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Gottes Herrlichkeit wird offenbar in dem Menschen Jesus von Nazareth

von Peter Schaal-Ahlers (Esslingen)

Predigtdatum : 03.01.2016
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 2. Sonntag nach dem Christfest
Textstelle : 1. Johannesbrief 5,11-13
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Wochenspruch:
"Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." (Joh 1, 14 b)

Psalm: 138, 2 - 5


Lesungen
Altes Testament: Jesaja 61, 1 - 3 (4.9) 11.10

Epistel: 1. Johannes 5, 11 - 13

Evangelium: Lukas 2, 41 - 52

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 49 Der Heiland ist geboren
Wochenlied: EG 72, 1 -6 O Jesu Christe, wahres Licht
Predigtlied: EG 27, 1 -6 Lobt Gott, ihr Christen
Schlusslied: EG 66, 1 – 3. 8 Jesus ist kommen

Eingangsgebet
Allmächtiger Gott.
Wunderbar hast du den Menschen geschaffen,
wunderbarer hast du seine Würde neu begründet
durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der unser Menschenschicksal geteilt hat.
Wir bitten dich:
Gib, dass wir, die so gewürdigt wurden,
auch an seinem Leben Anteil gewinnen,
und dich, erfüllt vom Heiligen Geist,
rühmen und preisen in Ewigkeit.
(69) Agende Baden

Fürbittengebet
A
Himmlischer Vater,
Du bist ewig und hast uns ewiges Leben versprochen.
Lass vom Glanz dessen, was du schaffst,
Licht fallen auf uns
dass wir froh werden
und mit Zuversicht das neue Jahr beginnen.
B
Heiliger Gott,
bedenke, wir lieben das Leben.
Du hast es geschenkt,
wir wollen es gestalten.
Bewahre uns davor,
zu scheitern und zu irren.
A
Stärke uns,
den Geist Christi spüren zu lassen
in unsrem Tun und Reden,
Beten und Lassen.
B
Wir bitten dich
für die Glücklichen und Gesunden,
dass du sie hältst.

A
Wir bitten für die Ängstlichen
und die Verzweifelten:
zeige ihnen Wege, die sie gehen können.

B
Wir bitten für die Trauenden und die Sterbenden,
dass du sie an die Hand nimmst
und sie tröstest.
A
Wir bitten für die Menschen in Krisengebieten,
Menschen, die unter Krieg und Bürgerkrieg,
Gewalt und Terror leiden.
Wir bitten für Menschen auf der Flucht.
Beende das Elend
B
Wir bitten für unsere Gemeinde,
für die Kirche in aller Welt
für unsere Welt.
Sei du ihr Helfer
und ihr Heil. (P. Sch-A.)

Hinführung
Zu 1. Johannes 5, 11-13
Der 1. Johannesbrief nennt weder Absender noch Adressaten. Er ist geschrieben worden, um den Einfluss von Irrlehrern einzudämmen, die in der Gemeinde aufgetreten sind, zu der auch der Verfasser gehört. Diese Irrlehrer haben allem Anschein nach eine Christologie vertreten, in der die Menschenwerdung Gottes (vgl. 4,2f.) und der Heilstod Jesu am Kreuz (vgl. 5,6f.) keine Rolle spielen. Der Form nach ist der 1. Johannesbrief eigentlich kein Brief. Die mehrfach wiederholte Wendung "ich schreibe euch" (2,1.7.12-14 u.ö.) zeigt, dass der Schreiber seinen Text jedoch als Brief verstanden wissen wollte. Inhaltlich geht es um die rechte Interpretation der johanneischen Tradition.

