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Mut für den Weg durch das Jahr empfangen

von Stefan Wohlfarth (98716 Geraberg)

Predigtdatum : 01.01.2016
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Neujahrstag
Textstelle : Jakobus 4,13-15
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Wochenspruch:
"Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater durch ihn." (Kolosser 3, 17)

Psalm: 8 (EG 705)

Lesungen
Altes Testament: Josua 1, 1 - 9

Epistel: Jakobus 4, 13 - 15

Evangelium: Lukas 4, 16 - 21

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 166 Tut mir auf die schöne Pforte
Wochenlied: EG 64 Der du die Zeit in Händen hast
Predigtlied: EG 361, 1 - 4.7 oder EG 369, 1 - 4.7 Befiehl du deine Wege oder Wer nur den lieben Gott lässt walten
Schlusslied: EG 65 Von guten Mächten wunderbar geborgen

Predigttext Jakobus 4, 13 - 15
13 Und nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen –,
14 und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.
15 Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.

Predigt

Liebe Gemeinde,

gehören sie zu den gut organisierten Menschen? Haben sie ihr Leben im Griff? Ist das nächste Jahr schon gut ausgeleuchtet, der Urlaub, die Reise geplant, die Gaststätte für die kommende Familienfeier reserviert? Sind die wichtigsten Pflöcke im Kalender eingeschlagen?

Es gibt Leute, die haben ihr Leben erstaunlich gut im Griff. Die wirken sehr diszipliniert. Sie leben nach einem festen Plan. Für alles ist vorgesorgt. Für alles gibt es eine Schublade oder eine Schachtel mit dem richtigen Etikett drauf. Immer den Überblick behalten!

Im Haushalt hat alles seinen festen Platz. Im Garten hat das Unkraut keine Chance. Die Altersvorsorge steht auf solidem Fundament.

Ach ja, die Kinder, die sind allerdings ein Unsicherheitsfaktor, der schwer in den Griff zu bekommen ist. Deshalb haben heute ja auch viele Menschen keine mehr.

Wie die sich entwickeln, lässt sich nur schwer vorhersagen.
Das erscheint jetzt ein bisschen böse und übertrieben.

Aber mal ehrlich: Kaum einer mag es, wenn die Dinge anders laufen, als wir uns das denken, planen und wünschen.
Auf der anderen Seite wird das Leben ziemlich vorhersehbar und steril, wenn es keine Überraschungen mehr gibt. Doch ohne Überraschungen, ohne den Glauben an das Unerwartete, das den Dingen eine ganz unvorhergesehene Wendung gibt, wäre das Leben eine öde Angelegenheit.

Viele Romane, Filme und Geschichte leben davon, dass der Hauptakteur durch einen unvorhergesehenen Umstand aus seiner gewohnten Bahn geworfen wird. Das gefällt ihm zwar zuerst nicht, aber dann wird es zunehmen zu einer Chance für ihn wird, sich und das Leben ganz neu zu entdecken.

Viele Menschen sehnen sich in der Seele danach, mal aus dem Raster rauszuspringen, ihrer glattgebügelten Rolle zu entfliehen und sich neu zu erfinden. Doch sie sitzen fest in ihren Denkschablonen. Sie sind blockiert in ihren Mustern.
Manchmal schlagen wir eine überraschende Einladung aus, nur weil wir nicht genau wissen, was uns erwartet.

Wir weisen ein freundliches Angebot ab weil wir zu stolz sind oder niemanden verpflichtet sein wollen. Da tut sich vor uns eine unerwartete Gelegenheit auf, etwas zu tun, was uns Freude bereiten könnte, doch wir bleiben zögerlich und misstrauisch. Da öffnet sich plötzlich eine Tür vor uns und es fehlt das Vertrauen hindurchzugehen.

Einer von den ganz schlauen Menschen unserer Zeit, der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr sagt:
„Lebendigkeit verlangt, sich in Unsicherheit zu begeben, in einen sensiblen Schwebezustand. Dort, wo wir uns am unsichersten fühlen, sind wir am lebendigsten und kreativsten.“
Das ist doch mal eine Ansage. Ein Kontrapunkt zum Sicherheitsstreben.
„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen“, kann John Lennon noch draufsetzen.

Wer sich in Sicherheiten einmauert, verpasst das Leben. Die Sorge wird zum heimlichen Begleiter von zu viel Vorsorge. Wer mal was wagt, wird was erleben. Und wer sich der Unsicherheit aussetzt, kann Überraschendes erfahren.
Um das Neue zu ergreifen braucht es Vertrauen. Und daran fehlt es oft.

