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Gottes Macht über den Tod

von Sabine Meinhold (06295 Lutherstadt Eisleben)

Predigtdatum : 23.09.2007
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 14. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Lukas 7,11-16
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Wochenspruch:

Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.
(2. Timotheus 1,10)
Psalm: 68,4-7a.20-21

Lesungen

Altes Testament:
Klagelieder 3,22-26.31.32
Epistel:
2. Timotheus 1,7-10
Evangelium:
Johannes 11,1(2)3.17-27(41-45)

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 450,1-3
Morgenglanz der Ewigkeit
Wochenlied:
EG 364,1-2
Was mein Gott will, gescheh allzeit
Predigtlied:
EG 398,1-2
In dir ist Freude
Schlusslied:
EG 171,1-4
Bewahre uns, Gott

Liebe Gemeinde!
Ich möchte Sie einladen, sich einmal hineinzudenken in eine andere Zeit und an einen anderen Ort. Sich hineinzudenken in das Land Palästina im 1. Jahrhundert.
Die Abendsonne senkt sich über die kleine Stadt. Der Lärm des Tages ebbt ab. Langsam kommen die Menschen zur Ruhe.
Hier und da hört man noch Kindergeschrei oder das Blöken eines Tieres.
Simon, ein junger Mann mit einer gut gehenden Töpferwerkstatt, schaut versonnen in das Feuer, über dem das Abendessen bereitet wird.
„Ein merkwürdiger Tag war das“, sagt er.
„Heute morgen war noch großes Wehgeschrei, weil der junge Athanasius gestorben war, und weil man ihn zu Grabe tragen musste, und jetzt? Ich glaube, sie feiern immer noch drüben in seinem Haus.
Seltsam war es schon. Wie da dieser Fremde kam. Und wie er zu dem Sarg gegangen ist.
Und wie er mit Athanasius geredet hat. Als ob Tote hören könnten. Und dann ist Athanasius aufgestanden, als wäre nichts gewesen.
Wahrscheinlich hat er einfach Glück gehabt, der Junge. Glück, dass wir noch mal angehalten haben. Am Ende hätten wir ihn noch lebendig begraben.
Keine schöne Vorstellung.
Aber so ist es noch mal gut gegangen. Und wenigstens liegt uns jetzt seine Mutter nicht auf der Tasche. Eine Witwe ohne Kinder - am Ende hätten wir sie unterstützen müssen.“
Auch zwei Häuser weiter, in der Familie des jungen Titus sind die Ereignisse des Tages Gesprächsthema.
„Hörst du die Musik, drüben aus dem Haus von Athanasius? Wir können Gott gar nicht genug danken, dass seine Mutter ihn gesund wieder hat! Es war wirklich ein Wunder. Gerade am Stadttor sind wir Jesus begegnet. Dass er gerade heute hier gewesen ist!
Und er hat gleich gesehen, was los ist. Keiner musste es ihm erklären Keiner musste ihn erst lange bitten. Die Mutter von Athanasius hat ihn wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Erst, als er vor ihr stand, hat sie ihn gesehen. Weine nicht! hat er gesagt.
Und dann ist das Wunder passiert. Jesus hat Athanasius wieder auferweckt!
Als er wieder aufgestanden ist – es war – es war einfach unbeschreiblich! So etwas – hatte ja keiner erwartet.
Ich glaube, so ist es einfach, wenn Gott selber da ist.
Doch, wirklich! Gott hat sein Volk besucht! Nicht Vater, so haben es die Leute gesagt?“
Langsam gehen wir weiter.
Wir könnten noch in viele Häuser schauen an diesem Abend.
Aber jetzt verabschieden wir uns für eine Weile aus der kleinen galiläischen Stadt, und hören einmal, was uns der Evangelist Lukas aufgeschrieben hat von dieser Geschichte.
Sie steht in seinem Evangelium, im Kapitel 7, 11-16:

