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Liedpredigt zu EG 11 von Albrecht Burkholz

von Elke Burkholz (Messel)

Predigtdatum : 30.11.2008
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 1. Advent
Textstelle : Matthäus 21,1-9
ggf. Homepage, auf der die Predigt verzeichnet ist : http://kirchemessel.de
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Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus!
Liebe Adventsgemeinde,
als ich diese Woche am Dienstag die adventliche Straßenbeleuchtung gesehen habe, dachte ich: oh, es ist so weit. Schon so schnell ist der Advent da. Was muss noch alles getan werden? Wollen wir dieses Jahr wieder einen Adventskalender in der Familie zusammen gestalten? Wie ist das mit den Weihnachtseinladungen in der Familie?
Ihnen allen wird es genau so gehen. Advent heißt: es kommt bald Weihnachten. Wir müssen uns vorbereiten. Und dabei klingt immer ein wenig Stress mit. Ist auch wirklich alles bereit?
Advent heißt: wir müssen uns auch innerlich vorbereiten. Die äußeren Vorbereitungen machen uns ja klar: es kommt etwas besonderes. Es kommt Weihnachten. Es kommt das göttliche Kind Jesus. Und dieses göttliche Kind will in unseren Herzen geboren werden. Das weihnachtliche Licht will nicht nur die dunkle Welt erhellen, sondern auch die Dunkelheiten, die tief in uns verborgen sind.
Advent heißt Ankunft. Da kommt Jesus. Jesus kommt zu uns. Wie sollen wir ihn empfangen? Ist alles bereit? Sind die äußeren und inneren Vorbereitungen abgeschlossen?
Wir singen 11,1
Das erstaunliche ist: ich werde vorbereitet. Ich muss mir keinen Stress machen, ob alles richtig vorbereitet ist. Ich darf bitten: Jesus, bereite du selbst mich vor. Wenn der kommt, der aller Welt Verlangen ist, auf den im Grunde ihres Herzens alle Menschen voller Sehnsucht warten, weil er die Liebe Gottes ist – dann kommt all mein Vorbereiten an eine Grenze. Dann kann ich am Ende nur bittend die Hände öffnen und sagen: komm. Mach du selbst mich bereit. All mein Tun führt nicht dazu, dass ich richtig offen bin für dich.
Jetzt sagen Sie vielleicht: Aber man muss sich doch richtig anstrengen. Im Leben wird einem doch sonst auch nichts geschenkt. Vor den Erfolg haben die Götter die Anstrengung und den Schweiß gesetzt, so die Redensart. Die Menschen, die in der Christentumsgeschichte berühmt geworden sind, wie Mutter Teresa und Martin Luther, die haben nicht auf der faulen Haut gelegen. Wie kann man sich da einfach etwas schenken lassen wie ein Kind zu Weihnachten?
Wir singen die Strophen 3-4
Es gibt Situationen, da kann ich mich nicht mehr anstrengen. Da bin ich so sehr erschüttert, dass ich nur noch von Dunkelheit umgeben bin und das Normale nicht mehr funktioniert. Ich bin müde und erschöpft und ich weiß nicht mehr weiter. In meinen Kopf dreht es sich wie in einem Karussell und ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Wir alle kennen solche Situationen.
Die Erfahrung von vielen Menschen ist: gerade da ist Gott nahe. Wenn ich erschüttert und hilflos bin, ist seine Hilfe nur einen kleinen Schritt nebenan. Wenn ich nichts mehr tun kann, kann es geschehen, dass ich wirklich offen bin für etwas Rettendes, was von Gott her kommt und was mehr ist, als ich jemals erwartet habe.
Nach 17 Jahren als Pfarrer kann ich sagen: Das sind die entscheidenden Situationen. Wenn ich so richtig vor die Wand gelaufen bin, dann bin ich bereit etwas zu ändern. In so einer schwierigen, ja verzweifelten Lage kann Gott mich heilsam verändern. Wenn ich erschüttert bin, ist Erneuerung und Verwandlung möglich. Es kann wahr werden, was wir gesungen haben: Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil kommen, und hast mich froh gemacht. Es kann immer wieder neu wahr werden. Wir sind immer nur einen kleinen Schritt weit davon entfernt. Der Schritt ist zu beten: komm, Jesus, ich öffne mich. Ich brauche dich. Ich sehne mich nach dir.
Wir singen Strophe 5-6
Wir sehnen uns nach diesem Heil, nach dieser Freude, nach diesem Frieden tief in unserem Herzen. Denn der Alltag ist ja meistens anders. Unser Lied sprich von Jammerlast, von Sorgen, Gram und Schmerz. Wir leiden unter unserem Alltag, unter Stress und Schmerzen und Streit und Ärger. Aber, so sagt unser Lied, dabei muss es nicht bleiben. Alles Schwere ist schon jetzt umfangen von der Liebe Gottes, die uns schon längst mit Hilfe überschüttet hat. Bevor wir Ja sagen können, sagt Gott schon Ja zu uns. Und das ermutigt uns, Ja zu uns selbst zu sagen.
