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Jesus auf dem Weg Gottes

von Uwe Hermann (56477 Rennerod)

Predigtdatum : 01.04.2007
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Palmsonntag
Textstelle : Johannes 17,1.(2-5).6-8
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Wochenspruch:

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
(Johannes 3, 14b.15)
Psalm:
69 (EG 731)


Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 50, 4 – 9
Epistel:
Philipper 2, 5 – 11
Evangelium:
Johannes 12, 11 – 19




Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 91
Herr, stärke mich, dein Leiden
Wochenlied:
EG 87
Du großer Schmerzensmann
Predigtlied:
EG 90
Ich grüße dich am Kreuzesstamm
Schlusslied:
EG 171
Bewahre uns Gott



Johannes 17, 1 ( 2 – 5) 6 - 8
1 So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;
[ 2 denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. 3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. 4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. 5 Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. ]
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

Liebe Gemeinde!
Es ist Palmsonntag: Jesus zieht in Jerusalem ein, die Menschen jubeln ihm zu. Sie wissen genau, was sie von ihm erwarten.
Er ist eine Sensation! So einen Auftritt bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Jesus ist ein berühmter Mann, ein Star. Und so soll er auch nach Jerusalem kommen, er soll ein wenig Abwechslung in den tristen Alltag bringen.

Diejenigen, die etwas anspruchsvoller denken, erwarten von Jesus, dass er die Römer aus dem Land wirft, dass er endlich eine vernünftige Politik durchsetzt. Jesus ist der, so glauben sie, der endlich „da oben mal aufräumt“.

Wieder andere, die etwas Stilleren im Lande, hoffen, dass Jesus der ist, dem man das eigene Leiden anvertrauen kann, jemand, der sich um mich kümmert, jemand, der alles besser machen wird.

Bei allen, die ihm so zujubeln aber ist der Blick auf die Dinge der Welt gerichtet und auch die Erwartungen an Jesus sind an irdische Dinge gebunden.

Was aber tut nun Jesus? Er richtet den Blick nach oben. Er schaut auf zum „Vater“. Stellen wir uns das ruhig einmal so vor: Jesus inmitten der Menge, die jubelt und schreit, und er hebt den Kopf nach oben und blickt in den Himmel.

So können wir uns auch den Predigttext aus dem Johannesevangelium vorstellen. Was Jesus hier sagt, das ist sein Testament. Sein Blick ist nach oben gerichtet, in den Himmel. So wirkt auch dieser Text: nicht so recht von dieser Welt.

Nicht von der Welt, die damals und auch heute noch, offensichtlich für diese Blickrichtung zum Himmel nicht wirklich Verständnis hat. Wer diesen Blick riskiert, der kann noch froh sein, wenn ihm nur ein „unrealistisch“ entgegendröhnt. Man bekommt vielleicht zu hören: „Wir wollen lieber unseren Spaß. Wir müssen doch mit beiden Beinen auf der Erde stehen. Von nichts kommt nichts.“

Jesus verweigert einen solchen Blick in die Welt. Er erhebt den Blick in den Himmel und zieht sozusagen Bilanz, er gibt Rechenschaft über sein Wirken und Reden. Und doch, wenn man genau hinschaut, ist zu erkennen: mit diesem Blick in den Himmel zu Gott gewinnt Jesus zugleich einen ganz neuen Blick auf die Welt. Nicht mehr das, was vor Augen ist, zählt, sondern nur noch das, was vor Gott Bestand hat.

Nur mit diesem Blick in den Himmel ist zu verstehen, dass Jesus so frei und voller Hoffnung über seinen Tod reden kann. Nur so können wir als Christen auch in die vor uns liegende Karwoche gehen und hinter Karfreitag schon Ostern aufscheinen sehen.

Nur mit diesem Blick in den Himmel ist zu verstehen, wie Jesus in seinem eigenen Tod Freiheit findet, wie Macht in der Ohnmacht wirkt, wie er von Verherrlichung reden kann. Nur so können wir auch Jesu Tod am Kreuz als für uns geschehen erkennen. Es ist eben nicht der Blick dieser Welt, der in all dem nur Scheitern, Schmerz und das Ende entdeckt.

Wenn dieser Predigttext also das Testament Jesu ist und wir so einen Blick in den Himmel werfen können, was hinterlässt uns denn Jesus?

Er hinterlässt uns zuerst den Namen Gottes: Wir können Vater zu Gott sagen. Gott ist für uns da. Seine Liebe gilt jedem von uns. Dafür stand Jesus mit seinem Wirken und Reden ein und damit steht er letztlich mit seinem Tod am Kreuz ein.

Dann sind da die Worte, die Gott ihm gegeben hat: Er hat sie an uns weitergegeben. Damit haben wir einen Auftrag. Nicht, was die Welt sich so denkt, sondern was vor Gott Bestand hat, das ist uns aufgetragen. Seine Liebe sollen wir in die Welt tragen. Jeden Tag in Wort und Tat.

Und wenn die Welt sagt: „Hat doch alles keinen Sinn. Viel besser ist es Spaß zu haben.“ Oder auch ganz anders und doch nur mit dem Blick in die Welt: „Schaffe, schaffe! Jeder für sich selbst.“ Dann antworten wir: „Nein! Es ist Gottes Auftrag an uns. Da gibt es noch mehr als das, was vor Augen ist. Wir schauen in den Himmel und sehen dann die Welt mit Gottes liebenden Augen.“

Und schließlich hat Jesus auch den Glauben hinterlassen: Nur so ist das nämlich zu erkennen. Der Blick hinter die Kulissen erschließt sich nur im Glauben. Man könnte sagen: Der Glaube ist dieser Blick in den Himmel, der uns zuversichtlich unseren Weg in der Welt gehen lässt.

Das gilt in beiderlei Hinsicht:
1. Hier und jetzt: Wir sind nicht von der Welt, aber wir sind in der Welt. Wenn wir mit Gottes Augen schauen, dann sehen wir im Nächsten einen von Gott geliebten Menschen, dann suchen wir mitten im eigenen Leben Gottes Nähe.

2. Es gilt aber auch über das Leben hier hinaus zu denken: Gott hat eine Zukunft für uns, auch über den Tod hinaus. Deshalb kann man auch dem Tod ins Angesicht sehen. Auch wenn das schwer und manchmal traurig ist, auch wenn das heute nicht modern ist, sondern man den Gedanken an den Tod zu verdrängen versucht. Im Blick in den Himmel zu Gott unserem Vater und im Glauben an seinen Sohn Jesus Christus, der für uns am Kreuz gestorben ist, liegt die Kraft gegen den Tod anzuglauben und es liegt auch die Hoffnung darin, dass Gottes Hand uns im Tod nicht loslässt.

Das also ist das Testament Jesu, des gestorbenen und auferstandenen: Lasst euch nicht blenden von den Dingen dieser Welt, die vergänglich sind. Erhebt eure Häupter zum Himmel, wo Gott euer Vater ist, der euch liebt. Lasst euch von daher die Kraft geben, das Leben zu bestehen. Und lebt im Sinne dessen, was Jesus verkündigt hat. Lebt in der Liebe Gottes.
Amen.

Pfarrer Uwe Hermann, Stann 13 56477 Rennerod

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