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Gottes Weg ist nicht unbelastet

von Karlhans Nüßlein (35080 Bad Endbach)

Predigtdatum : 24.02.2008
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Reminiszere
Textstelle : 1. Könige 19,1-8.(9-13a)
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Wochenspruch:

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. (Lukas 9, 62)

Psalm: 34 (EG 718)

Lesungen

Altes Testament:
1. Könige 19, 1 – 8 ( 9 – 13a)
Epistel:
Epheser 5, 1 – 8
Evangelium:
Lukas 9, 57 – 62

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 384
Lasset uns mit Jesus ziehen
Wochenlied:
EG 96
Du schöner Lebensbaum des Paradieses
Predigtlied:
EG 365
Von Gott will ich nicht lassen
Schlusslied:
EG 75,1
Ehre sei dir, Christi

Hinführung:
Beim Lesen der Perikope kam mir zunächst der Satz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ aus dem Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry in den Sinn. Später habe ich mich aber entschieden, im Verlaufe der Predigtausformulierung, den zweiten Teil der Perikope nicht mit in die Predigt hineinzunehmen, da dieser noch einmal einige völlig neue Aspekte der Gottesoffenbarung und Gotteserfahrung des Elia eröffnen würde. Sicher sind diese Aspekte interessant und bedürfen der Erwägung, aber in ihrer weiteren Vielfältigkeit und Tiefe schienen sie mir den Rahmen einer Predigt zu sprengen, sofern sie nicht als Hauptteil der Predigt benutzt werden. Zur Hinführung der Hörer schien es mir nötig, noch einmal kurz die Geschichte Elias mit den Baalspriestern in die Erinnerung zu rufen. Sie kann an der Stelle im Eingang der Predigt auch ausführlicher erzählt werden, wenn man das für nötig erachtet. Allerdings sollte sie nicht neben den Text treten und so den Weg zum Ende der Predigt hin mit neuen Informationen füllen. Wichtig ist mir immer, dass sich aus einer Predigt auch konkrete Handlungsaspekte für die Hörer entwickeln. Dies dient nicht dazu, einer neuen Werkgerechtigkeit Vorschub zu leisten, sondern eigentlich dem Gegenteil. Nämlich, wie es Luther gesagt hat: Ein guter Mann macht gute, fromme Werke.
Oft denken die Hörer vielleicht zu kompliziert und zu unkonkret von den Texten, die ihnen sonntäglich begegnen. Meiner Meinung nach sollten wir wieder mehr auf die Tätigkeiten verweisen, die daraus entstehen, als die Einheiten nur kognitiv zu betrachten. Ich denke hierbei auch an die neue Welle der Pilgerwege und der Bedürftigkeit nach neuer Sinnfindung auch und gerade im evangelischen Bereich. Als Prediger sollten wir uns dem nicht entziehen, gerade weil uns dies neue Ansatzpunkte der theologischen Erläuterung und der Interpretation beziehungsweise der Übertragung der Texte in das reale Leben der Menschen ermöglicht.

1 Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. 2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! 3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. 4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.
5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! 6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. 7 Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 8 Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

