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Jesu Hingabe befreit uns zur Hingabe

von Astrid Standhartinger (64331 Weiterstadt)

Predigtdatum : 02.04.2015
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Palmsonntag
Textstelle : Johannes 13,1-15.(34-35)
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Wochenspruch:
"Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr." (Psalm 111, 4)
Psalm: 111 (EG 744)

Lesungen
Altes Testament: 2. Mose 12, 1.3 - 4.5 - 7.11 - 14
Epistel: 1. Korinther 11, 23 - 26
Evangelium: Johannes 13, 1 - 15 (34 - 35)


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 552 Einer ist unser Leben
Wochenlied: EG 223 Das Wort geht von dem Vater aus
Predigtlied: EG 221 Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen
Schlusslied: EG 487 Abend ward, bald kommt die Nacht


Vorbemerkung
In den meisten Gemeinden ist es wohl üblich am Gründonnerstagabend eine Andacht zu halten, die in besonderer Weise an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngerinnen und Jüngern erinnern soll. Mein Entwurf weicht aus diesem Grund stark von der Sonntagmorgenliturgie ab. Er hat meditativen Charakter. Es geht um Vergewisserung und Stärkung, weniger um Erklärung oder Auseinandersetzung.


Liebe Gemeinde,

mit den Frauen und Männern, mit denen er unterwegs war, hat Jesus das Passahfest gefeiert.

Er tat es so, wie es Brauch war, mit Lamm, bitteren Kräutern, ungesäuertem Brot und Wein.

Sie feierten wie es bis heute unter Juden üblich ist, die Befreiung aus der Sklaverei.

Sie erinnerten sich an die Gefahren, durch die sie Gott geführt hat auf dem langen Weg durch die Wüste: Als Wegzehrung und Erinnerung an den Aufbruch das Lamm, als Erinnerung an die schweren und Tränen reichen Zeiten über Generationen, die bitteren Kräuter.

Aber mitten in ihrer Feier, ganz unversehens und deutlich erweiterte und veränderte Jesus das Mahl der Erinnerung und der Vergewisserung. Er löschte nicht aus, was war und bleiben soll, aber er schuf Raum für alle Menschen durch sich selbst und in sich selbst.

Die drei Evangelisten, Markus, Matthäus und Lukas haben uns von dem Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern berichtet. Johannes wiederholt das nicht. Er stellt uns vor Augen was sich durch Jesus an unserem Leben und an unserer Gemeinschaft verändert hat. Er stellt uns die Art zu leben vor Augen, die anderen Raum lässt und sie annimmt. Er lädt uns ein zu einem Leben in seiner Gemeinschaft, einem Leben, das uns verändern kann.

Hören Sie seinen Bericht aus dem 13. Kapitel:

1 Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.
2 Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten,
3 Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging,
4 da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich.
5 Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war.

Johannes stellt die Liebe Jesus zu uns als die Triebfeder seines Lebens in den Mittelpunkt. Er liebte die Seinen bis zum Ende. Und wir können ergänzen „darüber hinaus“ - denn in Brot und Wein schenkt er sich selbst als Wegzehrung unseres Lebens und Sterbens.

Mitten im Passahmahl setzt er ein Zeichen durch eine ganz überraschende Handlung.

Er steht auf, legt sein Obergewand ab, stellt sich also vor seine Jüngerinnen und Jünger als der zum Dienst bereite Sklave. Er bindet sich einen Schurz vor, nimmt ein Wasserbecken und fängt, seinen Weggefährtinnen und Weggefährten die Füße zu waschen.

Ich denke, die Überraschung war groß, das Erschrecken auch. Die Begrüßung durch das Füße-Waschen war doch die Aufgabe der niedrigsten Sklavin. Und wenn keine da war, hatte es die Hausfrau zu tun, nicht der Hausherr.

Wenn wir das bedenken, begreifen wir auch den Denkanstoß, den Jesus geben will. Er hat mehrmals in seinem Leben das Dienen, das als Aufgabe der Frauen und Sklaven angesehen wurde, als das Verhalten seiner Jünger und Jüngerinnen beschrieben.

