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Gott rettet

von

Predigtdatum : 30.01.2011
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Letzter Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : Matthäus 14,22-33
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Wochenspruch: „Kommt her und seht an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an Menschenkindern.“ (Ps 66, 5)

Psalm: 107, 1 – 2.23.32

Lesungen
Altes Testament: Jesaja 51, 9 – 16
Epistel: 2. Korinther 1, 8 – 11
Evangelium: Markus 4, 35 – 41


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 454 Auf und macht die Herzen weit
Wochenlied: EG 346 Such, wer da will
Predigtlied: EG 366,1-4 Wenn wir in höchsten Nöten sein
Schlusslied: EG 175 Ausgang und Eingang




Vorgedanken:

Die Frage, ob diese Geschichte „echt“ so passiert ist, ist nicht nur eine Frage von Kindern. Diese Predigt geht auf die Frage nicht
direkt ein. Denn die Frage, ob diese Geschichte „echt“ so passiert sein kann, entspricht der Frage, ob es sein kann, dass Wasser einen Menschen trägt. Das hilft nicht weiter. Es geht nicht darum, ob diese Geschichte „echt“ so passiert ist und nicht um die Frage, ob Wasser theoretisch einen Menschen trägt. Es geht darum, dass das Vertrauen zu Gott in solchen Momenten wachsen kann, in denen alles andere unklar ist.

„So ist die Geschichte Verheißung für ihren Gehorsam und Aufruf zu immer neuem Glauben, der sich im Gebet ‚Herr, rette‘ auf die Macht des Herrn ausrichtet. So ist Jesu Ruf in die Nachfolge, sein Zuspruch an den Glauben, sein rettendes Helfen gegenüber dem Versagen seiner zweifelnden und kleingläubigen Jünger das Entscheidende.“
Eduard Schweizer, NTD, z. St.


Liebe Gemeinde,

eine Vogelmutter schubst die groß gewordenen Küken aus dem Nest. „Auf, fliegt!“
Ein Trainer schickt die Spieler auf Spielfeld. „Los, jetzt seid ihr dran!“
Ein Lehrer sagt: So, jetzt habe ich es erklärt – „Daniel komm vor, hier steht die Aufgabe an der Tafel. Zeig, was du kannst.“

Das Leben ist doch hart. Es könnte so schön sein. Wenn man im gemütlichen Nest bleiben könnte. Man wird versorgt mit Würmern, die einem in den Schnabel hinein gereicht werden. In der Kabine des Fußballstadions könnte man über die Aufstellung und die bestmög-liche Taktik hervorragend diskutieren – keine Frage. Und die Auf-gaben an der Tafel zu lösen, ist doch wirklich nichts, was die Welt braucht!

Es könnte doch so schön sein, aber das Leben schubst uns raus. Immer wieder. Sprung ins Ungewisse. Stunde der Wahrheit. Moment der Entscheidung. Jetzt gilt es.

Wir begegnen heute einer Geschichte, die um das Vertrauen eines Menschen ringt. Und das Vertrauen entsteht nicht da, wo wir eingewickelt von Wärme und Schutz sind, sondern entsteht da neu, wo es eben fehlt, wo alle Signale auf rot stehen, wo die Angst um sich greift. Wo alle Sicherungssysteme ausgeschaltet sind und es nur noch darauf ankommt, was ich jetzt tue.

Alles beginnt damit, dass Jesus seine Jünger ans andere Ufer schickt. Das „andere Ufer“ ist, von Kapernaum aus gesehen, immer das Ufer unterhalb der Golanhöhen. Scharfe Fallwinde können innerhalb kurzer Zeit den friedlich beschaulichen See toben lassen. Es kann gefährlich werden. An das andere Ufer schickt Jesus seine Jünger.
Und - er kommt nicht mit. Er lässt sie allein.

