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Jesus auf dem Weg Gottes.

von Ulrich Matthias Spengler (Bad Berka)

Predigtdatum : 26.02.2017
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Estomihi
Textstelle : Lukas 10,38-42
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Wochenspruch:
"Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn." (Lukas 18, 31)

Psalm: 31, 2 - 6


Lesungen
Reihe I: Markus 8, 31 - 38

Reihe II: 1. Korinther 13, 1 - 13

Reihe III: Lukas 10, 38 – 42

Reihe IV: Amos 5, 21 - 24

Reihe V: Lukas 18, 31 - 43

Reihe VI Jesaja 58, 1 - 9 a


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 161 Liebster Jesu, wir sind hier
Wochenlied: EG 384 Lasset uns mit Jesus ziehen
Predigtlied: EG 166, 4 – 6 Tut mir auf die schöne Pforte
Schlusslied: EG 157 Lass mich dein sein und bleiben


Predigttext Lukas 10, 38 - 42
Maria und Marta

„Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.
Marta aber macht sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe, Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“

Liebe Schwestern und Brüder,

gespannt sitzen die Kinder im Kreis. Nacheinander sagt eines dem anderen etwas ins Ohr. Das letzte spricht es laut aus… und dann: schallendes Gelächter! Von dem Satz der in die Runde gegeben wurde, ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Was bei dem Spiel „Stille Post“ Freude schafft, löst im Alltag schnell Verstimmung aus. Das, was ich sage, soll auch so ankommen, wie ich es gemeint habe. Nur oft gelingt das nicht so. Erwartung und Realität befinden sich nicht immer im Einklang.

„Das habe ich so nicht gemeint…“ schimpft er ärgerlich. - „Du musst doch wissen, dass ich es immer so haben möch-te.“ regt sie sich auf. - „Ich wollte…“ - „Aber du hast…“ –
Kommunikation birgt viele Stolperfallen und eröffnet manche Problemfelder. Die Bibel kennt zahlreiche Beispiele missglückter Kommunikation.

Auch die Erzählung von Maria und Marta, unser Predigttext, gehört dazu:

Wir treten ein in das Haus der zwei Schwestern. Ihre Namen wirken fast wie ein Programm. Marta bedeutet: Herrin / Lehrerin (auch übersetzbar mit: bitter, betrübt) Maria heißt: Bitterkeit, Betrübnis / widerstrebendes Wesen (möglich auch: Seherin, Herrin).

Wie es den beiden Frauen ging, was sie bewegte, wissen wir nicht. Auf jeden Fall hatten sie es nicht leicht. Sie leben allein – ohne Familie oder Mann. Marta agiert in der Rolle der Hausmutter. Sie lädt Jesus ein. Ob sie das Vorhaben mit Maria abgesprochen hat, erzählt unser Text nicht.

Jesus lässt sich einladen. Auch wenn es sich für einen jüdi-schen unverheirateten Mann nicht schickte. So etwas machte man nicht! Aber weil Jesus das macht, was sich nicht gehört, eröffnet er den Weg für Veränderung und Heil.

So handelt Jesus: Er stellt die Liebe über das Gesetz und die gute Ordnung. Denn nur die Liebe schafft Veränderung. Nur die Liebe macht heil.
So macht Jesus das oft. Darum berührt er Kranke. Darum überschreitet er Grenzen zu Fremden. Darum macht er Ge-fangene frei. Und darum betritt er das Haus von Maria und Marta.
Als Gast im Haus der Schwestern erhält Jesus einen Ehren-platz und Marta setzt alles daran, um ihn bestens zu versor-gen. Sie gibt ihr bestes. Aber sie fragt nicht, was Jesus möchte.

Machen wir es nicht oft genauso? Wir meinen zu wissen, was unserem Gegenüber gut tut. Auch wir geben alles – gerade für besonderen oder seltenen Besuch. Selbst wenn der Gast sagt: „Mach dir keine Mühe!“, folgen wir der inneren Stimme, die ruft: „Du musst …!“ oder: „Was soll man von dir denken, wenn du nicht alles gibst.“ Und wenn man im Dorf / in der Straße dicht beieinander lebt, kommt noch die Angst hinzu: „Was werden die Nachbarn sagen, wenn sie erfahren sollten, dass du nicht einmal …?!“

Marta gibt alles; und zugleich spielt sie mit Maria „Stille Post“. Jede der Schwestern denkt und tut, was sie für sich für richtig und wichtig hält. Nur - weder Maria redet mit Marta noch Marta mit Maria.
So sitzt Maria Jesus zu Füßen – „Ich kann ihn doch nicht allein lassen.“ Außerdem: „carpe diem – nutze den Tag. Wer weiß, wie lange Jesus bleibt?“

