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Jesu Kreuzigung: Das Sterben Jesu öffnet die Tür zum Heil

von Jürgen Wolf (Hermsdorf)

Predigtdatum : 30.03.2018
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Gründonnerstag
Textstelle : Hebräer 9,15.26b-28
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Wochenspruch:
"So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Johannes 3, 16)
Psalm: 22 (EG 709)

Lesungen
Reihe I: Johannes 19, 16 - 30
Reihe II: 2. Korinther 5, (14 b - 18) 19 - 21
Reihe III: Lukas 23, 33 – 49
Reihe IV: Hebräer 9, 15. 26 b - 28
Reihe V: Matthäus 27, 33 - 50 (51 - 54)
Reihe VI Jesaja (52, 13 - 15) 53, 1 - 12

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 81 Herzliebster Jesu
Wochenlied: EG 83, 1.4.5 Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
Predigtlied: EG 93 Nun gehören unsre Herzen
Schlusslied: EG 87, 1.5.6 Du großer Schmerzensmann

Predigttext Hebräer 9, 15. 26 b – 28
Das einmalige Opfer Christi
15 Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, auf dass durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.
26 sonst hätte er oft leiden müssen vom Anfang der Welt an. Nun aber, am Ende der Zeiten, ist er ein für alle Mal erschienen, um durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzu-heben.
27 Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht:
28 so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal erscheint er nicht der Sünde wegen, sondern zur Rettung derer, die ihn erwar-ten.


Begrüßung
„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebore-nen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16) Mit diesem Leitwort für diesen Tag möchte ich Sie herzlich zu diesem Gottesdienst begrüßen. Wir bedenken das Sterben Jesu. Und wir wollen fragen, welcher Trost und welche Kraft uns aus diesem Sterben für die Leiderfahrungen unserer Zeit zufließen können.


Predigt
Liebe Gemeinde,

die Erfahrung von Leiden und Tod in dieser Welt wirft immer Fragen auf. Warum ist das so? Warum trifft diese Krankheit oder dieser plötzliche Tod diesen konkreten Menschen? (Hier ist Freiraum konkrete Leidsituationen noch zu benennen, die mir als Verfasser dieser Predigt im Juli 2017 noch nicht bekannt sind.)
Haben die vom Leiden Betroffenen etwas falsch gemacht? Gibt es dafür eine Erklärung?

Die Frage nach dem Warum lässt uns nicht los, aber sie ist wie eine Spirale, die immer weiter nach unten zieht. Wir fin-den keinen Grund. Die Zweifel vertiefen sich noch, wenn wir fragen, welche Rolle Gott eigentlich in der Situation des Lei-dens hat.

Heute, am Karfreitag, betrachten wir das Sterben von Jesus. Im Moment seines Sterbens ist dieser Tod äußerlich ein Zei-chen für das vollständige Scheitern seines Lebenswerkes. Alles scheint für umsonst: die Worte, die er gepredigt hat, die Begegnungen mit Menschen, die durch ihn einen neuen Sinn für ihr Leben gefunden haben und die Wunder, die er gewirkt hat. Am Kreuz ist das scheinbar vorbei und alles um-sonst gewesen.

Von Ostern her, von seiner Auferstehung wird klar: Das war nicht vergeblich. Gott bestätigt die Person und das Werk von Jesus. Welchen Sinn hat dann aber sein Leiden? Welchen Sinn hat dann dieser Tod? Und lässt sich etwas sagen in Be-zug auf das Leiden heute und die Rolle von Gott in unserem Leid?

Die Gemeinde, an die der Hebräerbrief geschrieben wurde, findet sich in einem ähnlichen Erklärungsnotstand vor. Diese Gemeinde hatte ihre spezielle Problematik. Sie musste ge-genüber der Mutterreligion des frühen Christentums, dem Judentum, eine Erklärung finden, welchen Sinn das Sterben Jesu hatte. Diese Gemeinde stand zwei Gefahren gegenüber. Die eine Gefahr war der vollständige Abfall vom Glauben nach dem Motto: Das hat doch alles keinen Sinn. Die zweite Gefahr war die Rückkehr in das Judentum nach dem Motto: Es bleibt alles beim Alten.

