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Jesu Hingabe befreit uns zur Hingabe

von Andrea Hertel (Trockenborn)

Predigtdatum : 24.03.2016
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Palmsonntag
Textstelle : 1. Korinther 11,23-26
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Wochenspruch:
"Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr." (Psalm 111, 4)

Psalm: 111 (EG 744)

Lesungen
Altes Testament: 2. Mose 12, 1.3 - 4.5 - 7.11 - 14

Epistel: 1. Korinther 11, 23 - 26

Evangelium: Johannes 13, 1 - 15 (34 - 35)

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 215 Jesus Christus, unser Heiland
Wochenlied: EG 87 Du großer Schmerzensmann
Predigtlied: EG 223 Das Wort geht von dem Vater aus
Schlusslied: EG 97, 1 – 2 Holz auf Jesu Schulter

Predigttext 1. Korinther 11, 23 - 26
23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,
24 dankte und brach's und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.
25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Vorbemerkung
Der Gottesdienst am Gründonnerstag sollte nach Möglichkeit als Tischabendmahlsfeier gestaltet werden. Für eine solche Feier ist eine eher kurze thematische „Tischrede“ als Predigt angemessen. Die vorliegende Predigt liefert deshalb keine explizite Textauslegung, sondern verdichtet das Anliegen des Textes und seines Kontextes in 1.Kor 11 in einem Motiv.

Predigt

Liebe Gemeinde,

haben sie so einen richtig guten Kumpel? Einen, mit dem man durch Dick und Dünn gehen kann?
Ich weiß nicht, ob der Begriff „Kumpel“ noch zur Alltagsprache unserer jungen Leute gehört. Meine Kumpels in der Jugendzeit waren jedenfalls ganz wichtig für mich.
Und erst viel später habe ich gelernt: Im Wort steckt etwas Heiliges.

Kumpel – Kumpan, das kommt aus dem Lateinischen. „Cum panis“ – einer mit dem ich das Brot teile.
Die Menschen, die mir am nächsten sind, sind die, mit denen ich das Brot teile.
Und wenn wir nachher Abendmahl feiern, dann geht es genau darum: Um Tischgemeinschaft, untereinander – und mit Jesus Christus.
Er ist ja der, der uns einlädt, hier das Brot miteinander zu teilen.
ER – der Sohn Gottes, will unser Kumpel sein, Brotgenosse. Und dieser Brotgenosse teilt alles mit uns! - Schlichtweg alles.

Sein ganzes Leben. Seine Hoffnung. Seinen Weg. Sein Brot. Seine Kraft. Er teilt alles mit uns – Seine Wahrheit. Sich selbst. Seine Heimat. Den Himmel. Die Zeit. Eine Ewigkeit. Kommt her sagt er, Brotgenossen, der Tisch ist gedeckt. Hier, beim Abendmahl, sollt ihr es schmecken, sehen, fühlen. Gott unser Vater ist auf eurer Seite. Und wir, wenn wir uns einladen lassen, wir sind seine Kumpels, so nahe kommt er uns.

Freilich, das kann schon ein bisschen enttäuschend sein: So bescheiden wie unsere Abendmahlsfeiern meist aussehen. Da ist ja nicht immer der Tisch gedeckt wie heute Abend, meistens ein Stück trockenes Brot, ein Schluck Traubensaft im Stehen – und das soll das Heiligste für einen Christen sein? Die Christen der ersten Generationen haben jedes Mal, wenn sie zusammen waren, richtig gegessen. Wir machen das nur noch am Gründonnerstag.

Bräuchten wir nicht etwas ganz Wertvolles, Geheimnisvolles, Wunderbares, wenn wir sehen sollen, dass Gott da ist. Hier in meinem Leben, in meinem Alltag die Gegenwart Gottes in so etwas simplen wie ein Schluck Wein, ein Bissen Brot?

Aber wenn wir genau hinschauen: Gott macht das eigentlich immer so.

