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Gottes Offenbarung in Jesus Christus gilt allen Völkern

von Elke Stein (Ev. Kirchengemeinde Altstadt )

Predigtdatum : 06.01.2016
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Epiphanias
Textstelle : Epheser 3,2-3a.5-6
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Wochenspruch:
"Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht schein jetzt." (1. Joh 2, 8)

Psalm: 72, 1 - 3.10-13.19

Lesungen
Altes Testament: Jesaja 60, 1 - 6

Epistel: Epheser 3, 2 - 3 a. 5 - 6

Evangelium: Matthäus 2, 1 - 12

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 69 Der Morgenstern ist aufgedrungen
Wochenlied: EG 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern
Predigtlied: EG 37, 1 – 4 + 9 Ich steh an deiner Krippe hier
Schlusslied: EG 74 Du Morgenstern, du Licht vom Licht


Zweierlei Übersetzungen des Predigttextes

Epheser 3, 2 - 3a.5 - 6 Basisbibel
Ihr habt gehört, wie Gott mich für seinen Plan in Dienst genommen und mir den Auftrag gegeben hat, die Gute Nachricht euch, den Nichtjuden, zu verkünden.
Durch Offenbarung hat er mir das Geheimnis enthüllt,
frühere Generationen kannten dieses Geheimnis noch nicht; aber jetzt hat Gott es seinen Aposteln und Propheten durch seinen Geist enthüllt.
Dies ist das Geheimnis: Durch Jesus Christus bekommen die nichtjüdischen Völker Anteil am Heil, sind ein Teil am Leib von Christus, sind mit einbezogen in die Zusagen Gottes für sein Volk.

Epheser 3, 2 - 3a.5 - 6 nach Luther
Ihr habt ja gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch gegeben hat:
Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden.
Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist;
nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium.


Predigt

Liebe Gemeinde,

immer und immer wieder, schon Wochen lang vor ihrem Geburtstag, fragte Anna ihre Eltern: „Was bekomme ich denn zu meinem Geburtstag geschenkt? Sagt schon! –
Ich hätte so gerne einen Hamster…“
„Der braucht auch einen Käfig und Streu und ein Schälchen fürs Essen und eines zum Trinken. Ach, bitte, bitte, nun sagt schon: was krieg ich denn zum Geburtstag?!“
Ein Geburtstag ohne Geschenke, das kann sich kein Kind bei uns vorstellen. Wie Bogen gespannt sehnen Kinder ihren Geburtstag herbei, weil es so schön ist, Geschenke zu bekommen. Schon der erste Blick auf den Geburtstagstisch mit seinen Geschenken lässt die Augen groß werden und das ganze Kind ist Freude und gespannte Erwartung in einem.

Lauter Geheimnisse, eingepackt in meist schöne, oft liebevolle, manchmal sogar sehr aufwendige Verpackungen.
Bis zum Auspacken bleibt es ein Geheimnis, was da an Schönes oder auch Nützliches hervorkommen wird. Deshalb ist es auch so aufregend und verlockend schon Wochen vorher die eigenen Wünsche immer wieder vorzubringen, ist es so schwer auszuhalten, ob das Ersehnte auch dabei sein wird, weswegen wohl nicht nur Anna immer wieder bei den Eltern nachfragt, was sie denn zu ihrem Geburtstag bekommen wird. Es bleibt bis zum Auspacken ein Geheimnis voller Sehnsucht und Vorfreude.

Weihnachten ist auch ein Geburtstag. In der Krippe liegt, verborgen und sichtbar zugleich, ein Geschenk. Ein Geschenk Gottes an uns Menschen. Das Kind in der Krippe, sichtbares Zeichen von Gottes Menschenverbundenheit, birgt zugleich in sich ein Geheimnis: das Geheimnis der heilvollen Gegenwart Gottes, nun für jeden Menschen auf der Welt, der dieses Geschenk annimmt, auspackt, betrachtet und in sich bewahrt.

Und das Kind in der Krippe, so erzählt es der Evangelist Matthäus, bekommt selbst auch Geschenke. Einige Tage nach der Geburt Jesu kommen Wissenschaftler aus der Ferne und verneigen sich vor dem neugeborenen Kind, das sie als neuen König mit weitreichender Bedeutung ausgemacht haben. Grundlagen dafür war die Berechnung der Sterne.

„Die drei Könige“, so nennen wir sie, bringen dem neuen Königskind zur Ehre Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und so sind sie fester Bestandteil von Krippendarstellungen geworden und das Ereignis ist ein eigener Tag im Festkalender.
Heute feiern wir ihn, den Dreikönigstag, Epiphanias.

Epiphanias meint: die Herrlichkeit Gottes wird in ihrer ganzen Fülle sichtbar, das Geheimnis, in der Christnacht noch ein erstes Leuchten in dunkler Nacht ist nun ein helles, unübersehbar leuchtendes Licht geworden. Was bislang vielleicht noch ein Geheimnis war, nun können es alle sehen. Wie die fremden Wissenschaftler aus fernen Ländern.

