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Nachfolge

von Martin Bender (55128 Mainz-Bretzenheim)

Predigtdatum : 26.03.2000
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Reminiszere
Textstelle : 1. Petrus 1,(13-17).18-21
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Wochenspruch:

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)

Psalm: 34,16-23 (EG 718)

Lesungen

Altes Testament:
1. Könige 19,1-8 (9-13a)
Epistel:
Epheser 5,1-8a
Evangelium:
Lukas 9,57-62

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 384
Lasset uns mit Jesus ziehen
Wochenlied:
EG 82
oder EG 96
Wenn meine Sünd’ mich kränken
Du schöner Lebensbaum des Paradieses
Predigtlied:
EG 325
Sollt ich meinem Gott nicht singen?
Schlußlied:
EG 76,2
So laßt uns nun ihm dankbar sein

(Wie gewohnt folgt hier der Text in der Übersetzung Martin Luthers; im Verlauf der Predigt wird der Predigttext in der Übersetzung von Ulrich Wilckens angeboten.)

[13 Darum umgürtet die Lenden eures Gemüts, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi. 14 Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet; 15 sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. 16 Denn es steht geschrieben (3. Mose 19,2): »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.« 17 Und da ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person einen jeden richtet nach seinem Werk, so führt euer Leben, solange ihr hier in der Fremde weilt, in Gottesfurcht; 18 denn:]
Ihr wißt, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, 19 sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 20 Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, 21 die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.

