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Gottes Geist - geheimnisvoll reich beschenkt

von Gottfried Steffens (Homburg)

Predigtdatum : 20.05.2018
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Exaudi
Textstelle : 1. Korinther 2,12-16
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Wochenspruch:
"Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth." (Sacharja 4, 6)
Psalm: 118, 24 - 29

Lesungen
Reihe I: Johannes 14, 23 - 27
Reihe II: Apostelgeschichte 2, 1 - 18
Reihe III: Johannes 16, 5 – 15
Reihe IV: 1. Korinther 2, 12 - 16
Reihe V: 4. Mose 11, 11 - 12. 14 - 17. 24 - 25
Reihe VI Römer 8, 1 - 2 (3 - 9) 10 - 11

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 133, 1.6 - 7 Zieh ein zu deinen Toren
Wochenlied: EG 130, 1 + 5 O Heilger Geist, kehr bei uns ein
Predigtlied: EG 127, 1 + 3 Jauchz, Erd, und Himmel, juble hell
Schlusslied: EG 127, 5 + 6 Jauchz, Erd, und Himmel, juble hell
Predigttext 1. Korinther 2, 12 – 16
Von der Weisheit Gottes
12 Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.
13 Und davon reden wir auch nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.
14 Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.
15 Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt.
16 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen«? (Jesaja 40, 13) Wir aber haben Christi Sinn.


Liebe Gemeinde,

Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes. Wir haben eben in der Schriftlesung gehört, wie damals 50 Tage nach der Auf-erstehung Jesu der Geist Gottes zu seinen Jüngern kam. Nun sagt uns Paulus hier einige Dinge über diesen Geist, die uns vielleicht befremdlich vorkommen.

Durch diesen Geist sollten wir wissen, was uns „von Gott geschenkt ist“. Wissen Sie es?
„Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott ge-schenkt ist“ – Lutherübersetzung. Gute-Nachricht-Bibel: „Wir haben nicht den Geist dieser Welt erhalten, sondern den Geist, der von Gott kommt. Darum können wir erkennen, was Gott uns geschenkt hat.“

Den Geist Gottes bekommen Menschen durch die Taufe ge-schenkt (Apg.2, 38 - 39). Dies ist ein zeitübergreifendes Ge-schehen der geheimnisvollen Liebe Gottes. Wir werden da-durch mit dem gekreuzigten Christus in Ewigkeit verbunden (Röm. 6, 3 - 5). Dies geschieht durch die Macht des schöpfe-rischen Wortes Gottes, aufgrund dessen Menschen getauft werden. Wer in diesem Glauben wächst, und darum von Herzen an den Herrn Jesus Christus glaubt, in dem ist gewiss der Heilige Geist am Werk (1. Kor. 12, 3).

Was ist uns also von Gott geschenkt?
• Ewiges Leben - durch den Glauben an den auferstan-denen Jesus Christus!
• Gewissheit, dass uns nichts von Gottes Liebe trennen kann – auch eigene Schuld und Sünde nicht, weil Christus dafür gestorben ist! Röm. 8, 38 f
• Sicherheit, dass jedes schreckliche Geschehen, das uns in dieser Welt widerfahren kann, zu unserem Besten dienen muss! Röm. 8, 28
• Die Erkenntnis, dass Gott diese Erde nicht vor die Hunde gehen lässt, sondern dass die ganze Schöp-fung aus der Macht der Vergänglichkeit befreit wird zur „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ Röm. 8, 18

Größere Geschenke gibt es nicht!
Sie haben da so Ihre Zweifel?
Verständlich! Unser Verstand ist vom Geist dieser Welt ge-prägt, wo allein Sicht- und Messbares zählt.

Aber wenn Sie mit diesen Zweifeln zurechtkommen wollen, dann nehmen Sie sich Gottes Wort – die heilige Schrift, voll von Gottes Geist (2. Tim. 3, 16) – vor und beten dabei um diese wunderbare Gewissheit, die Gott gerne schenkt: „Wer da bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; wer anklopft, dem wird aufgetan.“ (Matth. 7, 8) Wer dies gemeinsam mit anderen tut, der lebt unter der Verheißung, dass Jesus seine Wirksamkeit besonders dort verspricht, wo „zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind“ (Matth.18,20).
Platz für Beispiel oder Konkretion …

Leider betrachten viele Menschen in unseren Breitengraden Kirche, Glaube und Gottesdienst als eine weithin überholte Pflicht. Dass es dabei um große Geschenke geht, muss wie-der neu entdeckt werden – ähnlich wie bei Luther. Als er das Evangelium – die frohe Botschaft – neu entdeckt hatte, sag-te er: „Da fühlte ich, dass ich geradezu neugeboren und durch die geöffneten Pforten in das Paradies selbst eingetre-ten war.“ (WA 54, 185f. Vgl. K. Aland, Hilfsbuch zum Luther-studium, Nr. 753)

