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Lebendige Hoffnung

von Annette Leppla (Neustadt)

Predigtdatum : 24.04.2017
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostermontag
Textstelle : Johannes 21,1-14
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Wochenspruch:
"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten." (1. Petrus 1, 3)

Psalm: 116, 1 - 9 (EG 746)


Lesungen
Reihe I: Johannes 20, 19 - 29

Reihe II: 1. Petrus 1, 3 - 9

Reihe III: Johannes 21, 1 - 14

Reihe IV: Kolosser 2, 12 - 15

Reihe V: Markus 16, 9 - 14 (15 - 20)

Reihe VI Jesaja 40, 26 - 31


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 114, 1 + 3 + 4 Wach auf, mein Herz
Wochenlied: EG 643, 1 – 3 Viele kleine Leute
Predigtlied: EG 115, 1 + 2 + 5 Jesus lebt, mit ihm auch ich
Schlusslied: EG 114.4 Wach auf, mein Herz
Predigttext Johannes 21, 1-14 Der Herr erscheint sei-nen Jüngern am See

„Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so:
Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwil-ling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.
Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.
Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser.
Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie wa-ren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.
Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.
Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!
Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.
Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Nie-mand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, des-gleichen auch die Fische.
Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.“



Liebe Gemeinde,
vielleicht kennen Sie das ja auch?
Manchmal gehe ich aus dem Haus, kurz danach muss ich anhalten und nachschauen: Habe ich meinen Geldbeutel dabei oder meine Unterlagen, den Schlüssel, …? Oder ich gehe noch mal zurück zum Auto, um zu sehen, ob ich es auch abgesperrt habe. Manchmal brauche ich die Vergewis-serung, dass alles in Ordnung ist.

Das geht vielen so, nicht nur bei solchen Kleinigkeiten, son-dern auch im Großen: Da rufen Kinder nachts nach den El-tern, um zu spüren, dass sie da sind. Da vergewissern sich Paare, ob sie einander noch lieb haben.
Andere müssen immer wieder überprüfen, ob sie genügend Geld auf dem Konto haben. (eventuell andere Beispiele?)

Auch in Glaubensfragen brauchen manche Vergewisserung.
So ging es auch einigen Jüngern nach Jesu Auferstehung nach einer Erzählung des Evangelisten Johannes.


Ich lese den Predigttext
Johannes 21, 1 – 14
Jesus erscheint seinen Jüngern am See

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so:
Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwil-ling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.
Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.
Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser.
Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie wa-ren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.
Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.
Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!
Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.
Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Nie-mand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, des-gleichen auch die Fische.
Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.“

Zu den Anfängen kehren sie zurück, die Jünger. Fischer wa-ren sie gewesen. Und von irgendetwas müssen sie ja leben. Ist nun alles bald wieder wie früher? Bevor Jesus kam? Fast könnte man glauben, es wäre so. Die Zeit mit Jesus schien unwirklich und weit entfernt.

Als Fischer lebten sie immer zwischen Erfolg und Misserfolg. Und nun wieder die Mühen des Alltags, wieder der Natur auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, wieder leere Netze.
Leere Hände – leere Netze. Vielleicht kommt Ihnen das ja auch bekannt vor:

Tag für Tag das gleiche, Aufstehen, Arbeiten, alles grau in grau, wenig Freude, irgendwie den Tag bestehen mit all seinen Mühen und Plagen und abends müde ins Bett fallen, mehr oder weniger gut schlafen, bis alles wieder von vorne losgeht. Manchmal scheint die Mühe etwas von Erfolg ge-krönt zu sein, dann sieht man am Abend etwas von dem, was man geschafft hat, das tut gut, ab und zu auch ein paar lichtere Momente. Doch oft genug hat man auch das Gefühl, es ist alles vergeblich, was man tut, vergeblich oder viel zu wenig.

Aber zu mehr reicht die Kraft nicht. Und vielleicht fragen Sie sich dann:
Was gibt meinem Leben Farbe mitten im grauen Alltag? Das kann doch nicht alles gewesen sein.

Wie früher manchmal haben Petrus, Johannes und die ande-ren eine dunkle kalte Nacht ohne Hoffnung hinter sich. Ent-täuscht fahren sie zurück zum Ufer. Doch da sehen sie einen Lichtstreifen am Horizont. Plötzlich steht er da, am Ufer, angestrahlt von der aufgehenden Sonne. Es ist zu schön, um wahr zu sein, und deshalb erkennen sie ihn nicht. „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“, fragt er sie. Und ich kann mir die Wärme in seiner Stimme vorstellen, mit der er spricht.

Er sieht, was ihnen fehlt, er sieht ihnen mitten ins Herz. Er sieht ihre Not, den Überlebenskampf Tag für Tag, die Hoff-nungslosigkeit manchmal und die Leere in ihren Herzen, die mit nichts gefüllt werden kann. Er redet auch nicht lange drum herum, sondern bringt die Fakten auf den Tisch.

Das fehlende Essen – es steht für vieles, das uns fehlt, nicht nur die Nahrung, sondern vor allem auch die Freude im Le-ben, die Hoffnung, für all das, was unser Leben lebenswert macht. Nicht umsonst reden wir heute vom Frustessen und greifen zu Schokolade, um die innere Leere zu füllen.

Beispiele

Essen und Nicht-Essen, beides hängt oft mit unserer seeli-schen Verfassung zusammen. „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“

Ob sie sich schon an die erste Begegnung des Petrus mit Jesus erinnert fühlen, als der Fremde sie auffordert, erneut die Netze auszuwerfen? Jedenfalls tun sie, was er sagt, und werden reichlich belohnt. Und nun erkennen sie Jesus wirk-lich. Und dann ist es wie heimkommen. Ein Kohlefeuer brennt am Ufer und es duftet nach Brot und gebratenem Fisch. Jesus lädt ein zum Essen.

