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Gott heilt Leib und Seele

von Reinhard Süpke (Oldisleben)

Predigtdatum : 02.10.2016
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 18. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 2. Korinther 9, 6 + 7
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Wochenspruch:
„Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ (Jeremia 17, 14)
Psalm: 32, 1 - 5.10 - 11 (EG 717)

Lesungen
Altes Testament: 2. Mose 34, 4 - 10
Epistel: Epheser 4, 22 - 32
Evangelium: Markus 2, 1 - 12


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 295 Wohl denen, die da wandeln
Wochenlied: EG 324 Ich singe dir mit Herz und Mund
Predigtlied: EG 502 Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit
Schlusslied: EG 508 Wir pflügen und wir streuen


Predigttext 2. Kor. 9, 6 - 7
„Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“


Predigt

Liebe Gemeinde,

ein amerikanisches Schiff ortet ein fremdes Objekt, das seinen Weg versperrt. Der US-Kapitän funkt: "Bitte ändern Sie Ihren Kurs 15 Grad nach Norden, um eine Kollision zu vermeiden." Antwort: "Ich empfehle, Sie ändern Ihren Kurs 15 Grad nach Süden, um eine Kollision zu vermeiden." Amerikaner: "Dies ist der Kapitän eines Schiffs der US-Marine. Ich sage noch einmal: Ändern Sie Ihren Kurs!" Antwort "Nein. Ich sage noch einmal: Sie ändern Ihren Kurs!" Der Amerikaner wird wütend: "Dies ist der Flugzeugträger 'USS Lincoln', das zweitgrößte Schiff in der Atlantikflotte der Vereinigten Staaten. Wir werden von drei Zerstörern, drei Kreuzern und mehreren Hilfsschiffen begleitet. Ich verlange, dass Sie Ihren Kurs 15 Grad nach Norden, das ist Eins-Fünf-Grad nach Norden, ändern, oder es werden Gegenmaßnahmen ergriffen, um die Sicherheit dieses Schiffes zu gewährleisten!" Antwort: "Dies ist ein Leuchtturm. - Sie sind dran."

Wir feiern Erntedankfest. Dieses Fest ist immer ganz nah am Tag der deutschen Einheit. Merkwürdig, nicht wahr? Manchmal fallen das Erntedankfest und der Jahrestages der Wiedervereinigung Deutschlands sogar zusammen. Dieses Jahr nicht, dafür haben wir aber ein verlängertes Wochenende! Ein Grund, dankbar zu sein und auszuschlafen!

Erntedank und Tag der Deutschen Einheit sind merkwürdige Feste. Merkwürdig im besten Sinn des Wortes: Diese Feste sind würdig, dass wir sie uns merken. Dass wir an ihnen etwas Wichtiges bedenken. Bei beiden Festen bedenken wir das Prinzip von Saat und Ernte.
Die Landwirte wissen, dass sie reichlich und rechtzeitig säen müssen, um zu ernten. Aber sie wissen auch, dass sehr viel nicht von ihnen abhängt. Es gibt Umstände, die liegen nicht in unserer Macht. Das wird uns deutlich, wenn wir an die Ernte dieses Jahres denken. Wie gut war sie in diesem Jahr? Es gab Jahre, die waren auch in unserem Land verheerend! 2010 zum Beispiel: 2/3 des Getreides waren damals nur noch als Futtergetreide zu gebrauchen. Was das für manchen Landwirt bedeutet, kann sich jeder denken! Sachsen wurde von einem katastrophalen Hochwasser heimgesucht. Auch die Obsternte war alles andere als gut. Der Mai war so kühl und nass, dass die Bienen nicht geflogen sind. [hier können gegebenenfalls aktuelle Daten aus dem Jahr 2016 eingetragen werden]

Auch im persönlichen Leben, in der Familie und in unserem Land ist es wichtig, Gutes reichlich zu säen. Sehr viel hängt von uns ab, was wir an Gedanken, Worten, Taten säen und säen lassen. Wer mit solchen „Samen“ knausrig umgeht, muss sich nicht wundern, wenn wenig aufgeht und wenig wächst, auch in den Beziehungen untereinander.

In der großen Geschichte steht vieles nicht in unserer Macht. Wir können z.B. Flüchtlingsströme nicht lenken. Aber wir können entscheiden, wie wir den Menschen begegnen, die bei uns Hilfe suchen. Da können wir Gutes reichlich säen.