Wir haben auch die Geschichte vom Auszug des Gottesvolkes aus Ägypten gehört, von dem Weg aus der Knechtschaft in die Freiheit. Und sie beginnt damit, dass sich Gott zu erkennen gibt.

Er trifft Mose in der Wüste. Aber nicht auf einer übernatürlichen Bühne mit irgendeinem ganz besonderen Zauber. Mose trifft Gott mitten in seinem Alltag. Der hütet gerade seine Schafe, auf nichts Ausgewöhnliches eingestellt in seinen Alltagspflichten. Da sieht er einen brennenden Dornbusch, und merkt: Hier, mitten in meinem Alltag ist heiliger Boden, ist Gottes Gegenwart. Da hört er Gottes Stimme.

Oder viel später: Da sehen wir das Kind in der Krippe. Gott wird Mensch, verletzlich und klein, in einem Stall, im Alltag von Bethlehem. Um uns zu zeigen: Ich stehe auf der Seite der Alltagsmenschen, derer die verletzlich sind, manchmal klein.

Und auch später: Er wird ein einfacher Wanderprediger. Er will den Menschen ganz nahe kommen, dort wo sie leben, auch wenn wir keine Superstars sind.

Wir können Gott in unserem Alltag begegnen, müssen nicht auf besonders mystische, verzauberte Momente warten. In unserem Leben will er uns nahe sein. Deshalb nimmt er diese ganz elementaren Dinge, dieses ganz einfache Brot, alltäglichen Wein, um uns nahe zu sein. Und ganz vieles, das wichtig ist für unser Leben steckt darin. Wer isst, der stärkt sich. Und wir haben Stärkung so oft nötig in unserem Leben.

Da ist so vieles was uns gefangen hält. Tägliche Pflichten, großer Kummer, oft auch eigene Schuld. Wir brauchen manchmal einfach einen Neuanfang. Und da ist er auf unserer Seite, gibt uns Stärkung mit für diesen Weg. Wer sein Kumpel, sein Brotgenosse wird, der kann sich neu auf den Weg machen.

Wer isst, wenn nicht gerade im Stillen Kämmerlein, der teilt.
Kumpels brechen miteinander Brot. Da kommen ganz verschiedene Menschen an einem Tisch zusammen, so wie wir heute, und teilen ganz einfach Dinge.
Und wir merken, das verbindet uns: Der Hunger nach Brot, der Durst nach Freude. Und ich gebs meinem Nachbarn. Und: mit wem ich Brot geteilt habe, mit dem werde ich mich nicht prügeln. Deshalb auch der Friedensgruß am Anfang des Abendmahls: Keiner sei gegen den anderen. Und er selbst ist es, der uns das Brot schenkt.

Also, er selbst ist mit dabei. Es ist ein Stück Himmel, gemeinsam zu essen. Jesus jedenfalls, wenn er vom Himmelreich erzählt, wenn er uns Gottes Nähe mit einem Bild verständlich machen will, erzählt ganz oft vom gemeinsamen Essen:

Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Festmahl – so beginnt er einige seiner Gleichnisse über Gottes Nähe bei uns. Denn wenn wir in Gemeinschaft teilen, da ist er, der Brotgenosse, Gottes Sohn mitten dabei.

Und gerade heute, am Gründonnerstag, wenn wir an das Passafest denken, spüren wir, wie die Freiheit dazugehört. Die da damals auf der Flucht aus Ägypten gegessen haben – es waren Menschen, die ihre Knechtschaft abgeschüttelt haben.

Wenn Jesus als Wanderprediger durchs Land zieht, dann ist es gerade das, was ihm am Herzen liegt: Menschen zu befreien, aus dem was sie knechtet, bindet und quält. Als Gotteskinder, als freie Menschen kommen wir an seinem Tisch zusammen.

Und dort bekommen wir, was wir zum Leben brauchen: Nicht Superyacht und dickes Bankkonto, sondern Brot, das den Hunger stillt, Wein, der uns Freude macht, Gemeinschaft untereinander und mit Gott. Einen Neuanfang, den wir brauchen, um als freie Menschen zu leben.