In unserem Predigtwort aus dem Jakobusbrief werden wir zur Umkehr gerufen: Hört auf euer Leben zu verplanen und maßt euch nicht an zu wissen, was kommt. Wir können uns direkt angesprochen fühlen, wenn Jakobus schreibt:

13 Nun zu euch, die ihr sagt: »Heute oder morgen wollen wir in diese oder jene Stadt reisen. Wir wollen ein Jahr dort bleiben, Geschäfte machen und Gewinne erzielen.«
14 Ihr wisst doch gar nicht, was der morgige Tag bringen wird. Was ist denn euer Leben? Ein Dampfwölkchen, das für kurze Zeit sichtbar ist und gleich wieder vergeht.
15 Sagt stattdessen lieber: »Wenn der Herr es will, werden wir am Leben bleiben und dies und jenes tun.«
16 Nun seid ihr auch noch stolz auf eure Überheblichkeit. Aber es ist schlecht, darauf stolz zu sein.
17 Also: Wer Gutes tun kann und es nicht tut, macht sich schuldig.
(Übersetzung der Basis-Bibel)

Es gibt so ein geflügeltes Wort bei den Alten als Antwort auf die Frage, ob man sich wiedersieht oder in der Zukunft gemeinsam etwas beginnt:

„So Gott will und wir leben!“

Das ist eine gute Antwort, eine gute Haltung gegenüber allem, was wir uns für das neue Jahr vornehmen. Sie stellt alles unter einen Vorbehalt: Ich bin nicht Herr meines Lebens. Ich bin bereit, mich führen zu lassen. Ich habe nicht alles im Griff.

„Wenn der Herr es will ...“, dann werde ich dieses Vorhaben beginnen und jenen Weg gehen.
Es wird nicht alles so werden, wie ich es mir vorstelle und plane. Vieles wird ganz anders. Manches besser, manches schlechter und bei manchem weiß man nicht, wo es hinführt. Das Leben ist und bleibt eine große Vertrauensübung.

Und wir Christen vertrauen darauf, dass Gott uns ans Ziel bringt, auch wenn wir die Zwischenstationen nicht kennen.
Wer mit Gott im Gespräch bleibt, wer ihn sucht und ihm täglich sein Leben in die Hand gibt, der stärkt dieses Vertrauen. Der übt sich darin, seine Sorgen loszulassen. Der weiß, wohin er seine Ängste tragen kann. Der kann sich in den Frieden Gottes bergen, der unser Verstehen übersteigt.

Bei Paul Gerhardt heißt es so trefflich:

Auf, auf, gib deinem Schmerze
und Sorgen gute Nacht,
lass fahren, was das Herze
betrübt und traurig macht;
bist du doch nicht Regente,
der alles führen soll,
Gott sitzt im Regimente
und führet alles wohl.

Meine Möglichkeiten sind begrenzt. Doch ich kann das Notwendige tun und darauf vertrauen, Gott tut das seine dazu. Das ist die Haltung eines Christenmenschen. Auf der Schwelle zum neuen Jahr stärken wir uns in dem Vertrauen: „Meine Zeit steht in Gottes Händen.“

Menschen, die ihre Zeit aus der Hand geben und sie in Gottes Hände legen, können von sich, von ihren Sorgen und Wünschen absehen. Sie leben in der Erwartung: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Amen


Fürbittengebet

Vater im Himmel,
wo du unser Leben mit deiner Güte und Gnade füllst, da bleibt mehr als ein Rauch. Da kann sich die Zeit erfüllen. Da kann die Ewigkeit unser Herz berühren.
Unsere Zeit steht in deinen Händen.
Von dir kommt sie und zu dir hin fließt sie.
Hilf uns, dass wir in den Bewegungen unserer Zeit nicht un-tergehen und uns nicht in nichtigen Dingen verlieren.
Lass uns erkennen, was nottut und wo unsere Kraft und Hilfe gebraucht wird.
Hilf uns den Menschen treu zu bleiben, die zu unserem Leben gehören. Lass uns aber auch für die wach und offen sein, die neu in unser Leben treten.
Dein Wille möge geschehen in jeder Stunde unseres Lebens. Hilf uns das rechte zu tun: Liebe zu üben, Hoffnung zu schenken und Glauben zu wecken.



Verfasser: Pfarrer Stefan Wohlfarth
Plan 11, 98716 Geraberg

Herausgegeben vom

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