In seiner berühmten Predigt von 1522, als er angesichts der Unruhen in Wittenberg es auf der Wartburg nicht mehr aus-hielt, sagt er: „Nun haben wir von Gott lauter Liebe und Wohltat empfangen, denn Christus hat für uns seine Gerech-tigkeit und alles, was er hatte eingesetzt und hingegeben, hat alle seine Güter über uns ausgeschüttet, welche niemand ermessen kann; kein Engel kann sie begreifen oder ergrün-den: denn Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe, der da von der Erde bis an den Himmel reicht. Die Liebe […] spüre ich allhier zu Wittenberg noch nicht unter euch, obwohl sie euch viel gepredigt ist, in der solltet ihr euch doch weiter-hin üben.“ (WA 36, 425)

Einige Jahre später – als er über den evangelischen Charak-ter von Gottesdienst nachdachte, meinte er, dass diejenigen, „die mit Ernst Christen sein wollen“, sich zusätzlich zum öf-fentlichen Gottesdienst versammeln sollten, um miteinander die Heilige Schrift zu lesen. So könnten sie gemeinsam die christliche Ausrichtung des Lebens praktizieren (Vorrede zur Deutschen Messe, 1526) – und damit gewissermaßen die Geschenke auspacken und sich dran freuen.

Die bedingungslose Liebe Gottes – sein großes Geschenk an uns – kann man nur erfahren, wenn Gottes Geist durch Got-tes Wort an uns wirkt. Darum sagt Paulus in unserem Pre-digttext: „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen.“ V. 14

Das ist ein Stück weit schon so bei echter menschlicher Lie-be: Wer versucht, sie mit dem Verstand zu erklären oder gar zu vermitteln, der wird scheitern, solange nicht das Herz angerührt ist. „Der Funke muss überspringen“ – wie man manchmal sagt.

Wenn echte, tiefe Liebe uns erfasst, dann fangen wir an, vieles anders und besser zu verstehen. Wir werden unsere Mitmenschen besser verstehen, weil die Liebe uns befähigt, uns in sie hineinzuversetzen. „Die Frucht des Geistes Gottes ist Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte“, heißt es bei Paulus im Galaterbrief (5, 22).

Wenn nun hier in unserem Predigttext steht „Der geistliche Mensch aber beurteilt alles“, dann ist damit sicher nicht ge-meint, dass er als Besserwisser auftritt, der sich über alles und alle ein Urteil anmaßt. Vielmehr beurteilt der Mensch, der vom Geist Gottes geleitet wird, alles im Lichte dieser göttlichen Liebe, mit dem Ziel Freude bei seinen Mitmenschen zu bewirken und in großer Geduld, Freundlichkeit und Güte in schwierige Situationen Frieden zu bringen.

In diesem Lichte wird ein Mensch, der vom Geist Gottes ge-leitet wird, beginnen, die göttlichen Dinge besser zu verste-hen und damit auch Gott selbst, weil es hier ja eine innere Korrespondenz gibt zwischen dem, was Gott in der Bibel von sich offenbart hat und dem, was er heute in der Welt und im einzelnen Menschen wirkt.

Wer von diesem Geist Gottes im Sinne Jesu bewegt ist, der trägt gewissermaßen ein Geheimnis in sich, das niemand verstehen und beurteilen kann außer ihm selbst – das ist wohl gemeint, wenn wir es in unserem Predigttext heißt: „… und wird doch selber von niemandem beurteilt“.

Ja, auch sich selbst als Träger des Geistes Gottes wird man hier niemals ganz verstehen. Im 13. Kapitel seines Korin-therbriefes, dem sogenannten Hohenlied der Liebe, lesen wir bei Paulus: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“

Ein altes biblisches Bild für den Geist Gottes ist der Wind. In der Pfingstgeschichte wird vom Brausen eines Windes be-richtet, mit dem die Verleihung des Heiligen Geistes für die Gläubigen einhergeht. Nur wer im Wind steht, spürt ihn und ist von ihm bewegt. Jemand, der noch nie im Wind gestan-den hätte, und es nur von außen beobachten würde, würde kein Verständnis aufbringen für diese seltsamen Erscheinun-gen an denen, die im sanften oder stärkeren Brausen des Winds stehen. Er würde sich nur an den Kopf fassen und fragen: Was mit denen los ist - besoffen oder nicht ganz klar im Kopf! So war es am ersten christlichen Pfingstfest, so ist es, wenn wir heute vom Geist Gottes bewegt werden.

Wäre das nicht eine ganz tolle Erfahrung, wenn wir Gottes Geschenke durch den Geist Gottes für uns ganz neu entde-cken würden? Gottes leidenschaftliche Liebe zu uns!

Dann endlich käme das eigentliche Fest der Geschenke, Weihnachten zum Ziel. Die drei großen christlichen Feste des Jahreskreislaufs – Weihnachten, Ostern und Pfingsten – würden endlich ihren eigentlichen Sinn erfahren: Gott in Je-sus unter uns, Gott in Jesus für uns, Gott durch Jesu Geist in uns.


Verfasser: Pfarrer i. R. Gottfried Steffens
Am Brühlfeld 61, 66424 Homburg

Herausgegeben vom

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