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Mut für den Weg durch das Jahr empfangen

von Albrecht Henning

Predigtdatum : 01.01.2011
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Neujahrstag
Textstelle : Johannes 14,1-6
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Predigtvorschlag Röm 12, 21 = Jahreslosung 2011

Wochenspruch: „Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater durch ihn.“ (Kolosser 3, 17)
Psalm: 8 (EG 705)

Lesungen
Altes Testament: Josua 1, 1 – 9
Epistel: Jakobus 4, 13 – 15
Evangelium: Lukas 4, 16 – 21


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 61, 1 + 2 + 4 - 6 Hilf, Herr Jesu, lass gelingen
Wochenlied: EG 64, 1 – 3 + 6 Der du die Zeit in Händen hast
Predigtlied: EG 401, 1 - 5 Liebe, die du mich zum Bilde
Schlusslied: EG 56 Weil Gott in tiefster Nacht erschienen


Liebe Gemeinde,

die Silvesternacht liegt hinter uns. Vor wenigen Stunden knallten um Mitternacht die Sektkorken, wir tauschten Umarmungen aus, wünschten uns ein gutes, neues Jahr. Die Glocken läuteten und Raketen stiegen zum Himmel. Irgendwann danach sanken wir müde in den Schlaf und ruhten aus von unserem Feiern und der Heiterkeit dieser Nacht.

Aber mindestens eine Sache habe ich jetzt bei der Beschreibung vergessen: die guten Vorsätze. Würde die Nacht nicht den Namen „Silvesternacht“ tragen, könnten wir zu ihr auch sagen: „die Nacht der guten Vorsätze“. Mit dem neuen Jahr nicht mehr Rauchen, weniger Süßes essen, mehr für die Schule, die Lehre oder das Studium machen, endlich mit dem Joggen anfangen, beim Auto Fahren sanfter aufs Gaspedal treten, die Schwiegertochter endlich akzeptieren, so, wie sie ist, sich mehr Zeit für die Kinder bzw. die Enkel nehmen, aufhören zu tratschen und zu lästern, dem ersten Menschen, dem man am Morgen begegnet, ein Lächeln zu schenken.

Und nun stellen Sie sich einmal vor: all diese guten Vorsätze gelängen! Alles, was Sie sich und die vielen anderen Menschen in dieser Nacht vorgenommen haben, verpufft nicht wie der kurze Glanz der Leuchtraketen, sondern findet sich im alltäglichen Leben wieder. Wäre das nicht wunderbar?! Ja, das wäre es!

Genau so wunderbar wäre es, wenn die Botschaft der Jahreslosung 2011 unseren Alltag ab heute prägen könnte – als guter Vorsatz und Leitsatz unseres Handelns: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Lassen Sie uns dem Inhalt dieses Satzes nachspüren. Drei Überschriften sollen uns dabei leiten:

1. Hauptsache ich! - die Macht des Bösen.
2. Hauptsache Christus! - der Überwinder des Bösen.
3. Hauptsache du! – meine tägliche Chance für ein gelingendes Leben.
Kommen wir zur ersten Überschrift:
„Hauptsache ich! - die Macht des Bösen.“

Die Macht des Bösen ist allgegenwärtig. Fast jeden Tag hören wir von Krieg, Gewalt, Mord und Betrug. (Auch die jüngsten Ereignisse in / Nachrichten über ..... [hier bitte aktuelle Geschehnisse einfügen] haben uns wieder erschreckt.) Manchmal haben wir uns schon zu sehr an die Alltäglichkeit solcher Meldungen gewöhnt und müssen uns fast zur Aufmerksamkeit zwingen. Dass wir aber mit unseren Sinnen wach bleiben, dass wir genau hinhören und hinsehen, dass wir die Fähigkeit bewahren, mit zu fühlen, ist für unser menschliches Miteinander ganz wichtig.

Wach bleiben müssen wir aber auch hinsichtlich unserer eigenen Person, um danach zu fragen, was unser Tun und Lassen bestimmt. Doch schauen wir zunächst einmal in die Bibel.

Hauptsache ich – dachten Eva und Adam im Paradies – und aßen von der verbotenen Frucht – und verloren es – das Paradies. Hauptsache ich – dachte Kain und erschlug seinen Bruder Abel, weil er neidisch war – und brachte den Mord in die Welt. Hauptsache ich – dachte König David – und nahm sich die schöne Batseba – und brachte Ehebruch und Blutschuld über sich. Hauptsache ich!

