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Gottes Macht über den Tod

von

Predigtdatum : 15.09.2013
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 14. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Lukas 7,11-16
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Jahrgang 12/13
Reihe V – Nr. 58
Leitbild:
Gottes Macht über den Tod

Wochenspruch:
„Christus Jesus hat den Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“ (2. Timotheus 1, 10 b)

Psalm: 68, 4 - 7 a.20 - 21

Lesungen
Altes Testament: Klagelieder 3, 22 – 26.31 – 32

Epistel: 2. Timotheus 1, 7 – 10

Evangelium: Johannes 11, 1 (2) 3.17.27 (47 – 45)

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 452 Er weckt mich alle Morgen
Wochenlied: EG 364 Was mein Gott will, gescheh allzeit
Predigtlied: EG 66 Jesus ist kommen
Schlusslied: EG 168, 4 - 6 Du hast uns, Herr, gerufen


11 Es begab sich danach, dass Jesus in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. 12 Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. 13 Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht! 14 Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und der sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! 15 Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. 16 Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht.

MUSIK

Es gibt Tage, mehr tot als lebendig. Alles tut weh. Alles wächst über den Kopf. Sehnsucht nach einem Menschen, den ich über alles liebe. Der nicht da sein kann. Schlafen, nichts mehr denken, nichts mehr leisten. Keine Kraft mehr. Ausgelaugt. Es reicht nicht zum Leben. Es reicht nicht zum Sterben. Irgendwo dazwischen läuft alles an mir vorbei. Es geht weiter. Irgendwie. Es gibt Tage, mehr tot als lebendig.

„Steh auf, steh endlich auf.“ So textete der Sänger Marius Müller-Westernhagen 1996 in einem seiner Lieder. „Wenn dir jemand sagt du bist zu klein und du hörst nur immer "Lass das sein", wenn dir jemand sagt du bist nicht schön, kann die Lust auf's Leben schon vergehn. Steh auf, steh endlich auf.“

Aufstehen. Stell dich nicht so an. Hab dich nicht so. Aufstehen. Es geht nicht. Da ist schon lange keine Lust mehr aufs Leben. Aufstehen, wie geht das? Alleine aufstehen ohne Hilfe? Woher den Mut nehmen? Aufstehen wohin? Nicht noch weiter drängen. Keine weiteren guten Ratschläge. Es ist genug. Nicht jeder ist ein „Stehaufmännchen.“

Mehr tot als lebendig. Tot – der junge Mann, der auf einer Bahre hinaus aus dem Stadttor getragen wird. Nain, eine kleine Stadt, ein Trauerzug, eine Mutter, die weint, verzweifelt ist, die schon ihren Mann verloren hat. Und nun auch noch das einzige Kind. Er wird getragen, aus dem Stadttor hinaus, aus dem Leben der Stadt, aus dem Leben. Wohin? In die Einsamkeit, auf den Friedhof, in das Vergessen. Da sind Menschen. Menschen, die ein Stück mitgehen, sich dann abwenden, um zurück ins Leben, in ihren Alltag, zu gehen. Da sind Menschen, die nur vorbeikommen, nicht mal anhalten weil sie anderes, Wichtigeres zu tun haben. Da sind Menschen, die für einen Moment inne halten, und sich dann wieder dem Gespräch mit dem Nachbarn zuwenden. Das ist so. So muss es sein. Sie sind schließlich mehr lebendig als tot.

Plötzlich ist da noch jemand. Ein Fremder. Eine Gruppe von Fremden. Dieser jemand blickt die weinende Mutter an. Scheint in sie zu blicken. Die Zeit steht still. Dieser jemand lässt sich berühren, anrühren. Nimmt Weinen, Kraftlosigkeit und Schmerz dieser Frau in sich auf. Er dreht sich nicht um, flieht nicht in den Alltag. Kein „stell dich nicht so an“. Er wendet sich nicht zum Nachbarn und beginnt ein belangloses Gespräch. Er wendet sich nicht gehetzt ab, weil noch so vieles, wichtigeres zu tun ist. Er hält stand. Bleibt stehen.
Es tut so gut, wenn einfach mal jemand stehen bleibt, nicht im Vorbeigehen gute Tipps hinterlässt und dann um die nächste Straßenecke verschwunden ist.

