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Jesus auf dem Weg Gottes.

von Paul-Ulrich Lenz (63679 Schotten-Einartshausen)

Predigtdatum : 11.02.2018
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Estomihi
Textstelle : Amos 5,21-24
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Wochenspruch:
"Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn." (Lukas 18, 31)
Psalm: 31, 2 - 6

Lesungen
Reihe I: Markus 8, 31 - 38
Reihe II: 1. Korinther 13, 1 - 13
Reihe III: Lukas 10, 38 – 42
Reihe IV: Amos 5, 21 - 24
Reihe V: Lukas 18, 31 -43
Reihe VI Jesaja 58, 1 - 9 a

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 162 Gott Lob, der Sonntag kommt herbei
Wochenlied: EG 413 Ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt
Predigtlied: EG 262 Sonne der Gerechtigkeit
Schlusslied: EG 171 Bewahre uns Gott, behüte uns Gott

Predigttext Amos 5, 21 – 24
Recht ströme wie Wasser
Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versamm-lungen nicht riechen –
es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar –, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an.
Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!
Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.


Liebe Gemeinde,

was für ein Wort! Euer Gottesdienst stinkt mir. Ich kann's nicht mehr hören. Ich kann's nicht mehr riechen. Ich mag es nicht mehr sehen, wie ihr zusammen¬kommt. Ich mag nicht mehr bei euch sein. Dafür sind Sie heute Morgen hier her ge-kommen, um sich das anzuhören? Publikumsbeschimp-fung? Gottesdienst-Beschimpfung?

Das ist kein Konfirmand, dem man sagen könnte: Das ver-stehst du noch nicht richtig, du musst erst älter werden. Dann wirst du schon merken, wie wichtig Gottesdienst ist. Das ist keiner, der seit Jahren die Kirche nicht mehr von in-nen gesehen hat und nicht mitgekriegt hat, wie sich die Kir-che im Lauf der Jahre darum müht, den Menschen und ihren Fragen gerecht zu werden. Das ist keiner, der mit Kirche sowieso nichts am Hut hat und das ganze Evangelium für dummes Zeug hält.

Mit solcher Kritik würden wir wohl fertig werden. Solcher Kritik würden wir antworten: Unsere Gottesdienste sind doch schön. Wir geben uns viel Mühe. Wir singen nicht nur Lieder aus dem 16. Jahrhundert, bei uns kommen auch neue Lieder dran. Wir sind nahe am Leben mit seinen vielen Themen. Und von unseren Gottesdiensten wissen wir: Da kriegen wir Kraft für die neue Woche. So ähnlich würden wir auf Kritik von Außenstehenden wohl reagieren und unseren Gottes-dienst verteidigen.

Aber nun ist es der lebendige Gott selbst, der da spricht. Es ist der Gott, von dem wir am Anfang gesagt haben: Sei in unserer Mitte, dessen Namen wir angerufen haben. Er ist es, der sagt: Eure Gottesdienste stinken mir. Ich mag sie nicht riechen. Ich halte mir die Ohren zu.

Wenn Gott sich die Ohren zuhält, wenn er nicht mehr hier sein will, wenn er unser Singen nicht mehr hören kann, un-ser Beten nicht mehr hören will, unser Zusammenkommen nicht mehr sehen will - was tun wir dann noch hier?
Kann es dann noch Segen für den Gottesdienst geben, kann es noch Kraft aus dem Gottesdienst geben, wenn Gott selbst auf Abstand geht? Bleibt nicht nur leeres Wortgeklingel, nur religiöse Folklore?

Liebe Gemeinde, nur wenn wir uns diesen Fragen stellen, nur wenn wir uns diesem Wort wirklich aussetzen, kann es bei uns Veränderung wirken. Es geht nicht anders: Wer Gott ausweicht in seinen unbequemen Worten, der wird damit auch die Worte Gottes verlieren, auf die er hofft. Wer auf Gott als Gefährten und Schutz hofft für die harten Wege durch die Zeit, der muss sich auch den harten Worten Gottes stellen.

Was steckt hinter diesem Angriff auf den Gottesdienst? Ich glaube, dass es gar nicht um "Gottesdienst-Kritik" geht. Das Thema heißt nicht: Eure Gottesdienste sind langweilig - tut etwas dagegen. Wenn das der Inhalt wäre - dem könnten wir mit Phantasie und gutem Willen abhelfen.

Dieser Angriff auf den Gottesdienst ist ein Angriff auf unser Leben. Gott übt Kritik daran, dass wir den Gottesdienst zu einer Sonntagsveranstaltung gemacht haben und den ver-nünftigen Gottesdienst unseres Alltages darüber vergessen haben. In diesen Worten hält Gott uns vor: Was ihr singt und sagt, was ihr betet und hört - das reicht nicht in eure alltägli-chen Lebensverhältnisse hinein. Darum mag ich eure Lieder nicht, eure Gebete nicht, eure Gottesdienste nicht. Also: Wo unser Leben nicht vom Gottesdienst durchdrungen wird, von dem, was wir singen und sagen, hören und beten, da ist er folgenloser und fruchtloser Gottesdienst, da wandert Gott aus und hält sich die Ohren zu.