Marta dagegen wird von der Pflicht getrieben: „Ich muss doch…“ - „Ich darf nicht…“. Im Blick auf den Gast hat sie die schlechteren Karten. Die Küche ist nicht das Wohnzimmer.
‚Das ist so ungerecht! Warum hilft Maria mir nicht?’ - Marta gibt alles und wird dabei missmutig, ärgerlich, wütend.
Martas Wut ist gut nachvollziehbar. Ist Jesus nicht zu beiden Schwestern gekommen? Sollten da Lasten und Freuden nicht geteilt werden?
Es ist doch unfair: Die eine arbeitet, die andere führt ange-regte Gespräche. Marta ist wütend. Aber Wut ist eine schlechte Beraterin. Je größer die Wut, desto kleiner wird die Liebe.
In diesem Zustand schafft Marta es nicht mehr, zu Maria zu gehen, um sie zu bitten: Hilf mir.
Die Wut verhindert auch, die Schwester nach draußen zu bitten, um mit ihr das weitere Vorgehen abzustimmen.

Stattdessen versucht sie mit Jesus eine Koalition gegen Maria zu bilden: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage doch, dass sie mir helfen soll.“ Marta redet nicht mit Maria, sondern sie redet vor ihr über sie. Schlimmer und liebloser geht es kaum noch.

Es ist der Albtraum jedes Gastes: Du wirst in den Konflikt reingezogen, den die Gastgeber miteinander haben. Jesus muss sich nun positionieren. Von seiner Antwort hängt alles ab.
So könnte Jesus sagen: „Marta, lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Guten.“ (Rö-mer 12, 21). Nach dieser Antwort könnte Jesus allerdings gleich weiterziehen. Der Konflikt würde eskalieren.
Jesus wäre aber nicht der Sohn Gottes, wenn er nicht eine bessere – friedenstiftende - Lösung hätte.
Jesus kennt unser Herz. Er weiß was uns im inneren bewegt. Ihm sind die Stimmen und inneren Antreiber nicht verborgen. Außerdem möchte er mit Liebe Wege zum Heil weisen.

Darum wendet sich Jesus Marta zu. Ich stelle mir vor: Mit liebevollem Blick, und mit warmer Stimme sagt er: „Marta, Marta! - Ich habe dich genau wahrgenommen. Ich sehe dich mit deiner Mühe. Ich spüre auch deine Liebe und merke, was du investierst, um es mir ganz schön zu machen. Ich sehe aber auch deine Schwester, und weiß um euer Problem. Mir sind eure Herzen und Gedanken nicht verborgen. Marta, du hast viele Sorgen und Mühe.“

Jesus sagt nicht: „Marta, du machst dir Sorgen und Mühe.“ Er erkennt an, dass Marta Sorgen und Mühe hat. Sicher macht sich Marta Sorgen und Mühe – obwohl sie lieber sitzen und zuhören möchte. Sie macht es sich auch schwer, weil sie die Leichtigkeit und Unbekümmertheit ihrer Schwester erlebt, die sie selbst nicht besitzt.

Maria hat gar keinen Gedanken daran verschwendet, dass sie vielleicht auch etwas hätte tun können. Marta hat aber vor allem Mühe, weil sie nicht mit Maria redet. Unausge-sprochene Worte werden schnell zu unguten Gedanken, denen böse Taten folgen können.
Jesus bleibt mit seinen Worten bei Marta. Er urteilt nicht über Maria. Er ergreift für keine der Schwestern Partei.

„Marta, du hast Mühe. Eins aber ist notwendig; eines fehlt dir: Maria hat das gute Teil erwählt.“ – nicht das bessere!! Das, was Marta fehlt ist, der Mut zur eigenen Entscheidung; der Mut, zu tun, was sie will – nicht was sie meint, machen zu müssen. Marta fühlt sich durch die inneren Antreiber fremdbestimmt. Aus Liebe zu Jesus stellt sie das Eigene hin-ten an, aber kommt dabei selbst zu kurz. Sie liebt, aber sie liebt sich nicht selbst. Marta möchte, dass sich der Gast, dass sich Jesus wohl fühlt. Sie gibt dafür alles. Aber eigent-lich möchte sie lieber mit bei ihm sitzen und zuhören. Sie kann es nicht, weil sie denselben Fehler, der ihr bei Maria unterlaufen ist, auch bei Jesus gemacht hat: Marta hat nicht gefragt.