Liebe Gemeinde!
Wir stehen in der Passionszeit; in drei Wochen beginnt mit dem Palmsonntag die Karwoche. Es ist eine besondere Zeit im Kirchenjahr, eine Zeit des Nachdenkens, der Besinnung. Nicht die Besinnlichkeit, die wir vor Weihnachten an den Tag legen, sondern eine andere Form des Sich-Besinnens. Dem wollen wir heute einmal in besonderer Weise nachgehen.
In dieser Zeit hat jeder Sonntag seinen eigenen Namen. Der heutige heißt Okuli. Das heißt auf Deutsch “Augen”. Das kommt von dem Psalmwort, das nach alter Ordnung des Kirchenjahres als Leitmotiv über dem heutigen Sonntag und der heute beginnenden Woche steht: “Okuli mei” heißt es da in dem Psalm, “meine Augen schauen stets auf den Herrn”. Das gilt nicht nur in dem Zusammenhang, in dem es der Psalmist gesagt hat, sondern auch im Hinblick auf Karfreitag - und Ostern.
Wir blicken nun nicht mehr nur auf den Herrn, der unseren Fuß aus dem Netz zieht, sondern auf den, der noch einiges mehr getan hat.
Darüber schreibt der Apostel Petrus in einem Brief einige Gedanken, die uns für unseren heutigen Gottesdienst zum gemeinsamen Nachdenken empfohlen sind:
Da lesen wir:
Ihr wißt doch: Nicht mit vergänglichen Gütern, Silber oder Gold, seid ihr aus der Sinnlosigkeit eures Lebens freigekauft, wie ihr es nach väterlichem Herkommen geführt habt, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, der wie ein Lamm, ohne Fehl und Flecken sein Leben für euch hingegeben hat. Vor der Gründung der Welt war er dazu ausersehen - jetzt am ende der Zeiten ist er hervorgetreten, um euretwillen: Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat. So ist euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott gerichtet.
(Übersetzung von Ulrich Wilckens)
Diesen Brief hat Petrus in Rom verfaßt. Vermutlich hat er dort im Verborgenen leben müssen, denn er schreibt am Ende Grüße an die Empfänger aus Babylon. Das war ein Deckname für Rom - für den Fall, daß der Brief in falsche Hände geraten könnte.
Die Adressaten sind die Gemeinden im nördlichen Kleinasien, der heutigen Türkei, nordwestlich des heutigen Kurdengebietes. Dort hatte es zuvor keine jüdischen Gemeinden gegeben wie in den großen Städten weiter südlich und am Mittelmeer. Die Menschen dort waren nicht vom jüdischen Glauben zum Christentum gekommen, sondern aus dem Heidentum. Ihnen war vieles nicht bekannt, was zur jüdischen Tradition gehörte und damit Grundlage für den christlichen Erlöserglauben war. Und manches davon war ihnen nicht nur neu und fremd, sondern unverständlich.
Dem muß Petrus Rechnung tragen, er muß ihnen einiges erst nahebringen, verständlich machen, was in anderen Gemeinden schon selbstverständlich ist.
Gehen wir deshalb einfach einmal ein Stück am Text entlang:
Nicht mit vergänglichen Gütern wie Gold oder Silber seid ihr freigekauft; bei den Heiden damals war es ja üblich, daß man Opfer brachte, um die Götter gütig zu stimmen. Dabei wurden nicht nur Tiere geopfert, sondern auch teilweise erhebliche Sachspenden erbracht, so daß sich im Laufe der Zeit mancherorts größere Tempel-Schätze ansammeln konnten.
Das alles hat nun ein Ende gefunden, weil ihr Leben eine andere Richtung bekommen hat. Von Sinnlosigkeit des früheren Lebens ist da die Rede. Die Menschen, die den Weg zu dem gekreuzigten und auferstandenen Christus gefunden haben, die haben durch ihn auch einen neuen Weg für ihr Leben gefunden. Ihr Leben verläuft nicht mehr in der alten Dauer-Angst vor bösen Mächten und Unsicherheiten. So hatten sie zuvor ihr Leben geführt wie ihre Vorfahren auch. Das hat nun ein Ende.
Nun sind wir freigekauft mit dem kostbaren Blut Christi, der wie ein Lamm ohne Fehl und Flecken sein Leben für uns hingegeben hat.
Genau das ist die Tat des Karfreitags, dem wir in dieser Zeit entgegengehen. Durch Christus sind wir zum Glauben an Gott gekommen. Nicht aus uns selbst haben wir das Wissen um Gott und unseren Glauben an ihn, sondern es ist sein Geschenk. Wir brauchen nun nicht mehr selber nach Göttern zu suchen, sondern er ist zu uns gekommen und er ist uns den Weg vorangegangen.
Damit hat er unserem Leben einen Sinn gegeben. Nicht einen neuen anstelle eines früheren, sondern überhaupt einen Sinn anstelle der alten Sinnlosigkeit. Was macht es für einen Sinn, wenn man ständig in Ängsten leben muß?
Dabei hat er nicht nur manches an Beschwerlichkeit auf sich genommen, sondern die größte Beschwerlichkeit, die es für Menschen überhaupt gibt: er ist für uns in den Tod gegangen. Und er hat für uns diesen Tod besiegt: Gott hat ihn von den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben.
Zunächst war das Leben Jesu gezeichnet von Entbehrungen, vom Verzicht auf jeden menschlichen Komfort. Er hat Kranke geheilt und gepredigt. Er hat den Menschen Trost gegeben. Und Trost, das sind nicht nur einfach besänftigende und beschwichtigende Worte, Trost ist mehr. Trost ist Hilfe, mit einer schweren Lebens-Situation zurechtzukommen. Das hat Jesus gebracht. Darauf ist unser Glaube und unsere Hoffnung gerichtet.
Zwei Dinge sollen uns an diesem Text besonders deutlich werden: Da ist zum einen die Rede von der Sinnlosigkeit des früheren Lebens, von der wir freigekauft sind. Das hat etwas mit dem damaligen Sklaventum zu tun.
Sklaven waren das persönliche Eigentum ihrer Herren. Der Herr konnte einen Sklaven in die Freiheit entlassen, so daß dieser ein gleichberechtigter freier Bürger wurde. Es konnte auch jemand einen Sklaven freikaufen, indem er ihn kaufte und dann in die Freiheit entließ.
Was hier gemeint ist, das ist unsere Befangenheit in unserem sinnlosen Leben. Wir sind gefangen in allerlei menschlichen Gewohnheiten und Maßstäben. Das kann mancherlei Gestalt und Inhalt haben: Da ist das Rennen nach Geld und Annehmlichkeiten oder nach Ruhm und Ansehen, nach menschlicher Anerkennung.
Natürlich können wir nicht ohne Geld leben, und Anerkennung durch andere ist auch nicht zu verachten. Aber das Übermaß, die Gier danach macht die Sinnlosigkeit aus.
Und dann sehen wir jeden Tag in den Zeitungen und im Fernsehen die Bilder von den Kriegen in fernen Ländern und vor der eigenen Haustür. Was hat das Leben dieser geschundenen Menschen noch für einen Sinn, wenn sie nur noch von einem Tag zum andern in Angst und Schrecken dahinleben und zusehen müssen, wo sie etwas zu essen und einen Schluck Wasser bekommen?
Ein Leben das nur noch darauf gerichtet ist, sich selbst zu erhalten, hat seinen wahren Sinn verloren. Oder wie steht es um Menschen, die durch Schicksalsschläge so in ihrem Denken gefangen sind, daß alles nur noch um das eigene Elend kreist?
Wenn unser Leben derartige Formen angenommen hat, dann sind wir Sklaven unserer eigenen Wünsche oder Schrecken geworden. Davon will er uns freimachen, davon hat er uns freigekauft.
Damit sind wir beim zweiten Punkt:
Jesus hat es uns vorgelebt, was es heißt, dem Leben einen Sinn zu geben. Er hat sei ganzes Leben ausgerichtet auf die Menschen, denen er begegnet ist. Er hat sich als Person in den Hintergrund gestellt und immer betont, daß Gott es ist, in dessen Auftrag er wirkt. Und er ist seinen Weg konsequent zuende gegangen. Dieses Ende war aber nicht am Kreuz, sondern an Ostern. Ohne Ostern wäre Karfreitag sinnlos gewesen. Und ohne Karfreitag wäre Ostern nie möglich geworden.
Durch seine Auferstehung hat Jesus nicht nur dem körperlichen Tod die Macht genommen, sondern er hat die bösen Geister besiegt, die unser Leben beherrschen wollen, versklaven, sinnlos machen. Er hat uns den wahren Sinn unseres Lebens gezeigt, das über den eigenen Horizont hinausblickt.
Das alles war nur möglich durch sein Leiden und Sterben, ehe es zum Sieg über die Sinnlosigkeit kommen konnte.
Daran wollen wir in dieser Zeit denken, aber wir dürfen es in Dankbarkeit tun.
Wenn wir - nun - miteinander das Abendmahl feiern, dann tun wir das im Gedenken daran, daß er sich hingegeben hat wie ein unschuldiges Lamm. Sein Leib und Blut ist eben unvergleichlich mehr wert als alles Gold und Silber.
Damit hat er neue Maßstäbe gesetzt, die unserem Leben neuen Sinn und neue Kraft geben sollen. Er ist mit seinem Geist bei uns alle Tage. Und er ist mit seinem für uns geopferten Leib und Blut ganz gegenwärtig. Das soll uns Kraft und Mut geben für jeden neuen Tag unseres Lebens. Amen.

Verfasser: Prädikant Martin Bender, Südring 98, 55128 Mainz

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