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Rechenschaft

von Martin Bender (55128 Mainz-Bretzenheim)

Predigtdatum : 17.11.1999
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Buß- und Bettag
Textstelle : Matthäus 12,33-35.(36-37)
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Wochenspruch:

Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben. (Spr. 14,34)

Psalm: 51,3-14 (EG 727)

Lesungen

Altes Testament:

Jesaja 1,10-17

Epistel:

Römer 2,1-11

Evangelium:

Lukas 13, (1-5) 6-9

Liedvorschläge

Eingangslied:

EG 390

Erneure mich, o ewigs Licht

Wochenlied:

EG 144

oder EG 146

Aus tiefer Not laßt uns zu Gott

Nimm von uns, Herr, du treuer Gott

Predigtlied:

EG 404,1-3+8

Herr Jesu, Gnadensonne

Schlußlied:

EG 289,4+5

Nun lob, mein Seel, den Herren

Predigt-Thema: Rechenschaft

Liebe Gemeinde!

Buß- und Bettag - was ist das eigentlich? - Ist das ein Tag, an dem wir wenigstens einmal im Jahr büßen und beten sollen? Wir kennen das ja, daß sich in früheren Jahren am Arbeitsplatz Kollegen in den arbeitsfreien Tag zu verabschieden pflegten mit der Bemerkung: “Na, dann büß’ und bet’ ‘mal schön!”

Andererseits dürfte da noch ein ganz anderer Irrtum bestehen: Viele Menschen sind der Meinung, an diesem Tag müsse man besonders traurig und zugeknöpft sein. Ist das wirklich so? - Und wie kam es überhaupt zu diesem Feiertag?

Ende der 50er Jahre kam Martin Niemöller einige Male zu diesem Tag nach Berlin und hielt in der großen Kongreßhalle vor Tausenden von Studenten aus beiden Teilen Berlins einen Vortrag zum Thema Buße. “Weitermachen!” hieß einmal das Thema des Tages - Weitermachen im Vertrauen auf Gott.

Da erklärte er auch den Ursprung dieses Tages. Es war der Kaiser, der vor etwa 100 Jahren einen Tag einrichtete, an dem einmal im Jahr nicht Siege und Erfolge gefeiert werden sollten, sondern die Menschen sollten einen Tag zur inneren Einkehr und zur besonderen Besinnung auf Gott haben. Im Lauf der Generationen war uns inzwischen dieser Tag zur Selbstverständlichkeit geworden, bis er vor einigen Jahren wieder abgeschafft wurde. Aber brauchen wir als Christen überhaupt so einen besonderen Tag - sind wir nicht täglich aufgerufen zu büßen und zu beten? - oder richtiger: zur Buße und zum Gebet?

“Das sollst du mir büßen !” - Ist das nicht ein gängiges Wort? - Und Bußgeld-Bescheide sind heute an der Tagesordnung. Das Wort Buße hat im Laufe der Zeit einen völlig anderen Sinn bekommen. Buße heißt Umkehr, Sinneswandel. Buße zu tun, das heißt, sich zu besinnen auf das eigene Leben im Angesicht Gottes. Sinneswandel bedeutet dann, daß wir unser Leben, unser Tun und Denken mit neuen Augen sehen, daß wir versuchen, es ein wenig so zu sehen, wie es vor Gott aussehen könnte.

Dies zu bedenken, soll uns unser heutiger Text helfen. Da lesen wir bei Matthäus im 12. Kapitel:

33 Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein; oder nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an der Frucht erkennt man den Baum. 34 Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. 35 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz. [36 Ich sage euch aber, daß die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben. 37 Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.]

Hier werden wir mit einem Baum verglichen.

Wie wichtig Bäume für unser Leben sind, das erfahren wir seit einigen Jahren immer deutlicher in der Diskussion um das Waldsterben und Klima-Entwicklung. Wie sehr aber schon in früheren Jahren die Menschen sich der Bedeutung des Baumes als Sinnbild für das menschliche Leben bewußt waren, das sehen wir an so manchen Sprichwörtern und Volksweisheiten:

* Die Bäume werden schon nicht in den Himmel wachsen - also wird auch jedes menschliche Verhalten seine Grenze finden.

* Aus einem abgestorbenen Baum wird immer noch ein brauchbarer Balken - auch ein scheinbarer Taugenichts ist eben doch noch ein brauchbarer Mensch.

* An den Früchten merkt man, wie ein Baum gepflegt wird - von keinem Menschen kann man mehr erwarten, als man ihm an menschlicher Zuwendung gegönnt hat.

Wir kennen auch die Geschichte vom Feigenbaum, die Jesus erzählt hat. Da einigt sich der Besitzer mit dem Verwalter, daß der Baum noch ein Jahr Frist bekommt. Wenn dann immer noch keine Frucht zu sehen ist, dann ist Schluß - Ende - Aus. Ein Baum, der keine brauchbare Frucht bringt, der taugt eben allenfalls als Nutzholz oder Brennholz, sofern er nicht auch dafür schon zu morsch ist.

Wer unter den Älteren von uns noch in einer waldreichen Gegend gelebt hat, wo man noch mit dem Holz aus dem Wald zu heizen pflegte, der erinnert sich vielleicht noch daran, daß von abgestorbenen Bäumen festgestellt werden mußte, die seien ja nicht einmal mehr gut für den Ofen. Da ist keine Substanz mehr drin, die Energie bringt, nicht einmal mehr in Form von Wärme an kalten Tagen.

Es ist die innere Energie, die darüber entscheidet, ob aus einem Stamm gute Früchte kommen.

