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Lebendige Hoffnung

von Burkhard Hotz (64668 Rimbach)

Predigtdatum : 15.04.2012
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostermontag
Textstelle : Kolosser 2,12-15
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Wochenspruch:

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergebo-ren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Aufer-stehung Jesu Christi von den Toten.“

(1. Petrus 1, 3)

Psalm: 116,1 – 9 (EG 746)

Lesungen

Altes Testament: Jesaja 40, 26 – 31

Epistel: 1. Petrus 1, 3 – 9

Evangelium: Johannes 20, 19 – 29

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 162 Lob Gott, der Sonntag kommt herbei

Wochenlied: EG 67 Herr Christ, der einig Gotts Sohn

Predigtlied: EG 200 Ich bin getauft auf deinen Namen

Schlusslied: EG 116 Christ ist erstanden

Predigt

Biblische Grundlage: Johannes 20, 19 – 29 und Kolosser 2, 12 - 15

Liebe Gemeinde,

wir werden heute am Sonntag nach Ostern durch die Lesung aus dem Johannesevangelium noch einmal eine Woche zurückgeholt an den Abend des Ostersonntags. Wir treffen auf einen Kreis ängstlicher Menschen: Die Jünger Jesu, sie haben sich in ihrem geheimen Versteck getroffen. Alle waren gekommen, bis auf einen. Die Türen sind verschlossen, denn sie haben Angst, auch verhaftet zu werden als erklärte Anhänger eines hingerichteten Verbrechers.

Ja, sie sind ängstlich und verwirrt. Immer wieder sind die furchtbaren Bilder der vergangenen Tage da, dieser entsetzliche Verbrechertod ihres Meisters am Kreuz und zugleich stürzen jetzt Berichte auf sie ein, die sie erst recht verwirren, dass sein Grab heute Morgen leer gewesen sei, dass Engel erschienen seien, ja dass Maria Magdalena dem HERRN selbst begegnet sein will. Es war zum verrückt werden; gegensätzlicher konnte es gar nicht sein. Wem und was konnte und sollte man in dieser Situation noch glauben?

In diese verschreckte und verstörte Versammlung tritt nun völlig unerwartet der auferstandene Jesus Christus selbst. ER ist in seinem Auferstehungsleib nicht an raum-zeitliche Begrenzungen gebunden. ER kommt durch ihre verschlossenen Türen und tritt in ihre Mitte, ja, ER wird zu ihrer Mitte. Wie gut, dass sich der auferstandene HERR nicht durch unsere verschlossenen Türen und Mauern der Angst zurückhalten lässt, zu uns zu kommen und uns zu begegnen. Und genau das ist seit der Zeit des Neuen Testaments das Zentrum, der Kern unseres Glaubens: Die persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen. Es geht gerade nicht zuerst um ein Auferstehungsdogma, das man glauben muss. Christlicher Glaube ist zuerst die persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus. Es ist im Kern die Erfahrung: Der HERR lebt!

Nun grüßt dieser HERR seine verstörte Jüngerschar mit dem wunderbaren Gruß: Friede sei mit Euch! Was ist in diesem Gruß des Auferstandenen nicht alles enthalten? Sein Sieg, sein Schutz, sein Segen, seine Nähe, seine Wegbegleitung, seine Freude, seine ganze hingebungsvolle Liebe. In das atemlose Chaos der Jünger bringt Jesus seinen Frieden. ER ist jetzt in ihrer Mitte, und wo Jesus die Mitte ist in unserem Leben, in unseren Beziehungen und in unseren Gottesdiensten, da tritt Frieden ein, der Frieden, der höher ist als alle menschliche Vernunft.