In unserem Abschnitt gibt der Schreiber dieses Briefes zwei Antworten auf die Fragen und Zweifel, auf die Anfechtungen und das innere Ringen der Menschen.

1. Das Sterben Jesu ist einmalig.
2. Das Sterben Jesu öffnet die Tür zum Heil im Leid.
1. Das Sterben Jesu ist einmalig. So lesen wir: „Und darum ist Christus auch der Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertre-tungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheiße-ne ewige Erbe empfangen.“

Das Sterben Jesu ist einmalig. Es ist das wirkliche Sterben eines wirklichen Menschen. Und zugleich ist es ein Geschehen zwischen Gott und Mensch. Gott hat diesen Tod zugelassen, ja er hat ihn sogar veranlasst.

Wenn Menschen heute fragen: Warum lässt Gott das Leid zu? - so muss in dem gleichen Atemzug auch gefragt wer-den: Warum lässt Gott das Sterben seines Sohnes zu? Und wir können sagen: Gott lässt das Sterben seines Sohnes zu, damit allen Leidenden ein Zeichen gegeben ist, dass Gott in ihrem Leid da ist. Sie sind von Gott nicht verlassen. Gott sitzt nicht auf Wolke 7. Er ist mitten im Leid da. Und wir können uns in unserem Leid an ihn wenden. Und er will uns in unse-rem Leid halten und tragen. Das Sterben Jesu ist in diesem Sinne einmalig, dass es tatsächlich ist.

Das Sterben Jesu ist in einem zweiten Sinne einmalig: Es ist unüberbietbar. Jesus vermittelt zwischen Gott und uns eine neue durch nichts zu überbietende Verbindung. Der Schrei-ber des Hebräerbriefes vergleicht dabei in seinem gesamten Brief das Sterben Jesu mit dem Tun des Hohenpriesters am Versöhnungstag im Judentum. Der Priester schlachtet vor der Gemeinde ein Lamm mit den Worten: „Bedenke, o Mensch, dass dieses Tier sein Leben an deiner Statt lässt“. Mit dem Blut des Lammes besprengt er die Gemeinde. An-schließend geht er in den Tempel und versprengt das Blut im Allerheiligsten. Durch dieses Ritual wird die Vergebung der Schuld vollzogen. Dieses Ritual muss im Judentum der Zeit Jesu jedes Jahr neu vollzogen werden.

Der Schreiber des Hebräerbriefes vergleicht nun das Tun dieses Priesters mit dem Sterben Jesu und sagt: Jesus ist Opferlamm und Priester in einem. Er bringt nicht das Blut eines geschlachteten Lammes in den Tempel. In seinem Sterben ist Jesus Priester und Opfer in einem. Er bringt sein eigenes Blut und sein Leben in den himmlischen Tempel. In diesem Sinne ist das Sterben Jesu unüberbietbar.

2. Jesus öffnet die Tür zum Heil. So lesen wir: „Nun aber, am Ende der Welt, ist er ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie den Men-schen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Ge-richt: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sün-den vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn war-ten, zum Heil“.

Heil heißt: In Beziehung zu Gott bleiben. Auch im eignen Lei-den in Beziehung zu Gott bleiben.
(Hier können die Beispiele von aktuellem Leid vom Anfang der Predigt noch einmal aufgenommen werden.)

Schuld und Übertretungen spielen dabei keine Rolle. Sie sind aufgehoben durch sein Opfer. Die Leidenden sind nicht schuld an ihrem Leid. Das Leid hat seine Ursache in der Rea-lität der Welt, die so ist wie sie ist. Und genau dahin kommt Gott.

Heil heißt, in der Welt, wie sie ist, mit Gott in Beziehung blei-ben. Diese Beziehung erweist sich dann als Quelle von Kraft, das Unlösbare auszuhalten und zu tragen. Gott ist bei uns. Dafür ist das Sterben Jesu ein sichtbarer Ausdruck.