Das haben viele von uns schon getan, damals, vor über 25 Jahren. Damals ging auch eine gute Saat auf. Besser als erwartet!

Wir könnten auch sagen: Am 3. Oktober feiern wir das Ende eines Staates, der so stur war wie der Kapitän dieses US–Schiffes. Ersparen wir uns die Einzelheiten! Das Volk wollte nicht mehr so, wie es sollte. Die einen liefen weg. Die anderen haben den Funktionären zugerufen: „Ändert euren Kurs – denn wir sind das Volk!“

Wie dankbar waren wir, die wir das miterlebt haben, für diese friedliche Wendung in der Geschichte! Wie dankbar waren wir, dass wir einer Katastrophe entgangen sind! Wie dankbar waren viele für die Wiedervereinigung! - Aber wie dankbar sind wir ein viertel Jahrhundert später? Es wäre doch ein spürbares Zeichen der Dankbarkeit, wenn wir jetzt Gutes säen unter denen, die es am dringendsten brauchen. Wenn Sie heute ein Reporter ansprechen würde: „Ist Ihnen zum Feiern zu Mute?“ – was würden Sie antworten? Begehen wir diesen Tag in Dankbarkeit oder in Bitterkeit? Warum danken die Einen – warum klagen die anderen?

Halten wir erst einmal fest: Gott sei es gedankt – wir leben in einem Land, in dem jeder frei sagen darf, was er oder sie denkt und fühlt. Keiner muss sich irgendeinem staatlich verordneten Jubel anschließen. Selbst die, die vorher die DDR–Führung auf den Mond schießen wollten ohne Rückfahrkarte und die heute die DDR nostalgisch so wunderbar finden – selbst die brauchen keine Repressalien zu fürchten.
Aber ist das schon alles? Viele beklagen in Gesprächen die Kälte in dieser Gesellschaft. Manchmal sitzen wir zwischen den Stühlen: Einerseits sind wir dankbar für die Freiheit. Nicht zuletzt für die Meinungs- und Glaubensfreiheit, in der unsere Kinder und wir selbst leben dürfen. Andererseits hört man in Gesprächen, wie Menschen auch heute wieder unter der Gesellschaft leiden. Wir brauchen nur an die Menschen zu denken, die mit Hartz IV zurechtkommen müssen.

Andere halten mit ihrer Meinung hinter dem Berg, weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Einerseits sind wir froh, dass wir einen Staat hinter uns gelassen haben, der uns im Griff hatte.

Andererseits wird immer wieder gefragt: „Was machen die da oben? Interessieren die sich noch für die „kleine Leute“ wie uns? Gleichen die nicht bald auch dem Kapitän des Schiffes, das auf den Leuchtturm zufährt – und eigentlich den Kurs ändern müsste?“

Wir klagen über diese Gesellschaft. Aber wir vergessen oft, dass diese Gesellschaft auch aus uns besteht! Wie viel Herzlichkeit, wie viel Wärme setzen selber wir der Kälte entgegen? Wo rufen wir nach „denen da oben“, wenn es auf uns ankäme? Fragen wir danach, ob wir nicht den Kurs ändern sollten?

Anders gefragt: Welche gute Saat säen wir durch unser Leben aus? Keine Angst, das wird jetzt nicht eine Rede „zur Lage der Nation“. Es geht darum: Was macht unser Herz stark in dieser Zeit? Was macht unsere Herzen stark, egal was für Zeiten noch kommen?

Unsere Herzen werden stark, wenn wir Gutes säen; und das reichlich. Paulus hat die Christen in Korinth gebeten, sich an einer Sammlung für die verarmte christliche Gemeinde in Jerusalem zu beteiligen.

Darum schreibt er: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

Die Leser seines Briefes in Korinth hätten auch sagen können: „Was gehen uns die Leute in Jerusalem an? Wir haben gehört, die hätten eine Kommune gemacht und haben nicht richtig gewirtschaftet mit ihrem Geld. Außerdem müssen wir selber in diesen Zeiten unser Geld zusammen halten. Und wer weiß, ob das Geld auch ankommt und ob die dort vernünftig damit umgehen!“

Paulus erinnert hier an Saat und Ernte: Wenn der Bauer mit der Saat knausert, wird wenig daraus. Aber wer beim Säen auf den Segen Gottes vertraut, wird durch den Segen Gottes auch ernten. So ist es auch hier: Wer sich mit seinen Gaben für die einbringt, die Hilfe brauchen, soll sich nicht sorgen, ob die Empfänger was Ordentliches daraus machen. Sondern soll im Vertrauen das geben, was in seinen Augen das Beste ist im Moment.

„Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“

Das gilt nicht nur beim Spenden für Bedürftige. Das gilt auch, wenn wir uns engagieren für eine Sache, deren Ausgang ungewiss ist. Wer sich zum Beispiel in einer Bürgerinitiative einbringt, will etwas verhindern oder etwas erreichen. Und dann stößt man an die Grenzen dieser Gesellschaft, zum Beispiel die Bürokratie.

Wenn wir uns für Flüchtlinge engagieren, stößt man auch auf Unverständnis.
Aber dann dürfen wir vertrauen: Das Entscheidende ist, dass ich mich einbringe. Egal, was es am Ende bringt. Ich säe das aus, was ich in meinem Herzen als richtig erkannt habe. Ich schlage den Kurs im Leben ein, den mir mein Glaube vorgibt. Und ich vertraue dem Segen Gottes. Ich vertraue darauf, dass ER mich liebt. Das macht das Herz stark. Und fröhlich obendrein. Teilen macht Spaß. Gaben teilen, Güter teilen macht das Herz frei und fröhlich.

Interessanterweise wird das in der Bibel immer wieder mal so auf den Punkt gebracht: Gottes Wege zu gehen, Seinen Kurs einzuschlagen, macht uns stark.

Beim Propheten Jesaja lesen wir: „O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen.“ (Jes 48,18) Eine großartige Zusage Gottes: Wer sich in seinem Leben an Gottes Geboten orientiert, findet für sich Frieden, der stark ist wie ein Wasserstrom.

So ein Frieden macht stark für die Zukunft! Vergessen wir nicht, dass Jesus Christus uns das vorgelebt hat. ER ging seinen Weg, die Liebe Gottes wie eine Saat auszusäen unter die Menschen.

Was hat es IHM gebracht? Aus seinen Jüngern wurden Feiglinge, die wegliefen. Aus seinen Fans, die ihn bejubelt haben, wurden die Gaffer unter dem Kreuz. Aus den Selbstgerechten, die ER zur Liebe führen wollte, wurden seine Ankläger. Und Gott, sein Vater, wurde IHM fremd, als ER am Kreuz starb. Aber es kam der dritte Tag. Jesus ist auferstanden. Gott hat dadurch gezeigt, dass es nie umsonst ist, im Segen reichlich Gutes zu säen.

Es ist nie vergeblich, den Kurs immer neu an Jesus Christus auszurichten. Wie kann das praktisch aussehen?
Das gelingt, wir beten – allein und in Gemeinschaft. Und wenn wir den Rat der Mitchristen suchen.

Wenn wir die Bibel lesen – allein und in Gemeinschaft. Wer die ganze Bibel zu monumental findet, ist mit den Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine mehr als gut beraten.

Es ist bewegend, wie Menschen sich Tag für Tag durch diese Losungen bewegen dazu lassen, ihren Lebenskurs im Alltag oder in Krisenzeiten an Jesus Christus auszurichten. Hier sei nur an Dietrich Bonhoeffer erinnert. Er bekam 1939 die Möglichkeit zu einer Vortragsreise in die USA. Er hätte die Möglichkeit gehabt, dort zu bleiben, bis das Regime zusammengebrochen und der bevorstehende Krieg zu Ende gewesen wäre. Aber im Gespräch mit den Losungen hat Bonhoeffer darum gerungen, was der richtige Weg für ihn sei. Er entschied sich, nach Deutschland zurückzukehren. Wir wissen einerseits, wie es ausging. Aber wir wissen auch von seinem Glauben, der ihn getragen hat bis zuletzt. Weil er sich von der Zuversicht getragen wusste: Gott hat sein Liebstes mit uns geteilt. „ER hat auch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern IHN für uns alle dahin gegeben.“(Römer 8,31) Darum sind wir getragen auch in leidvoller und schwerer Zeit. Und nichts, was wir auf diesem Weg säen, wird umsonst sein. Es ist der Weg hinter Jesus her. Durch IHN schenkt uns Gott seine Liebe. Auf diesem Weg lebt in uns die Zuversicht: Wir sind von Gott geliebt!
Amen


Verfasser: Pfarrer Reinhard Süpke
Karl-Liebknecht-Straße 12, 06578 Oldisleben

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