Liebe Gemeinde,
was war geschehen? Diesen großen Propheten Elia, dessen Name so viel bedeutet wie „der HERR allein ist Gott“ so zu erschrecken, dass er die Flucht ergreift. Gerade ein paar Tage vorher hatte er die Baalspriester schlecht aussehen lassen. Gegen sie gekämpft hatte er. Und er hatte gewonnen. In Schimpf und Schande hatte er sie stehen lassen und sie dann auch noch getötet. Auch wenn wir heute aus der geschichtlichen Perspektive sagen müssen, dass das wahrscheinlich nicht er selbst, sondern der von ihm eingesetzte König Jehu war.
Was bringt also einen Mann Gottes, seinen Propheten, dem Gott gerade einen großen Sieg verliehen hat dazu sich auf den Weg zu machen und sich zu verstecken, am Rand der Wüste in den Wacholderbüschen?
Liebe Gemeinde, ich denke, viele von Ihnen kennen das. Eine Aufgabe ist mit Erfolg erledigt und wir ziehen uns zurück, um uns auszuruhen. Elia hat zunächst keinen konkreten Auftrag von Gott mehr. Er hat seine Aufgabe mit Erfolg abgeschlossen und er zieht sich zurück. Aber der Bote der Königin findet ihn und droht ihm schweres Unheil an. Was er den Baalspriestern angetan hat, soll ihm selbst nun auch widerfahren. Es soll ihm nicht nur das Leben, sondern sogar die Seele genommen werden. Er bekommt Angst wegen dieser Botschaft und flieht. Erschöpft und ermattet, wie er nach dem großen Auftrag sicher ist, weiß er sich keinen anderen Rat. Er versteckt sich und überlässt sich dem Willen Gottes und dem Schlaf.
Wenn schon, dann soll Der HERR selbst ihm die Seele nehmen. Und in völliger Erschöpfung und letztendlich in totaler Weltflucht überlässt er sich dem Schlaf.
Vor der Rache der Königin flieht Elia und überlässt sich selbst dann der völligen Untätigkeit. Niemals in unserem Leben sind wir so angreifbar und verletzlich, wie im Schlaf. Niemals aber auch so angewiesen auf die Fürsorge Gottes. Elia gesteht ein, dass er nun nicht mehr in der Lage ist, irgendetwas aus eigenem Willen zu tun. Er ist einfach nur noch müde, denn sein Tun hatte keinen durchschlagenden Erfolg. Immer noch tummeln sich die Anhänger Baals auf den Machtpositionen und können ihm mächtig und machtvoll zusetzen. Seine Grenzen sind erreicht, er kann nicht mehr und er will auch nicht mehr. Für ihn hat sich mit dem letztendlichen Misserfolg seiner Mission in seinen Augen auch alles andere erledigt. Sein Tun und Handeln, seine Aufgabe, sein Leben sind nun für ihn vorbei.
Völlig allein, nachdem er seinen Diener zurückgelassen hatte, liegt er unter dem Wacholderbusch und schläft. Es liegt nun alles in der Hand Gottes. Die Bibel beschreibt hier nicht irgendeine Vision, einen frommen Gedanken, der nur besonders begnadeten Persönlichkeiten zu Teil wird. Hier wird dieser Prophet, der im Auftrag Gottes Unglaubliches vollbringt, zutiefst menschlich. Wir kennen einige solche Geschichten aus der Bibel, in denen Gott den Menschen in der totalen Einsamkeit ihres Seins begegnet. Abraham hatte seine Diener auch zurückgelassen, als er seinen Sohn opfern sollte. Mose war allein auf den Berg gestiegen und Jakob überließ sich völlig allein auf der Flucht dem Schlaf und träumte von der Himmelsleiter. Sicher ist es gut und wichtig, mit Menschen zu sprechen und auch Menschen zu haben, mit denn man sprechen kann, liebe Gemeinde, aber es gibt Situationen im Leben, da muss der Mensch mit seinem Gott einfach allein sein. Elia bleibt dazu nichts anderes übrig, als in die Wüste zu fliehen, das dürfte uns in unserer modernen Welt schwer fallen. Aber es gibt sie, die Orte der völligen Stille und Einsamkeit, da wo man die Gegenwart des Engels Gottes spüren kann, auch mitten im Getriebe der Zeit. Auf Wanderungen, im freien Feld, im Wald, aber auch in einer Kirche finden sich solche Orte, die Sie hoffentlich nicht zum Schlafen, aber vielleicht ein wenig zum Besinnen einladen. Dann sind Sie vielleicht in der Lage, alles Reden hinter sich zu lassen und sich Gott völlig anzuvertrauen und sich ihm zu überlassen mit allem was Sie sind und haben, genauso wie Elia es tat.
Und an der Stelle, an der wir denken, nun ist alles vorbei, nun hat dieser große Prophet mit sich, seinem Leben und mit Gott abgeschlossen, geschieht das Wunder. Ganz lapidar wird das hier gesagt, so als wäre es die größte Selbstverständlichkeit überhaupt. Wie eine Mutter morgens die Kinder zum Frühstück weckt, oder der Ehemann der Frau das Essen ans Bett bringt, so steht es da. Mit einfachen Worten drückt sich das Wunder aus. „Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser.“
