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Jesus auf dem Weg Gottes

von Friederike Holtz (06466 Gatersleben)

Predigtdatum : 22.01.2009
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Estomihi
Textstelle : Markus 8,31-38
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Wochenspruch:

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lukas 18, 31)

Psalm: 31 (EG 716)

Lesungen

Altes Testament:
Amos 5, 21 – 24
Epistel:
1. Korinther 13, 1 – 13
Evangelium:
Markus 8, 31 – 38

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 438
Der Tag bricht an und zeiget sich
Wochenlied:
EG 413 oder EG 384
Ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt oder: Lasset uns mit Jesus ziehen
Predigtlied:
EG 391 oder EG 385
Jesus geh voran oder: Mir nach, spricht Christus, unser Held
Schlusslied:
EG 356
Es ist in keinem andern Heil

31 Und Jesus fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. 33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. 36 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? 37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?
38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Liebe Gemeinde,
vielleicht verwundert es Sie ein wenig, wenn ich behaupte, dass es in unserem Text um Freundschaft geht. Freundinnen und Freunde machen doch das Leben lebenswert und schön. Also das Gegenteil von Selbstverleugnung und Lebensverlust. Und erzählt der Predigttext nicht von einem scharfen Wortwechsel zwischen Jesus und seinem Freund Petrus? Verwandeln sich die Menschen, die Jesus gern hat, hier nicht in Hindernisse, ja in Feinde? So klingt die Anrede als „Satan“ jedenfalls in meinen Ohren.
Der Weg nach Jerusalem wird kein Siegeszug sein; das stellt Jesus klar. Genauso klar ist für ihn die Bedingung für alle, die seine Weggefährten bleiben wollen. „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“. Das Unverständnis des Petrus ist nachvollziehbar. Es ist menschlich, wie Jesus selbst zugibt. Die Jüngerinnen und Jünger haben bereits alles zurückgelassen und sind Jesus gefolgt. Nun stellt er ihre Freundschaft mit ihm vor eine neue Herausforderung. Wie weit sind sie bereit mit ihm zu gehen?
Jesus macht ihnen und damit auch uns die Entscheidung nicht leicht. Dabei gebraucht er Worte, mit denen bis heute ganz alltägliche Entscheidungen abgewogen werden. Welchen Gewinn habe ich zu erwarten? Welches Verlustrisiko muss ich einkalkulieren? Wenn es um Geld geht und um wirtschaftliche Investitionen, dann sind diese Fragen unentbehrliche Hilfsmittel für verantwortliches Handeln. Was habe ich davon, und was kostet es mich? Das beschäftigt auch immer wieder Kirchenvorstände/Gemeindekirchenräte. Aber kann man mit diesen Fragen etwas anfangen, wenn es um Freundschaft geht? Klingen sie nicht irgendwie unpassend, wenn sie auf den Glauben an Gott angewandt werden?
Für Jesus lässt sich der eine Bereich unseres Lebens vom anderen nicht trennen. Wonach wir an sechs Tagen der Woche streben, das wird auch am Sonntag unser Tun und Denken prägen. Wer bei der Arbeit darauf bedacht sein muss, für sein Angebot so viele Käufer wie möglich zu finden, der wird sich auch am Sonntag fragen, ob hier im Gottesdienst das Verhältnis von Angebot und Nachfrage noch stimmt. Wer die ganze Woche genau rechnen muss, um mit dem wenigen Geld über die Runden zu kommen, der wird sich auch am Sonntag fragen, wie sich die Kirchengemeinde das alles bei immer weniger Einkünften noch leisten kann. Wer die ganze Woche in der Schule um seine Arbeitsmarkttauglichkeit kämpfen muss, der wird sich am Sonntag fragen, wie ihm Christsein da behilflich sein kann. (Bitte die Beispiele durch ein eigenes bzw. aktuelles Beispiel ersetzen oder erweitern!)