Das müssen wir persönlich nehmen – Gott stellt uns in Frage – Sie und mich.
Du, Pfarrer, was predigst Du? Die Vergebung der Sünden - aber wie hältst Du es mit der Vergebung, wenn einer dir Un-recht getan hat, wenn sich einer im Ton Dir gegenüber ver-griffen hat.
Du redest von der Sorglosigkeit, die aus dem Vertrauen auf Gott erwächst - aber wie hältst Du es mit Deinen Sorgen?
Du Konfirmand, was machst Du eigentlich mit deinen Mit-schülern, die dir nicht passen? Haust du die in die Pfanne, lässt du die links liegen, machst du die fertig?
Du, der du hier bist, weil du auf gute Worte hoffst, die dei-ner Seele wohl tun. Aber wie ist das mit Deinem Nachbarn, den Du nicht mehr grüßt, weil er mit dir Streit hat?
Du, wie ist das mit Deinen Geschäften? Machst du faire Prei-se, bezahlst du gerechten Lohn?

Gott geht dann noch weiter. Es geht ihm ja nicht nur um unser Leben als Einzelne, es geht ihm genauso um unser Leben als Gemeinde und Kirche. Zur ganzen Kirche sagt er:

Ihr lebt in einem reichen Land - und seht zu, wie mehr und mehr Menschen in die Armut versinken. Ihr lebt in einem reichen Land und schweigt dazu, dass die Ehrfurcht vor dem Leben am Anfang und am Ende des Weges immer mehr ver-schwindet.
Ihr seid stumm und steht nicht ein für die, die schwach sind.
Ihr findet kein Wort mehr, das der Auflösung von Sitte und Anstand entgegen tritt.
Ihr schweigt zum Morden an ganzen Völkern, weil ihr euch längst verstrickt habt in die Netze der Diplomatie.
Das alles habe ich gegen euch - und darum gefallen mir eure Gottesdienste nicht, darum höre ich eure Lieder nicht, darum widert es mich an, meinen Namen in eurem Mund zu hören.

Gott ist ein anspruchsvoller Gott: Er will von unserem Leben mehr als eine Stunde am Sonntagmorgen - er will unser ganzes Leben. Er will, dass unsere Tage von Montag bis Samstag von Glauben und Gehorsam durchdrungen werden.

Das ist sein Anspruch an mich und an dich: Gib meine Liebe, die du von mir haben willst, weiter - gerade an den, der dich nicht lieben will.

- Gib sie weiter an den Mitschüler, der Dir auf den Geist geht.
- Gib sie weiter an den Hilfsbedürftigen, der dir die Zeit nimmt, die du für dich selber haben wolltest
- Gib sie weiter an den Kollegen, der immer nur herum-nörgelt
- Gib sie weiter an den Nachbarn, der dir so zu schaffen macht
- Gib sie weiter an den Politiker, der mit dir seit Jahren im Clinch liegt
- Gib sie weiter an den alten Menschen, der dir mit seiner Verwirrung und seinen immer wieder erzählten Ge-schichten, die du längst schon kennt, zu schaffen macht.

Gib die Liebe weiter - aber nicht als Augenblicks-Aktionen - hier oder da einmal. Wie ein Bach, der der schlimmsten Tro-ckenheit standhält und doch fließt - so soll unsere Gerechtig-keit, unsere Rechtschaffenheit, unsere Antwort auf die Liebe Gottes sein. Darin sollen wir beständig sein, verlässlich, be-harrlich, im ganzen Leben, auch dann, wenn es uns schwer fällt.

Statt Sonntags-Glauben und Sonntagsreden - Glaube am Montag als Antwort auf unser Predigtwort. Glaube am Mon-tag – das ist eine Einladung: Dass wir den Mut finden zu kleinen Taten und kleinen Gesten. Ein freundliches Lächeln verändert die Welt nicht – aber es kann einen Menschen froh machen. Eine stützende Hand kann einem Menschen über Barrieren helfen. Ein gutes Wort richtet einen Niedergeschla-genen auf. Ein aufmerksamer Blick sieht, wo ein anderer Hilfe oder Zuspruch braucht. Und manchmal ist es schon genug, dass wir uns einfach zu jemand setzen und ihm un-sere Nähe und unsere Zeit schenken. Wir müssen nicht die Welt verändern. Es reicht, wenn wir in unserem Lebensbe-reich tun, was nichts hermacht, aber einem anderen wohltut.

Gott will, dass der Glaube Folgen hat in unserem Leben, dass unser Gang in den Gottesdienst einen Unterschied macht. Dazu braucht er unser Vertrauen - in die Kraft seines Wor-tes, in die Fülle seines Segens. Er verspricht: In die kleine Alltagsschritte Deines Lebens lege ich meinen Segen und der hat Kraft genug, Gutes aus Deinem bescheidenen Tun wer-den zu lassen.

Verfasser: Pfarrer i. R. Paul-Ulrich Lenz
Am Litzenau 17, 63679 Schotten-Einartshausen

Herausgegeben vom

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