D. h. gerade die Ordnung, die wir kennen, wo es oben und unten gibt, wo Menschen über andere herrschen, - diese Ordnung soll einer anderen Lebensweise weichen. In der Gemeinschaft Jesu soll jede zählen und das Füreinander-da-Sein und Einander-Dienen die Regel sein. Nicht die Frage, ob ich genug Achtung erfahre, ist entscheidend, sondern wie ich das Nötige in unsere Gemeinschaft einbringen kann.

Was zählt, soll das sein, was er uns vorgelebt hat. Sorge umeinander und füreinander, den Nächsten lieben wie sich selbst. Füreinander sein, ohne Herrschaft daraus abzuleiten. Wer unter euch der Größte sein will, der soll euer aller Diener sein, sagt er.

Natürlich kann man auch aus dem Dienen eine Herrschaft aufrichten. Die Kirchengeschichte ist ja voll von Dienern, denen alle anderen Ehre anzutun haben. Aber das ist nicht gemeint. Die Handlung Jesu mitten im Passahmahl zeigt das überdeutlich. Und Jesus erklärt es auch ausdrücklich:

34 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.
35 Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

(Lied 552, 1 - 3)

6 Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen?
7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. 8 Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir.
9 Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!

Petrus kann ihn wohl zunächst nicht verstehen.

Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Teil an mir, sagt Jesus zu Petrus. Dieser Satz ist ungewöhnlich. Er ist mehr als nur ein Hinweis darauf, wie wir miteinander umgehen sollten. Er gibt etwas preis von dem Geschehen hinter der symbolischen Handlung.

Da ist von Jesus die Rede, der uns Anteil geben will an sich selbst. Er will uns mehr geben als Worte und Zeichenhandlungen uns sagen können. Er schenkt sich selbst. Er schenkt uns die Kraft, die uns fähig macht, auszubrechen aus dem Kreislauf dieser Welt, der auf Herrschen und Beherrschen ausgerichtet ist, auf Kleinmachen und selbst dadurch Großwerden. Wenn wir an ihm Anteil haben, dann können wir den Kreislauf durchbrechen. Wenn ich dich nicht wasche, dann hast du keinen Teil an mir. Da klingen deutlich die Worte des Abendmahls heraus: Jesu Blut, für dich und viele vergossen. So hast du einen neuen Anfang, Anteil an Jesus, gestärkt für seinen Weg mit dir.

(Lied: 221, 1 - 3)

10 Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.
11 Denn er kannte seinen Verräter; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.
12 Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe?
13 Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch.
14 Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen.
15 Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.

Das Füße waschen ist nur das Zeichen für etwas, was in der neuen Gemeinschaft Jesus gelten soll. Es geht um die Art der Verbindung untereinander und mit Jesus. Es geht um Liebe, die die Anderen sieht.

Wenn wir das einfach nur so sagen, wenn wir meinen, es könnte mit Worten abgetan sein, dann haben wir Jesus missverstanden. Eine gute Absicht kann sich leicht auch ins Gegenteil verkehren. Worte sind nicht genug. Es kommt schon auf die Tat an, die gemeint ist.

Deshalb ist schon auch sehr wichtig, dass Jesus eben nicht nur mit Worten redet, sondern auch mit Handlungen und Zeichen. Welches Wort man auch benützen wollte, in unserer Welt ist alles korrumpierbar. Ich denke z. B. an den Dienst, der zur Herrschaft wird. Es kommt wohl darauf an, was uns im Inneren bewegt und deshalb auch Folgen hat. Es kommt wohl entscheidend darauf an, dass wir uns auch wirklich niederbücken und sehen was meine Schwester, mein Bruder braucht.

Dazu brauchen wir den Anteil, den Jesus uns im Abendmahl zusagt. Er ist die Stärkung auf dem Weg, den Gott uns führen wird.
Amen

(Lied: 213, 1 - 3)


Verfasserin: Pfarrerin i. R. Astrid Standhartinger
Grüner Weg 2 A, 64331 Weiterstadt



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