Die biblischen Geschichten sind nicht zimperlich, wenn sie menschliches Fehlverhalten beschreiben, sondern decken schonungslos auf, was schief laufen kann. Und sie helfen mir dabei, mich selbst unter die Lupe zu nehmen. Ich komme nicht drum herum, bei mir selbst anzufangen. Denn wie verlockend die Frucht auch war, gepflückt und gegessen wurde sie von Eva und Adam höchst persönlich. Wie schwierig die Situation für Kain auch war, er selbst erschlug seinen Bruder Abel. Und wie schön Batseba auch immer gewesen sein mochte, es war die verheiratete Frau eines anderen Mannes, die Frau des ihm treu ergebenen Soldaten Uria, die David auf seinen eigenen Befehl hin zu sich bringen ließ, um mit ihr die Nacht zu verbringen. Hauptsache ich! – das bringt es mit sich, dass ich mir selbst, aber eben auch anderen schade.

Wenn wir noch tiefer schauen, dann können wir erkennen, dass damit auch das beschrieben werden kann, was die Bibel „Sünde“ nennt. Denn wenn ich nach dem Prinzip „Hauptsache ich“ lebe, dann lässt das die anderen Menschen und Gott zur „Nebensache“ werden. Das Leben, wie es von Gott gemeint ist, kann so aber nicht gelingen. Denn ein Leben nach Gottes Willen ist ein Leben in Gemeinschaft. Das Böse - um den Begriff der Jahreslosung aufzugreifen – verstellt diese Gemeinschaft – aber nicht als abstrakte Größe, sondern als mein Verhalten, das sich gründet auf das Prinzip: „Hauptsache ich!“ Und weil das Leben so immer zur Sackgasse wird, halten wir Ausschau nach dem rettenden Ausweg. Und der heißt Christus.

Nun also die zweite Überschrift:
Hauptsache Christus! - der Überwinder des Bösen.

Wenn wir erneut auf die drei Geschichten schauen, dann dürfen wir darüber staunen, dass Gott immer wieder eine neue Tür öffnet. Gewiss, Eva und Adam werden des Paradieses verwiesen, aber zuvor kleidet Gott die beiden ein. Er selbst macht ihnen Röcke von Fellen und zieht sie ihnen an. Eine Auslegung besagt, dass Gott hier die beiden nicht nur äußerlich bekleidet, sondern auch ihre Seelen „bekleidet“, sie ummantelt, sie stärkt, damit sie dem Leben außerhalb des Paradieses gewachsen sind. Und über Kain lesen wir, dass Gott ihn, den Brudermörder, schützt durch ein besonderes Zeichen, und dieser Kain dann sogar zum Begründer einer Stadt wird. Und auch in der Daviderzählung ist es so, dass der zweitgeborene Sohn von David und Batseba später der große und weise König Salomo wird.

Immer wieder durchbricht Gott von sich aus das menschliche Prinzip „Hauptsache ich!“ und bahnt sich förmlich einen Weg hin zum Menschen und in sein Herz, um ihm einen neuen Anfang zu schenken – in der Gemeinschaft mit Gott. Die Geschichte Jesu macht dies unüberbietbar deutlich. Gott gibt sich abschließend als der zu erkennen, der Gemeinschaft will, weil er selbst in sich Gemeinschaft ist. Wir erkennen in Vater, Sohn und Heiligem Geist den dreieinigen Gott, der Beziehung in sich lebt und Beziehung will. Die Geschichte Jesu führt uns das in vielen anschaulichen Begebenheiten vor Augen. Immer sieht er die Not des anderen – und wirkt als der, der das Heil bringt. Er sieht die äußerliche Krankheit und die innere Leere – und macht gesund an Leib und Seele. Er sieht die Ungerechtigkeit und die Hartherzigkeit – und ermahnt. Er sieht die Ausgestoßenen – und ruft sie in die Gemeinschaft. Er sieht die Kraftlosen und Verirrten – und stärkt sie und gibt Orientierung. Wo auch immer er eintritt, ruft er Veränderungen hervor, die dem Leben dienen.

Jesus überwindet die Strukturen des Bösen. Und darüber hinaus bekennen wir, dass er selbst zum Überwinder des Bösen überhaupt geworden ist. Den Versuchungen des Teufels am Beginn seines Wirkens hat er widerstanden. Das feste Vertrauen auf Gott half ihm, den teuflischen Verlockungen nicht nach zu geben. Und im Garten Gethsemane ist es wieder das Bezogensein auf Gott, das ihm hilft. So sagt er ringend im Gebet: „Vater, ... nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ (Lukas 22,42). Und selbst sterbend am Kreuz bittet er Gott für seine Peiniger: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23, 34)

Die irdische Lebensgeschichte zeigt uns, dass Jesus nach dem Prinzip lebt: „Hauptsache du!“ In diesem „du“ findet sich zuerst und vor allem das „DU“ Gottes. Doch dieses „du“ trägt in sich auch die andere Dimension. Jesus zeigt mir: der andere Mensch ist wichtig, die Beziehung zu ihm, seine Befreiung aus unheilsamen Bindungen. Das macht das Leben Jesu aus. Zuletzt begreifen wir sogar, dass Jesus mit seiner Person dafür steht. Dass er also Böses nicht nur durch sein Tun und Handeln aufgehoben hat, sondern dass er das Böse durch Sterben, Tod und Auferstehung überwunden hat. Die Mentalität des „Hauptsache ich!“ ist durch Christus überwunden.

