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Offenbarung des Johannes

von Christine Knoll (Herrenberg)

Predigtdatum : 10.12.2023
Lesereihe : VI
Predigttag im Kirchenjahr : 2. Advent
Textstelle : Offenbarung 3,7-13
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Wochenspruch: "Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!" (Lk 21,28)

Psalm: 80,2.3b.5-6.15-16.19-20

Predigtreihen

Reihe I: Jesaja 35,3-10
Reihe II: Lukas 21,25-33
Reihe III: Jakobus 5,7-8(9-11)
Reihe IV: Jesaja 63,15-64,3
Reihe V: Hohelied 2,8-13
Reihe VI: Offenbarung 3,7-13

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 11,1-3 Wie soll ich Dich empfangen
Wochenlied: EG 7,1-7 Heiland, reiß die Himmel auf
Predigtlied: EG 11,4-7 Ich lag in schweren Banden
Schlusslied: EG 4,1.2.5 Nun komm, der Heiden Heiland

Predigttext: Offenbarung 3,7-13

7 Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, und der zuschließt, und niemand tut auf: 8 Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. 9 Siehe, ich werde einige schicken aus der Versammlung des Satans, die sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern lügen. Siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. 10 Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen. 11 Ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme! 12 Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. 13 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Predigt

I. Es herrscht Kampf in der Welt

Liebe Gemeinde!

Es herrscht Kampf in der Welt – machen wir uns nichts vor.

Und dabei hätten wir’s in der Adventszeit so gerne anders – und brauchen es nötig im stressigen Jahresablauf.

„Macht hoch die Tür,
die Tor macht weit“.

Die alten, schönen Adventslieder - die 4 Kerzen am Adventskranz oder Adventsgesteck - ein Türchen öffnen am Adventskalender, um dem Weg auf Weihnachten hin Strukturen zu geben - Adventsmusik - lebendiger Adventskalender mit Begegnungen im Dorf - Proben fürs Krippenspiel - Texte zur Besinnung aus dem „Anderen Advents-Kalender“.

Wir brauchen Ruhe im Stress. Wir brauchen gute Aussichten als Gegengewicht gegen die schlimmen Nachrichten von überall in der Welt. Wir suchen Gemeinschaft, wenn sonst oft die Tage einsam sind. Wir brauchen die gute Botschaft: Gott kommt in unsere Welt – als kleines Kind im Stall von Bethlehem.

Wir freuen uns jedes Jahr darauf.

Doch es herrscht Kampf in der Welt. Der Krieg in der Ukraine mit so vielen Opfern, so viel Zerstörung – es sieht nicht so aus, als nähme er ein baldiges Ende.

(ich schreibe diese Zeilen im Juli 2023, in den Tagen des Nato-Gipfels in Vilnius).

Der Klimawandel macht sich bemerkbar in immer neuen Klima-Extremen und Klimakatastrophen. Und wie damit umzugehen sei, führt zum Streit in der Regierung, zum Streit in Familien um den Umgang mit „Klimaklebern“, zu Fluchtbewegungen, die sich nicht aufhalten lassen. Der Umgang mit Migration führt zu Spaltungen in der Gesellschaft, die die Demokratie bedrohen.

Und in den Kirchen, in den Gemeinden? Da macht sich oft eher Resignation breit – wir werden weniger. Pfarrstellen werden gestrichen. Kirchengebäude müssen aufgegeben werden. Freie Gemeinden haben Zulauf, aber die traditionellen werden älter und weniger. Das ist der Kampf darum, nicht in Resignation zu verfallen. Und diese Entwicklungen lassen sich ja auch in der Adventszeit nicht „draußen vor der Tür“ halten. Also auch bei uns: Es herrscht Kampf.

II. Wie war das damals, als das Buch der Offenbarung des Johannes entstand?

Damals – am Ende des 1. Jahrhunderts, da waren die jungen Christengemeinden sehr bedrängt. Die römischen Kaiser installierten den Kaiserkult, um das multikulturelle römische Reich zusammenzuhalten. Wer nicht dabei mitmachte, den Kaiser als „Herr und Gott“ anzureden, zog Misstrauen und Verdächtigungen auf sich. Der Seher Johannes saß in der Verbannung auf der Gefangeneninsel Patmos. Und wie wir es aus den Erzählungen vom Nationalsozialismus kennen, war natürlich die Frage: Wie strikt enthalte ich mich jeglicher Angleichung an das politisch Geforderte und nehme dafür Gefahr für Leib und Leben für mich, aber auch für die Familie in Kauf? Wieviel Kompromisse bin ich bereit zu schließen, um diesen Verfolgungen zu entgehen?

Dass das zum Konflikt in den Christengemeinden führte, ist klar. Standhaft bekennen oder Kompromisse schließen – was ist für Christen gefordert?

In den Sendschreiben an die 7 Gemeinden in Kleinasien, die am Beginn des Buches der Offenbarung stehen, wird klar, wie verschieden die Gemeinden in dieser Konfliktsituation leben.

Der Seher Johannes kennt wohl die Situation in den Gemeinden. Er möchte sie stärken, ihnen Mut machen mit symbolischen Bildern, die sie aus der hebräischen Bibel kennen. Er will sie aber auch zurechtweisen. In den Sendscheiben lesen wir zum Beispiel: „Ihr kommt euch reich vor – seid aber in Wahrheit ärmlich“, oder „Ihr kommt euch lebendig vor, seid aber in Wahrheit tot“. So heißt es da über andere Gemeinden.

