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Nachfolge

von Klaus Burges (99634 Straußfurt)

Predigtdatum : 14.03.2004
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Okuli
Textstelle : Epheser 5,1-8a
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Wochenspruch:

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)

Psalm: 34,16-23 (EG 718)

Lesungen

Altes Testament:
1. Könige 19,1-8 (9-13a)
Epistel:
Epheser 5,1-8a
Evangelium:
Lukas 9,57-62

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 198
Herr dein Wort die edle Gabe
Wochenlied:
EG 82
oder EG 96
Wenn meine Sünd’ mich kränken
Du schöner Lebensbaum des Paradieses
Predigtlied:
EG 145
Wach auf, wach auf du deutsches Land
Schlusslied:
EG 157
Lass mich dein sein und bleiben

Vorbemerkung:
Der Abschnitt bietet keine Probleme. Die Abgrenzung schien mir unübersichtlich, darum nehme ich den Abschnitt bis 9a. Damit wird dem Namen des Sonntags Okuli besser entsprochen: Lebt als Kinder des Lichts. So habe ich auch den Psalm 25 als Einstieg für Okuli gewählt. Das wird im Aufbau der Predigt erkennbar. „Meine Augen sehen stets zu dem Herrn...“
Der Schreiber des Epheserbriefes schreibt ein Traktat zu Taufe und Lebenswandel der Christen. An vielen Stellen des Briefes wird die „Erlebniswelt der Hoffnung“ einsichtig: Licht, Liebe, Wachen, Erbteil, Danksagung u. v. m. Im Gegensatz dazu beschreibt er die „ Erlebniswelt der Vergänglichkeit“, die ich aber nicht thematisieren wollte, mit: Tod, Finsternis, Zorn Gottes. Die Kreuzwegsituation sollte gedanklich gegenwärtig sein. So wird Nachfolge zur Lebensgestaltung des einzelnen Christen in der Kirche, die Kräfte der Veränderung für die Gesellschaftsgestaltung freisetzt, und wir werden vor Moralisierung bewahrt, nicht aber vor Verdächtigungen zu moralisieren. Anregungen zur christlichen Lebensgestaltung sollen in der Predigt gegeben werden. Die Predigt kann durch regionale Beispiele ergänzt werden.

(nach Kirchenbuch für die Ev. Landeskirche in Württemberg, Predigttexte Bd.1)