Der Predigttext gehört zu dem Abschnitt 1. Johannes 4, 1 - 5, 12, in dem sich der Autor mit Irrlehrern auseinandersetzt. Er fordert seine Leser auf, zwischen den Geistern zu unterscheiden (4,1-6). Als Kriterien führt er das Bekenntnis und das Verhältnis zur "Welt" an (vgl. 2,15). In der (Bruder)-Liebe sieht er das charakteristische Wesensmerkmal der Christen. Im Zentrum seiner Argumentation steht der Satz: "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm." (4,16b) Die Liebe Gottes ist durch die Sendung des Sohnes und seinen Sühnetod offenbar geworden.
In 5,1-12 unterstreicht der Autor, dass Glaube und Bruderliebe unmittelbar zusammengehören, denn alle Glaubenden sind aus Gott geboren. Drei Zeugen des Glaubens werden angeführt: Wasser, Blut und Geist (Zeugenregel aus 5. Mose 19,15). Jeder, der glaubt, trägt das Zeugnis Gottes in sich und hat das (ewige) Leben.
Ich plädiere dafür, sich im Gottesdienst auf 1. Johannes 5,11-13 zu begrenzen. Dieser so entstehende Text ist prägnant und klar verständlich. Diese Abgrenzung nimmt Abschnitt von der Thematik der Annahme des Zeugnisses und der Zeugenschaft. Die Predigt fokussiert sich nun auf den Glauben an das ewige Leben, als Geschenk des Weihnachtsfestes.

Gliederung
Zunächst wird an das Feiern des Weihnachtsfestes mit allen Sinnen erinnert. Das Ziel des Gedankengangs ist das ewige Leben, vermittelt durch die Liedstrophe: „Heut’ schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis.“ (EG 26.6).
(Wer als Prädikantin bzw. Prädikant diese Kindheitserfahrung mit dem Lied nicht teilt, muss seinen eigenen Zugang zu dem Lied EG 27 beschreiben, um auf der Kanzel authentisch zu bleiben.)

Im weiteren Fortgang wird nah am Text und gut reformatorisch der Glaube (V13) entfaltet. Unter Heranziehung der Erfahrungen der Engel wird Umkehr und Lob thematisiert.
Im Schlussteil der Predigt wird entfaltet, wie die Hoffnung auf das ewige Leben, Glaubensheiterkeit bewirkt und die ersten Schritte ins neue Jahr erleichtert.

Am Ende der Predigt steht das gemeinsame Lob Gottes.

Predigt
Liebe Gemeinde,

am ersten Sonntag des neuen Jahres 2016 sind wir hier zum Gottesdienst zusammengekommen.
Dass wir bei unseren ersten tastenden Schritten im Neuen Jahr vom Weihnachtsfest herkommen, ist schön.
So haben die ersten Tage im neuen Jahr noch ein wenig weihnachtlichen Glanz.

Weihnachten ist ja ein Fest, das wir – hoffentlich - mit allen Sinnen gefeiert haben.

Weihnachten kann man riechen
Der Duft von Tannengrün im Wohnzimmer.
Der Duft von Kerzen, Lebkuchen, Zimt, Nelken und Orangen gehören dazu.

Weihnachten kann man schmecken
Bei uns bei gibt es immer Kartoffelsalat mit Würstchen und unbedingt Ackersalat,
und dann dürfen die verschiedene Gustlesorten, Nüsse und Schokolade nicht fehlen.

Weihnachten kann man sehen
Der Christbaum mit seinen Lichtern in der Kirche
und zu Hause, wo der Christbaum manches Möbelstück verrückt hat.
Das zarte Flackern der Kerzen veranschaulicht die Sehnsucht nach Heil und Leben
Im Schein der Kerze wird deutlich: Das Licht scheint in der Finsternis.

Weihnachten kann man hören:
Was wäre Weihnachten ohne die Kinderchöre, die in der Kirche singen?
Was wäre dieses Fest ohne die vertrauten Worte der Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums, die jedes Jahr immer so beginnt: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde….

Und nicht zu vergessen die wunderbaren Weihnachtslieder:
„O du fröhliche, o du selige…“ oder
„Ihr Kinderlein kommet“ oder
„Stille Nacht.“

Als Kind war mein Lieblingslied die letzte Strophe von „Lobt Gott ihr Christen alle gleich“. Die heißt so:
„ Heut’ schleußt er wieder auf die Tür
zum schönen Paradeis;
der Cherub steht nicht mehr dafür,
Gott sei Lob, Ehr' und Preis.“ (1)

Den Text des Liedes habe ich als Kind nur teilweise verstanden. Das machte aber nichts. Umgekehrt, das Geheimnisvolle und Rätselhafte an dem Lied machte das Lied eigentlich erst richtig schön. Besonders gut gefiel mir das altmodische Wort „schleußt“. Dieses Wort gab es nur an Weihnachten. Das machte die Sache richtig festlich; Alltagsworte gab es das ganze Jahr genug.