Keine Erklärung, keine Frage, wo das herkommt, es ist einfach da und Ende. Ein Engel erscheint und Elia und der Schreiber des Textes lassen es wie etwas völlig normales erscheinen. Ich glaube aber, genau das ist hier die Aussage und das ist auch die Botschaft dieses Sonntags Okuli (es bedeutet „Meine Augen“). Siehe! Ein Auftrag ergeht. Steh auf und iss! Und dann wird der Wille Gottes getan. Ganz konkret. Ganz einfach. Ganz realistisch. Dieser übermüdete, abgearbeitete und verzweifelte Elia, der sich völlig gehen und fallen lässt, braucht zunächst einmal Speis und Trank um weiter leben zu können. Er ist nicht mehr in der Lage für sich selbst Sorge zu tragen. Ob Gott hier einen Hirten vorbeischickte, der ein Brot und etwas Wasser zurücklässt oder wie die Hilfe, die Elia widerfuhr, ganz konkret ausgesehen hat, bleibt unbeleuchtet. Es ist für den Fortgang der Geschichte auch gar nicht wichtig. Aber ich finde, es lohnt einen Moment des Nachdenkens für uns hier und heute.
An dieser Stelle macht sich die Geschichte nämlich für uns konkret. Hier ruft sie uns in die Pflicht und in die Nachfolge. Überdenken Sie, liebe Gemeinde, einmal einen Moment, wo Sie selbst schon solche Begegnungen hatten. Wo sind Sie selbst für einen Mitmenschen zum Engel geworden, oder wo ist Ihnen ein Engel Gottes erschienen? Wo ging es Ihnen schon einmal so wie Elia? Und wie hat Gott Sie dort herausgeführt, bis hierher heute in diese Kirche? Oder liegen Sie vielleicht wieder unter dem Wacholder, wie es Elia zunächst tut? Er isst und trinkt und schläft weiter. Zum zweiten Mal kommt der Engel, und nun wird Elia endlich wieder wachgerüttelt und geht wieder in das Leben und in seinen Auftrag zurück. Es muss ihm aber noch einmal gesagt werden. Dieser Auftrag beginnt wieder mit einer konkreten Handlung Steh auf und iss. Manchmal fragen mich Menschen: „Ich bin unsicher, was soll ich denn sagen, wenn ich in ein Trauerhaus komme?“ Ich antworte darauf meist: „Sie müssen nichts sagen, seien Sie einfach da. Der Mensch in dem Haus braucht vielleicht nur etwas zu essen oder eine Tasse Kaffee. Das reicht, das ist genug, mehr ist nicht nötig.“
In unserem Predigttext ist das ganz genauso. Dieser verängstigte, trauernde und letztendlich lebensmüde Elia braucht jemanden, der ihn wieder auf den Weg bringt. Ohne große Worte, ohne lange Erklärungen, der Engel ist einfach da und gibt Anweisungen. Elia selbst kann nichts mehr, aber durch die Speise und den Trank erhält er neue Kraft, die ihn vierzig Tage und Nächte stärkt. So kann er sich wieder auf den Weg machen, den Gott mit Abraham begann. Sein Auftrag ist noch nicht zu Ende, sein Weg hört noch nicht auf. Gott hat noch etwas mit ihm vor, bevor er ihn zu sich ruft. Er muss noch mit ihm reden und sehen ob er ihn erkennt. Elia muss noch seinen Nachfolger ausbilden und zwei Könige salben, bevor er von Gott entrückt wird.
Aber er macht sich wieder auf den Weg. Einen langen Weg, den er vor sich hat. Bis hin zum Berg der Gottesoffenbarung, dem Berg an dem Mose die Gesetzestafeln erhielt. Er ist Teil des Weges, der sich in Jesus Christus auch uns offenbart hat mit den Worten: „ Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
Er ist Teil des Weges, der bis in unsere Gegenwart reicht und auch uns aufruft, diesen Weg zu gehen. Ganz einfach und ganz schlicht, wie es bei Elia heißt: Steh auf und iss! Denn du hast einen großen Weg vor dir.
Aber eines wird durch diese Geschichte gewiss. Wir sind nicht allein auf diesem Weg. Gott ist stets bei uns und wacht über uns. Er sendet uns immer wieder Engel, die uns aus dem Schlaf des Vergessens wecken und auf den rechten Weg zurückführen. Und er lässt uns selbst zu solchen Engeln für andere werden. Die befreiende Botschaft dabei ist, dass Gott, wenn wir längst am Ende sind, nach uns sieht und uns immer wieder neue Wege eröffnet. Lassen wir uns wecken und unsere Augen öffnen, um seinen Weg zu gehen.
Amen.

Verfasser: Pfarrer Karlhans Nüßlein, Evangelische Kirchengemeinde Hartenrod, Am Kastengarten 4, 35080 Bad Endbach

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