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Mahnungen an die ganze Gemeinde

von Elisabeth Wedding (07745 Jena)

Predigtdatum : 02.07.2023
Lesereihe : V
Predigttag im Kirchenjahr : 4. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 1. Petrus 3,8-17
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Wochenspruch: "Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." (Galater 6,2)

Psalm: 42,2-6

Predigtreihen

Reihe I: Lukas 6,36-42
Reihe II: Römer 12,17-21
Reihe III: 1. Mose 50,15-21
Reihe IV: Johannes 8,3-11
Reihe V: 1. Petrus 3,8-17
Reihe VI: 1. Samuel 24,1-20

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 449 Die güldne Sonne
Wochenlied: EG 182 Suchet zuerst Gottes Reich
Predigtlied: EG+ 98 Bless the lord my soul
Schlusslied: EG 347 Ach, bleib mit Deiner Gnade

Predigttext: 1. Petrus 3,8-17

8 Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. 9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. 10 Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. 11 Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. 12 Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber sieht auf die, die Böses tun« (Psalm 34,13-17). 13 Und wer ist's, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert? 14 Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht; 15 heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, 16 und das mit Sanftmut und Ehrfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen. 17 Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen.

Predigt

Liebe Gemeinde, und vor allem: Lieber Petrus!

Halt, halt, halt!
Die Liste ist zu lang. Erschlagend. Ein Imperativ nach dem anderen!

Petrus – oder wem auch immer wir diese vielen Lebensregeln zu verdanken haben:

Das ist zu viel für heute. Zu viel für einen Sonntag, zu viel für mein kleines Herz und auch zu viel für meine Stimmung.

Es klingt nach strengem Konfirmanden-Unterricht. Nach christlichem Benimm-Kurs.

Petrus, du erschlägst uns mit der Fülle. Ich weiß, du hast nicht viel Zeit, und das Papier ist kostbar, und dein Herz ist voll, deshalb geht dir der Mund über. Weil die Botschaft kostbar ist. Die beste der Welt.

Aber musst du uns damit so geballt überschütten? Atemlos. Als müsstest Du uns zu einem Marathon antreiben. Dabei haben wir uns gerade eingefunden für eine sonntägliche Dehnübung. Das ja. Von Herzen gerne. Meine Seele ausstrecken zu Gott. Und zu den Menschen rechts und links von mir. Dazu bin ich gekommen.

Aber Du willst zu viel. Der Text ist zu lang. Ich brauche nicht Deinen ganzen Brief auf einmal. Kein Mensch kann morgens so viel aufnehmen oder verdauen.

Petrus, können wir nochmal von vorne anfangen? Häppchenweise. Stück für Stück. Eine Übung nach der anderen?!

Wir sind doch hier, um uns zu üben. Um das Gespräch mit Gott lebendig zu halten, neue Vokabeln der Liebe zu lernen, Vertrauen zu trainieren. Damit unser Glauben wachsen kann und unsere Hoffnung mutiger wird.

Komm, Petrus, fang nochmal mit uns an.

Oder hast Du es genau so gemeint: Dass ich mir raussuche, wo ich hängenbleiben? An welcher Stelle mich Dein Brief anspricht? Wo ich einsteige? Und welche Übung für heute meine ist?

Den einen Satz, den habe ich noch im Ohr: Segnet! Denn dazu seid ihr berufen.

Segnet!

Können wir nicht damit anfangen?
Reicht das nicht schon für diesen Sonntag – und eigentlich als eine lebenslängliche Übung?

Da nimm mich an die Hand und sag mir, wie das geht: Segnen!

In England, da klingt das ganz selbstverständlich:

„Bless you!“ – wenn jemand nießen muss, dann antwortet man das. Fast automatisch. „Bless you! Sei gesegnet!“ Was für eine schöne, kurze und liebevoll Reaktion. Nicht: „Hand vor‘n Mund!“, sondern „Segen sei mit Dir!“. Gute Besserung. Bless you.

Manchmal hört man das auch zum Abschied: „Bless you.“ Oder liest es am Ende eines Briefes. Und es klingt so einfach und leicht und echt. Bless you. Gott segne dich.

Segnet! Denn dazu seid ihr berufen. Das könnt ihr. Dazu seid ihr da. Dazu hat Gott euch ausgestattet. Ausgewählt. Ausgeschickt in diese Welt. Segnet!

Was für ein schöner Auftrag. Was für eine schöne Mission.

Wie mache ich das, Petrus? Wie übe ich mich – im Segnen?
Das Fluchen kommt uns leicht von den Lippen. Sakraherrgottnocheinmal, Mist. Shit. Verdammt. Zum Teufel - wie auch immer. Das geht ganz von alleine.

Und die Segensworte? Wo kommen die her? Wo lernen wir die?

Das Segnen ist uns offenbar nicht angeboren, liegt nicht in unserer Muttermilch oder Muttersprache. Ist vielleicht auch in unserem Vaterland wenig kultiviert.

