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Für euch dahingegeben

von Eberhard Bürger (39619 Arendsee)

Predigtdatum : 26.03.2006
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Okuli
Textstelle : Philipper 1,15-21
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Wochenspruch:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24)
Psalm: 84,6-13 (EG 734)

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 54,7-10
Epistel:
2. Korinther 1,3-7
Evangelium:
Johannes 12,20-26

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 168,1-3
Du hast uns, Herr, gerufen
Wochenlied:
EG 98
oder EG 396
Korn, das in die Erde
Jesu, meine Freude
Predigtlied:
EG 398
In dir ist Freude
Schlusslied:
EG 168,4-6
Wenn wir jetzt weitergehen

15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: 16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; 17 jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. 18 Was tut's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.
Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; 19 denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, 20 wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. 21 Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.
Vorbemerkungen
Paulus ist der Gemeinde in Philippi mit besonderer Herzlichkeit verbunden. Wo er zur Zeit des Briefes in Gefangenschaft ist, lässt sich nicht mehr sicher ermitteln. Doch sein Lebenswerk, nämlich die Verkündigung, dass die Gemeinschaft mit Jesus Christus ewiges Leben bedeutet, ist durch die Gefangennahme fast unmöglich geworden.
Bei der Auseinandersetzung mit anderen Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst benennt er die unterschiedlichen Motive – und kann von sich selbst absehen. Sein Lebenswerk wäre zunichte gemacht, wenn Christus nicht mehr verherrlicht würde. Entscheidend bleibt, dass die befreiende Botschaft von Jesus Christus auch über die Ohnmacht des Gefängnisses und die Auseinandersetzung unter Mitarbeitenden, ja sogar über seinen Tod hinaus weiter in alle Öffentlichkeit getragen wird.
Die hier zitierten Bibelstellen zu „zuschanden werden“: Psalm 25,2 und Jesaja 50, 9
Zur Aussprache; Taizé = täsé
Frère Roger Schutz = frär Roché Schütz
Das Buch „Vom alltäglichen Charme des Glaubens“ stammt von Fulbert Steffensky und enthält u. a. Beiträge zu Beten, Wunder, Gottesdienst
Liebe Gemeinde,
Was tun Sie, wenn nicht alles so läuft, wie geplant?
Was tun Sie, wenn in der eigenen Lebensgeschichte plötzlich ein Bruch sichtbar wird:
* Eine Krankheit kommt unerwartet, die Arbeit ist verloren,
* eine Beziehung gerät in die Krise, jemand enttäuscht Sie,
* wofür Sie lange Jahre gelebt haben – alles zerrinnt zwischen den Fingern.
Wie reagieren Sie?
Einige reagieren frustriert und voller Zorn, andere verschließen sich und fressen die Not in sich hinein, wieder andere bringen es fertig, gelassen und gefasst zu bleiben, einige lassen das alles gar nicht an sich heran. So verschieden, wie wir sind, reagieren wir auch auf die heftigen Herausforderungen des Lebens.
Bei Paulus läuft auch nicht alles glatt. Jetzt, wo wir ihm begegnen, sitzt er im Gefängnis. Gefängnis zu römischer Zeit, das war alles andere als ein Palast.
Mehr noch: Das Evangelium weiter zu geben, daran lag Paulus so sehr. Jetzt tun das Leute, um ihm zu schaden oder irgend etwas zu beweisen. Das schmerzt, wenn einem die wichtigste Sache im Leben von Leuten entrissen wird, die damit ganz andere Interessen verfolgen. Schließlich, als sei das alles noch nicht genug: Paulus erwartet bald sein Urteil - und das kann mit der Hinrichtung oder mit dem Freispruch enden. Der Ausgang ist völlig ungewiss. Bei Paulus läuft durchaus nicht alles glatt.
Wie reagiert er?
Im Gefängnis, der Willkür von Menschen ausgeliefert, macht er gar nicht den Eindruck eines Ohnmächtigen. Er schreibt einen Brief. Er hat etwas weitergeben. – Und in der Spannung zwischen denen, die „Christus aus Neid und Streitsucht“ predigen und den anderen, die das „aus guter Absicht“ tun, in dieser Spannung tut er zweierlei: Er stellt die verschiedenen Beweggründe klar – und schließt: „Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.“ Woher bekommt er nur so ein weites Herz?
Auf das bevorstehende, ungewisse Urteil reagiert Paulus mit den Worten: „Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn.“ Da fehlt die Todesangst nicht nur, das Sterben wird für ihn sogar zum Tor, hinter dem er sehen kann, was er hier glaubt. Was für ein Gewinn! Bei Paulus läuft durchaus nicht alles glatt. Wie reagiert er?
Mit einem Glauben, der ihn im Gefängnis frei sein lässt, in der Auseinandersetzung gelassen, in der Ungewissheit vor dem Urteil heiter. Die Freude ist der Grundton seines Briefes an die Frauen und Männer in Philippi.
Was bringt Paulus zu einer solchen Art zu glauben? Er antwortet selbst: „Ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi...“