In unserem Text bringt Jesus als einziges Beispiel für die guten und schlechten Früchte unser Reden. Das hat seinen Sinn. Denn in unserem Reden zeigt sich unser Wesen. Wir haben vorhin im Sündenbekenntnis miteinander bekannt, “daß wir gesündigt haben mit Gedanken, Worten und Werken...” - Unser Tun besteht in allen drei Teilen: Gedanken, Worte, Werke. Da hat jede Form ihre Besonderheiten. - Böses zu tun, davor scheuen wir glücklicherweise oft zurück, gerade dann, wenn es uns so ganz danach zumute ist, etwas zu tun, das eben nicht recht ist. Da kommen Hemmungen auf. Da haben wir noch eine natürliche Bremse, unser Gewissen. Was wir an Unrecht getan haben, das ist geschehen. Das Ergebnis sieht man in der Regel.

Anders ist es bei Gedanken und Worten. Auch mit den Gedanken hat es so seine Besonderheit. Wer von uns ist wirklich Herr über seine Gedanken? - Wie oft ertappen wir uns dabei, wenn unsere Gedanken davonfliegen in Bereiche, die nicht zur Sache gehören, oder die in irgend einer Weise nicht recht sind? Wenn in uns stiller Zorn oder gar Haß aufsteigt oder Ablehnung oder gar Verachtung gegen andere Menschen?

Es ist eine alte Erfahrung der Menschen, und die Bibel weiß davon zu reden, daß sich da im Verborgenen so mancherlei abspielt.

In unserem Text geht Jesus darauf nicht ein. Er spricht hier nur von den Worten, in denen sich das Wesen des Menschen offenbart. Daß er sich hier so ganz auf das Reden der Menschen konzentriert, hat seinen Hintergrund darin, daß er sich wieder einmal im Streitgespräch mit den Pharisäern befindet. Auch unter denen gab es ernsthafte Gottsucher und fromme Menschen. Aber es gab eben auch solche, die immer wieder mit Häme Jesus und anderen Menschen Fallen zu stellen versuchten. Sie waren hinterhältig in ihrem Reden. Hier kommt es deutlich zutage, welcher Geist sie treibt.

Jesus sagt hier auch: “Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.” Wo das Herz leer ist, da kann auch der Mund nichts sagen.

Es kann in diesem Zusammenhang nicht darum gehen, daß wir nicht auch einmal miteinander streiten sollten. Wo Differenzen zwischen uns bestehen, da müssen wir sie beim Namen nennen. Es kommt aber darauf an, wie wir es tun. Auch Jesus hat mit den Menschen gestritten, aber er hat es offen getan und nicht hintenherum. Und er hat keine unberechtigten Vorwürfe gemacht, und er hat Menschen nicht diskriminiert. Er hat Unrecht beim Namen genannt, und er hat seine Position verteidigt. - Es kommt auf die Art unserer Rede an.

Es kommt darauf an, wie wir unsere Mitmenschen, über die wir reden, und mit denen wir reden, so ernst nehmen, wie Gott sie und uns ernst nimmt, und wie wir selbst ernst genommen werden wollen. Ob wir fair miteinander umgehen. Das gelingt uns nicht immer. Aber immer öfter soll es uns gelingen. Dazu sollen wir uns besinnen auf den Ursprung unseres Lebens, auf den Steuermann, dem wir unser Denken anvertrauen können, denn jedes Denken kommt aus dem Denken.

“Metanoeite” rief der Prediger in der Wüste, Johannes der Täufer, den Menschen zu. “Ändert euren Sinn!” - umkehren, sich auf Gott zu besinnen, auf seinen Willen, den eigenen Willen ihm unterzuordnen, das ist Buße. Unseren eigenen Sinn, unseren Eigensinn an ihm neu zu orientieren, das ist Umkehr. Dazu will uns dieser Tag Gelegenheit geben und uns die Stille der Besinnung bieten.

Das geht nicht ohne Gebet. Gebet ist Zwiesprache mit Gott. Es ist aber auch das Sichhinein-Versenken in das Wissen um seine Gegenwart. Es ist die ständige Verbindung mit ihm. Und die kann im Einzelfall auch ganz wortlos sein.

In der Geschichte vom Feigenbaum hat der Besitzer noch einer Gnadenfrist zugestimmt. Wir leben ständig in einer solchen Gnadenfrist. Darauf dürfen wir vertrauen; wir brauchen sie nur wahrzunehmen, um uns neu zu orientieren.

Diese Gnadenfrist läuft nicht ewig. Beim Feigenbaum war sie ein Jahr. Bei uns kann sie länger oder kürzer sein. Das kommt darauf an, wieviel Zeit wir noch zu leben haben.

Am nächsten Sonntag ist Ewigkeitssonntag. Da werden wir auch an unseren eigenen Tod zu denken haben. Hier in unserem Text sagt Jesus, daß die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben. Damit sind nicht einfach harte Worte gemeint und streitbare Worte die einer Klärung dienen, oder die sich gegen Unrecht wenden. Es sind die Worte, die keinen Nutzen bringen, sondern Schaden.

Noch haben wir Zeit, wir leben in der Gnadenfrist, in der wir unseren Sinn so wandeln können, daß er unsere Reden positiv beeinflußt. Gottes Geist will uns dabei helfen und leiten. Das hat Jesus uns zugesagt.

Aufgrund dieser Zusage und Gewißheit brauchen wir auch nicht mehr traurig zu sein an diesem Tag. - Besinnlich ja, aber nicht traurig, sondern zuversichtlich, daß er uns zur Umkehr helfen wird durch seinen Geist und sein Wort. Das darf uns froh machen. Amen.

Verfasser: Prädikant Martin Bender, Südring 98, 55128 Mainz-Bretzenheim


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