So wird der Bissen Brot, das Schlückchen Wein zur Nahrung für die Seele. Zu dem, was wir für unser wirkliches Leben brauchen. Und in all dem, so sagt es Jesus, bin ich mitten bei Euch. Wir nehmen ihn in unser Leben auf – haben für unser Leben Orientierung.

Neuanfang, Gemeinschaft, Befreiung, Gottes Zuwendung und die Verbindung mit Christus – diese ganz elementaren Dinge stecken in diesem Schluck Wein, in diesem Bissen Brot. In ihnen steckt das Geheimnis des Lebens – das, was wir wirklich brauchen.

Wenn wir Brot und Wein teilen, dann teilen wir, was wir zum Leben brauchen: Neuanfang, wenn wir feststecken, Gemeinschaft, damit niemand allein bleibt, Befreiung, von allem was uns knechten und binden will, Vertrauen in Gottes Nähe, der uns stärkt mit dem, was wir brauchen. Und die Verbindung zu Jesus.

Im Abendmahl steckt Gottes Geheimnis.
„Nehmt und esst, meine Kumpels.“ sagt er zu uns.
Amen

Rüsthandlung
Wir sind hier versammelt, das Fest der Erlösung zu feiern. Wir erzählen von Gott, dem Befreier, wir sind Gäste an seinem Tisch.

Nach alter jüdischer Sitte wird das Haus gekehrt, wird der Unrat hinausgeschafft, bevor das Fest beginnt.
Unser Lebenshaus wollen wir aufräumen, hinausschaffen, was uns bindet, was uns trennt von Gott, was an Verletzendem zwischen uns steht. Wir bitten wie die Menschen seines Volkes seit alter Zeit: (Ps 51)

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht
und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.
Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,
und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Wie die Menschen seines Volkes seit alter Zeit, bauen wir darauf, dass es in Gottes Gegenwart Vergebung und Raum zum Leben gibt:

Die Güte des Herrn ist’s dass wir nicht gar aus sind.
Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende,
sondern sie ist alle Morgen neu,
und seine Treue ist groß. (Klgl 3, 22 f.)

Wie die Menschen seines Volkes seit alter Zeit freuen wir uns und loben wir Gott, denn wir dürfen aufgerichtet und frei ins Leben gehen.

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen.
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt
und heilt alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst
der dich krönet mit Gnade
und Barmherzigkeit. Amen (Ps 103, 1 - 4)


Fürbittengebet
Wir waren Deine Gäste, du warst der Wirt
du warst die Gabe, das Brot, das Licht.
Bleibe bei uns, wenn wir hinausgehen,
in das Dunkel des Abends, in die Zeit,
die noch wie im Zwielicht vor uns liegt,
bis wir dich klar sehen im verheißenen Land.
KV: Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ,
ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott!
(Taizé-Gesang)

In deiner Welt, Herr, ist noch immer Zerrissenheit,
sind Pharaonen und Sklaven, Flüchtende und Verfolger,
Menschen voll Sehnsucht nach Freiheit und Recht,
und Menschen voll Sehnsucht nach Größe und Macht.
Lass uns nicht in Trauer und Ratlosigkeit,
in Zorn und Zwiespalt.
Zeig uns Wege von Land zu Land, von Herz zu Herz.
KV: Bleib mit deiner Gnade bei uns …

Neben uns Schwestern und Brüder,
die mit uns glauben und hoffen - für sie alle hab Dank.
Aber auch Einsame, Kranke,
Zweifelnde, Belastete, Gebeugte, Gefangene,
Könnten wir doch einander durch die Fluten tragen,
damit keiner verloren geht - Gott wir hoffen auf dich.
KV: Bleib mit deiner Gnade bei uns …


Verfasserin: Pfarrerin Andrea Hertel
Dorfstr. 12, 07646 Trockenborn-Wolfersdorf

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