11 Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. 12 Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. 13 Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht! 14 Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! 15 Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. 16 Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht.
So hat Lukas die Geschichte aufgeschrieben. Und so können wir sie nachlesen. Nachlesen wie unsere Eltern und Großeltern vor uns. Und wie – hoffentlich – unsere Kinder und Enkelkinder nach uns.
Und wie verhalten wir uns dazu?
Wenn wir für eine Weile mitreden dürften an diesem Abend in Nain – was würden wir sagen, was geschehen ist?
Vielleicht bummeln wir noch ein bisschen die Straße entlang und grübeln. Und so kommen wir am Haus der alten Corona vorbei.
Und weil sie draußen auf der Bank sitzt, setzen wir uns zu ihr und hören uns ihre Geschichte an:
Es ist wirklich schade, dass ich nicht mit dabei sein konnte. Aber die Beine wollen nicht mehr. Da kann man nichts machen. Ein bisschen hin und her, dafür reicht es noch. Aus der Stadt hinaus – das geht halt nicht mehr.
Ich hätte Marcella gerne zur Seite gestanden. Ich weiß doch, wie es ist, wenn man einen begraben muss. Wie man sich da fühlt – traurig und hilflos, und schrecklich allein, trotz der vielen Leute.
Am Grab merkt man erst, wie klein man ist. Nur ein schwacher Mensch.
Vielleicht hat Athanasius es auch manchmal gemerkt, in den letzten Wochen. Immer schwächer ist er geworden.
Ja ja, wenn man krank ist, merkt man erst, wie sehr man angewiesen ist auf andere!
Dabei sind wir immer angewiesen. Auf Gott angewiesen. Er ist der Schöpfer. Nicht wir.
Was mich angeht – ich traue ihm zu, dass er seine Verheißungen wahr macht. Wie heißt es: Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.“ (Klgl. 3, 22)
Wir müssen einfach noch ein bisschen Geduld haben. Noch ist die Welt nicht vollkommen.“ Die alte Frau zieht ihre Decke fester um die Schultern.
„Aber ein Anfang ist gemacht. Ja, es ist etwas Neues in der Welt mit diesem Jesus.“ Damit geht sie ins Haus. Corona ist eine alte Frau. Sie braucht Ruhe.
Was hat sie gesagt?
Ich traue Gott etwas zu. Und lebe trotzdem damit, dass die Welt noch unvollkommen ist.
Nachdenklich gehen wir weiter.
An der nächsten Ecke hören wir Kinderlachen. Zwei kleine Knirpse wirbeln eine junge Frau herum, bis die ganz außer Atem ist. Kommt, sagt sie schließlich, lasst uns hinsetzen. Lasst uns zuschauen, wie die Sonne untergeht. Und dann gehen wir noch kurz zu Athanasius. Wir wollen doch mit feiern.
Warum feiert Athanasius heute? Das ist die Stimme von einem der Jungen. Weil – er lebt wieder. Sagt der andere.
„Ja“, hören wir die Stimme der jungen Frau. „Er lebt wieder.
Er ist Jesus begegnet.“
„Jesus – wer ist das?“ Die Neugier ist dem Jungen anzusehen.
Die junge Frau überlegt.
„Er ist – wie soll ich das sagen?
Am Besten ich nehme dich morgen mit zu ihm. Dort drüben, in dem Dorf, da übernachtet er heute.
Früher habe ich auch gedacht: Es reicht ja, wenn ich mir von ihm erzählen lasse.
Aber verstehen kann man ihn nur, wenn man ihm begegnet, mit ihm spricht, ihn erlebt. Das habe ich heute begriffen.
Es ist – eine große Kraft, die von ihm ausgeht. Gottes Kraft.
Eine Kraft voller Liebe.
Man kann davon erzählen. Aber spüren kannst du sie nur, wenn du in seiner Nähe bist.
Ja, ich nehme dich morgen mit. Euch alle beide. Aber nun kommt. Wir wollen zu Marcella und Athanasius gehen, und mit ihnen fröhlich sein.“

Die drei verschwinden in der nächsten Straße. Und auch wir müssen langsam ans Gehen denken.
Wir müssen wieder aus der Geschichte heraustreten, die nicht unsere ist, aber doch mit unserem Leben verbunden. Wir kehren zurück aus der Zeit damals und kommen wieder ins Heute.
Ob wir das, was damals gewesen ist, mitnehmen, und im Herzen weiter tragen? Wir sind gefragt. Und wie reagieren wir?
Vielleicht denken wir so wie Simon: Da hat einer Glück gehabt. Schön für ihn. Aber das ist lange her.
Oder wir denken wie Titus: Es ist ein Wunder. Wir können eigentlich nur staunen und danken.
Mag sein, wir denken wie die alte Corona: Ja, das sieht Gott ähnlich, dass er seine Zusagen hält. Ein neues Leben für alle. Nur Geduld brauchen wir noch.
Ich möchte Sie einladen, als Antwort auf die Geschichte die Antwort der Mutter an ihre Kinder ernst zu nehmen:
Kommt, ich nehme euch mit zu Jesus. Verstehen kann man ihn nur, wenn man ihm nahe ist. Es ist eine große Kraft, die von ihm ausgeht. Es ist eine Kraft, die uns verwandeln kann, und die uns Leben schenkt.
Denn seine Liebe und seine Barmherzigkeit sind wie sein Friede höher als unsere Vernunft. Er bewahre unsere Herzen und unsere Sinne in Jesus Christus unserem Herrn.
Amen

Verfasserin: Pfarrerin Sabine Meinhold, Annenkirchplatz 2, 06295 Lutherstadt Eisleben

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