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Lebendige Hoffnung

von Christine Urban (06638 Karsdorf)

Predigtdatum : 27.04.2014
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostermontag
Textstelle : Jesaja 40,26-31
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Wochenspruch:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1, 3)
Psalm: Psalm 116, 1 - 9

Lesungen
Altes Testament: Jesaja 40, 26 - 31
Epistel: 1. Petrus 1, 3 - 9
Evangelium: Johannes 20, 19 - 29


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 168, 1 - 3 Du hast uns, Herr, gerufen
Wochenlied: EG 102, 1 - 3 Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand
Predigtlied: EG 289 EG 302 Nun lob, mein Seel, den Herren Du meine Seele, singe
Schlusslied: EG 168, 4 - 6 Wenn wir jetzt weitergehen

Hinführung
Der 1. Sonntag nach Ostern heißt Quasimodogeniti „Wie die neugeborenen (Kinder)“, das ist ein Hinweis darauf, dass zum einen mit Ostern und der Auferstehung ein neues Leben angefangen hat und zum andern war (und ist) es ein beliebter Tauftermin. Der andere Name „weißer Sonntag“ hat damit zu tun, dass an diesem Tag den zu Ostern Getauften weiße Kleider angelegt wurden.

Der sogenannte 2. Jesaja wendet sich tröstend an die Weggeführten in Babylon.

Predigt
Liebe Gemeinde,
Quasimodogeniti - „wie die neugeborenen Kinder“ heißt dieser Sonntag. Was sind für Sie Momente, in denen Sie sich „wie neugeboren“ fühlen? Ist das eine gut durchschlafene Nacht? Ist das ein Bad nach schweißtreibender Arbeit – etwa jetzt im Frühjahr, wo der Garten ruft? Oder vielleicht nach einem schwierigen Krankenhausaufenthalt? (… Ihre Beispiele...)

Für uns Christen ist die Taufe mit einer Art Neugeburt verbunden, denken wir nur an das Nachtgespräch zwischen Jesus und Nikodemus: neu geboren werden aus Wasser und Geist. (Joh 3)

Was bedeutet für Sie diese Neugeburt? Wie verstehen Sie Ihre Taufe oder die Ihrer Kinder und Enkel? Gehören Sie zu den Familien, die die jeweiligen Tauftage begehen oder spielt das eher eine nebensächliche Rolle. Ja, ich bin getauft, das reicht doch, was soll ich da noch lange drüber nachdenken!? (… gab es gerade eine Taufe in der Gemeinde, womöglich eines Erwachsenen?)
Für Martin Luther spielte sein Getauft sein gerade während all der Disputationen, denen er beiwohnen musste, eine große Rolle. Sie war für ihn Stärkung und Versicherung seines Glaubens. „Ich bin getauft“ schrieb er vor sich auf seinen Tisch. Das hieß für ihn gleichzeitig in Erinnerung an den Apostel Paulus: nichts und niemand kann mich von der Liebe Gottes trennen; nichts und niemand kann mich in meinem Glauben erschüttern. (Röm 8,38f.)

Ganz anders erging es den Israeliten in der Babylonischen Gefangenschaft. Ihr Glaube war zutiefst erschüttert. Seit der Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalem, seitdem sie selbst weggeführt worden waren und nun schon in der 2. oder 3. Generation ohne Aussicht auf Rückkehr lebten, wussten sie nicht mehr so recht, woran sie glauben sollten. Da blieben die Hoffnung und der Glaube auf der Strecke. Weit weg vom Tempel mussten sie neu lernen, ihren Glauben zu leben. Weit weg von der Heimat mussten sie neue Schritte wagen. Weit weg von ihren Glaubensbrüdern mussten sie sich neu der Gegenwart Gottes vergewissern. Jesaja gehört zu den Propheten die gerade dabei helfen. Sein Trost ist mehr als pure Vertröstung. Er will den Glauben stärken. Er weiß, dass es da noch einen Funken gibt, ein kleines Pflänzchen. Er weitet den Blick der Israeliten. Gott ist da, hier bei euch! Merkt ihr das nicht!? Habt ihr schon alles vergessen, worauf ihr früher euren Glauben gegründet habt? Erinnert euch! Lasst euch nicht einfach gehen, sondern macht die Augen auf und seht euch um. Das, was ihr seht, ist nicht Menschenwerk sondern gehört zur Schöpfung Gottes.

Der Schöpfungsglaube in Israel ist eine Antwort auf die Krise, die für die Betroffenen das Exil war. Daran zu erinnern, war eine der Aufgaben der Propheten. Jesaja nimmt sie ernst und eröffnet dadurch neue Perspektiven. Er stellt ihre Gegenwart in ein neues Licht. Er muss so weit ausholen, um die Israeliten mit ihren Fragen und Zweifeln einzuholen. Er muss sozusagen mit dem „Urschleim“ beginnen, um ihnen neue Hoffnung zu geben, ihnen, die sich von Gott und der Welt verlassen fühlen, ihnen, denen der Boden unter den Füßen verloren gegangen ist, die in der Fremde noch nicht Fuß gefasst haben und es auch nicht wollen. Inmitten ihrer Ausweglosigkeit zeigt er einen Weg auf, der mit einem großen Umweg ans Ziel kommen will. Dabei kann der Gegensatz nicht größer sein zwischen der erlebten Kraft-, Mut- und Hoffnungslosigkeit und dem unermüdlichen Schöpfungshandeln Gottes. Klar, ihr seid müde, ihr seid ausgepowert, ihr habt die Nase voll, ihr seht kein Land mehr. Doch erinnert euch: gerade in Zeiten der größten Gottesferne, ist er euch nahe. Durch alle Zeiten hindurch war es diese Möglichkeit sich zu erinnern, die das Volk Gottes am Leben erhielt.