Es tut so gut, wenn einfach mal jemand mich anschaut. In mich hinein blickt. So als wolle er mich wirklich verstehen.
Es tut so gut, wenn einfach mal jemand da bleibt, Zeit zu verschenken hat.

Es kostet auch Jesus Kraft dem Trauerzug am Stadttor von Nain entgegenzutreten. Es kostet auch ihn unwahrscheinlich viel Kraft stehen zu bleiben. Nicht weg zu laufen. Weil er mit leidet, er die Schmerzen der Frau körperlich fühlt. Jesus stellt sich dem Tod in den Weg. Mutig. Das er sich das traut. Er hat die Kraft. Aus sich heraus, aus Gott heraus. Gott stellt sich dem Tod in den Weg. Er tröstet. „Schau mich an, ich bleibe. Weine nicht“.

Doch noch schafft es diese Mutter nicht. Tränen rinnen weiter über ihre Wange. Jesus hat Kraft, die auch für sie ausreicht. Er kommt näher. Überbrückt alle Distanz. Weiß, allein seine Nähe kann trösten. Er berührt. Er berührt den Toten. Keine Scheu. Mehr tot als lebendig. Es macht keinen Unterschied. Leben wir so leben wir in Gott. Sterben wir so sterben wir in Gott. Ob wir leben oder sterben wir gehören zu ihm.

Jesus berührt den Toten jungen Mann, Jesus berührt die weinende Mutter, berührt ihr Herz, ist ganz nah, ganz da, ohne Furcht, ohne Vorbehalte. Er gehört genau dort hin. Hier ist sein Platz. Bei mir. Tief in meiner Verzweiflung, tief in meinem Schmerz. „Steh auf. Ich sage dir steh auf.“ Ob Westernhagen die Worte Jesu kannte? Hört sich ähnlich an, was er singt. Und doch ist es anders. So gänzlich anders. Jesus ist tief in mir. Ich muss mich nicht selbst am Schopf hochziehen. Es geht nicht darum, dass ich mich nicht anstelle, mich zusammenreiße. Es geht nicht darum, dass es anderen möglicherweise ja noch schlechter geht und ich nur einen Motivationsschub brauche. Ich muss nicht aus eigener Kraft aufstehen. Der junge Mann vor den Stadttoren Nains, nicht mehr lebendig, tot. Da ist nichts mehr, was er tun kann, nichts mehr was er an Kraft dazu geben kann. Jesus verlangt das auch gar nicht. Er ist in ihm; in ihm, in seiner Mutter, in mir.

Er hilft beim Aufstehen. Er allein macht das Aufstehen möglich. Auferstehung mitten aus dem Tod, Auferstehung aus tiefster Verzweiflung, Auferstehung aus völliger Kraftlosigkeit. Sein Wort, das er spricht, hat die Macht Totes zum Leben zu erwecken. „Jüngling, ich sage dir, steh auf!“. Es geht, habe Mut. Nicht allein, nein, mit mir schaffst du es. Mit mir kannst du aufstehen, auferstehen. „Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden.“ Hier bin ich. Schaut her. Ich war mehr tot als lebendig. Aber ich vertraue. Ich vertraue und will davon erzählen, muss davon erzählen. Mit Jesus aus der Tiefe, aus dem Dunkel heraus steigen. Ein Wunder für den jungen Mann aus Nain, ein Wunder für die verzweifelte Mutter, ein Wunder für mich, wenn ich mich mehr tot als lebendig fühle.

„Die wirklichen Wunder ereignen sich selten spektakulär“, schreibt Eugen Drewermann. „Sie antworten auf Tragödien des Alltags, sie heilen Wunden in unserem so unauffälligen Leben. Die schönsten Wunder sind die kleinen Geschichten (...) wie eine Auferstehung unter den Händen Gottes (...).“

Auferstehung unter den Händen Gottes. Ein Versprechen. Eine tiefe Sehnsucht. Eine Gewissheit. „Gott hat sein Volk besucht.“ Und er ist geblieben.
Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Natascha Reuter
Am Langacker 9, 35080 Bad Endbach

Herausgegeben vom

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