Wie eine Mutter ihre Kinder zum Tisch ruft oder ein Vater. So wie damals, als er 5000 Menschen von 2 Broten und 5 Fischen gespeist hat und so, wie er das Brot unter ihnen geteilt hat beim letzten Mahl mit ihm. So langsam stehen die Erinnerungen in ihnen auf und vorsichtige Freude kehrt in ihre Herzen ein, eine noch unbestimmte Ahnung: Es ist doch nicht alles vorbei.
Es geht weiter. Was früher war, ist nicht verloren und ver-gessen, sondern sie können davon zehren und daran an-knüpfen. Es gibt eine Zukunft für sie.

Der Evangelist Johannes schreibt aus der Sicht der Menschen Ende des 1. Jahrhunderts. Sie waren schon weit weg von all der österlichen Freude ganz am Anfang der Christenheit. Statt Jesu Wiederkunft erlebten sie Verfolgung und es gab wenig Zeichen für neues Leben unter ihnen.

Vielleicht ging es ihnen ein bisschen wie manchen von uns heute:
Sie sind frustriert, dass sie nicht mehr erleben von der ös-terlichen Freude und fragen sich: Gibt es denn wirklich eine Auferstehung? Sie sehen, wie es in der Welt zugeht und fra-gen sich: „Wo ist Jesus denn jetzt?“ (aktuelle Beispiele)
Oder sie sind enttäuscht, weil nur wenige Interesse an der Gemeinde zeigen und überlegen: Wie soll es weitergehen mit unserer Gemeinde?
Und so manche fallen vielleicht auch innerlich vom Glauben ab, weil sie denken: Jesus ist doch nicht da, wenn man ihn braucht.

Und dann benötigen sie Vergewisserung.
Jesus ermöglicht seinen Freunden hier Vergewisserung. Und das Schöne an der Geschichte ist: Jesus kommt mitten in den Alltag der Fischer. Es ist keine Sondersituation, und es braucht hier keine besondere Vorbereitung. Jesus ist auch im Alltag da. Er ist einfach da, in einem Moment, in dem sie ihn brauchen, weil sie sich leer und ausgebrannt fühlen.
Und erlebbar wird er wie früher: in der Gemeinschaft und beim Brotbrechen. Sie können anknüpfen an die früheren Erfahrungen, die sie mit ihm hatten.
Für die Jünger ist es wie Heimkommen und satt werden. Und das, was sie haben, bringen sie mit.

Und wie ist das mit uns? Von was leben wir in den Mühen und Beschwernissen, die uns Tag für Tag auferlegt sind? In unseren Enttäuschungen? Gibt es für uns auch noch solche Begegnungen mit Jesus, die uns Vergewisserung schenken? Jesusbegegnungen in unserem Alltag können ganz klein sein, aber auch so groß, dass wir es nicht mehr fassen können.

Die Jünger fangen 153 Fische, 153 ist eine besondere Zahl, sie steht für absolute Fülle, 153, das ist 12 x 12 + 3 x 3. 12 steht für die 12 Stämme Israels, 3 x 4 für Vollkommenheit, denn 4 ist die Zahl für das Weltliche und 3 ist die Zahl Got-tes. 153 ist 9 x 17 und 17 ist auch eine Vollendungszahl.

Wenn ich die ersten 17 Zahlen addiere, was kommt heraus? Sie ahnen es schon: 153. Jedenfalls, was die Jünger da aus dem Wasser ziehen, ist die absolute Fülle. Und die wird ihnen da zuteil, wo sie ihren Alltag annehmen und anknüpfen an das, was sie mit Jesus erlebt haben.


Es muss nicht immer ein Netz voller Fische sein, das wir an Land ziehen. Natürlich kann es sein, dass eine neue Tür in meinem Leben aufgeht, die mir plötzlich eine neue Möglich-keit aufzeigt, die ich vorher nicht gesehen habe: eine neue Arbeit, einen neuen Partner, einen neuen Lebensinhalt …
So großartig muss es aber nicht sein.

Vielleicht ist es nur, dass ich müde und erschöpft nach Hause komme und da brennt ein Feuer im Kamin, die Familie sitzt zusammen und plötzlich spüre ich, dass neue Lebensgeister in mir aufstehen. Oder ich habe eine Begegnung mit einem lieben Menschen, wo ich es nicht erwartete hätte, ein gutes Gespräch, einen freundlichen Blickwechsel, ein aufmunterndes Wort … (andere Beispiele?)

Aber in der Regel kommen solche Momente plötzlich, ohne dass wir damit rechnen. Und sie haben etwas mit Gemein-schaft und satt werden zu tun, im übertragenen Sinne. Plötzlich habe ich das Gefühl: Ich bin satt an Leben, meine Leere ist gefüllt.


Liebe Gemeinde,
mitten im Alltag erfahren die Jünger die Vergewisserung, dass Jesus immer noch bei ihnen ist und die Fülle ihnen ge-schenkt ist. Für sie ist das wie Heimkommen, sich am Feuer wärmen und satt werden. Mit dieser Vergewisserung seiner Nähe können sie ihren Auftrag in der Welt erfüllen.

Und ich bin mir sicher: Auch wir sind eingeladen, uns an seinem Kohlefeuer zu wärmen und zu stärken mit allem, was wir brauchen.

Amen.


Verfasserin: Pfarrerin Annette Leppla
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