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Gottes Herrlichkeit entdecken

von Constanze Lenski (07619 Schkölen)

Predigtdatum : 16.01.2022
Lesereihe : IV
Predigttag im Kirchenjahr : 2. Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : 1. Korinther 2,1-10
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Wochenspruch: Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Johannes 1,16)

Psalm: 105,1–8

Lesungen

Reihe I: Römer 12,9-16
Reihe II: Jeremia 14,1(2)3-4(5-6)7-9
Reihe III: Johannes 2,1-11
Reihe IV: 1. Korinther 2,1-10
Reihe V: 2. Mose 33,18-23
Reihe VI: Hebräer 12,12-18(19-21)22-25a

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern
Wochenlied: EG 74 Du Morgenstern, du Licht vom Licht oder EG 398 In dir ist Freude
Predigtlied: EG 67 Herr Christ, der einig Gotts Sohn
Schlusslied: EG 172 Sende dein Licht und deine Wahrheit

Predigttext: 1. Korinther 2,1-10

1 Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen.
2 Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.
3 Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern;
4 und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft,
5 auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

6 Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen.
7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit,
8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.
9 Sondern wir reden, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.«
10 Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.

Predigt

Als Wissende wurden sie bezeichnet. Viel hatten sie sich angeeignet. Sie hatten gelernt und geforscht, gelesen und gelernt. Ihr Wissensdurst war unerschöpflich. Doch dann ein Rätsel. Konnte es denn möglich sein? Sie schauten in den Himmel, es war ganz deutlich. Gestern war er noch nicht da und heute überstrahlte er alles.

Nur wenige richteten ihren Blick nach oben. Die meisten hatten ihren Blick starr nach unten gesenkt. Liefen durch ihr Leben, ohne zu sehen, ohne zu erkennen. Lebten ihr Leben im Rad der alltäglichen Vergänglichkeit. Was bleibt davon im Leben?
Doch sie nicht, die drei Weisen aus dem Morgenland. Sie packten ihre Sachen und machten sich auf den Weg. Folgten. Wussten nicht, wohin der Weg sie führen würde, wann sie ankommen würden oder ob überhaupt. Doch: War dies weise?

Unbeirrt marschierten die drei los. Es drängte sie, dem Geheimnis hoch am Himmel auf die Spur zu kommen. Doch diese Ungewissheit, dieses Geheimnis wurde ihnen zur Gewissheit. So gewiss, dass sie sicheren Fußes losgingen. Nichts konnte sie auf ihrem Weg aufhalten, das Geheimnis zu ergründen.

Liebe Brüder und Schwestern!
Die drei Weisen, die nichts weiter hatten als den Stern am Himmel und eine alte Prophezeiung, erreichten ihr Ziel. Ohne Sicherheitsnetz, ohne einen Beweis, dass ihr Vorhaben auch Erfolg haben würde, gingen sie dem Geheimnis nach.

Auch heute ist die Menschwerdung Gottes, Jesu Leben und Sterben am Kreuz und seine Auferstehung ein Geheimnis.
Weihnachten liegt gerade drei Wochen hinter uns. Christi Geburt wurde auf der ganzen Welt gefeiert, doch nicht für jeden Menschen erschließt sich dieses wunderbare Ereignis des Heiligen Abends.

Von diesem Geheimnis spricht Paulus heute im Predigttext.
Gedanklich reist er in die Vergangenheit und blickt zurück. Er erzählt uns von dem Geheimnis und seiner Zeit in der Gemeinde in Korinth.
Nun war er schon einige Zeit fort. Die Gemeinde musste ohne ihn auskommen. Doch was Paulus von seiner Gemeinde nun hört, gefällt ihm nicht. Sie stritten sich, hatten verschiedene Ansichten.

Welche Bedeutung hat das Kreuz und die Auferstehung,
wer sollte auf wen in der Gemeinde Rücksicht nehmen,
was ist Christen erlaubt und was nicht?
Und so beantwortet Paulus die Probleme und Fragen aus der Gemeinde im 1. Brief an die Korinther. Vier Kapitel widmet er sich der Bedeutung des Kreuzes für den Glauben.

Wir hören einen Abschnitt daraus aus dem Kapitel 2, die Verse 1-10.  So schreibt er:

(Predigttext)

Wissen oder Glauben, liebe Schwestern und Brüder? Neben dem Geheimnis, was verborgen und doch ganz offenbar ist, bringt Paulus ein für mich spannendes Thema im Predigttext zur Sprache, die Weisheit. Synonyme für diesen Begriff wären Bildung, Wissen, Gelehrtheit, aber auch Erfahrung und Erkenntnis. - Doch ist dies auch Weisheit?

Und hiermit befinden wir uns mitten in der Spannung, dem Gegensatz, den Paulus benennt: Wissen und Glauben, Erkenntnis, Weisheit. Was können wir erkennen? Was ist Wissen und was Glauben?