Ca. 2500 Jahre später sind wir vielleicht ähnlich wie die Israeliten auf der Suche nach Antworten für unser Leben immer dann, wenn unser Glaube in Zweifel gezogen wird. Unsere Fragen sind andere, und doch die gleichen: Wieso merken wir so wenig von Gottes Gegenwart? Wieso lässt Gott soviel Leid, so viele Katastrophen und soviel Ungerechtigkeit zu? Uns begegnen Menschen, die angesichts erlittenen Leids, nicht mehr glauben können. Auch einem jeden von uns kommen Zweifel in Gottes Gerechtigkeit auf. Wenn wir ein bisschen unseren Blick weiten, sehen wir, wie oft es Menschen sind, die die Ursache von Ungerechtigkeit und Leid sind. Und dennoch bleibt dann die Frage: Wieso schreitet Gott da nicht ein? Ist er nun allmächtig oder nicht? Die Glaubenszeugnisse sagen uns, Gott ist allmächtig – so allmächtig, das er selbst in seiner Ohnmacht, selbst in unserer Ohnmacht seine Kraft zeigt. Gott ist so allmächtig, dass er uns Menschen als Partner erwählte und uns einen freien Willen gab. Er gab uns die Möglichkeit zu unterscheiden, was gut und was böse ist. Er wird nicht müde und nicht matt, uns genau daran zu erinnern und damit zeigt er uns unsere Verantwortung. Dann können wir mit Jesaja unseren Nächsten die Augen öffnen und eine neue Perspektive. Ihre und unsere Müdigkeiten ernst nehmen und dafür sorgen, dass Ausruhen und Atemholen möglich werden. Gottes Handeln wahrnehmen, der uns die nötige Kraft dann gibt, wenn wir sie brauchen – nicht früher und nicht später. Glaube heißt, darauf zu vertrauen, auch wenn wir im vornherein nichts merken. Glaube heißt, die Beziehung zu Gott zu pflegen – im Gebet, beim Bibellesen, im Gespräch mit anderen Christen. Glaube heißt, daran zu erinnern, wie Gott uns Mut gemacht hat. Glaube heißt, unsere kleine Kraft mit anderen zu teilen, unseren Kleinmut von anderen stärken zu lassen. (was sind Aktionen in Ihrer Gemeinde, um dies zu verdeutlichen? Hilfsaktionen der unterschiedlichsten Art? Ist nicht gerade die Tatsache, Lektor zu sein, eine Möglichkeit vom eigenen Glauben zu reden auf ganz praktische Art?) Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Christine Urban
67 rue Bergson, F-42000 St.-Étienne

Liturgische Stücke

KYRIE: Gott, zu oft machen wir uns und anderen etwas vor: trotz aller Müdigkeit, geben wir uns stark, trotz aller Ratlosigkeit, belehren wir andere, trotz aller Zweifel, zeigen wir uns als gläubig – erbarme dich unser.
Gott, wir verschließen uns vor deiner Kraft, weil wir uns für kräftig genug halten. Wir warten nicht mehr auf dein Heil. Wir vergessen dich – erbarme dich unser.
Gott, wir sehen dein Wirken in unserer Welt nicht – erbarme dich unser.

GLORIA: Deine Liebe eröffnet Wege, von denen wir nicht ahnten, dass es sie gibt. Deine Liebe gibt uns neuen Mut, auch wenn wir uns nicht trauen, ihn zu erbitten. Deine Liebe lässt uns fliegen auf den Flügeln, die du uns schenkst. Dafür danken wir dir.

EINGANGSGEBET/KOLLEKTENGEBET:
Die Hoffnung, die du uns gibst, Gott, ist alle Morgen neu. Du fängst uns auf, wenn wir straucheln. Lass uns in dieser Gewissheit diesen Gottesdienst feiern. Lass uns in diesem Vertrauen auf dein Wort hören, es schenkt uns Leben in Jesus Christus von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

FÜRBITTEN:
Wir beten für alle, die nicht (mehr) beten können, weil der Alltag und die Sorgen sie auffressen. Gott sei du ihnen nahe und zeige uns, wie wir ihnen helfen können.
Wir beten für alle Mutlosen und Niedergeschlagenen. Gott schenke ihnen neues Selbstvertrauen und zeige uns, wir wir ihnen wertschätzend begegnen können.
Wir beten für alle, die sich in sich selbst zurückgezogen haben. Gott rufe sie aus ihrer Einsamkeit und zeige uns, wie wir ihnen Begleiter sein können.
Wir beten für uns, zeigen uns, wie wir unseren Glauben in Worte fassen können, damit er anderen wohl tut.

Vaterunser

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