Euer Gebet als Gemeinde in Philippi stärkt meinen Glauben. Der Beistand des Geistes Jesu Christi stärkt meinen Glauben.
Womit kann ich solchen Glauben vergleichen?
Wer von Ihnen an der Elbe war, der kennt sie, die Fähren, die Menschen und Autos und Lasten von einem Ufer zum anderen übersetzen. Wie gut, dass es diese Fähren gibt. Einige Fähren haben gar keinen Motor. Sie sind an einem Seil festgebunden, das 50 oder mehr Meter weiter am Ufer befestigt ist. Dieses Seil hält das Fährboot fest und gibt ihm die Kraft, gegen die Strömung stand zu halten. Der Fährmann dreht das Boot dann so, dass die Strömung das Schiff zum einen oder anderen Ufer bringt.
Damit vergleiche ich den Glauben. Das Lebensschiff des Paulus ist ganz woanders fest verankert. Ein dickes Seil aus dem Gebet der Gemeinde und dem Beistand des Geistes Jesu Christi verbindet Anker und Schiff untrennbar fest. So stark sind Anker und Seil, dass Paulus als Gefangener durch den Glauben innerlich frei wird und Briefe schreibt. In der Auseinandersetzung gewinnt die Freude die Oberhand. Und in der Ungewissheit des bevorstehenden Gerichtsurteils werden Angst und Sterben für ihn das Tor zum Leben.
So stark der Glaube auch ist, Paulus lässt dann doch seine tiefste Anfechtung durchblicken: „Ich warte und hoffe sehnlich, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen... Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, sei es durch Leben oder durch den Tod.“ Davor hat er Angst, „zuschanden zu werden.“
Wer von Ihnen mehr in der Bibel nachschaut, entdeckt: Diese Angst haben viele mit ihm geteilt: „Lass mich nicht zuschanden werden“, betet ein Psalmbeter. „Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden“, bekennt einer, als er verspottet und geschlagen wird. „Zuschanden werden“, beschämt werden bis in die Tiefe der Seele, das ist mehr als Sterben und tödlicher als der Tod. Wer zuschanden wird, dessen Leben ist gescheitert und ausgelöscht. Worauf ich vertraut habe, das war eine Luftblase. Wovon und wofür ich gelebt habe, meine Person und meine Worte, alles zerstört.
Davor hat Paulus Angst. Für ihn wird diese Angst überwunden, weil er spürt: Selbst hier in der eigenen Ohnmacht wird Christus verherrlicht.
Erinnern Sie sich noch? Vor etwa einem dreiviertel Jahr ist der Gründer der Bruderschaft von Taizé, Frêre Roger Schutz, umgekommen. Bei einem Abendgebet in der Versöhnungskirche von Taizé trafen ihn die tödlichen Messerstiche. Alle waren entsetzt. Ein Augenzeuge schreibt:
„Das Erstaunliche: Die Versöhnungskirche wurde nicht zum ‚Un-Ort’, sie wurde neu gefüllt von den Gesängen und Gebeten wie mit einem Weihrauch, den kein Mensch aus sich hervorbringen kann, der nur das göttliche Geschenk an eine Gemeinschaft sein kann.... Für manchen von uns wurde das vielleicht zu einem neuen Erlebnis des Umgangs mit dem Tod.
Eine Erwachsenengruppe wollte aus Verbundenheit einem der Brüder von Taizé spontan ein Geschenk machen - eine schöne Geste. Der Bruder schlug umgehend vor, dieses Geschenk an die Mutter der Attentäterin weiter zu geben. Das hat die Anwesenden sehr berührt.“
Roger Schutz wurde ums Leben gebracht, doch er wurde nicht zuschanden. Sein Leben hat das Licht Jesu aufleuchten lassen, sogar über seinen Tod hinaus. Mit Paulus hat er die Hoffnung geteilt: Der Tod ist das Tor zum neuen Leben – mit Christus. Das gehört zu den Wundern des Glaubens, mitten in einer zutiefst misslichen oder gefahrvollen Lage die tiefste Geborgenheit zu spüren und aus ihr heraus Freude zu erleben.
Paulus – Frère Roger – das sind nicht wir, Sie nicht und ich nicht. Unser Glaube bewegt sich oft zwischen Zweifel und Nachlässigkeit und Treue und ...
Kein Glaube gleicht dem anderen, und es führt nicht weiter, sich zum Nacheifern zu zwingen. Da weist der Titel eines kleinen Büchleins in so ganz andere Richtung: „Der alltägliche Charme des Glaubens“. Glaube soll etwas mit einem alltäglichen Charme zu tun haben? Mit Anmut und Liebreiz und einer bezaubernden Weise zu leben?
Da frage ich wieder: Ist mein Glaube so? Doch noch bevor ich eine Antwort finde, unterbricht mich jemand: Weshalb ist dein Glaube so wichtig? Ist nicht das Seil für die Fähre entscheidend? Gott hat dir von anderer Stelle aus das Seil zugeworfen, das ist entscheidend, nun mache dich damit fest, damit dich der Strom nicht wegschwemmt. Und dann besteht das Seil auch aus den Gebeten der anderen, die für dich beten.
Ich merke: Wenn ich auf dieses Seil sehe, kann ich auch wieder die Angst verlieren. Der Strom spült mich nicht weg. Ich spüre, wie meine Kraft durch dieses in Gottes Liebe verankerte Seil und die Gebete anderer mich hält, mich wachsen lässt. Ab und zu kann ich sogar eine Last tragen – und zum anderen Ufer bringen.
Wussten Sie schon, dass Jesus Christus so ein Seil für Sie bereit gelegt hat?
Glauben heißt, sich festmachen daran. Amen.

Verfasser: Pfr. Dr. Eberhard Bürger, 39619 Arendsee, Am Markt 2

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