Können wir das einfach für falsch und verboten erklären? Ich denke: nein. Muss sich nicht der christliche Glaube den Anfragen und Herausforderungen außerhalb der Kirchenmauern stellen? Muss sich nicht eine Kirchengemeinde an die Struktur der Gesellschaft anpassen, um Menschen zu gewinnen und kirchliches Leben zu erhalten? Ich denke, niemand möchte diese Fragen gern mit einem glatten Nein beantworten.
Was gewinnt mein Leben durch den Glauben an Gott? Was habe ich von meiner Zugehörigkeit zur Kirche? Diese Fragen sind nicht verboten. Wer von Kindheit an zur Kirche gehört, stellt sie sich normalerweise nicht. Und wenn doch, dann mit dem potentiellen Gedanken an den Kirchenaustritt im Hinterkopf. Das könnte man jedenfalls annehmen. Die Antwort auf diese Fragen kann die Zahl der Gemeindeglieder aber auch in der umgekehrten Richtung beeinflussen. Menschen, die sich neu für die Kirche und den Glauben interessieren, fragen zu Recht danach.
Da kommen, vor allem in den neuen Bundesländern, Paare zur Gemeinde und möchten eine kirchliche „Trauung in Weiß“. Sie wissen nicht viel über den christlichen Glauben. Die beiden ahnen schon, dass sich dafür wenigstens einer von ihnen „taufen lassen muss“. Dazu sind sie bereit; auch gegen die Meinung eines Teils der Familie, die die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht für ausgewogen hält. Sie können ja nicht wissen, wie viel mehr die beiden über den „schönsten Tag ihres Lebens“ hinaus mit diesem Schritt für sich gewinnen können. Wahrscheinlich hat auch das Paar am Anfang nur eine unklare Vorstellung davon. In der Gemeinde hingegen haben manche das Gefühl, das sei eine irgendwie egoistische Motivation für die Taufe. Sie wissen nicht, wie viel für die beiden dieser erste Schritt auf Kirche und Glauben zu über das Finanzielle hinaus bedeutet. Auch das Paar wird erst im Laufe der Vorbereitungszeit auf die Taufe merken, dass es in der Kirche auch um so etwas wie Freundschaft mit Jesus geht.
Der Glaube an Gott ist nicht nur Lebenshilfe. Etwas, das einen tragen kann in schwierigen Zeiten. Der Glaube an Gott gibt nicht nur Orientierung im Leben, Maßstäbe und Werte, die man mit anderen gemeinsam vertreten kann. Der Glaube an Gott verleiht nicht nur jedem Leben seine unverwechselbare Würde. Gottes Liebe zu allen, die nicht nach Leistung und Status bemessen wird. Der Glaube an Gott lässt sich nicht ganz glatt als Lebensgewinn verbuchen, sondern er nimmt unser Leben für die Sache Jesu in Anspruch. Er setzt uns auf die Spur von Jesus, der uns bittet, seinen Weg mit zu gehen. Und dieser Weg führt nicht an Leiden und Verlust vorbei. Er stellt Selbstbehauptung und Gewinnen-wollen infrage.
„Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele dabei Schaden nimmt? Womit kann ein Mensch seine Seele zurückkaufen?“ Diese Einwände Jesu gegen das allgemeine Gewinnstreben damals wie heute entsprechen durchaus unserem Empfinden von Wertigkeiten im Leben. Nur würden wir – und ich denke, auch viele unserer nichtchristlichen Nachbarn – das Wort „Seele“ durch das Wort „Leben“ ersetzen. „Das wirklich Wichtige im Leben kann man nicht kaufen.“ Dazu gehört für uns, im Gegensatz zu unseren nichtchristlichen Nachbarn, auch der Glaube, die Freundschaft mit Jesus. Auch das lässt sich nicht durch Geld oder irgendeine Leistung kaufen.
Obwohl wir uns in dieser Sache mit Jesus einig sind, bleibt ein ungemütliches Gefühl beim Hören unseres Predigttextes. Hier wird nicht nur von Geld oder Besitz gesprochen, sondern vom Leben selbst, das verloren wird. Es geht nicht nur um die Auswahl des richtigen Gewinns, nach dem zu streben ist, sondern um echten Verlust, der in Kauf genommen wird. „Was schadet es dem Menschen, wenn er alles auf der Welt verliert, solange er mit Gott verbunden bleibt? Denn was kann mehr wert sein als Gottes Liebe zu ihm?“ Das klingt schon provokanter. Wie kann jemand glücklich bleiben, wenn er wirklich alles verliert? Das gibt es nur im Märchen von „Hans im Glück“. Hans bleibt glücklich, weil er keinen Verlust empfindet. Er merkt es nicht, wie er über’s Ohr gehauen wird. Jesus ist kein „Hans im Glück“. Er weiß, was er verlieren wird, und seine Jüngerinnen und Jünger empfinden die Zumutung seiner Forderung genauso wie wir.
