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Im Danken Gott finden

von Christina Jammers (Gimbsheim)

Predigtdatum : 28.08.2016
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 12. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Römer 8,(12-13).14-17
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Wochenspruch:
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103, 2)

Psalm: 146

Lesungen
Altes Testament: 1. Mose 28, 10 – 19a

Epistel: Römer 8, 14 – 17

Evangelium: Lukas 17, 11 – 19

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 449, 1 - 3 Die güldne Sonne
Wochenlied: EG 365, 1 - 3.5 Von Gott will ich nicht lassen
Predigtlied: EG 638, 1 - 3 Ich lobe meinen Gott
Schlusslied: EG 590, 1 - 3 Herr, wir bitten


Vorüberlegungen
Wesentliches Thema des vorgegebenen Predigttextes ist für mich die Einladung und (gleichzeitig) der Appell des Apostel Paulus, sich – dank Gottes Geist – einen kindlichen Geist zu bewahren. Dementsprechend möchte ich in meiner Predigt thematisieren, dass ich auch als Erwachsener Mensch „das Kind in mir“ lebendig halten kann und soll.

Diesen Gedanken verbinde ich mit einem zentralen Motiv des Sonntags (nicht nur „im Danken Gott finden“, sondern auch „als Kind Gottes seine stärkende Kraft erfahren“), sprich: Ich möchte aufzeigen, dass ich gerade durch das Bewahren dieses kindlichen Seelenanteils Gottes Stärkung spüre. Auch möchte ich in der Predigt dem Gedanken nachgehen, dass „das Kind in mir“ keinen Rückzug in eine infantil-passive Haltung bedeutet, sondern mich vielmehr befähigen kann, als verantwortlicher Christ zu leben.

Im Predigteinstieg beziehe ich mich auf die Kinder- und Jugendbuchreihe „Harry Potter“ und knüpfe hier an meine per-sönliche Vorliebe dafür an. Sollte der/die Predigende die Bü-cher nicht selbst kennen oder nicht mögen, müsste er/sie meinen Predigteinstieg auf ihm/ihr bekannte „Harry-Potter“ Freund/innen umformulieren.

Predigttext Römer 8, 12 - 17
„So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleische schuldig, dass wir nach dem Fleische leben. Denn wenn ihr nach dem Fleische lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater“ Der Geis selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“


Predigt

Liebe Gemeinde,

1. wie sich bestimmt viele gut erinnern, wurde vor einigen Jahren die „Harry-Potter“-Reihe der englischen Schriftstellerin J. K. Rowling zu einem der größten Buch-Erfolge aller Zeiten. Interessanterweise haben dabei aber nicht nur Kinder und Jugendliche – die eigentliche Zielgruppe – diese Bücher geradezu verschlungen; vielmehr haben sich auch Millionen Erwachsener von ihnen begeistern lassen. Und zwar nicht zuletzt – möchte ich als bekennender Kinderbuch- und insbesondere auch „Harry-Potter“-Fan behaupten! - nicht zuletzt deshalb, weil beim Lesen solcher Geschichten wohltuende Erinnerungen an die Kindheit hochkommen. Und damit dann das Kind in mir wach wird. Das Kind, das sein Leben und die Welt noch mit staunenden Augen betrachtet. Das Kind, das noch herzhaft lachen, sich ohne Wenn und Aber freuen kann. Das Kind, das sich noch geborgen fühlt. Und das auch noch an Wunder glaubt, das hofft und träumt. Kurz – das Kind, das sonst, im Alltag, wenig zu suchen hat. Denn weil der ja oft so anstrengend, stressig, manchmal auch sorgenbeladen oder beängstigend ist, muss ich im „ganz normalen Leben“ doch ernsthaft denken, verantwortungsvoll reden, muss eben erwachsen sein. Oder – kann das irgendwie zusammengehen, die Erwachsene und das Kind in mir?

