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Im Danken Gott finden

von Janine Knoop-Bauer (Bad Homburg)

Predigtdatum : 21.09.2014
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 12. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 1. Thessalonicher 5,14-24
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Wochenspruch:
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103, 2)


Psalm:
146

Lesungen
Altes Testament: 1. Mose 28, 10 – 19a

Epistel: Römer 8, 14 – 17

Evangelium: Lukas 17, 11 – 19

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 454 Auf und mach die Herzen weit
Wochenlied: EG 365 Von Gott will ich nicht lassen
Predigtlied: EG 289 Nun lob, mein Seel, den Herren
Schlusslied: EG 170 Komm, Herr, segne uns


Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

1 Thessaloniker 5, 14 - 24
14 Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unor-dentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann.
15 Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem ver-gelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.
16 Seid allezeit fröhlich,
17 betet ohne Unterlass,
18 seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Got-tes in Christus Jesus an euch.
19 Den Geist dämpft nicht.
20 Prophetische Rede verachtet nicht.
21 Prüft aber alles, und das Gute behaltet.
22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.
23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unver-sehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Chris-tus.
24 Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun.

Gott schenke uns ein Wort für unser Herz und ein Herz für sein Wort – Amen

Liebe Gemeinde,

Umfragen belegen es immer wieder: Treue ist den meisten Menschen ein wichtiges Gut. Ob es nun in der Ehe ist oder in Freundschaften. Es gibt die Sehnsucht nach verlässlicher Bindung. Auch nach Exklusivität – man möchte gerne zu-mindest für einen anderen Menschen etwas ganz Besonderes sein. Etwas, das nicht austauschbar ist.

Ich kann das gut verstehen. Aber gleichzeitig zeigt die Rea-lität, wie schwer es ist treu zu sein. Dem Partner gegenüber, den Freunden, sich selbst. Ich denke, fast jeder hat schon einmal Untreue erlebt. Hat sich verraten gefühlt und verlas-sen. Oder hat selbst die Treue gebrochen.

Treue ist Schwerstarbeit. Wer treu sein will braucht einen langen Atem und Durchhaltevermögen. Denn Treue zeigt sich ja gerade in den Zeiten, in denen es schwer wird am anderen festzuhalten. In Krisenzeiten. Wenn die Freund-schaft auf die Probe gestellt ist. Oder in einer längeren Be-ziehung. Wenn die Euphorie der ersten Zeit verflogen ist und sich zu den Schmetterlingen im Bauch die grauen Stu-benfliegen des Alltags gesellen.

Die Herkunft des Wortes Treue aus dem Mittelhochdeutschen macht deutlich: wer treu sein will, sollte auch mutig und entschlossen sein. Denn treu sein bedeutet ursprünglich auch etwas zu wagen, sich etwas zu trauen.

Die Sehnsucht nach Treue ist kein Phänomen unserer Zeit. Auch die Adressaten des Predigttextes kannten diese Sehn-sucht. Es sind Christen und Christinnen der ersten Stunde. Viele Exegeten und Exegetinnen gehen davon aus, dass der 1. Brief an die Thessalonicher das älteste erhaltene Schrift-stück der Christenheit ist. Es ist ein Trostbrief. Paulus trö-stet eine Gruppe von Christinnen und Christen, die sich fra-gen, ob sie auf Gottes Treue noch vertrauen können. Und das hat einen Grund: Sie mussten erleben, wie die ersten in ihrer Gemeinde starben. Menschen, die sich voller Begeiste-rung zum Christentum bekehrt hatten und darauf warteten, dass Jesus zurückkehrt und die Welt zu Recht rückt. Und nun waren sie tot, und Jesus war nicht gekommen. Sie hatten seine Rückkehr, auf die sie doch so hofften, nicht erlebt.
Hatte Jesus sie verlassen? Hatte er sein Wort gebrochen? Weshalb sollten sie weiterhin an Jesus festhalten, wenn er nicht Wort hielt?

Große Enttäuschung herrschte in der Gemeinde. Und auch Trauer um die verstorbenen Schwestern und Brüder. Von der Euphorie der ersten Zeit war nichts geblieben. Sie fühl-ten sich um ihren Traum betrogen. Was machte das alles noch für einen Sinn?

Was macht es für einen Sinn festzuhalten an dem Traum von Treue, wenn er im Langzeittest seinen Glanz verliert? Wenn sich zeigt, wie schwer es ist zu vertrauen? Gerade dann, wenn das Gegenüber anders ist als man es sich er-träumt hat?

In der Beziehung zwischen zwei Menschen liegt genau hier der Knackpunkt. Gelingt es aneinander festzuhalten, auch wenn der andere nicht so ist wie man ihn sich wünscht? Gelingt es treu zu bleiben, auch wenn man sich getäuscht fühlt und enttäuscht wurde.

