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Jakobs Kampf am Jabbok

von Karlheinz Saltzer (Germersheim)

Predigtdatum : 16.04.2023
Lesereihe : V
Predigttag im Kirchenjahr : Quasimodogeniti
Textstelle : 1. Mose 32,23-32
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Wochenspruch: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten." (1. Petrus 1,3)

Psalm: 116,1-9.13 (EG 746)

Predigtreihen

Reihe I: 1. Petrus 1,3-9
Reihe II: Jesaja 40,26-31
Reihe III: Johannes 21,1-14
Reihe IV: Kolosser 2,12-15
Reihe V: 1. Mose 32,23-32
Reihe VI: Johannes 20,19-20(21-23)24-29

Liedvorschläge

Eingangslied: EG+ 41 Wohl denen, die noch träumen
Wochenlieder: EG 108 Mit Freuden zart, EG117 Der schöne Ostertag
Predigtlieder: EG 360 Die ganze Welt hast du uns überlassen
Schlusslied: EG 395 Vertraut den neuen Wegen

Predigttext: 1. Mose 32,23-32

23 Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog durch die Furt des Jabbok. 24 Er nahm sie und führte sie durch den Fluss, sodass hinüberkam, was er hatte. 25 Jakob aber blieb allein zurück. Da rang einer mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 26 Und als er sah, dass er ihn nicht übermochte, rührte er an das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. 27 Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 28 Er sprach: Wie heißt du? Er antwortete: Jakob. 29 Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. 30 Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißt du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst. 31 Und Jakob nannte die Stätte Pnuël: Denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet. 32 Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.

Predigt

Kann ein Mensch sich ändern?
Gott kann und will uns einen Neuanfang schenken

Liebe Gemeinde,
fühlen Sie sich gerade wie neu geboren? Frisch und unschuldig?
Das ist es doch, was uns der Name dieses Sonntags suggeriert: Quasimodogeniti – wie die Neugeborenen.

Wie soll das funktionieren? Das fragt nicht nur der Pharisäer Nikodemus im Johannes-Evangelium.
Wie soll das gehen? Neu werden!? Kann denn ein Mensch sich ändern?

Kann etwa eine notorische Lügnerin und Betrügerin, kann ein notorischer Lügner und Betrüger plötzlich ein wahrheitsliebender Mensch werden? Können Sie sich das vorstellen bei jemand, der so viel lügt, dass er schon längst begonnen hat, seine eigenen Lügen zu glauben, wie bei dem ehemaligen US-Präsidenten Trump? Oder gar bei einem der allzu zahlreichen Autokraten in der Welt, deren Macht auf Terror, aber eben auch auf Lug und Trug aufgebaut sind?

[Parkplatz für aktuelle Beispiele, auch aus der unmittelbaren Umgebung der Gemeinde oder persönliche Erfahrungen.]

Wir können uns vielleicht nur sehr schwer vorstellen, dass sich solche Menschen ändern können. Und um ehrlich zu sein, wissen wir wahrscheinlich aus persönlicher Erfahrung, wie schwer es ist, sich in seinen Einstellungen und Verhaltensweisen zu ändern.

Vielleicht hilft ein Blick in die Bibel.
Die Bibel erzählt eine Menge von uns, von Menschen, die ja auch schon vor Tausenden von Jahren nicht besser waren als wir.

Kleine Pause

Schon im ersten Buch der Bibel lesen wir allerhand von „Sex & Crime“, von unmoralischem Handeln bis hin zu Mord und Totschlag.

Ein Beispiel ist die Erzählung von Jakob, dem Sohn von Isaak und Rebekka, einem der sogenannten Urväter. Jakob hat einen Zwillingsbruder, Esau.

Der Name Jakob wird im Hebräischen darauf zurückgeführt, dass er, der Zweitgeborene, die Ferse seines älteren Bruders bei der Geburt umfasst haben soll. Allerdings erlaubt das Hebräische hier ein Wortspiel und Jakob kann auch heißen „Er betrügt“.

Und wie Jakob betrügen kann, wenn es um seinen Vorteil geht! So schafft er es, seinem Bruder, der müde und hungrig von der Jagd heimgekommen war, für ein sättigendes Mahl dessen Erstgeburtsrecht abzuschwatzen. Und betrügt mit freundlicher Unterstützung seiner Mutter, deren Lieblingssohn er ist, seinen Vater, damit dieser ihm den in dieser Zeit so wichtigen Erstgeborenen-Segen erteilt.

Damit allerdings hat er bei seinem Bruder, den Bogen überspannt: Esau droht, Jakob umzubringen. Wieder ist es die Mutter, die Jakob unterstützt und zur Flucht verhilft. Zu seinem Onkel flüchtet er und gründet eine Familie.

Nach vielen Jahren beschließt der durchaus reich gewordene Jakob, wieder in seine alte Heimat zurückzukehren. Mit seinen Frauen, Kindern, mit allen Herden und allen Mitarbeitern kommt er auf dem Heimweg an einen Fluss namens Jabbok, hinter dem das Land seines Bruders Esau beginnt.

Im ersten Buch Mose, im 32. Kapitel lesen wir:

[Predigttext lesen]

Eine mysteriöse Geschichte haben Sie gerade gehört, nicht wahr?

Es fängt schon damit an, dass Jakob seine Familie spät abends über den Fluss führt, selbst aber allein auf der entgegengesetzten Seite bleibt. Wir bekommen keinerlei Erklärung dafür, warum er das macht.

Noch mysteriöser indes ist der geheimnisvolle Fremde, der plötzlich auftaucht und anfängt, mit Jakob zu kämpfen.

Die häufig gehörte Idee, der Gegner Jakobs sei Gott selbst, wirft allerdings nur neue Fragen auf. Warum sollte sich Gott auf so einen Ringkampf einlasse?