Lassen Sie mich dazu den Predigttext widergeben, ich lese aus dem 8. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 12 – 17: [Predigttext]

2. Paulus spricht in diesem Text zwei verschiedene Arten von Geist an. Da gibt´s – mit Paulus gesagt – zum einen den „knechtischen Geist“. Also den Seelenanteil in mir, der sich leicht, vielleicht allzu leicht, von den vorhin angesprochenen Alltagspflichten und -sorgen vereinnahmen lässt. Der Teil in mir, der sich leicht, vielleicht allzu leicht, ängstigt, sorgt; der mir innere Ruhe, Gelassenheit raubt.

Und dann gibt´s, zum anderen, den kindlichen Geist; gibt´s noch den anderen Teil in mir. Das ist der Teil, der sich nach den kindlichen Gefühlen sehnt, die ich oben benannt habe. Der Teil, der sich auch in Anstrengung und Stress, in den Widrigkeiten des täglichen Lebens das Staunen, die Unbeschwertheit und die Hoffnung des Kindes bewahrt. Der Teil eben, der – mit Paulus gesprochen – „Abba, lieber Vater“ sagen kann, sich vertrauensvoll an Gott wendet. Denn der Glaube, so Paulus, der erfüllt mich doch mit genau diesem Geist. Macht´s mir damit möglich, dass ich auch als Erwachsene das Kind in mir bewahre. Dass ich also bei aller Vernunft und Ernsthaftigkeit wieder staunen und träumen und herzhaft lachen, aus ganzem Herzen das Leben lieben kann.

3. Oder – könnte man an der Stelle einhaken – ist das zu naiv gedacht? Steckt hier ein zu rosiges Verständnis vom Kind sein dahinter – denn, auch einem Kind ist ja nicht ausschließlich fröhlich zumute?

Gewiss – sich traurig fühlen, angestrengt sein, oder ärgerlich oder ängstlich, das sind Gefühle, die ich schon als Kind kenne. Und sich den kindlichen Geist bewahren, heißt nun nicht, dass ich als Erwachsene solche negativen Empfindungen unterdrücken soll – auf keinen Fall; umso belastender können sie dann im Inneren wühlen. Aber, mit kindlichem Geist kann und darf ich all dies nicht bloß mit mir selbst ausmachen. Kann und darf es mit der Offenheit eines Kindes vor Gott bringen; eben im Vertrauen darauf, dass meine Sorgen und Traurigkeiten, auch meine Fragen und Zweifel bei ihm gut aufgehoben sind. Dass sie sozusagen – womit wir bei einem zentralen Motiv des heutigen Sonntags sind – umfangen werden von dem lebendigen Geist Gottes und seiner Kraft. So wie es schon weit vor Ihrer und meiner Zeit die vielen Menschen erfahren haben, von denen uns die Bibel erzählt. Und ich behaupte: Wenn ich nicht zuletzt mit dem Staunen eines Kindes diese Geschichten lese, mich auf sie in ganz neuer Weise einlasse, dann mag umso mehr Zuversicht und kindliche Lebensfreude in mir wachsen.

Zuversicht und Freude, die ich dann aber nicht nur als persönlichen Schatz für mich selber hüten kann und soll. Die ich vielmehr – durch liebevolle, fürsorgliche und versöhnliche Worte und Taten – weitergeben möchte. Eben wie ein Kind, das ja auch nicht sein Leben lang bloß in Mamas oder Papas Armen liegen will. Oder eben wie – um noch einmal auf das eingangs gewählte Buchbeispiel zu kommen – wie der Roman-Held Harry Potter, der sich nicht bloß in seiner fantastischen Zauberer-Welt geborgen sein will. Der bald schon alles daran setzt, um die Macht des Bösen mit dem Geist des Guten zu überwinden.

Das ist in der Fantasie-Welt des Harry Potter nicht leicht – das ist in der realen Welt eine immense Herausforderung. Für die wir immer wieder den Wunsch und die entsprechende Kraft nötig haben. Möge Gott dazu seinen Geist geben. Schließen möchte ich dazu mit einem Segensspruch aus der ökumenischen Frauenarbeit: „Geist des lebendigen Gottes, erfrische mich wie der Tau am Morgen, forme mich, erfülle mich, sende mich.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen


Verfasserin: Pfarrerin Christina Jammers
Kirchstraße 38, 67578 Gimbsheim

Herausgegeben vom

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