Was ich weiß, dass glaube ich nicht. Und was ich glaube, dass weiß ich nicht.
Beim sogenannten Wissen vertraue ich darauf, dass es gesichert ist. Gründlich recherchiert, wissenschaftlich bewiesen. Ich vertraue den Erkenntnissen, die für mich andere überprüft haben. Ich halte es für wahr, glaube ihnen, er glaube es, kann also sagen, ich weiß.

Für den Glauben gilt dies zumeist nicht. Doch auch hier Vertrauen. Ich vertraue, dass Gott Mensch wurde, dass Christus am Kreuz gestorben und am dritten Tage auferstanden ist, so wie es mir die Evangelien und Paulus berichten.
Ich halte es fürwahr, glaube ihnen, er glaube es, kann also sagen, ich weiß.

Wissen und Glauben sind also miteinander verbunden, wie zwei Kreise, die sich überschneiden.

Doch dann ist da immer wieder die Frage, was weiß ich wirklich? Was wird von all dem Wissen im Nebel der Zeit bleiben was verschwinden, wenn ich älter werde, mein Geist nicht mehr so will, wie ich will? Wenn ich vergesslich werde im Alter?

Paulus will nichts weiter wissen als Christus den Gekreuzigten. Ihn stellt er in den Mittelpunkt, uns vor Augen. Die Weisen aus dem Morgenland richteten ihre Augen auf den Stern. Wir sollen unsere Augen auf Christus den Gekreuzigten richten, nicht nur heute am zweiten Sonntag nach dem Epiphaniasfest.

Mit Christus wurde hier alles ans Kreuz geschlagen, was unter den Menschen hochgeschätzt wird oder Achtung erfährt.
Das Wissen und das Nichtwissen, die Erkenntnis, die irdische Macht selbst und das menschliche Bestreben immer weiter, höher, schneller zu werden, das Bestreben, besser als der andere zu sein.

Das Kreuz kehrt alles um: Wissen und Glauben. Die menschliche Weisheit fällt, wird zur Torheit, und die vermeintliche Torheit, wird zum göttlich Auserwählten.

Und ich muss mich fragen lassen: Was weiß ich wirklich? Kann ich das wirklich verstehen?

Paulus kann diese Frage mit Gewissheit beantworten: Christus, den Gekreuzigten. Hier wird Gottes Liebe zu uns offenbar und doch bleibt es ein Geheimnis, Gottes Geheimnis.

Dieses Geheimnis spricht zu jedem, der Ohren hat, um hören zu wollen. Kann es sehen, wenn er die Augen zum Himmel aus der Finsternis der Unwissenheit emporrichtet.

Dieses Geheimnis spricht von sich selbst:

Du kennst mich, du hörst mich.
Manchmal durchdringe ich deinen Geist,
stehe Dir klar vor deinen Augen,
bis sie sich wieder verschließen.
Du kannst mich wissen,
aber ergreifen kannst du mich nicht.
Folge mir. Ich gebe deinen Füßen sicheren Halt
im Nebel der Unwissenheit, der Ungewissheit.
Ich leuchte Dir, wenn es hell ist, wenn es dunkel ist.

Ich bin gewusst, ganz offenbar und
doch bleibe ich das, was ich bin.
Ich bin die Offenbarung.
Das göttliche Geheimnis.

Liebe Gemeinde,
Paulus erklärt uns am Ende seines Briefes noch einmal das Geheimnis und das Erkennen. Mit einem wundervollen Bild zeichnet er uns es vor Augen.

12Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel und wie in rätselhaften Bildern. Wenn ich jetzt etwas erkenne, erkenne ich immer nur Bruchstücke, einen Teil des Ganzen. Aber eines Tages werden wir ´Gott` von Angesicht zu Angesicht sehen; dann aber werden wir alles so erkennen, wie Gott uns jetzt schon kennt.[1]

Bruchstücke kannten auch nur die Drei Weisen aus dem Morgenland. Sie hatten nichts weiter als einen Stern und eine alte Verheißung. Doch sie machten sich sicheren Fußes auf den Weg.

Wir hingegen haben weitere Bruchstücke erhalten. Wir wissen, was mit diesem Stern für den Menschen folgte. Wir dürfen schon mehr sehen als die drei.
Doch auch für uns bleiben es Bruchstücke.

Meine Augen wollen sehen und
sehen doch nur wie durch einen Nebel Bruchstücke.
Was ich glaube, was ich weiß. Gestern, heute, morgen.
Wer bin ich? Was weiß ich?

Ich weiß nur eins. All meine Weisheit,
mein Erkennen mögen schwinden.
Doch von Gott bin ich erkannt.
Ich bin ihm kein Geheimnis.
Er weiß, wer ich bin, sieht mich ganz offenbar.
Er ruft mich bei meinen Namen.

Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Verfasserin: Pfarrerin im Entsendungsdienst Constanze Lenski, Markt 7, 07619 Schkölen

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Anmerkung:
[1]Neue Genfer Übersetzung 1. Kor 13,12


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