Sie hätten ja drüber reden können: „Jesus, wie möchtest du es? Wie können wir das Miteinander so gestalten, dass wir alle etwas davon haben?“ Vielleicht wäre dann auch Unge-wöhnliches möglich geworden: „Jesus, komm doch mit in die Küche. Dann kann ich vorbereiten, Maria kann helfen und wir haben dabei schon Zeit, zum Reden.“
Ich bin überzeugt, dass Jesus sich darauf eingelassen hätte. Jesus war ein Überraschungsgast auf der Durchreise. Er hat sich immer auf sein Gegenüber eingestellt.
Dazu entspricht es dem Wesen Jesu, mit einbezogen zu werden, ohne dass man ihn für eigene Ziele vereinnahmt. „Maria hat das gute Teil erwählt“: Gemeinschaft und Ge-spräch mit Jesus. „Dies soll nicht von ihr genommen wer-den.“

Weil Marta Stress hat, soll nicht Maria auch Stress bekom-men. Die Fähigkeit des Nichtstuns, um zuzuhören, darf sie behalten. Aber auch Marta soll sie nicht entbehren.
Jesus geht es hier nicht um ein „Entweder–Oder“, sondern um ein „Sowohl - als auch“.
Aus diesem Grund antwortet Jesus an anderer Stelle, als er nach dem höchsten Gebot gefragt wird: „Liebe Gott und liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ (Matthäus 22, 37-40)

Nur wer sich selbst in die Liebe mit einbezieht, kann auch Gott und die Nächsten richtig lieben. Zur Liebe gehört das Handeln genauso wie das Zuhören.
Entscheidend ist die richtige Reihenfolge: Erst hören, dann handeln; und zum Hören gehört das Fragen: Was ist jetzt nötig und gut? Was sind meine Wünsche und die meines Gegenübers? Wie finden wir gemeinsam den besten Weg? Weil das Hören so wichtig ist, beginnt unsere Woche auch mit dem Sonntag. Aus der Gemeinschaft mit Gott, aus dem Hören und Feiern starten wir in den Alltag.

Das Hören und das Handeln gehören zusammen, wie Maria und Marta, zu denen Jesus gekommen ist.
Jesus spielt sie darum nicht gegeneinander aus. Aber er macht deutlich, je intensiver wir zuhören desto angemesse-ner und liebevoller werden wir handeln – für andere und für uns selbst.

Amen.

Tagesgebet
Herr, unser Gott und Vater,
du hast Glauben, Hoffnung und Liebe in uns entzündet:
Belebe in uns diese Gaben,
dass wir aufmerksam bleiben,
hören, was du von uns erwartest
und tun, was richtig und nötig ist.
Das bitten wir im Namen, deines Sohnes Jesus Christus
und mit der Kraft des Heiligen Geistes.
Amen.

Fürbittengebet
Wir kommen zu dir, Gott,
mit unserem Dank und unseren Bitten.
Wir danken dir für dein Wort,
das uns gute Wege zeigt,
das uns hilft, aufmerksam und gelassen zu werden.
das tröstet und aufrichtet,
das uns zu einem liebevollen Umgang bewegt
Wir danken dir für unsere Gemeinschaft,
für deine Versöhnung mit uns und für deine Liebe
und Freundlichkeit zu uns.
Wir danken dir für die Menschen,
mit denen wir auf dem Weg sind:
Eltern, Kinder, Partner, Freunde - Nahe und Ferne;
Menschen, denen wir vertrauen können, die uns
verstehen und die für uns da sind.
Wir danken dir für viele Kleinigkeiten,
die unser Leben schön und reich machen
und die wir ganz selbstverständlich hinnehmen können, nicht zufällig, sondern weil du es uns ermöglichst.
Wir bitten dich für alle Menschen, die es schwer haben, die allein sind und sich gefangen fühlen:
für Kranke,
für Trauernde,
für Sinnsuchende,
für Arme,
für Sprachlose,
für Menschen in Krisen- und Kriegsgebieten,
für Menschen, die unter Gewalt leiden
oder auf der Flucht sind.
Hilf du ihnen und erbarme dich.
Wir bitten dich für unsere Gemeinde,
dass deine Gegenwart uns prägt
und wir glaubwürdige Zeugen
für deine Liebe und Gegenwart bleiben.

Amen.


Verfasser: Pfarrer Ulrich Matthias Spengler
Pfarrgasse 1, 99438 Bad Berka

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