Der Schreiber orientiert uns gewissermaßen auch auf die Zukunft, dass Jesus zum Heil erscheinen wird. Das ist ein Hinweis auf das Ende der Zeit. Es ist aber auch ein Hinweis auf seine Gegenwart bei uns jetzt und bei allen Leidenden. Er ist immer bei den Leidenden. Er ist immer bei uns in unseren Sorgen gegenwärtig und will sie uns tragen helfen. Dafür ist das Sterben Jesu uns wie ein Zeichen gegeben.

Gott ist nicht abstrakt auf Wolke 7. Er kommt zu uns in die Gebrochenheit der Welt.
Die Ursachen von Leiden können meistens auf natürlichem Wege erklärt werden. Es kann erklärt werden, wie Naturka-tastrophe zustande kommen. Es kann erklärt werden, wa-rum ein Mensch an einer Krankheit stirbt. Aber diese Erklä-rungen enthalten keinen Trost für die Betroffenen.

Aber Gott will uns trösten. Er ist bei uns im Leiden. Das macht das Sterben Jesu in einmaliger Weise bewusst. Und Gott schließt uns so eine Tür zum Heil auf. Genau dort will er uns tragen und halten, wenn wir in unserem Leid an eine Grenze kommen. Dafür ist das Kreuz sein Zeichen.
Amen


Eingangsgebet
Gott, himmlischer Vater, unter dem Kreuz deines Sohnes bedenken wir auch die Bitternis des Leidens der Menschen heute.
Schenke uns Kraft und Mut, das Leiden deines Sohnes so anzuschauen, dass es uns zur Kraftquelle wird, das Leiden heute zu tragen.
Das bitten wir durch Christus, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geiste lebt und wirkt in Zeit und Ewigkeit. Amen

Fürbittengebet
Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine Nähe in unserem Leiden. Wir möchten gerne wissen, warum es den einen so gut geht und den anderen so schlecht. Wir finden darauf keine Antwort und stehen vor dem dunklen Geheim-nis des Leidens der Unschuldigen. Du aber bist zu uns ge-kommen. Wir danken dir dafür.

Wir bitten dich für die Menschen, die von unheilbaren Krank-heiten betroffen sind. Begleite du sie und ihre
Angehörigen. Lass dich von ihnen finden als Basis und Grund des Lebens. Öffne ihnen den Blick für den weiten
Horizont, den du für sie und uns bereit hast. Lass das Kreuz deines Sohnes zu einem Zeichen werden, in dem wir dich im Leiden erkennen.

Wir bitten dich für die von Naturkatastrophen Betroffenen, die alles verloren haben. Schenke ihnen Mut und Zuversicht für einen neuen Aufbau. Stelle ihnen Helfer an ihre Seite. Zeige uns, wo wir wirksam helfen können. Lass das Kreuz deines Sohnes zu einem Zeichen werden, in dem wir dich im Leiden erkennen.

Wir bitten dich für die, die in dieser Welt Verantwortung tra-gen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Lass ihr Tun zum Wohl der Menschen und zum Frieden dienen. Noch immer gibt es so viel Unrecht, Krieg und Gewalt an Unschuldigen. Ermutige und kräftige uns, dagegen aufzustehen. Und wo wir an unsere Grenzen kommen: Lass das Kreuz deines Sohnes zu einem Zeichen werden, in dem wir dich im Leiden erkennen.

Du Gott gehst mit uns durch das Leid. Lass uns im Kreuz deines Sohnes, den Trost finden, dass wir an dem unverhin-derbaren Leid dieser Welt wachsen. Lass uns in dem Kreuz deines Sohnes aber auch die Kraft schöpfen, gegen verhin-derbares Leid aufzustehen. Dir sei Ehre jetzt und in Ewigkeit.
Amen


Verfasser: Pfarrer Dr. Jürgen Wolf
Pfarrstraße 1, 07819 Triptis

Herausgegeben vom

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