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Jesus, das Brot des Lebens

von Waltraud Frassine (Reichelsheim)

Predigtdatum : 30.03.2014
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Okuli
Textstelle : Jesaja 54,7-10
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Wochenspruch:
"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht." (Johannes 12, 24)

Psalm: 84, 6 - 13

Lesungen
Altes Testament: Jesaja 54, 7 - 10

Epistel: 2. Korinther 1, 3 - 7

Evangelium: Johannes 12, 20 - 26

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 440, 1 - 4 All Morgen ist ganz frisch und neu
Wochenlied:
Alternativ: EG 396, 1 -3, 5
EG 289, 1, 2, 4 Jesu, meine Freude
Nun lob, mein Seel, den Herren
Predigtlied: EG 638, 1 - 3 Ich lobe meinen Gott
Schlusslied: EG 294, 1 - 4 Nun saget Dank

Vorbemerkung
Lätare, der Name dieses Sonntags, kommt in dem Predigtvorschlag nicht vor. Mein Vorschlag ist, die Besonderheit dieses Sonntages in der Eingangsliturgie des Gottesdienstes zu berücksichtigen. Den Predigttext würde ich nicht am Anfang lesen.

Liebe Gemeinde,
es ist Sonntag, die Familie sitzt beim Mittagessen. Mutter legt Wert darauf, dass sonntags alle dabei sind, auch wenn die Mädchen noch im Schlafanzug sind und der große Bruder nicht wirklich ausgeschlafen ist. Der Jüngste war schon im Gottesdienst. Er ist Konfirmand und muss auch am Sonntag „früh“ aufstehen, weil er die Gottesdienste nicht versäumen darf. In ein paar Wochen will er konfirmiert werden, die Vorbereitungen für dieses Fest in der Familie laufen, aber ihm fehlt noch etwas. Er sucht noch nach einem Konfirmationsspruch und heute kam in der Predigt ein Text dran, der ihn nachdenklich gemacht hat. Er möchte gerne wissen, was die anderen von den Worten halten, die ihn so angesprochen haben. Aus dem Gedächtnis zitiert er, was er behalten hat: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, spricht der Herr.“ Das wär‘s doch, denkt er, egal, was passiert, Gottes Gnade wird bei mir bleiben. Mir kann nichts passieren.

Als er für die anderen beim Mittagstisch diese Sätze wiederholt, herrscht erst einmal Schweigen. So zwischen Hauptgericht und Nachtisch sich auf solche Worte einzulassen, das ist eine Herausforderung. Der große Bruder reagiert zuerst. „Was heißt denn Gnade?“ fragt er, „Kannst du mir mal sagen, was du darunter verstehst?“ „Na ja“, antwortet der Kleine, „wir haben beim Konfitag darüber geredet. Das heißt, dass ich keine Angst haben muss, wenn mir was Schlimmes passieren wird. Auch dann wird Gott mir helfen
und mich beschützen und dafür sorgen, dass alles wieder gut wird. Und wenn ich mal was falsch gemacht habe, wird mir vergeben und ich kann von vorne anfangen.“ Die älteste Schwester will es genauer wissen: „Wo steht denn das in der Bibel, wer hat das denn gesagt und zu wem?“ Wie gut, dass Mutter ihren Sohn in den Gottesdienst begleitet hatte, so kann sie etwas dazu sagen. „Das sind Worte aus dem Alten Testament, aus dem Buch Jesaja. Der Prophet hat das zum Volk Israel gesagt, das in der Babylonischen Gefangenschaft war. Die Oberen Zehntausend der Israeliten waren nach einem verlorenen Krieg deportiert worden nach Babylon und warteten nun schon seit über fünfzig Jahren darauf, wieder nach Jerusalem und in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen. Man weiß heute, dass die politische Wetterlage sich verändert hatte und der Perserkönig Kyros an die Macht gekommen war. Es entstand neue Hoffnung auf eine Rückkehr unter den Leuten und der Prophet Jesaja wird von Gott beauftragt, diese Hoffnung zu bestärken. So hat es jedenfalls die Pfarrerin heute Morgen gesagt.“

Die Schwester ist noch nicht zufrieden: „Also, wenn Gott so eine tolle Zusage gegeben hat, dann sollte man doch annehmen, dass die gilt für immer und alle Zeiten, oder? Wenn ich mir jetzt die Geschichte der Israeliten anschaue – so ein bisschen was weiß ich ja auch noch aus dem Reli-Unterricht - dann finde ich wenig Gnade! Hat Gott denn wirklich immer sein Volk beschützt? Hat er aufgepasst, dass nichts Schlimmes passiert? Soweit ich mich erinnere, sind sie später wieder vertrieben und über die ganze Welt verstreut worden. Gut ging es ihnen da auch nicht, denkt doch mal an die Judenprogrome im Mittelalter. Und was dann im Dritten Reich hier in Deutschland mit den Juden passiert ist, wie willst du das denn erklären?“

Einen Moment lang weiß keiner, was er sagen soll, dann murmelt der große Bruder, der die ganze Zeit schon auf seinem smart-phone rumgesucht hat: „Wartet mal, ich hab‘s gleich. Ja, hier ist der ganze Abschnitt, der wohl heute in der Predigt dran gewesen ist:
‚Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.‘