ER zeigt sich seinen Jüngern ganz bewusst; sie sollen IHN wirklich eindeutig erkennen. Womit gibt ER sich zu erkennen? Mit seinen Wundmalen, mit den Zeichen seiner hingebungsvollen Liebe. Es ist der eine Jesus Christus, der Gekreuzigte, der unser Bruder ist, der mit uns diesen Weg in die Nacht des Leidens und des Todes gegangen ist und darin unsere Sünde getragen hat und es ist der Auferstandene, der Sieger, der den Tod besiegt hat und der ganz Teil hat an der Herrlichkeit des Vaters. Es ist der eine Jesus Christus, der gekreuzigte und der auferstandene HERR. Beide Seiten seiner Person gehören untrennbar zusammen. Hier, im Auferstandenen, der den Frieden Gottes in die Mitte seiner Jünger trägt und seine Wundmale als Erkennungszeichen zeigt, hier sind Himmel und Erde, hier sind Gott und Mensch ganz beieinander. Und sie brauchen einander: Gott will nicht ohne den Menschen sein, damit der Mensch nie ohne Gott zu sein braucht!

Dieses in der Lesung des Johannesevangeliums anschaulich erzählte Ineinander von Kreuz und Auferstehung Jesu, dass ER, der Auferstandene, an seinen Wundmalen erkennbar ist, das beschreibt nun der Apostel Paulus im Kolosserbrief mit den Worten:

Mit IHM seid ihr begraben worden durch die Taufe, mit IHM seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der IHN auferweckt hat von den Toten.

Unser Christsein ist Teilhabe an Kreuz und Auferstehung Jesu. Wir heißen und sind Christen, weil wir mit Jesus Christus untrennbar verbunden sind. Es ist entscheidend wichtig, dass uns dies klar ist, denn wir erleben zurzeit immer mehr ein Christentum, das Jesus Christus verloren hat. Wir erleben ein Christentum, in dem sogenannte christliche Werte vermittelt werden, ein Christentum, das sich für durchaus positive Dinge einsetzt, aber eben ein Christentum, in dessen Mitte nicht mehr die Person Jesu Christi steht. Das hat zur Folge, dass christlicher Glaube nicht mehr zuerst die lebendige und vertrauensvolle Beziehung zu Jesus Christus ist, sondern eine Gesinnung oder ein Verhalten. Recht betrachtet erleben wir heute ein Christentum, das Jesus Christus gar nicht mehr braucht, weil die Menschen im Prinzip schon alles richtig machen, wenn man sie richtig anweist.

In dieser Situation ist unser heutiger Sonntag ein Ruf zu Sache, ja richtiger, der Ruf zum christlichen Glauben, der nichts anderes ist und sein will als die Teilhabe an Jesus Christus. Diese Teilhabe geschieht durch die Taufe. Unsere Taufe ist ein mit Jesus Sterben und Begraben werden. Das heißt, wir werden mit unserem ganzen Gott widerstrebenden Wesen, mit unserer Rebellion gegen Gott, mit unserer Angst und Trägheit, die uns blockieren nach Gottes Willen zu leben, mit unseren selbsternannten Göttern mit Jesus in den Tod gegeben.

Dies ist nun nicht nur ein einmaliger Vorgang, sondern wir leben mit und aus der Taufe, so wie Martin Luther im Kleinen Katechismus nach der Frage, was denn solch Wassertaufen bedeutet, treffend sagt: Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten.

Daher ist unser Glaube wesentlich Teilhabe an Kreuz und Auferstehung Jesu. Die Teilhabe am Kreuz Jesu hat den Aspekt des Leidens, den wir ganz neu lernen müssen, aber auch dürfen, denn im Mitleiden mit dem Leiden Jesu, in der Teilhabe am Schmerzensmann gewinnt auch unser Leiden, unser Schmerz eine geheimnisvolle Grundierung der Liebe. So führt unser menschliches Leiden uns ganz in die Nähe des Gekreuzigten und zugleich ermutigt uns der Gekreuzigte, in seiner Nachfolge das Leiden nicht zu scheuen.

