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Moses Fürbitte

von Carola Krieg (55124 Mainz)

Predigtdatum : 05.05.2024
Lesereihe : VI
Predigttag im Kirchenjahr : Rogate
Textstelle : 2. Mose 32,7-14
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Wochenspruch: "Gelobt sei der Herr, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet." (Psalm 66,20)

Psalm: 95,1-7a

Predigtreihen

Reihe I: Johannes 16,23b-28(29-32)33
Reihe II: Matthäus 6,5-15
Reihe III: Sirach 35,16-22a oder Daniel 9,4-5.16-19
Reihe IV: Lukas 11,(1-4)5-13
Reihe V: 1. Timotheus 2,1-6a
Reihe VI: 2. Mose 32,7-14

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 165 Gott ist gegenwärtig
Wochenlied: EG 166,1-3 Tut mir auf die schöne Pforte
Predigtlied: EG 166,4-6 (Tut mir auf die schöne Pforte)
Schlusslied: EG 170 Komm, Herr, segne uns

Predigttext: 2. Mose 32,7-14

7 Der HERR sprach aber zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt. 8 Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben’s angebetet und ihm geopfert und gesagt: Dies sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben. 9 Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe dies Volk gesehen. Und siehe, es ist ein halsstarriges Volk. 10 Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie verzehre; dafür will ich dich zum großen Volk machen. 11 Mose wollte den HERRN, seinen Gott, besänftigen und sprach: Ach, HERR, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? 12 Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem glühenden Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst. 13 Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig. 14 Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk angedroht hatte.

Vorbemerkung

Dieser Predigt liegt die Entscheidung zugrunde, die Bewegung des Textes nachzuvollziehen. Es geht um den Gesamteindruck der Perikope und möglichen Verbindungen zu unserem alltäglichen Leben.

Mögliche Überschrift: Mit Gott heftig debattieren
- in der Fürbitte sich nicht unterkriegen lassen

Predigt

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext knüpft an einer uralten Menschheitserfahrung an: Wir werden wütend, es kocht in uns, wir können richtig sauer werden und sind dann ganz verdrießlich. Erst einmal in Fahrt, kann der Kopf rot werden, wenn wir uns so sehr ereifern über etwas, das uns ganz und gar gegen den Strich geht und uns so belastet, dass wir zornig werden. Einen zornigen Menschen stellen wir uns verbissen vor, ja geradezu starr in seiner Haltung. Irgendwie kann dieser Mensch dann nur ganz schlecht auf andere hören bzw. das Zuhören fällt schwer, weil er oder sie fixiert ist auf ein Problem.

Aber! In dem Predigttext ist nicht ein Mensch zornig, sondern Gott. Die Gefühle des Schöpfers stehen im Zentrum dieser Perikope. Er ist zornig über sein Volk, das gerade aus der Knechtschaft in Ägypten geführt wurde. Gott hat dieses Volk gerettet und es aus der Schlinge des Todes gezogen, während die ägyptischen Widersacher in den Fluten mitsamt den modernen Streitwagen und Pferden untergegangen sind. Eine jüdische Auslegung dazu berichtet uns, dass Gott über die umgekommenen Ägypter weinte. Der Tod der Ägypter berührt den Schöpfer dieser Welt.

Berührt wird Gott in unserem Predigttext durch die besänftigenden Worte von Mose. Er zeigt sich als Kenner der tiefen psychologischen Gedankengänge der Menschen und tritt Gott gegenüber, als ob der Schöpfer selbst ein Mensch sei. als ob die Quelle des Lebens ein Mensch sei. Mose argumentiert ganz feinfühlig und spricht Gott auf seine großen Taten an seinem Volk an. Er erinnert Gott an seine historischen Handlungen und führt vor, dass die Ägypter zusehen werden wie sein Volk verenden wird. Mose argumentiert nicht nur, sondern befiehlt Gott sich abzuwenden von seinem Zorn. So stark ist Mose als Fürsprecher seines Volkes, dass er es wagt, Gott von seinem Vorhaben abzubringen. Mose ist ganz auf der Seite seines Volkes, auch dann, wenn Gott ihm eine Versprechung macht, dass er, Mose, ein großes Volk werden soll. Das klingt verlockend für jemand, der sich nach außen profilieren will. Doch für Mose gibt es da keinen Deal. Mose verweigert jeden Kompromiss. Er will keine Ehrung durch Gott und schon gar nicht auf Kosten seines Volkes. Er fordert von Gott, dass sein Volk am Leben bleiben darf, auch, wenn es schwer gesündigt hat. Die Sünde bestand darin, dass sich sein Volk einen eigenen Gott gemacht hat, ganz nach der Vorstellung der Menschen.

So weichen auch wir vom Weg des Lebens ab, wenn wir uns selbst einen Gott in unseren Gedanken zimmern oder z.B. ein Auto wie einen Gott behandeln. …

Mose solidarisiert sich ganz mit den Schwächen seines Volkes und kann aufgrund seiner innigen Beziehung zu den Seinen so stark Partei ergreifen, dass er Gott zur Umkehr bewegt. Der Prozess der Umkehr ist in der Hebräischen und Griechischen Bibel die Ermöglichung für den Menschen wieder an dem göttlichen Lebensstrom teilzunehmen. Umkehren bedeutet, dass das vergangene Verhalten bereut wird, wodurch eine Distanz dazu hergestellt wird. Reue hat es mit Einsicht zu tun. Das Einsehen meint eine kritische Beleuchtung meiner Taten und Verhaltensweisen. Mose fordert Gott heraus, dass er sein Vorhaben bereuen soll, sein Volk in seinem Zorn zu verzehren. Mose untermauert diesen Appell, indem er an den Schwur Gottes gegenüber Abraham, Isaak und Israel erinnert.

Mose zieht alle Register, die ihm einfallen, um Gott von seinem Zorn abzulenken und ihn hinzuführen zu den guten Taten, die er an den Menschen vollbracht hat. Der Erfolg des Mose kann uns motivieren, es ihm gleich zu tun. Das kann heißen: Für gebeutelte Menschen bittend vor Gott einzutreten. Die Kraft der Fürbitte und der stark einfordernden Hilfe gegenüber Gott mag uns beschäftigen. Der Predigttext gibt uns mit auf den Weg, mit Gott zu rechten, zu debattieren und sich nicht unter kriegen zu lassen. So werden wir auch in diesem Gottesdienst die Stimme erheben und Gott um Hilfe und Beistand im Fürbittengebet bitten.

Verfasserin: Pfarrerin Carola Krieg


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