Lass es uns zusammen üben, Petrus. Damit das besser gelingt, was Dir so am Herzen liegt – und uns ja auch: Dass wir miteinander friedlich umgehen. Dass wir zusammen beten und Gott in dieser Welt leuchten lassen.

Segnet!

Das tut so gut. Wenn mir jemand den Segen zuspricht. Darauf warte ich doch, den ganzen Gottesdienst lang, dass am Schluss jemand die Arme weit ausbreitet und es mir sagt – und es mir zutraut: „Gott segne Dich!“ „Gott lasse Sein Angesicht leuchten in Dir.“ „Gott gebe Dir seinen Frieden!“

Segnet!

Von dieser Segenskraft kann ich gut leben. Mit der kann ich gut in die neue Woche gehen.

Noch mehr vielleicht, wenn mir jemand dazu die Hand auflegt. Auf den Kopf oder auf die Schulter. Mich mit meinem Namen anspricht: „Geh Deinen Weg im Frieden!“

Da wird jeder Imperativ zur Verheißung. Zur Wegzehrung. Zu einem Kraftwort.

Und ich? Darf ICH das? Ist Segen nicht Gottes Angelegenheit? Schließlich ist Er der Urheber, die Quelle von allem Gutem, von Leben und Tod, von Glück und Segen – auch von Segen und Fluch.

Segnet! Denn dazu seid ihr berufen, und damit empfangt ihr Gottes Segen.

Ja. Stelle Dich getrost in Gottes Kraftfeld. In den Kanal seines Segens. Lass ihn fließen, halte ihn nicht auf, reiche ihn weiter. Segnet! Denn dazu seid ihr berufen, und damit empfangt ihr Gottes Segen.

Du kannst es Dir zur Übung machen. Jeden Tag einmal wenigstens. Fang da an, wo es Dir leichtfällt. Dann fallen Dir auch die Worte dazu ein. Vielleicht auch eine Geste dazu.

Segne den Himmel. Dein Kind, was morgens auf den letzten Drücker aus dem Haus stürmt. Das Pausenbrot. Den Maulwurfshügel. Und die Rose daneben.

Wünsche ihm oder ihr alles Gute: „Bless you!“ Oder welche Worte auch immer Dir auf der Zunge liegen und sich in dir formen. „Was für ein Segen, dass es Dich gibt!“

Sag es ihm oder ihr, was einfach immer wieder laut gesagt und laut gedacht werden muss. Damit wir es verstehen lernen. Damit wir unseren Glauben üben: Was für ein Geschenk, dieses Leben!

Und du bist Teil davon. Du bist der reisende, leibhaftige Segen Gottes. Du gestaltest diese Welt mit, mit Worten und Segen.

Segnet! Denn dazu seid ihr berufen, und damit empfangt ihr Gottes Segen.

Das ist die Einladung. Gottes Auftrag. Deshalb die vielen Imperative. Weil Du Dich von alleine erstmal nicht traust. Segnet! Dazu seid ihr berufen.

Wenn Du segnest, trägst du dazu bei, Gottes Segen auszubreiten und leuchten zu lassen und wirksam zu werden.

Du traust dich noch nicht? Weißt nicht so recht, wie?
Fang klein an, mit einer leichten Übung.

Nimm ein Körperteil an Dir, mit dem es dir leichtfällt, das du gerne magst, das dir Freude macht.

Nimm dir einen Moment und schau, was dieses Körperteil dir ermöglicht, was es für dich tut, was dir damit geschenkt ist. Und dann bist du doch schon mittendrin und kannst es laut denken oder laut sagen: „Ich segne euch, Ihr, meine Augen, für den Blick, den ihr mir schenkt, für Ausblicke und Einblicke, für die Perspektiven und Horizonte, für die Farben und Nuancen, für die Warnsignale und für den, der in Not ist.“

Und du wirst merken: Der Körper reagiert auf Ansprache. Die Welt um dich herum reagiert auf Ansprache. Nichts anderes ist es, was wir da gerade üben:

Segnet!

Da bist Du doch schon gut dabei. Stehst längst in Gottes Segensstrom. Mittendrin: Gesegnet seist du, liebe Sitznachbarin zur Rechten oder zur Linken.

Und irgendwann, mit der nächsten Übung, kannst du einen Schritt weiter gehen. Kannst Gott segnen. „Gesegnet seist du, Gott, dem ich meine Augen verdanke. Meine Nachbarin. Und den Maulwurf.“

Und irgendwann sind auch die Feinde dran, wenn’s um das Segnen geht. Denn auch sie stehen in Gottes Segensstrom.

Aber das ist eine andere Predigt. Das ist die nächste Stufe des Übens.

Für heute, Petrus: Danke! Bless you!

Gesegnet sei Dein Brief. Gesegnet sei deine Zumutung. Gesegnet sei der Mut, den du uns zutraust. Dass das Herz mit dem Segnen weit wird.

Denn dazu sind wir berufen, damit wir und diese Welt Gottes Segen empfangen.

Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Elisabeth Wedding, 07768 Kahla


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