III. Und Philadelphia?

Über diese Gemeinde hören wir nur ein Lob. „Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann“ (spricht der Heilige, der Wahrhaftige, der die Schlüssel des Reiches hat), denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.“

Was für ein Lob! Was für eine Zusage!

Das berührt mich: „Du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet, deshalb habe ich vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann.“

Da wird also eine Gemeinde nicht wegen ihrer großen Kraft gelobt, oder wegen ihrer starken Ausstrahlung, oder wegen ihres großen Erfolgs. Sondern da wird in den Vordergrund gerückt, was sonst schamhaft verschwiegen wird: „Du hast eine kleine Kraft“. Und um so größer leuchtet das Lob: „Aber du bist treu geblieben.“

Ihr mit eurer kleinen Kraft seid treu geblieben. Ihr habt Gottes Wort bewahrt. habt euch treu zum Gottesdienst getroffen, habt nicht mitgemacht bei den attraktiven Festen und Feiern und Angeboten für großes Ansehen. Wahrscheinlich hattet ihr oft das Gefühl, dass eure Kraft zu klein sei, dass ihr zu wenige seid, dass euch alle Türen verschlossen seien.

Aber Gott, der Heilige und Wahrhaftige offenbart euch Erfreuliches: ER hat euch die Tür aufgetan – die Tür zu seinem Reich. Dort werden alle Tränen abgewischt. Dort hört alle Gewalt auf. Dort gibt es keine Angst mehr vor Unterdrückung, Gemeinheit und Hass.

Und niemand kann diese Tür zuschließen. Menschen nicht, Konfliktparteien nicht, Leute, die sich ihrer Kraft rühmen, nicht, Kaiser nicht, ja auch die Mächte, die euch von Gott abschneiden möchten, nicht. „Niemand kann diese Tür abschließen.“ Gottes Kraft ist stärker. Das werdet ihr erfahren.

Darum gilt: Bewahrt diese Treue! Haltet durch, auch mit eurer kleinen Kraft! Die offene Tür, der Siegeskranz, um es im Bild des Wettlaufs zu sagen, die Krone, sie könnte euch verlorengehen oder genommen werden. Haltet durch! Denn „ich komme bald – spricht der Heilige, der Wahrhaftige; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!“

IV. Eure kleine Kraft

Liebe Gemeinde!

Das sind starke Bilder, die uns da begegnen, überall in der Offenbarung. Starke Bilder, auch befremdliche Bilder zum Teil. Bilder, die sich nicht eins zu eins in unsere Wirklichkeit und in unser Denken übertragen lassen. Bilder von dem, was kommen wird, wenn einmal aller Kampf und alle Gewalt, die jetzt unsere Welt bestimmen, überwunden sein werden.

Vielleicht können Menschen mehr mit diesen Bildern in Kontakt sein und sich darin wiederfinden, deren Leben bedroht ist. Menschen, die manchmal nur noch nach Frieden, nach Gerechtigkeit, nach Erlösung schreien können? Zu ihnen mögen diese Bilder direkter sprechen.

Aber auch mich berühren diese Worte. „Ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.“

Wie stark breitet sich in unseren Gemeinden zurzeit manchmal die Resignation aus: Wir werden immer kleiner und unwichtiger. So viele treten aus der Kirche aus, fangen nichts mehr mit dem Glauben an. Oder sie sind einfach wütend über die Heuchelei, dass Nächstenliebe gepredigt wird und Missbrauch geübt und gedeckt wird. Wir sind nur ein paar Alte im Gottesdienst, heißt es oft.

Wo ist da noch Kraft? Wo ist da noch Mut? Wo ist da noch Heiliger Geist spürbar?

Und dann höre ich dieses Wort: „Du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt. Vor dir habe ich eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann.“

Da höre ich heraus: Ja, es mag gut und ermutigend sein, wenn es große Gottesdienst-Events gibt, die auch jüngere Menschen begeistern. Aber ihr mit eurer kleinen Kraft – ihr wenigen, die ihr treu betet füreinander, die ihr treu eure Losungen lest, die ihr euch im kleinen Hauskreis austauscht, die ihr treu zum Gottesdienst kommt, die ihr treu zum Posaunenchor oder zum Kirchenchor kommt, ihr, die ihr treu die Kirche sauber haltet und schmückt, ihr, die ihr treu im Kirchengemeinderat Verantwortung übernehmt – euch nimmt Gott mit Freude wahr.

Eure kleine Kraft ist eine Kraft. Sie kann von Gott immer wieder erneuert werden. Diese kleine Kraft, wenn ihr sie nicht verachtet, sondern euch treu darin unterstützt, wenn ihr immer wieder neu um Gottes Kraft bittet – diese kleine Kraft reicht, die bereits aufgeschlossene Tür zum Himmelreich zu öffnen.

Manchmal zweifeln wir daran. Da ist es gut, wenn wir uns immer wieder austauschen mit Freunden in Ostdeutschland, die in den Zwängen des DDR-Regimes als Christengemeinden durchhalten mussten. Oder wenn wir im Freundesbrief des Gustav-Adolf-Werkes lesen, wie kleine Gemeinden in Minderheitskirchen so viel Mut und Einsatz zeigen in der Flüchtlingsarbeit in Griechenland, in der Ukraine, in Russland …

Gesegnet ist die kleine Kraft, die aus der der Kraft Gottes und aus der Kraft des Wortes Gottes sich speist.

Möge uns die Erinnerung an diesen Segen durch die Adventszeit 2023 begleiten.

Amen.

Verfasserin: Christine Knoll, Pfarrerin i. R., Herrenberg


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