Für Paulus liegt hier auch der Knackpunkt in der Beziehung zwischen der noch jungen christlichen Gemeinde und Gott. Gelingt es den Menschen an Gott festzuhalten, auch wenn er anders agiert, als sie es sich erträumt haben. Gelingt es ihnen dennoch treu zu bleiben. Paulus wünscht es sich sehr, dass die Christinnen und Christen in Thessaloniki ihrer Be-ziehung zu Gott noch eine Chance geben. Dass sie nicht auf-geben in dieser Krise. Und seine Worte lesen sich wie ein Therapeutikum gegen den Schmerz der Enttäuschung.

Und im Kern seiner Ausführungen der eine Satz: Prüft aber alles, und das Gute behaltet (V21).
Das ist die Aufforderung zu einer Bestandsaufnahme. Einer Inventur des christlichen Lebens in der Gemeinde. Was hat dieses Leben mit sich gebracht? Wodurch ist es geprägt, was macht es aus? Liest man Paulus Ermahnungen zu Beginn des Predigttextes als Erinnerungen an die einst gelebte Gemeinschaft der Gemeinde, dann ergibt sich daraus in der Tat ein beeindruckendes Mit-einander. Die Erinnerung an eine Gemeinschaft, in der es wichtig war sich gegenseitig zu ermahnen, sich zu trösten und geduldig die Schwachen zu tragen. In der man sich vornahm den Teufelskreis von Ge-walt und Gegengewalt zu durchbrechen und miteinander fröhlich zu sein. In der man gemeinsam betete und dankbar war. Und begeistert - in Worten und Taten. Liest man Paulus Ermahnungen so, als Bestandsaufnahme des angestrebten Miteinanders in der Gemeinde, dann muss man zugestehen, dass da schon viel Gutes dabei ist.

Paulus rät in dem Moment der Enttäuschung innezuhalten. Innezuhalten, um dem Schmerz des Augenblicks die Erinne-rung an das Gute entgegenzuhalten. Und diese Erinnerung verbindet er mit der Aufforderung, an diesem Guten anzu-knüpfen. Prüfet alles, das Gute behaltet – schaut welchen Traum von gelingendem Miteinander ihr hattet und haltet daran fest. Lebt ihn! Auch jetzt, in der Krise!

Paulus hatte Erfolg mit dieser Botschaft. Zumindest wissen wir, dass die Gemeinde in Thessaloniki noch mindestens einen weiteren Brief erhalten hat, sich also nicht gleich auf-gelöst hat. Doch der Erfolg dieser Botschaft lag nicht nur in der gelingenden Erinnerung an das erlebte Gute, davon bin ich überzeugt. Denn da hört unser Predigttext ja auch nicht auf. Es kommt etwas hinzu, was erst den Blick in die Zu-kunft ermöglicht: Die Aussicht auf die Erfüllung von Gottes Versprechen.

Paulus erwartet nicht, dass die Christinnen und Christen ablassen von ihrer Sehnsucht nach der Wiederkehr Christi, auf die auch die Verstorbenen gewartet hatten. Er erneuert sogar diese Sehnsucht als gemeinschaftstiftendes Ziel der Gemeinde. Aber dabei entkoppelt er die Frage nach Gottes Treue von der Erfüllung dieses Ziels. Gottes Treue bleibt für Paulus die Basis und der Grund für alles menschliche Fest-halten am Glauben. Doch Gott erweist sich nicht erst als treu, wenn er wiederkehrt. Er erweist sich bereits als treu in der Erfahrung gelingender Gemeinschaft in seinem Namen. Diese Gemeinschaft ist für Paulus mehr als nur die Über-gangslösung bis zum Ziel, der ewigen Gemeinschaft mit Gott. Die Gemeinschaft der Christinnen und Christen ist selbst schon Zeichen für Gottes Wirksam sein unter den Menschen. Seine Weise sich mitten im Leben als gegenwärtig zu bezeugen. Diesem Gott sollen die Christinnen und Christen die Treue halten – ihm gegenüber den Mut aufbringen neu zu vertrauen. Und ich finde die paulinische Lesart macht es ein klein wenig leichter diesen Mut zur Treue aufzubringen. Denn die Etappen werden kleiner dadurch. Es gilt nicht auszuhalten bis zum schon sprichwörtlichen Sankt-Nimmerleins-Tag. Täglich bieten sich Momente, die helfen treu und mutig an Gott festzuhalten. Immer dann, wenn unsere Gemeinschaft durchsichtig wird auf ihren tragenden Grund hin. Denn darin erweist sich Gott als treu – bis heute.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinnen in Christus Jesus, Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Janine Knoop-Bauer
An der Gedächtniskirche 1, 61350 Bad Homburg

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