Ich glaube, liebe Adventsgemeinde, das ist das Entscheidende, dass wir das glauben können, wir sind geliebt. Gott sagt Ja zu uns. Und das, was uns an uns selbst nicht gefällt oder an unserer Situation nicht gefällt, ist umfangen von der Liebe, die zu uns kommt. Wenn ich mir anschaue, wie Menschenleben sich entwickeln im Lauf der Zeit, dann ist das das Entscheidende. Das nicht nur im Kopf zu verstehen, sondern mit dem Herzen: Jesus ist wegen mir vom Himmel gekommen. Ich bin ihm wichtig. All das, was mich belastet, ist da – aber die Hilfe steht vor der Tür. Er ist da, immer neu im Kommen, jeden Tag, um all Angst und Not zu stillen.
Wir singen Strophe 7
Ich bedaure es sehr, wenn Menschen wegen einem besonderen Schicksalsschlag den Zugang zu dieser göttlichen Liebe verlieren, weil sie Gott verantwortlich machen für das Schlimme, das ihnen passiert ist. Ich bedaure es, weil in dieser Beziehung zu Gott, die Chance liegt, all das, was mich belastet, loszuwerden.
Viele Sorgen könnten wir lassen. Es ändert ja nichts, wenn wir uns Sorgen machen. Es geschieht genau das Gleiche wie wenn wir die Sorgen beiseite legen. Wir können Gott die Sorgen anvertrauen und ihn bitten: Kümmere du dich drum, ich schaffe das jetzt nicht. Ich werde mich später wieder damit beschäftigen. Aber jetzt brauche ich erst mal Ruhe. Bitte nimm die Unruhe, die in mir ist weg, und schenke mir inneren Frieden. Damit wir das nicht nur im Kopf verstehen, sondern allmählich auch mit unseren Gefühlen, singen wir jedes Jahr die alten Lieder. Damit wir im Herzen das spüren: er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Liebe und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst. Legen wir unsere Sorgen in Gottes Hand.
Wir singen die Strophe 8
Je mehr wir uns als Geliebte Gottes fühlen, desto mehr merken wir, was nicht so toll ist an uns. Desto mehr merken wir, wie wir uns selbst beschädigen, wie wir uns selbst runter machen, wie wir andere beschädigen und runter machen. Ich denke, das ist mit dem Wort Sünde gemeint – wir bleiben unter unseren Möglichkeiten, als geliebte Kinder Gottes unsere Fähigkeiten fruchtbar zu machen für andere Menschen.
Wir können das sehen, was nicht so gut an uns ist, weil wir geliebt sind und weil Vergebung da ist.
Liebe anwesenden Männer, ich frage mich manchmal, wieso man in der Kirche mehr Frauen findet. Vielleicht liegt das daran, dass da so viel von Liebe die Rede ist, und da kümmern sich die Frauen mehr drum, obwohl die Männer sie mindestens genau so brauchen.
Vielleicht haben wir Männer viel mehr Gefühle als die Frauen. Aber wir haben einfach weniger Übung darin, sie auszudrücken. Dafür haben wir Männer mehr Übung im Kämpfen. Das ist auch wichtig. Und ums Kämpfen geht es in der nächsten Strophe.
Wir singen Strophe 9
Ich finde, das ist wahres Heldentum. Von Jesus wird gesagt: Seine Feinde sind so schwach, dass sie gar keine richtige Herausforderung für ihn darstellen. Es fällt ihm ganz leicht seine Feinde zu besiegen. Ich finde da macht es doch richtig Spaß mit ihm zusammen zu kämpfen, denn der Sieg ist uns sicher. Glauben heißt auch Kämpfen. Im inneren Kampf nicht nur den inneren Schweinehund zu überwinden, sondern all das zu überwinden, was nicht der Liebe Gottes entspricht. Kampf heißt auch nach außen: für das Gute in unserer Gesellschaft eintreten. Und das heißt, aller Hoffnungslosigkeit und allem Egoismus, der die Gemeinschaft beschädigt, entgegentreten. Männer, die kämpfen können, werden gebraucht. Um der Liebe willen werden sie gebraucht.
Wir singen Strophe 10
Zur letzten Strophe ist vom Gericht die Rede. Gerade weil das mit der Liebe Gottes sehr ernst gemeint ist, ist Gott kein ältlicher Mann mit Bart, der alles mit sich machen lässt. Es geht um sehr viel. Es geht um unser Seelenheil. Es geht um die Zukunft dieser Welt. Deshalb hat die Liebe Gottes auch eine drohende Seite.
Wir hoffen im Glauben, dass am Ende die Liebe Gottes sich durchsetzt gegen allen Widerstand. Christus hat den Sieg schon errungen. Die Schlacht ist schon gewonnen. Der Sieg muss nur noch heimgefahren werden. Möge der Freudensaal unser aller Ziel sein. Möge die Freude schon jetzt unser Leben bestimmen. Und was an uns und in uns noch nicht dazu bereit ist, werde verändert und verwandelt durch die große Kraft der göttlichen Liebe, die stärker ist als alle Widerstände.
Ich wünsche uns eine gute Adventszeit. Ich wünsche uns, dass die göttliche Liebe in unseren Herzen ankomme. Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben. Amen.