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Gottes Offenbarung in Jesus Christus gilt allen Völkern

von Michael Erlenwein (Schifferstadt)

Predigtdatum : 06.01.2017
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Epiphanias
Textstelle : Johannes 1,15-18
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Wochenspruch:
"Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht schein jetzt." (1. Joh 2, 8)

Psalm: 72, 1 - 3.10-13.19


Lesungen
Reihe I: Matthäus 2, 1 - 12

Reihe II: Epheser 3, 2 - 3 a. 5 - 6

Reihe III: Johannes 1, 15 - 18

Reihe IV: Kolosser 1, 4 - 27

Reihe V: Jesaja 60, 1 - 6

Reihe VI 2. Korinther 4, 3 - 6


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 72, 1 – 6 O Jesu Christe, wahres Licht
Wochenlied: EG 70, 1 – 2 + 7 Wie schön leuchtet der Morgen-stern
Predigtlied: EG 27, 1 – 6 oder Lobt Gott, ihr Christen alle gleich Wir schauen der Wahrheit ins Auge (2x singen) aus „Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder“ (ISBN 3-89912-083-3) Nr. 91:
Dieses Lied passt besser.
Schlusslied: EG 170, 1 – 4 Komm, Herr, segne uns
Predigttext Johannes 1, 15-18
Das Zeugnis des Johannes: Gnade und Wahrheit

„Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“


Liebe Gemeinde,
wir sind immer noch mittendrin, obwohl schon etwas Neues angefangen hat. Wir haben das neue Jahr schon begrüßt, mit Feuerwerk und Feiern. Wir haben vielleicht die ein oder andere stille Träne vergossen über das, was uns im vergan-genen Jahr missglückt oder widerfahren ist. Und natürlich haben wir auch die beinahe schon obligatorischen guten Vorsätze für das neue Jahr gefasst. Die Geschenke wurden gebraucht, angezogen, gelesen oder umgetauscht. Das Weihnachtsgebäck kann man eigentlich auch nicht mehr so gut sehen geschweige denn essen. Nicht mehr lange, und die Weihnachtsbäume werden wieder zur Entsorgung auf die Straße gestellt. Der Schmuck wird ordentlich in Kisten ver-staut und in den Keller oder auf den Speicher gebracht. Falls der Alltag uns noch nicht wieder hat, spätestens in den nächsten Tagen wird das sicherlich der Fall sein. Auch das Fernsehprogramm ist schon länger nicht mehr weihnachtlich, sondern ganz alltäglich. Wir fangen gerade an, uns so langsam an das neue Jahr zu gewöhnen und daran, dass Weihnachten hinter uns liegt. Da auf einmal wird Weihnach-ten noch einmal zum Thema. Offensichtlich dürfen wir es doch nicht so schnell wegräumen. Die Lichter werden noch einmal angezündet: Die Botschaft leuchtet noch einmal auf: Gott selbst kommt in diese Welt, tritt mitten hinein in unser Leben. Wir hören im Evangelium noch einmal, wie die Weisen aus dem Morgenland Gold, Weihrauch und Myrrhe zur Krippe bringen. Der Prophet Jesaja lässt die Herrlichkeit des Herrn noch einmal über dem Zion und über uns aufgehen. Der Apostel Paulus verweist uns noch einmal auf unseren Anteil am Geheimnis der Verheißung. Gott kommt in die Welt, und das Leben von Menschen verändert sich. So, als sollten wir daran erinnert werden, dass das Weihnachtsgeschehen eigentlich nichts für Zuschauer ist, sondern Ergriffene und Beteiligte haben will.

Wussten Sie, dass das Epiphaniasfest, das Fest der Erschei-nung des Herrn, das zweitälteste Fest der Christenheit ist? Es wurde weit vor Weihnachten in den christlichen Kirchen gefeiert. Die alte Kirche erinnerte sich an diesem Tag an die Menschwerdung Gottes: Gott kommt in diese Welt. Der glei-che Gott, der in seiner Herrlichkeit über allen Mächten und Gewalten thront, begibt sich hinunter in die Niederungen des menschlichen Lebens. Gott wird einer von uns sozusagen, ansprechbar und berührbar. Ein Gott zum Anfassen. Die Fülle der Gnade kommt auf die Erde in einem Menschen wie Du und ich, davon erzählt Epiphanias.