1 So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. 4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.

Liebe Gemeinde,
wir feiern heute den Sonntag Okuli. – „Meine Augen sehen stets zu dem Herrn“. So haben wir am Anfang des Gottesdienstes mit Worten des 25. Psalms gebetet. Okuli ist ein lateinisches Wort und heißt auf deutsch: Augen. Der Sonntag Okuli ist der Sonntag mitten in der Passionszeit. Wir Christen schauen auf den Leidensweg Christi. Mit unseren Gedanken wie mit unserer Lebensgestaltung begleiten wir Christus auf seinem Weg an das Kreuz von Golgatha.
Viele Christen verzichten in dieser Zeit; die einen verzichten auf Zigaretten, andere auf Bier oder Wein, auf Kaffee oder Süßigkeiten. Mit ihrer Enthaltsamkeit unterstreichen sie, wie wichtig ihnen diese Zeit ist. Es sind Zeichen der Liebe Christi, die sie mit ihrem Leben setzen wollen. Das eingesparte Geld geben sie in Projekte, die anderen Menschen zum Leben helfen; so die Aktion: Hilfe für Osteuropa.
Liebe Gemeinde, vor siebzig Jahren hatten Christen in Deutschland den Christus Gottes aus den Augen verloren. Das Volk und die Volksgemeinschaft wie die Rasse waren wichtiger geworden. Eine beängstigende Zeit, die tiefe Wunden in die Seelen der Menschen geschlagen hat. Sie schmerzen noch heute. Christen ließen sich verführen durch leere Worte. In vielen Kirchen wurde statt des Friedensgrußes Christi der Hitlergruß gezeigt. Für manche Pfarrer und zu viele Gemeindeglieder war es oft wichtiger, dem Beispiel böswilliger Menschen zu folgen als dem Beispiel Gottes.
Das Lied von Johann Walter aus dem Jahre 1561 „Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen“ bekam eine tiefe Bedeutung für Gemeindeglieder, Pfarrer und Theologen in der evangelischen Kirche. Im Mai 1934, vor 70 Jahren also, trafen sich Christen zu einer Bekenntnissynode in Wuppertal-Barmen. Ihnen waren die Augen aufgegangen. Sie erkannten die Verführung. Der falsche Weg musste um Christi, der Kirche und der Menschen willen geändert werden. Der Götzendienst stand beängstigend vor Augen. Die evangelische Kirche war gespalten. Das Wesentliche musste wieder ans Licht kommen.
In der 2. These der Erklärung von Barmen lesen wir es in aller Verbindlichkeit und Gültigkeit bis auf den heutigen Tag. „Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herrn zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften“.
So bekam die evangelische Kirche in Deutschland wieder den Blick für das Wesentliche im Glauben. Männer und Frauen wurden zu Nachfolgern und Blutzeugen Christi in dunkler, finsterer Zeit. Ein Ruck des Glaubens und des Bekennens ging durch die Kirche. Wir erinnern uns an Namen wie Dietrich Bonhoeffer, den Pfarrer und Lehrer der Bekennenden Kirche, an Paul Schneider, den Prediger von Buchenwald, an die treuen Frauen und Männer in den Gemeinden, die mit großem Mut den Glauben neu bezeugten, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den diakonischen Einrichtungen, die sich schützend vor behinderte Menschen stellten, damit sie nicht in den Vernichtungslagern als lebensunwertes Leben umgebracht wurden.
Die Unreinheit und das schandbare Reden kamen immer deutlicher ans Licht. Das Reich Christi und Gottes drohte den Menschen verloren zu gehen. Umkehr tat Not. Das Kreuz Christi und sein Weg nach Golgatha wurde für viele Christen ein wahrer Weg der Nachfolge unter dem Kreuz.
Im 18. Jahrhundert wird von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf erzählt, dass er auf seinen vielen Reisen eines Tages im Westfälischen vor einem Altarbild mit dem gekreuzigten Christus stand, unter dem er las: „Dies tat ich für dich; was tust du für mich?“ Das löste eine Bewegung in ihm aus, die zu einer Lebenswende führte. Er wollte als ein geliebtes Kind Gottes leben. „...Wandelt in der Liebe, gleich wie Christus euch hat geliebt und sich selbst gegeben für uns als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch“.
Das bedeutet Nachfolge – Nachfolge Christi. Daran hat sich bis auf den heutigen Tag nichts geändert. „So folgt nun Gottes Beispiel...“ In der Nachfolge Christi kommen Menschen in die Erlebniswelt der Hoffnung. Der Schreiber des Epheserbriefes nennt das „das Reich Christi und Gottes“. Die Erlebniswelt der Hoffnung nimmt Gestalt an. Ein neues Licht fällt auf die Probleme in unserer Kirche wie in unserer Gesellschaft.
Davon haben wir Christen heute zu reden. Wir haben den Trend umzukehren. „Nun aber seid ihr Licht in dem Herrn“. Zu viele Gemeindeglieder sind aus unserer Kirche ausgetreten. Die Gottesdienste werden nicht mehr als wichtigste Veranstaltungen genutzt. Dabei nimmt im Gottesdienst die christliche Gemeinde ihre Verantwortung für die Gesellschaft wahr. Da wird nicht nur über die böse Welt geklagt. Im Gottesdienst werden die Zeichen der Erlebniswelt der Hoffnung gesetzt.
In der Spaßgesellschaft, die Gott sei Dank zu Ende gehen wird, wird so laut und gottlos gejammert und geklagt. Die Probleme waren liegen geblieben und wurden weitergeschoben. Es fehlt an Arbeitsplätzen, weil die Arbeit zu teuer geworden ist; auch in der Kirche und in der Diakonie. Die egoistischen Ansprüche an die Gesellschaft tragen Zeichen der Habsucht. Der Umgang mit dem eigenen Körper und dem Leben der Mitmenschen tragen deutliche Zeichen der Unreinheit.
Die sozialstaatliche Verteilung muss sich wieder auf die wirklich Hilfsbedürftigen konzentrieren. Medizinische Leistungen können nicht mehr so gedankenlos in Anspruch genommen werden. Selbstbeteiligung und Eigenverantwortung sind gefordert. Es kann nicht mehr jeder sich alles leisten auf Kosten anderer und der Gesellschaft. Leistung ist gefordert, ob in der Schule, in der Lehre oder am Arbeitsplatz.
Es kann nicht alles nur Spaß machen, auch in der Kirche nicht. Neben den Rechten sollen auch die Pflichten für die Kirche und in der Kirche, für die Gesellschaft und in der Gesellschaft wieder erkennbar werden. Das ist doch nicht zu viel verlangt. Der Schreiber des Briefes an die Gemeindeglieder von Ephesus öffnet seinen Lesern die Augen für das Leben der Christen in der Welt. „Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.“ Starke Worte, die auf dem Weg in der Nachfolge Christi hörbar werden... Es sind Worte, die zur Umkehr rufen.
Es sind Worte, die Bewegung in die Erstarrung der Gesellschaft bringen. Die Nachfolge Christi macht unserer Gesellschaft Beine. Der Schreiber des Epheserbriefes macht Lust auf Leben, leben als Heilige. Das klingt für uns erst einmal befremdlich. Da gibt es auch einige, die glauben, es sei überheblich. Doch Heilige sind Menschen, die die Nähe Christi in der Taufe erlebt haben oder noch erleben werden.
In der Taufe wird die zerbrechliche, die vergängliche Lebensgeschichte des Menschen, ein für allemal, unauflöslich, mit der Leidens- und Auferstehungsgeschichte Christi verbunden. Heilige sind Menschen, die in der christlichen Gemeinde, mitten in der Welt, das Lob Gottes anstimmen. Heilige sind getaufte Menschen, die, in der von Gott entfremdeten Welt Christus als ihren Herrn anbeten, vor ihm die Knie beugen, und vor den Menschen gerade stehen.
Christen stimmen die Danksagung über die gelungene Befreiung von Zukunftsangst an. Heilige singen die Lieder der Freude über die Erbschaft des Reiches Christi und Gottes. Die Heiligen genießen das Heil Christi unter Brot und Wein – im Abendmahl – und lassen es sich auf der Zunge zergehen. Heilige sehen das Leben mit anderen Augen, Heilige sehen das Leben in der Gesellschaft im Licht Christi. Das ist die Erlebniswelt der Hoffnung. „Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts!“ Amen.

Verfasser: Pfarrer Klaus Burges, Ernst- Thälmann- Str. 24, 99634 Straußfurt

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