Nun wenden wir uns der dritten Überschrift zu:
Hauptsache du! – meine tägliche Chance für ein gelingendes Leben.

Christus macht mich frei davon, dass ich nur mich selbst und mein eigenes Leben sehe. Er schenkt mir neue Augen, um die Welt zu betrachten. Er schenkt mir ein neues Herz, um zu spüren, was das Richtige ist. Und er schenkt mir ein Wort, das sich über all mein Handeln legen soll: LIEBE.

Von der Liebe ist Jesu Handeln und seine Predigt erfüllt. Er ruft uns in seine Nachfolge, was bedeutet, in der Liebe zu leben. Auf diesem Hintergrund sind auch die Worte des Apostels Paulus zu verstehen, der den Satz unserer neuen Jahreslosung im Brief an die Christen in Rom aufgeschrieben hat: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm 12, 21)

Dieser Satz steht in dem Teil des Briefes, der sich mit dem praktischen Leben eines Christen befasst. Hier einige Verse daraus (Röm 12, 9 - 18):

„Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. ... Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. ... Seid eines Sinnes untereinander. ... Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. ... Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Wir spüren, wie werbend die Worte des Paulus für dieses Leben aus der Liebe heraus sind. Obwohl es auffordernde Sätze sind, atmen sie doch den Geist einer großen Befreiung. Es sind nicht Forderungen eines einschnürenden Gesetzes, sondern lockende Worte, die in die Freiheit führen wollen. Sie besagen: Hört doch endlich auf, immer nur auf das eigene Recht zu pochen. Hört doch endlich auf, Gleiches mit Gleichem vergelten zu wollen. Hört doch endlich auf, immer siegen zu wollen. Lasst euch vielmehr anstecken vom Geist Gottes, vom Geist Christi, der seine Kraft aus der Liebe schöpft. Dann kann sich Leben anders ereignen, als es dies oft tut. Dann hätten auch die alten Geschichten ganz anders ausgehen können.

Eva und Adam kosten nicht von der Frucht, weil sie, begreifen dass es Grenzen des Verlangens, Grenzen des Habenwollens gibt – und freibleiben - gerade im Verzicht - und atmen weiter den Duft des Paradieses.

Kain überwindet seinen Zorn, spricht mit Abel und beide philosophieren über Gott und die Welt und lachen unterm Sternenzelt am wärmenden Lagerfeuer.

David erfreut sich an der Schönheit Batsebas und gewährt dem Uria Urlaub, damit beide zusammen sein können – und haben Kinder und Kindeskinder in der schönen Stadt Jerusalem.

Das alles klingt zu schön, um wahr zu sein. Stimmt. Die Bibel erzählt die Geschichten ja jeweils auch ganz anders, wie wir wissen. Und wenn wir uns umschauen in unserer Welt und unserer Zeit und unserem Leben, dann spüren wir, dass die Liebe, das Gute, das Heilsame viel zu oft auf der Strecke bleiben. Vom Reich Gottes steht zwar viel in der Bibel, aber es kommt einfach zu wenig davon im Leben an, weil wir es viel zu wenig selbst probieren, weil wir uns zu wenig darauf einlassen, das „Hauptsache du!“ zu leben. Aber es ist unsere einzige Chance, dem Leben wirklich auf die Spur zu kommen.

Dabei geht es um die ganz großen Fragen. So z. B. um den Krieg in Afghanistan, um die Frage der globalen Gerechtigkeit, um die Bemühungen gegen eine weitere Erderwärmung, um die Ehrlichkeit in der Finanzwelt ( ... eventuell weitere Bsp. einfügen ).

Und es geht um meinen persönlichen Alltag – im Verhalten dem Partner gegenüber, den Kindern und Eltern, den Nachbarn, Freunden und Bekannten. Auch in diesem Jahr habe ich 365 Tage lang die Chance, der lockenden Aufforderung des Paulus zu folgen, nämlich Gutes zu tun. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
Amen.

Verfasser: Pfarrer Albrecht Henning,Dorfstraße 10, 06774 Muldestausee / OT Krina

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