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Jesus, das Brot des Lebens

von Uta Voll (Bensheim)

Predigtdatum : 11.03.2018
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Lätare
Textstelle : Philipper 1,15-21
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Wochenspruch:
"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht." (Johannes 12, 24)
Psalm: 84, 6 - 13

Lesungen
Reihe I: Johannes 12, 20 - 26
Reihe II: 2. Korinther 1, 3 - 7
Reihe III: Johannes 6, 55 - 65
Reihe IV: Philipper 1, 15 - 21
Reihe V: Johannes 6, 47 - 51
Reihe VI Jesaja 54, 7 - 10

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 451,1-5 Mein erst Gefühl sei Preis und Dank
Wochenlied: EG 396 Jesu, meine Freude
Predigtlied: EG 516 Christus, der ist mein Leben
Schlusslied: EG 98 Korn, das in die Erde


Predigttext Philipper 1, 15 – 21
Die Gefangenschaft des Paulus und die Verkündigung des Evangeliums
Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, ei-nige aber auch in guter Absicht:
diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege;
jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lau-ter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Ge-fangenschaft.
Was tut's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.
Aber ich werde mich auch weiterhin freuen;
denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi,
wie ich sehnlich erwarte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod.
Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.


Liebe Gemeinde,

„Sterben ist mein Gewinn“. Wer schwer trauert, wird diesen Satz nicht akzeptieren können. Das Sterben eines naheste-henden Menschen ist alles andere als ein Gewinn. Die Worte Sterben und Gewinn sind geradezu Gegensätze, die sich aus-schließen. Sterben ist schlimmer Verlust, der durch nichts auszugleichen ist. Es bedeutet Abschied und Leere. „Sterben ist mein Gewinn“? Ein Satz, an dem Reibung entsteht. Wo soll er denn sein, der Gewinn? Und worin besteht der Ge-winn? Ist Sterben eine Lotterie mit Hauptgewinn und Nieten? Ein gewonnenes Ziel nach langer Anstrengung? Oder ein Le-bensüberschuss in irgendeiner Art?

Beim Lesen von Todesanzeigen begegnen mir manchmal Sätze wie: Es war kein Sterben, es war eine Erlösung. Oder ich spüre die Erleichterung: Endlich durfte unsere Mutter nach langem Leiden heimgehen. Hier wird Sterben als Ge-winn empfunden. Wer todkrank ist und leidet, wer nicht sterben kann, obwohl er es schon so lange will, für den ist Sterben zumindest kein Schrecken, sondern eine Beendigung der Qual, in gewisser Weise also ein Gewinn. Das Sterben ist dann willkommen. Es befreit von Schmerz. Solche Sätze, so aufrichtig sie sind, sagen allerdings mehr über das Leben aus, das nicht mehr zum Aushalten ist, als über das Sterben.

O Tod, wie gut ist es, dass du auferlegt bist für betrübte und kraftlose Menschen, für die, die straucheln und überall an-stoßen, die verzweifelt sind und die Hoffnung verloren ha-ben. Jesus Sirach, von dem diese Worte stammen, sagt aber auch: O Tod, wie bitter ist es, an dich zu denken für die, die ruhig ihr Haus bewohnen, für die, die ohne Sorgen sind und in allem Erfolg haben und noch kräftig genug sind, um gut zu essen. (vgl. Jesus Sirach 41,1 - 5)

An der Art des Lebens oder Sterbens kann ich noch nicht ermessen, worin nun der Gewinn besteht, von dem Paulus spricht.

Sterben könnte dann ein Gewinn sein, wenn wir es ins Leben hineinholen. So geschieht das beispielsweise in der Hospiz-bewegung. Die Gründerin Cicely Saunders sagte: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“. Der Gewinn besteht demnach nicht in mehr Lebenszeit. Worin dann?
Darin, dass Menschen in ihren letzten Wochen, Tagen und Stunden Geborgenheit und Sicherheit erfahren. Dass sie ein Zuhause erleben und Zuwendung. Dass sie die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten, aber auch erfahren, dass ihr Leben bejaht wird und liebevoll begleitet bis zum Ende. Dass die eigenen Vorstellungen, Wünsche und Werte respek-tiert werden und er oder sie darauf vertrauen kann, gerade in der letzten Lebensphase. Dass gerade dann, wenn die Lebenszeit so begrenzt scheint, mehr Leben, intensivere Be-ziehungen zu Angehörigen erfahren werden. Im Gästebuch eines Hospizes findet sich folgende Inschrift:

„Ein wunderbarer Ort, wegen seiner Lage, mehr noch we-gen der Menschen, die Menschen Würde schenken.“

Ein wunderbarer Ort – das sagt viel aus über Gewinn im Sterben. Der Ort muss natürlich kein stationäres Hospiz sein. Das kann auch im Krankenhaus oder zu Hause sein. Sterben ist dann eine Chance, das Leben noch einmal neu und kost-bar zu erfahren. Für Sterbende wie für die Menschen, die ihnen am nächsten stehen.

Das Sterben ins Leben hineinholen, ja, da kann ich einen Gewinn sehen. Das tut auch unserer Gesellschaft gut, wenn das Sterben nicht an den Rand gedrängt wird und dadurch von seiner Fremdheit und seinem Schrecken etwas verliert.