Wir hören die Geschichte aus Matthäus 14:

22 Nun drängte Jesus die Jünger, unverzüglich ins Boot zu steigen und ihm ans andere Ufer vorauszufahren; er wollte inzwischen die Leute entlassen, damit sie nach Hause gehen konnten.
23 Als das geschehen war, stieg er auf einen Berg, um ungestört beten zu können. Spät am Abend war er immer noch dort, ganz allein.
24 Das Boot befand sich schon weit draußen auf dem See und hatte schwer mit den Wellen zu kämpfen, weil ein starker Gegenwind aufgekommen war.
25 Gegen Ende der Nacht kam Jesus zu den Jüngern; er ging auf dem See.
26 Als sie ihn auf dem Wasser gehen sahen, wurden sie von Furcht gepackt: „Es ist ein Gespenst!“ riefen sie und schrien vor Angst.
27 Aber Jesus sprach sie sofort an. „Erschreckt nicht!“, rief er. „Ich bin’s. Ihr braucht euch nicht zu fürchten.“
28 Da sagte Petrus: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!“
29 „Komm!“, sagte Jesus. Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser auf Jesus zu.
30 Doch als er merkte, wie heftig der Sturm war, fürchtete er sich. Er begann zu sinken. „Herr“, schrie er, „rette mich!“.
31 Sofort streckte Jesus seine Hand aus und hielt ihn fest. „Du Kleingläubiger“, sagte er, „warum hast du gezweifelt?“
32 Dann stiegen beide ins Boot, und der Sturm legte sich.
33 Und alle, die ihm Boot waren, warfen sich vor ihm nieder und sagten: “Du bist wirklich Gottes Sohn.“

Das Gegenteil von Vertrauen ist Misstrauen und die Angst, einem anderen über den Weg trauen zu können. Die Jünger halten Jesus, den sie doch kennen, für ein Gespenst. Da ist nicht von Erleichterung die Rede, kein „Wie gut, dass du da bist!“ wird laut. Sie wurden von Furcht gepackt: „Es ist ein Gespenst!“ rufen sie und schreien vor Angst. Hier ist kein Vertrauen – hier herrscht absolutes Misstrauen.

Und das ist noch nicht einmal der Höhepunkt der ganzen Geschichte. Der Blick konzentriert sich nun auf einen Jünger, der an sich selbst erlebt, wie leicht es ist, vom Vertrauen zu reden und wie anders es ist, im Vertrauen wirklich loszugehen. Sein erster Satz ist nämlich noch ganz von diesem Misstrauen erfüllt. Auch er hat Jesus nicht wirklich erkannt in der Nacht auf dem See. Ein Gespenst könnte es sein, eine Täuschung, aber doch nicht ER.

„Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!“

Das ist ein Test, eine Bitte, dem Vertrauen auf die Sprünge zu helfen. Aber es ist vor allem gut, was Petrus da macht. Das signalisiert nämlich, dass es nicht um ein „blindes Vertrauen“ geht, das von uns verlangt würde. Wenn Petrus schon nicht sehen kann, was auf ihn zukommt, dann will er doch wenigstens hören, an der Stimme erkennen, ob das Jesus ist, ob er sein Leben riskieren kann.

Das hatte Petrus schon einmal gemacht. Das Lukasevangelium erzählt das. Als er Jesus kennengelernt hatte und der ihn gebeten hatte, am hellen Tag die Netze auszuwerfen, da hat Petrus zu ihm gesagt: „auf dein Wort will ich die Netze auswerfen“ (Lukas 5,5).

Das Vertrauen gründet nicht im Misstrauen. Unser Vertrauen ist immer nur Antwort auf Gottes Wort. Ich verlasse mich darauf, auch wenn alles anders aussieht.

Und dann sagt Jesus: „Komm!“
Und jetzt kommt es darauf an.

Aus dem Nest raus, auf das Spielfeld, an die Tafel. Es könnten ja noch ganz andere Situationen meines Lebens vor mir liegen, die jetzt mein dunkler und von den Wellen aufgewühlter See Genezareth sind. Vielleicht der Schritt in eine neue Arbeitsstelle für die ich beim jetzigen Arbeitgeber kündigen muss, vielleicht aber auch der überfällige Gang zum Arzt oder der Mut, im Leben der Gemeinde einen Dienst zu beginnen, von dem ich noch nicht weiß, ob das gelingen wird.

Und Petrus geht.
Und das Wasser trägt.