Was ein Cherub ist, wusste ich als Kind nicht. Heute weiß ich, dass es ein bewaffneter Wächterengel ist, der den Rückweg ins Paradies versperrt. Damals stellte ich mir den Cherub irgendwie wie einen vierten König vor. Vor meinem innerlichen Auge sah ich einen Mann mit besticktem dunkelroten Samtmantel, der da jetzt aber offensichtlich nicht mehr dastand, sondern den Weg frei machte. Eine weihnachtliche Gestalt im Schwinden, sehr geheimnisvoll, wunderbar.

Aber dass die Tür zum schönen Paradeis wieder offen war, das habe ich schon als Kind gut verstanden. Das hat mir wirklich gefallen. Und das hat mich richtig froh gemacht.
Dass die Tür zum Paradies aufgeschlossen ist, sagt uns auch der heutige Predigttext: Da heißt es:
„Wer den Sohn hat, der hat das Leben.
Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“

Entweder - oder.
Ewiges Leben - oder kein Leben.
Um diese Weichenstellung geht es am Beginn des neuen Jahres, liebe Gemeinde. Das ist kräftige Wegzehrung, Schwarzbrot, am Beginn des neuen Jahres, das noch ein wenig Glanz des Neuen hat und zugleich auch ein wenig ängstigt.

„Wer den Sohn hat, der hat das Leben.“ wird uns gesagt.
Und leben wollen wir ja bestimmt alle im neuen Jahr, und darüber hinaus.
Da stellt sich nun die Frage: Wer aber hat den Sohn, und damit das ewige Leben?

Unser Text antwortet sehr klar:
Das ewige Leben hat der, der an den Namen des Sohnes Gottes glaubt. (2)

Der „Glaube“ eröffnet den Weg zum schönen Paradeis.
Nicht unser Tun und Lassen macht den Weg frei. Nicht das, was wir im Neuen Jahr planen, schaffen und auf den Weg bringen werden. Nicht das, was wir unterlassen, vermasseln und vergeigen werden. Nicht das, was wir übersehen und schuldig bleiben werden. Allein auf den Glauben kommt es an. Das ist evangelischer Glaube pur.

„Allein der Glaube“ - „sola fide“ sagten die Reformatoren vor 500 Jahren und bekämpften damit die Vorstellung, dass ein Christ das Ticket zum ewigen Leben mit seinen Taten lösen kann.

Wer an Jesus Christus glaubt, und das heißt ja nichts anderes als ihm vertraut, der weiß,(3)
dass er nicht sein eigener Lebensmeister sein muss,
dass er sich nicht selber erjagen und in der eigenen Hand bergen muss.

Wer glaubt, weiß,
dass wir das, wovon wir eigentlich leben, das ist, was wir selbst nicht herstellen können:
nicht die Liebe,
nicht die Freundschaft,
nicht die Vergebung,
nicht die eigene Ganzheit und Unversehrtheit.

Zu glauben heißt frei sein von dem Zwang, sich selbst herstellen zu müssen.
Zu glauben heißt etwas davon zu wissen, dass die eigene Kraft Grenzen hat
und dass wir das Leben im Letzten nicht selbst im Griff haben.

Das ewige Leben hat der, der an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.

Das ist die Botschaft von Weihnachten. So haben es die Hirten auf dem Felde erfahren. Nachdem sie den Engel gehört und das den kleinen Prinzen Jesus gesehen hatten, werden sie verwandelt. Über sie heißt es nach dieser Verwandlung:
„Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. (4)

Die Hirten machen in ihrer Weihnachtsfreude zwei verrückte Dinge.
Erstens: sie kehren um.
Zweitens: sie loben Gott.
Beides, die Umkehr und das Lob Gottes sind Früchte des Glaubens.
Beides werden auch wir im neuen Jahr brauchen.