Ein Geheimnis ist es, wie ein Geschenk: Gottes Liebe und Heil für jede und jeden. Für alle auf der ganzen Welt. Für sein Volk. Und eben auch Gottes Nähe, Gottes Erbarmen und Barmherzigkeit für die, die nicht zu seinem von ihm erwählten Volk gehören.

Nach der Geburt Jesu hat es noch einige Zeit und Lernwege gebraucht, bis diese frohmachende Botschaft auch hinaus getragen wurde in die verschiedenen Regionen und Länder der damaligen Welt. Und über die Jahrhunderte hinweg dann ja auch bis zu uns und an alle möglichen Ecken und Enden der Welt.

Paulus, dem der Epheserbrief früher zugeschrieben wurde, erlebte es selbst als Geheimnis und Geschenk, dass er und alle Menschen aus der frei fließenden Gnade Gottes in dieser Güte und Barmherzigkeit Gottes leben dürfen. Dafür braucht es keine Vorleistung, keine erfüllte Vorbedingungen, nichts außer der Sehnsucht und Vorfreude auf Gott selbst. Eben wie bei einem Geburtstagsgeschenk.

So wie ich einem anderen Menschen ein Geschenk mache, weil ich sie sehr mag, weil er mir viel bedeutet, weil ich ihm wie ihr zeigen möchte, wie sehr er und sie mir lieb und teuer sind, so zeigt Gott uns dies mit seinem Geschenk: Jesus.

An der Krippe stehen und das Kind betrachten und in dem Betrachten die Liebe und Zartheit der Gnade Gottes in mich fließen lassen, aufnehmen, das ist das geheimnisvoll schöne Geschenk, das wir an Weihnachten feiern. Verpackt, geheimnisvoll und doch zugleich ganz sichtbar.

Heute an Epiphanias, leuchtet es auf in seiner Pracht, in seiner Fülle, mit der tiefen Freude, die dieses Geschenk in einem Menschen hervorruft. Es ist die Frage, ob ich das Geschenk annehme.

Es wird mir entgegen gestreckt, an mir allein liegt dann die Entscheidung, ob ich es in die Hand nehme, vielleicht ja vol-ler freudiger Erwartung, vielleicht aber auch mit Zögern, vielleicht auch mit Staunen, weil es für mich ist, oder mit Fragen, weil ich nicht weiß, was damit auf mich zukommt.

Nehme ich ein Geschenk an, ist die nächste Frage, ob ich gleich alles auf einmal auspacke und in seiner Fülle auf mich einströmen lasse, oder ob ich es lieber vorsichtig nach und nach enthülle, mir ansehe, in mich aufnehme.

Unsere Tradition kennt ganz verschiedene Formen, das Geschenk „Jesus“ anzunehmen.

Da gibt es das „Herzensgebet“, ein Gebet, bei dem Menschen den Namen Jesu immer und immer wieder in sich bewegen, innerlich sprechen, denken, wiederholen, solange, bis mit dem Atemfluss Jesus und ich selbst so inniglich miteinander verbunden sind, dass sich ein enges Verweilen in der Gegenwart Gottes einstellt.

Wir können uns im Vergegenwärtigen und Meditieren von biblischen Texten, gerade auch von Jesus-Geschichten, Jesus selbst an unsere Seite holen. In den Begegnungen, die Menschen damals mit Jesus hatten, kann auch ich Jesus begegnen, immer wieder neu herausfinden, wo er ist und wo ich gerade mit ihm bin, sodass durch diese Begegnungen im Beten Gottes Dasein mir erfahrbar wird.

An der Krippe stehen, das Kindlein anschauen und mit dem Schauen, das Licht und die überfließende Liebe Gottes in uns aufnehmen, bis ich diese körperlich als Wärme und Geborgenheit spüre. Das kann ich in der Stille des eigenen Betens tun, das kann ich aber auch singen. Paul Gerhards „Ich steh an deiner Krippen hier“ ist eine wunderbare Form sich mit diesem Gottesgeschenk in der Krippe, mit Jesus zu verbinden.

Die Wege der Mystiker zeigen, dass das Geschenk, das mit Weihnachten gegeben ist, ausgepackt werden kann und eine tiefe Wirkung entfaltet. Die Tatkraft vieler Menschen, den Weisungen Gottes zu einem guten Leben zu folgen und in die Fußspuren Jesu zu treten, sichtbar in Mitgefühl, Engagement für andere, Wachheit im Denken und politisches Handeln im Sinne der biblischen Nächstenliebe, dies alles zeigt, dass das Gottesgeschenk in Menschen leuchtet und aus Menschen heraus in diese Welt strahlt.

Gnade Gottes ist es, dass wir alle von diesem Geschenk wissen. Gnade Gottes ist es, wenn ich es annehme und immer wieder von Neuem auspacke, bedenke und wirksam werden lasse. Gnade Gottes ist, dass das Geheimnis so sichtbar leuchtet, dass nämlich „durch Jesus Christus [alle Menschen) Anteil bekommen am Heil,… [sie] mit einbezogen sind in die Zusagen Gottes für sein Volk.“

Gott schenke uns allen diese Gnade und lasse sie in uns und durch uns strahlen und leuchten.

Amen.


Verfasserin: Pfarrerin Elke Stein
Lion-Feuchtwanger-Str. 14, 55129 Mainz

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