Wir sind hier vorsichtig geworden. Zu oft wurde der Aufruf Jesu zur Selbstverleugnung und Nachfolge missbraucht für Kadavergehorsam und Appelle an den Opferwillen der Menschen. Jesus verlangt von seinen Jüngerinnen und Jüngern nicht etwas, was er selbst nicht tut. Das unterscheidet ihn von manchen Personen der Geschichte, die zu Opfern im Namen einer angeblich großen Sache aufgerufen haben. Aber trotz aller Vorsicht können wir Jesu Aufruf nicht einfach unter den Altarteppich kehren. Es gibt genügend überzeugende Beispiele in der Geschichte der Christenheit, wie der Einsatz des eigenen Lebens für Jesus und das Evangelium aussehen kann. (Wer will, kann hier gern ein, zwei Beispiele einfügen.) Mit Sicherheit gibt es viel mehr von ihnen, als sich Namen in Geschichtsbüchern finden.
Es geht nicht um ein Leiden um des Leidens willen. Es geht darum, Entbehrungen und Unannehmlichkeiten nicht aus dem Weg zu gehen. Schmerz und Tod nicht auszublenden, weder aus dem Bild, das wir für andere Menschen vom christlichen Glauben zeichnen, noch im alltäglichen Leben. Und es geht um die Entscheidung für die Gemeinschaft mit Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, der das Leiden der Menschen geteilt hat. Wie die Jüngerinnen und Jünger sollen wir uns mit hineinziehen lassen in die Geschichte Gottes mit den Menschen. Das bedeutet die Taufe auch neben aller Zusage von Gottes Schutz und treuer Begleitung im Leben.
Vielen ist diese Bedeutung der Taufe nicht bewusst. Und doch sind wir alle bei unserer Taufe mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnet worden. Mit der Taufe haben wir den ersten Schritt auf dem Weg mit Jesus getan, selbst wenn wir damals noch gar nicht laufen konnten. Auf diesem Weg wird uns Jesus nicht verlassen. Er bittet uns aber auch, ihn nicht allein gehen zu lassen. Das ist keine einmalige Entscheidung, selbst für die, die als Erwachsene getauft werden. In der Bibel kommen die Jünger Jesu immer wieder in Situationen, in denen sie sich neu für ihre Freundschaft mit Jesus entscheiden müssen. Erst nach und nach begreifen sie, wohin sie diese Freundschaft führt, wenn sie ihr treu bleiben wollen. Auch wir können uns selbst entscheiden, wie weit wir mit Jesus gehen wollen. Nicht jeder wird die Nachfolge Jesu so leben wollen oder müssen, wie wir es an den oben erwähnten Beispielen aus der Geschichte sehen.
Jesus sieht seine Jünger an, bevor er Petrus antwortet. Er sieht seine Freundinnen und Freunde. In diesem Blick liegt die Freundschaft in unserem Text. Er geht seinen Weg zu Ende nicht trotz seiner Liebe für sie, sondern um dieser Liebe willen. An einer anderen Stelle in der Bibel sagt Jesus: „Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben lässt für seine Freunde“ (Joh 15,13).
Dieses Freundes und seiner Worte brauchen wir uns nicht zu schämen. Sie sind nicht leicht dahingesagt. Seit Jesus mit seinem Leben für diese Worte eingestanden ist, haben sie durch die Jahrhunderte immer wieder Menschenleben geprägt und verändert. Wenn wir unser Leben diesen Worten aussetzen, dann wird es vielleicht nicht einfacher, schöner oder glücklicher. Doch es wird ein Leben an der Seite dessen, der auf dieser Menschenerde den Weg Gottes gegangen ist.
Amen.

Verfasserin: Pfarrerin i.E. Friederike Holtz, Schulstr. 11, 06466 Gatersleben

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