Existenz zu stehen haben, dass wir auch den Regeln dieser Existenz unterworfen sind.
Das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir damit auch den Regeln dieser Welt mit all ihren Entartungen total unterworfen sein müssten.
Eine solche Entartung ist auch die weitverbreitete Meinung, dass behindertes oder von Krankheit oder Behinderung gezeichnetes Leben kein vollwertiges Leben sei, weil es irgendwelchen gängigen Normen nicht entspricht. - Wer hat eigentlich das Recht, solche Normen aufzustellen? Und wer wagte es, darüber zu urteilen, wozu ein Leben tauglich sein müsste? Es wäre eine grässliche Überbetonung und Missbetonung des Körpers mit der gotteslästerlichen Anmaßung, über Gottes Werk zu urteilen!
In der Schöpfungsgeschichte heißt es, dass wir zu Gottes Ebenbild geschaffen sind. Das ist Zusage und Verpflichtung zugleich. Und gerade das meint der Apostel, wenn er uns deutlich macht, dass unser Leben ein Tempel des Heiligen Geistes sein soll.
Der Geist allein kann nichts bewirken; er braucht dazu immer einen Körper, er braucht eine Wohnung.
Wir sind von Gott dazu erschaffen, seinem Geist den Raum zu geben, den Körper zur Verfügung zu stellen, dessen er bedarf, seinen Willen Wirksamkeit werden zu lassen. Mit unserem Körper dienen wir entweder Gott oder Götzen. Wir haben die Wahl.
Hier wird der altgriechische Gegensatz, die Trennung zwischen Körper und Geist aufgelöst. Und damit wird auch der Zwang aufgehoben, uns zu entscheiden zwischen einem körperfeindlichen oder einem körperbetonenden Leben.
Die Entscheidung ist jetzt anders: zwischen einem Tempel für Gottes Geist und seinem Willen oder dem Tempel für den Götzendienst, der auch heute mancherlei Formen annehmen kann.
Wir dürfen uns freuen an den Genüssen, die uns dieses Leben bietet. Aber wir wissen dabei, dass dies nicht das Einzige ist, sondern dass da noch mehr für uns bereitsteht. So sind wir nicht mehr der Gefahr oder dem Zwang verfallen, unser Leben ganz in das eine oder andere Extrem zu lenken oder lenken zu lassen.
Die Freiheit, die uns geschenkt ist, birgt auch die Verpflichtung in sich, verantwortungsvoll mit allem umzugehen, was uns anvertraut ist.
“Alles ist uns erlaubt, aber es soll uns nichts gefangennehmen.”
Das ist das Schlüsselwort. Wir haben die Freiheit, uns zu entscheiden. Und diese Freiheit macht unser Leben lebenswert. Amen.

Verfasser: Prädikant Martin Bender, Südring 98, 55128 Mainz

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