Sucht man die Erklärung für den unbekannten Kämpfer in der Psychologie, dann könnte es das eigene schlechte Gewissen sein, seine unbewältigte Vergangenheit mit all den Lügen, Tricks und Betrügereien, gegen die Jakob kämpft.

Dazu würde passen, dass der Kampf in der Dunkelheit der Nacht stattfindet. Sie spiegelt die Dunkelheit in Jakob nach all dem, was er selbst getan, aber auch durch seinen Onkel Laban erlitten hat.

Erst als der Morgen graut, sich die Dunkelheit in und um Jakob zunächst noch ganz schwach lichtet, nähert sich auch das Ende des Kampfes.

Noch ist Jakob stark und lässt sich nicht unterkriegen. Noch will er selbst über sein Leben bestimmen, vielleicht auch darüber, wie er die Feindschaft mit seinem Bruder aus der Welt räumen könnte.

Doch sein geheimnisvoller Gegner kennt eine Schwachstelle und nutzt sie gnadenlos aus. Er schlägt Jakob an das Gelenk seiner Hüfte, und verrenkt Jakob die Hüfte dermaßen, dass dieser für den Rest seines Lebens hinken wird.

Jetzt endlich muss und kann Jakob den Kampf aufgeben. Jetzt endlich kann er seine Vergangenheit mit all den Lügen und Tricks und Betrügereien als Teil seiner selbst annehmen und zugleich ruhen lassen.

Doch er hat noch ein Verlangen: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.

Ahnt Jakob, dass dies die Chance zu einem neuen Anfang ist? Glaubt er nun daran, dass doch Gott bei diesem Kampf irgendwie dabei war?
Warum sollte er sonst um Segen bitten?
Einst hatte er sich den Segen des Vaters betrügerisch erschlichen. Jetzt bittet, ja bettelt er einen Stärkeren um dessen Segen.

Doch bevor der Fremde ihn segnet, fragt er ihn: Wie heißt du? – will sagen: Wer bist Du? Was bist Du für ein Mensch?

Die Antwort ist schlicht: „Jakob“.
Ich bin der, der die Ferse seines älteren Bruders bei der Geburt festgehalten hat. Ich bin der, der dem Bruder und anderen Menschen immer wieder die Beine weggezogen hat – um meines Vorteils willen. Ich bin der, der betrügt, der, der schon sein Leben lang immer wieder andere betrogen hat.

Hier wird der namenlose Unbekannte tatsächlich zu einem Engel, einem Boten Gottes.
Er spricht: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel.

Israel soll er heißen, denn – so die Begründung des Fremden in der Geschichte – er hat mit Gott und mit Menschen gekämpft und hat gewonnen. Sein ganzes Leben war ein Kampf, ein Kampf mit Menschen, aber auch indirekt mit Gott.

Jakob konnte nichts einfach geschehen lassen, sich nichts schenken lassen. Er musste immer wieder versuchen, seine Ziele aus eigenem Wirken zu erreichen – nicht mit Kraft, aber mit List und Tücke. Steht Jakob vielleicht auch für den heutigen Menschen, der immer alles unter Kontrolle halten will, alles selbst erreichen, sich nichts schenken lassen will?

Interessanterweise könnte man den neuen Namen Israel aber auch übersetzen mit „Gott kämpft“. In Zukunft soll und wird es nicht mehr der alte Jakob sein, nicht mehr der, der alles selbst erreichen will. In Zukunft soll er Israel sein, der, für den Gott kämpft, der, dem Gott den Weg bereitet.

Der, der gesegnet ist. Israel wird von dem Fremden gesegnet. Und in diesem Segen erkennt er die Gegenwart seines Gottes und er weiß sofort: Hier bin ich Gottes Angesicht begegnet. Und damit wurde mein Leben gerettet.

Ist jetzt alles gut, ist dieser davonziehende Israel ein anderer Mensch als der Jakob, der am Abend davor an den Fluss Jabbok kam?
Ja und Nein. Er ist natürlich noch Jakob. Er ist aber auch ein anderer geworden - seine äußere Hüftverletzung zeigt es. Und sein Name. Wo Jakob alles selbst erreichen wollte, auch die Erfüllung einer gegebenen Verheißung selbst erzwingen wollte, da ist Israel einer, der mit Gott geht, um sich von ihm alles schenken zu lassen. Die Sicht dieses Mannes auf die Welt und auf sich ist eine andere geworden, denn nun gehört Gott dazu – als jemand, auf den sich Israel verlassen kann und will.

Pause

„Fühlen Sie sich wie neugeboren an diesem Sonntag?“, hatte ich Sie eingangs gefragt und – „Kann ein Mensch sich ändern?“

Ich glaube, die Geschichte von Jakob zeigt uns, dass Veränderung möglich ist.

Wenn wir erfahren und erkennen, dass es guttut, nicht alles selbst machen, alles erzwingen zu wollen. Wenn wir erfahren und erkennen, dass da einer ist, auf den wir uns verlassen können, der hilft – wenn auch oft ganz anders, als erwartet.

Wenn wir erfahren und erkennen, dass Gott nur darauf wartet, dass wir uns auf ihn, Gott, einlassen und ihn wirken zu lassen.

Dann kann sich etwas verändern in uns.

[Parkplatz für eine persönliche Erfahrung von Veränderung.]

So ist die Geschichte vom Kampf Jakobs am Jabbok eine Einladung an uns, Gott in unser Leben zu lassen und ihm mehr zu vertrauen als uns selbst.
Möge Gott uns dann verändern, oder: zu dem Menschen machen, der wir immer sein sollten – eben wie neugeboren.

Amen.

Verfasser: Prädikant Karlheinz Saltzer, Germersheim


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