Und nun ist es immer noch nicht fertig. Denn nun kommen die Wellen und schlagen vor Petrus zusammen. Was soll das denn jetzt? Es könnte doch so schön sein. Petrus hat den Schritt des Vertrauens gewagt und die Wellen tragen ihn. „Halleluja!“ Wer erlebt das denn schon? Wäre das keine gute Geschichte, die mich ermutigt und mir eine Leitlinie gibt? So wie Petrus will ich es machen: Gott um sein Wort, um sein Erkennungszeichen bitten und dann mutig losgehen.

Aber die Wellen kommen und der Blick zu Jesus reißt ab. Die Angst steigt empor und das Wasser gibt nach.

Kennen Sie das? Da hat ein Projekt mit knallenden Korken begonnen. Wie wunderbar – ein tolles Team, lauter motivierte Leute – mit Risikobereitschaft und Mut gehen alle los. Und dann – schon nach wenigen Metern die große Ernüchterung. Ob es nun irgendeine fehlende Genehmigung, falsch überschlagene Kosten oder schlicht Streit im Team ist. Wenn ein Loch im Schlauch ist, ist die Luft schnell raus. Und die Motivation ist manchmal erschreckend schnell weg. Erste Achtungserfolge führen noch nicht zum Ziel.

„Herr, rette mich“ – schreit Petrus. Das ist alles, was von seinem Vertrauen nun noch übrig ist. So ein Schrei um Hilfe. Aber das ist immer noch Vertrauen. Wer das noch nicht erlebt hat, ist vielleicht noch nie richtig rausgegangen.

„Sofort streckte Jesus seine Hand aus und hielt ihn fest.“
Sofort! So steht es da. Und das tröstet mich. Sofort streckt Jesus seine Hand aus. Er hält mich, lässt mich nicht zappeln, spannt mich nicht auf die Probe. So sehr diese ganze Geschichte auch darauf aus ist, mein Vertrauen wachsen zu lassen, weiß Gott doch, wann wirk-liche Rettung angesagt und nötig ist.

Und dann sagt Jesus zu Petrus:
„Du Kleingläubiger“, sagte er, „warum hast du gezweifelt?“

Also, ich persönlich finde ja, dass Petrus großen Mut bewiesen hat. Schon die freche Herausforderung: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir…“ und dann der erste Schritt raus aus dem Boot auf die dunklen Wellen. All das, so finde ich, beweist in meinen Augen
großen Mut.

Die Frage von Jesus zielt auch eher auf den Grund. Es gut, danach zu fragen, warum mein Vertrauen in manchen Situationen nicht greift…
Vielleicht hilft ein Blick auf die Geschichte mir dabei. Wir schauen nochmal zurück.

- Jesus lässt die Jünger allein und schickt sie ans andere Ufer. Sturm kommt.
Und nun könnte das beherrschende Gefühl meines Herzens Wut und Empörung sein. Was soll das? Warum steckt mein Leben fest? Wer ist schuld daran, dass ich in dieser Klemme sitze? Könnte das sein, dass Vertrauen keinen Platz in meinem Herzen hat, weil die Wut und die Empörung allen Raum einnimmt?
- Jesus erscheint. Die Jünger halten ihn für ein Gespenst. Nur Petrus sagt: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir…“
Könnte das sein, dass Vertrauen keinen Platz in meinem Herzen hat, weil ich Gott noch nie – so wie Petrus – herausgefordert habe, mich auch zu rufen?
- Dann sagt Jesus: „Komm!“ Und Petrus geht auf dem Wasser. Die Wellen kommen und er geht unter.
Könnte das sein, dass Vertrauen keinen Platz in meinem Herzen hat, weil meine Augen Welle um Welle inspizieren und mein Blick schon längst nicht mehr auf ihn gerichtet ist? Ich bin fixiert auf Probleme und nicht auf den, der sie lösen kann.

Wir begegnen heute einer Geschichte, die um das Vertrauen eines Menschen ringt. Dieser Mensch, das ist nicht nur Petrus. Dieser Mensch, das bin ich. Dieser Mensch, das bist du.

Amen.

Verfasser: Pfarrer Andreas Klein, Goethestraße 7, 64367 Mühltal



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