Für Paulus hatte das Sterben keinen Schrecken. Ein Detail scheint mir wichtig zu sein: Er schreibt: Sterben ist mein Gewinn. Das ist eine Ich-Botschaft, die er aussendet. Es geht ihm nicht um einen allgemein gültigen Glaubenssatz. Deshalb kann er auch für Trauernde, die das Sterben als großen Ver-lust empfinden, nachdenkenswert sein. Paulus schreibt über sich selbst. Über sein Sterben. Er braucht es nicht erst in sein Leben hinein zu holen, sondern es steht ihm täglich vor Augen. Er ist schwer krank und hockt im Gefängnis, verfolgt aufgrund seiner christlichen Predigt. Festgesetzt und miss-handelt. Ohne zu wissen, ob er das Gefängnis lebend verlas-sen wird. Immerhin ist er in der Lage, Briefe zu schreiben.

„Sterben ist mein Gewinn“ – ja, bei solch einer Situation kann man sich schon vorstellen, dass er gern sterben möch-te und das alles hinter sich lassen will. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass er nicht nur das Sterben in sein Leben hineinlässt, sondern dass er, und zwar schon längst, Christus in sein Leben hineingelassen hat. Hineingelassen ist nicht ganz korrekt. Christus hat sich gewitterartig in sein Leben hineingedrängt und von ihm Besitz genommen. Darum gehören die beiden Aussagen zusammen: Sterben ist mein Gewinn – und davor: Christus ist mein Leben. Und sie hän-gen auch im Innersten zusammen. Paulus hat Christus in seinem Leben. Er hat den Weg Jesu in sich drin samt Leben, Sterben und Auferstehen, und es ist sein eigener Weg ge-worden.

Nicht weil er genauso verläuft. Jesus ist Jesus und Paulus ist Paulus. Aber wie Jesus als Gerechter, als Gott - Botschafter in den Tod ging, das ist für Paulus Vorbild. Und noch mehr strömt das in Paulus Leben hinein, was Jesus Christus be-wirkt hat: Heilung, Hoffnung, Lebensüberschuss – auch da-ran hat Paulus Anteil und alle, die sich Jesu Weg zu eigen machen. Im Mitgehen mit Jesu Weg verliert auch der Tod sein Schweigen. Er ist plötzlich von Leben umgeben, weil Ostern kam und der Weg Jesu vom Vorsprung Leben erzählt, vom Lebensüberschuss.

Weil Paulus von Christus erfüllt sein Leben lebt, darum kann der Tod für ihn Gewinn sein. Der Tod hebt die letzte Schran-ke auf, die ihn momentan von Christus trennt. Er ist für Pau-lus ein Durchgang zu neuem Leben. Luther hat den Tod einer Geburt verglichen, die zwar schmerzhaft ist, aber Anfang eines glücklichen Lebens. Da ist Luther ganz bei Paulus. Der Weg Jesu durch den Tod hindurch. Wenn wir uns da einklin-ken könnten, als Trittbrettfahrer, dann könnten Angstbro-cken verschwinden. Dann könnte der eine oder die andere das auch wagen zu bekennen: Ja, Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

Paulus lebt ja noch zu dem Zeitpunkt. Er wird das Gefängnis verlassen können für diesmal. Aber diese Lebenshaltung, dieses Vertrauen in Christus, der ihn mitnimmt im Leben und im Sterben, das hat schon jetzt Auswirkungen. Das Leben ist da. Und es wird jetzt gelebt. Da mag die Außenansicht des Lebens nicht so prächtig sein. Im Gefängnis, krank, Leben im Ungewissen. Aber die Innenansicht bei Paulus gibt ein ande-res Bild. Er freut sich! Es begegnet uns in diesem Brief an die Philipper ein Paulus, der nicht um sich und seine Leiden kreist. Sondern der weiterhin regen Anteil nimmt an dem, was die Gemeinde in Philippi umtreibt. Der heiter und gelas-sen auf ihre Sorgen antwortet. Was? Einige bei euch predi-gen Christus aus Eigennutz und möchten mich mit ihrer Pre-digt ärgern? Was solls! Hauptsache, Christus wird überhaupt unter die Leute gebracht. Das ist doch Grund zur Freude!

Ich bin im Gefängnis? Aber dadurch gibt es neue Möglichkei-ten der Verkündigung, denn noch mehr Menschen kommen durch mich hier in Berührung mit der frohen Botschaft. Ein Grund zur Freude!

Ich muss vielleicht sterben? Bisher hat der Widerstand gegen unseren Glauben immer nur dazu geführt, dass wir stärker und mutiger geworden sind! So wird es auch sein, wenn ich getötet werde! Ein Grund zur Freude!

Ihr lieben Philipper betet für mich. Ich habe euch und als Plus den Geist Jesu. Ich bin also gut aufgehoben. Ein Grund zur Freude!

Paulus versteht es, aus allem das Beste zu machen. Das ist die Innenansicht eines Menschen, der vertraut.
Lassen Sie uns heute am Sonntag Lätare („Freut euch“) den Weg Jesu hereinholen in das eigene Leben. Und damit auch die Freude über den Gewinn an Lebensfülle, die uns Gott verheißt, im Leben und im Sterben.

Verfasserin: Pfarrerin Uta Voll
Märkerwaldstraße 100, 64625 Bensheim

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