Dass Gott in Jesus Christus so menschlich daherkommt, hat natürlich eine Kehrseite. Ware er als Gott gekommen, in offener Macht und Herrlichkeit, mit Blitz und Donner und allem, was dazu gehört, wäre alles eindeutig. Gott hätte für seine Erscheinung einen der großen Regisseure Hollywoods engagieren müssen, der sich mit special effects auskennt.

Der hätte schon dafür gesorgt, dass keine Fragen und keine Zweifel offen geblieben wären. Ein guter und cleverer Imageberater wäre auch nicht schlecht gewesen. Einer, der Gott beibringt, wie man sich richtig verkauft: Die Stärken hervorheben: Herr der Welt, allmächtig, gütig, weise. Die Schwächen hätte man freilich verstecken müssen. Aber da-ran bestand offensichtlich kein Interesse. Lieber sein Licht unter den Scheffel stellen, als es hell leuchten zu lassen. Lieber Hinterhofprophet als Herrscher der Welt.

In Jesus Christus kommt Gott so ärgerlich menschlich daher. Die, die ihm begegnen, wissen nicht, woran sie mit ihm sind. Selbst seine Anhänger zweifeln manchmal an ihm. Jetzt hat er schon die Macht, und was macht er daraus: Nichts. Es fiel damals schon nicht schwer, Jesus abzulehnen. Was sollen wir da erst sagen, die wir ihn nur vom Hörensagen kennen. Denn niemand hat ihn ja je gesehen. Der Preis der Menschlichkeit ist Zweideutigkeit. Wenn wir in den kommenden Wochen den Weg Gottes unter den Menschen von Weihnachten bis Ostern, von der Krippe bis zu Kreuz und Grab in den Gottesdiensten mitgehen, dann wird uns diese zweideutige Menschlichkeit des Öfteren begegnen. Wir werden uns an Jesus reiben und zweifeln. Wir werden uns oft genug eine größere Eindeutigkeit wünschen. Eine Lese-hilfe, wie wir die Geschichten zu lesen haben, wäre da ganz hilfreich.

Falls es für Sie ein Trost ist. Nicht nur uns geht es so. Auch damals haben die christlichen Gemeinden schon solche Le-sehilfen gebraucht. Auch wenn sie noch viel näher an den ganzen Ereignissen um und mit Jesus Christus dran gewesen sind, vielleicht den ein oder anderen Augenzeugen noch persönlich gekannt haben. Die Zweifel und die Fragen waren die gleichen gewesen. Zu unglaublich war das alles.

Der Evangelist Johannes bietet seiner Gemeinde eine solche Lesehilfe an, zu Beginn seines Evangeliums. Wir haben einige Verse daraus vorhin gehört. Eine Lesehilfe für die Jesus-geschichten, die er gesammelt, aufgeschrieben und zusam-mengestellt hat. So sollt ihr Jesus sehen, den Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist, der zu Euch gekommen ist.

Mitten in euer Leben tritt er hinein. Und Johannes setzt ganz groß ein, zum Urgrund geht er zurück: „Am Anfang war das Wort“. Damit fängt seine Lesehilfe – das erste Kapitel seines Evangeliums – an, „und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Das war das wahre Licht, das alle Menschen er-leuchtet.“ Der Ton macht die Musik: Wer das damals hörte, der hörte im Hintergrund das große Lied der Schöpfung, mit dem die Bibel anfängt. Das Lied im Hintergrund sang vom Beginn der Geschichte Gottes mit dieser Welt. Das Lied im Hintergrund sang vom Licht in der Dunkelheit, von Ordnung mitten im Chaos; allein durch Gottes schöpferisches Wort. Und der große Refrain in diesem Lied Gottes mit und für die Welt lautete: „Und siehe alles war sehr gut.“

Diese Welt ist Gottes gute Schöpfung; ihr seid ein Teil davon. Soweit bewegt sich alles noch in einem bekannten Rahmen. Auch die damals noch junge christliche Gemeinde kannte die jüdischen Überlieferungen. Man darf nicht vergessen, dass es das, was wir heute als „Neues Testament“ kennen, damals noch nicht gab. Wenn damals von den „Heiligen Schriften“ die Rede war, war es für die christliche Gemeinde klar: Das „Alte Testament“ ist gemeint. Das war die einzige heilige Schrift, die sie kannten. Jetzt aber kommt das entscheidend Neue: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“. Kein Schöpfungslied vor aller Zeit, sondern Fleisch und Blut, konkret, anschaulich, berührbar, der Himmel heruntergekommen bis auf die Erde in einem Menschen: Jesus Christus. Johannes fängt an zu jubilieren. Kein nüchterner Tatsachenbericht wird abgeliefert.