Und über all dies hinaus ist die einzigartige Frucht des Leidens Jesu die Vergebung unserer Schuld. Der Schuldbrief Gottes, der mit seinen Forderungen gegen uns stand, ja wir standen bei Gott tief in der Kreide und hätten es nie zurückbezahlen können. Doch Jesus hat für uns am Kreuz diesen Schuldbrief zerrissen. Wir sind durch Jesus Christus freigesprochen.

Und indem wir durch die Taufe mit Jesus in den Tod begraben sind, haben wir erst recht Anteil an der Frucht der Auferstehung.

Schauen wir zurück auf die Begegnung des Auferstandenen mit seinen Jüngern im Johannesevangelium: Jesus bringt seinen Frieden, ER gibt sich zu erkennen:

Da wurden die Jünger sehr froh.

Ja, wo Jesus, der Auferstandene, erkannt wird, da kehrt die Freude ein. Die Freude ist ein ganz entscheidendes Erkennungszeichen des Glaubens an Jesus. Wo Jesus in unser Leben kommt, wächst, auch mitten in unserem Chaos und mitten in unseren menschlichen Nöten und Sorgen, die Freude. So klang schon über dem jämmerlichen Stall von Bethlehem die Botschaft der Engel: „Siehe ich verkündige euch große Freude!“ Wo Jesus kommt, bricht Freude auf. Darum ist auch nicht die Pflicht, nicht die moralische Verantwortung, nicht die soziale Leistungsfähigkeit, so bedeutungsvoll das alles auch sein mag, das wesentliche Kennzeichen eines Christenlebens, sondern die Freude.

Dietrich Bonhoeffer sagt dazu: „Gott will uns durch Jesus Christus froh machen. ER will uns nicht bedrücken, uns nicht Probleme aufgeben, ER will uns nicht vor unlösbare Aufgaben stellen, sondern ER will, dass wir uns an Jesus Christus und an seiner Herrschaft freuen…Ohne die Freude an dem menschgewordenen und auferstandenen Sohn Gottes geraten wir ins Murren, in den Widerspruch, in die Traurigkeit. Wie aber finden wir solche Freude? Allein durch den festen Glauben: Jesus lebt!“

Dieser frohmachende Glaube ist die Teilhabe am Ostersieg Jesu. ER hat nicht nur den Schuldbrief zerrissen. ER hat auch die Mächte der Finsternis und der Angst besiegt, ER hat sie ihrer Macht entkleidet.

Nun bekommt die Freude des Glaubens Hände und Füße. Denn noch einmal spricht Jesus seine Jünger an: „Friede sei mit euch“ Doch nun beauftragt ER sie: „Wie mich mein Vater in die Welt gesandt hat, so sende ICH euch in die Welt, und dabei begleitet euch mein Friede.“ Die Jünger werden von Jesus gesandt und haben darin Anteil an der Sendung ihres HERRN:

Wie MICH der Vater sendet, so sende ICH euch.

Die Freude ist das erste Kennzeichen unseres Christseins, das zweite ist, dass wir bereit sind, uns von Jesus senden und gebrauchen zu las-sen mitten im Alltag der Welt. Darum hört der Gottesdienst nicht auf, wenn nachher der Segen gesprochen ist und wir die Kirche verlassen. Wir gehen ja mit dem Segen als die Gesendeten, Gesegnete sind immer auch Gesendete, ja Gesandte, die beauftragt sind, die Liebe Jesu Christi, seine Vergebung, sein Kreuz, seinen Frieden, seinen Sieg, seine Auferstehung, ja IHN selbst in die Welt, in unsere Welt zu tragen.

Darum sind wir als Gesegnete zugleich Gesandte. Und der uns segnet und uns sendet, der hat alle Macht im Himmel und auf Erden, und der, der alle Macht hat, der ist bei uns:

Siehe, ICH bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.

Amen.

Verfasser: Pfarrer Hartmut Hotz

Am Ölgärtchen 3, 64668 Rimbach

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