Umkehr
Wieder und wieder werden wir – selbst wenn wir alles gut meinen - in Sackgassen landen. Das zu erkennen, ist im Leben oft gar nicht so leicht. Viele haben sich verrannt und merken es gar nicht. Für den, der das erkannt hat, gibt es aber die Möglichkeit: umkehren.

Immer wieder werden wir umkehren müssen. Meist geschieht das konkret dadurch, dass wir um Verzeihung bitten, wenn wir grob und rücksichtslos waren.

Wie schön, dass es die Feier das Heilige Abendmahls gibt, wo uns Vergebung zugesprochen wird und neue Anfänge möglich werden. In diesem Ritual verspricht sich Christus seinen Freunden. Er teilt sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes. Mit uns. Unter uns. Für uns. Für alle Welt.

Im Abendmahl teilen wir, was wir glauben und gehen als Gesegnete des Ewigen vom Tisch des Herrn. Das Leben Gottes ist bei uns.

Das Lob Gottes
Ich stellte mir das Lob der Hirten immer ein wenig wie die Gesänge von Fußballfans vor. Bestimmt war da kein wirklich gepflegter mehrstimmiger Gesang, wohl aber Lieder voller Inbrunst, Glück und Seligkeit. Das Lob Gottes führt den Menschen über sich selbst hinaus.

Es ist eine tiefe Glückserfahrung, in einem Chorklang aufzugehen. Jeder Sänger singt seine Stimme; und ist doch ganz tief mit den Stimmen der anderen Chorsänger verbunden. Das Ich geht im Wir auf; und doch ist jeder zugleich ganz selbst. Im Lob Gottes wird der Mensch wirklich schön.

Aus der Weihnachtsgeschichte wissen wir:
Im Himmel wird das Lob Gottes gesungen. Das stete Lob Gottes ist das Werk der Engel. Indem wir beim Gesang der Himmlischen sind, sind wir schon sehr nah beim ewigen Leben.

„Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.“

Wer weiß, dass ihm ewiges Leben versprochen ist, der kann das neue Jahr getrost und heiter beginnen.
Wer hingegen meint, dass mit dem Tod alles aus ist, steht ständig unter großem Druck. Alles muss in diesem einen Leben realisiert und erreicht werden. Alles muss im Hier und Jetzt erlebt und ausgekostet werden.

Wer darauf vertraut, dass ihn das ewige Leben erwartet, kann auf das Kommende entspannt zugehen.
Wer mit der Hoffnung auf das ewige Leben lebt, braucht keine Angst vor der Zukunft haben. Er weiß: auch wenn mein Leben in diesem Jahr zu Ende gehen sollte, ist das nicht das endgültige Ende, denn im Leben und im Sterben sind wir in Gottes Hand.

Die Hoffnung auf das ewige Leben schenkt Glaubensheiterkeit im Guten wie im Schweren, das im neuen Jahr zu meistern sein wird. Mit Gottvertrauen durchs Leben zu gehen, wirkt sich in allen Lebensbereichen aus.

So unterschieden sich die frühen Christen durch ihre Hoffnung auf das ewige Leben sehr deutlich von ihrer heidnischen Umwelt. Während die Heiden an den Gräber klagten und weinten, sangen die Christen an den Gräbern ihrer Angehörigen. Nicht in aller Stille gingen die Christen auseinander; sie suchten untereinander Gemeinschaft und lobten Gott.

Mich berührt dieser Glaube und dieses Verhalten - im Ange-sicht des Todes beieinander bleiben und singen. So hüteten die frühen Christen ihre Hoffnung auf das ewige Leben, um so gestärkt das Leben zu leben.

So wollen wir es auch halten im neuen Jahr, indem wir singen: „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich..“
Amen

Verfasser: Pfarrer Peter Schaal-Ahlers
Franziskaner Gasse 4, 73728 Esslingen

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