Habt ihr gemerkt, da wird doch zugegeben, dass Gott zornig war, dass er sich abgewendet hat. Einen kleinen Augenblick lang hat er sich abgewendet. Vielleicht ist das ja nicht nur damals passiert als die Israeliten deportiert worden sind. Sondern das kann immer wieder mal sein. Wenn die Menschen sich so verhalten wie Gott das nicht will, dann wird er eben zornig und bestraft auch die Leute.“

„Aber er verspricht doch, dass er das nicht mehr tun wird! So unwahrscheinlich es ist, dass Berge woanders hingehen und Hügel zusammenstürzen, so unwahrscheinlich sollte es dann sein, dass Gott wieder böse wird.“ meldet sich die kleine Schwester zu Wort. „Ich verstehe das nicht, einerseits das Versprechen, nicht mehr zornig zu werden und nicht mehr zu schimpfen, und andererseits die Sachen, die dem Volk Israel oder den Juden doch immer wieder passiert sind. Was stimmt denn nun?“ Mutter versucht zu erklären: „Ich glaube, damit müssen wir leben: Gott handelt nicht immer so rational oder folgerichtig wie wir uns das vorstellen. Es wird immer etwas geben, das wir nicht erklären können. Die Pfarrerin heute Morgen hat übrigens gesagt, dass wir mit diesem Widerspruch leben müssen und trotzdem glauben können oder sollen. Wir sollen Vertrauen haben, dass am Ende doch Gottes Gnade und Barmherzigkeit gelten.“
„Ich könnte mir vorstellen, dass deswegen auch die Geschichte von der Sintflut hier reinkommt. Da war Gott ja auch böse mit den Menschen und hat sie fast alle untergehen lassen. Und als das Land wieder trocken geworden war, hat er den Regenbogen gemacht und versprochen, dass, solange die Erde steht, das Leben weitergehen soll und es einen Bund zwischen ihm und den Menschen geben soll“, ergänzt die große Schwester. „Das heißt doch auch: am Ende ist Gott gut zu den Menschen.“

„Könnt ihr vielleicht mal wieder auf meine Frage zurückkommen: ist das jetzt ein guter Konfirmationsspruch oder nicht? Ihr redet immer nur von den schlechten Sachen, die euch einfallen. Und ich weiß auch, dass ich nicht immer so bin wie ich sein sollte. Ich mache schon auch was falsch oder bin der Grund dafür, dass ihr zum Beispiel euch ärgern müsst. Oder vielleicht sogar Sorgen machen müsst. Aber ich habe gedacht, dass es doch gut für mein Leben sein könnte, wenn ich mich immer wieder daran erinnern kann, dass Gott es gut mit mir meint und mir eigentlich nichts Schlimmes passieren kann.“ Der kleine Bruder ist ein bisschen ärgerlich über den Verlauf, den das Gespräch genommen hat. „Warum sagst du denn gar nichts, Papa? Könntest du mich denn vielleicht mal unterstützen!“

Der Vater räuspert sich, eigentlich sind das alles auch seine Bedenken, die im Gespräch schon genannt worden sind, und er kämpft auch immer wieder mit der Frage, ob denn Gottes Gnade und Barmherzigkeit wirklich so gewiss sind, wie es in den letzten Sätzen des Jesaja – Wortes gesagt wird. Was soll er seinem Sohn sagen? ‚Glaub einfach, vertrau für dich auf die Zusage Gottes‘ Das wäre wohl zu wenig, oder? Soll er von Jesus erzählen, dem Sohn Gottes, der den Menschen immer wieder gezeigt hat wie Liebe und Barmherzigkeit sind, der so viele Geschichten erzählt hat um das zu verdeutlichen? Soll er ihm von Jesus erzählen, der Gott, seinem Vater so sehr vertraut hat, dass er den Weg ans Kreuz gegangen ist? Und der in dem ‚Augenblick‘ erlebt hat, dass er
entsetzlich allein war. Soll er davon erzählen, dass der Tod am Kreuz nicht das letzte gewesen ist, sondern dass danach Ostern wurde, die Auferstehung von den Toten? Oder soll er sagen, dass er keine einfache Antwort hat?

Der große Bruder hilft ihm Gott sei Dank aus dieser Situation, denn voller Überzeugung sagt er: „Also, ich finde, wenn du den ersten Satz auch noch dazu nimmst, dann ist es ein toller Konfirmationsspruch. Da ist doch das ganze Leben drin, nicht nur das, was wir (vielleicht) mit Gott erleben, sondern auch das, was uns mit den Menschen immer wieder passiert. Immer wieder gibt es Ärger und Streit, du glaubst, du bist allein und keiner kümmert sich um dich. Aber so ist es doch nicht! Meistens merkst du früher oder später: ‚Ich hab Freunde, ich hab ´ne Familie, mein großer Bruder hört mir zu‘. Das ist doch Klasse. Und wenn du das auch bei Gott so sehen kannst…

Da meldet sich die kleine Schwester noch einmal zu Wort: „Also, Pater Jozef, der katholische Pfarrer, den wir in der Schule in Religion haben, sagt immer: ‚Gott ist unser Vater im Himmel‘. Und wenn ich daran denke, wie du, Papa, manchmal sauer auf uns bist und uns was verbietest, und uns trotzdem lieb hast, kann ich mir vorstellen, dass es auch mit Gott so ist. Er hat uns einfach lieb und deswegen kümmert er sich immer um uns.“

„Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und

der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer."
Amen

Verfasserin: Dr. Waltraud Frassine
Gutleutstraße 3, 64385 Reichelsheim

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