Vielmehr: Wem das Herz voll ist, dem quillt der Mund über. Lauter Jubel bricht aus Johannes heraus. Es kommt einem so vor, als würden ihm die Worte fehlen: „voller Gnade und Wahrheit“, „von seiner Fülle haben wir genommen Gnade und Wahrheit“. Da ist nichts mehr, was außerhalb von uns und vor uns geschieht, was wir deshalb nur mehr oder min-der interessiert und berührt zur Kenntnis nehmen können. Sondern mitten in deinem Leben taucht Gott auf, ein erfri-schender Luftzug, ein Quell des Lebens, voller Gnade und Wahrheit, die Fülle des Lebens, die Fülle des Heils, die Worte versagen einem.

Mit Jesus Christus kommt die Welt in Ordnung, so wie ganz am Anfang vor aller Zeit. Das hörten die Menschen, die sich damals in den kleinen, angefochtenen und bedrohten christ-lichen Gemeinden zusammenfanden. Das war die Lesehilfe des Johannes So sollten sie die Geschichten lesen, die er im Folgenden erzählt: Von der Hochzeit in Kana, bei der es den Menschen – welch ein Wunder- an nichts fehlt. Von der Ehebrecherin und den anderen Außenseitern, die von Jesus – welch ein Wunder – wieder mit hineingenommen werden in die Gemeinschaft, ohne Vorurteil, ohne dass der Stab über sie gebrochen wird. Von Nikodemus, der sich heimlich zu Jesus schleicht aus Angst vor seinen Glaubensgeschwistern, die seine Veränderung weder verstehen noch aushalten. Von Thomas, der ganz am Ende unbedingt sehen will, was er nicht glauben kann, verbunden mit der Zusage, dass gerade die, die nicht sehen und dennoch glauben am Ende selig sein werden; eine Verheißung, die gerade wir Nachgeborenen sehr gut gebrauchen können. Und schließlich und endlich die große Zusage Jesu, dass der Heilige Geist, der Tröster, bei uns sein wird, uns die Kraft schenkt, die wir brauchen und den Glauben, den wir nicht haben. Die Fülle Gottes scheint auf mitten in meinem kleinen Leben, was für ein Trost, was für eine Hoffnung, was für eine Kraft – hoffentlich.

Weihnachten ist eine Zeit außerhalb der Zeit, außerhalb des Alltags. Eine besondere Zeit, eine heilige Zeit. Himmel und Erde berühren sich und die Herrlichkeit Gottes scheint auf in der Finsternis. Ich glaube schon, dass man das über die Feiertage sich irgendwie außerhalb der Zeit fühlt. Man muss aber dann aber auch in seinen Alltag zurück zu kehren, in das ganz normale Leben, das einem aufgetragen ist, jeden Tag aufs Neue. Jeden Tag Braten und Gebäck, das würde einem sehr schnell zum Halse heraus hängen.

Epiphanias ist ein Fest auf der Schwelle zwischen Festzeit und Alltag. Die Höhe der frohen Botschaft: Gott kommt uns Menschen nahe, muss umgesetzt und am Leben erhalten werden in den Mühen des Alltags, unseres ganz normalen Lebens. Ganz am Anfang habe ich bereits gesagt: Das Weihnachtsgeschehen, das Kind in der Krippe, die Hirten, die Weisen und der Stern, sind nichts für Zuschauer, sondern etwas für Ergriffene und Beteiligte. Auf der Schwelle zwischen Festzeit und Alltag werden wir darauf verwiesen: Glauben wir dem Ganzen? Trauen wir dem allem etwas zu? Kraftquelle? Hoffnungsschimmer? Trost?. „Niemand hat Gott je gesehen“ sagt Johannes in seiner Lesehilfe – in seiner Lebenshilfe. Können wir darauf bauen, darauf vertrauen? Ist das unsere Gnade und Wahrheit? Ist das die Fülle unseres Lebens?


Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.


Verfasser: Pfarrer Michael Erlenwein
Langgasse 61, 67105 Schifferstadt


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