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Verklärung

von Ursula Wolf (39340 Haldensleben)

Predigtdatum : 09.02.2003
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 4. Sonntag vor der Passionszeit
Textstelle : Matthäus 17,1-9
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Wochenspruch:

Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60,2)

Psalm: 97

Lesungen

Altes Testament:
2. Mose 3,1-10 (11-14)
Epistel:
2. Korinther 4,6-10
Evangelium:
Matthäus 17,1-9

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 389,1-5
Ein reines Herz, Herr, schaff in mir
Wochenlied:
EG 67
Herr Christ, der einig Gotts Sohn
Predigtlied:
EG 404,1-2.6-8
Herr Jesu Gnadensonne
Schlusslied:
EG 395,1-3
Vertraut den neuen Wegen

1 Nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg.
2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 4 Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.
9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Vorüberlegungen
Unser Text führt uns ganz dicht an eine Begegnung der Jünger mit dem auferstandenen Christus heran. Matthäus hat in seinem Evangelium hier im 17. Kapitel die Erfahrungen der Jünger mit dem auferstandenen Christus schon vorweggenommen. Jesus erscheint als der ganz Andere, der Verwandelte, der Verklärte. Die Wolke erinnert bibelkundige Christen auch an die Erfahrungen des Volkes Israel in der Wüste. Mose stieg zum Empfang der Gebotstafeln auf einen Berg und Gott begegnete ihm in einer Wolke (so 2. Mose 19 und öfter im 2. Mosebuch). So spricht hier der allmächtige Gott selbst eingehüllt in die Wolke den zentralen Satz des Bibelabschnittes aus: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt Ihr hören”.
Und dieser Satz soll die Predigthörer in ganz besonderer Weise ansprechen: Hören wir auf Jesus in unserem Leben? Sind wir bereit zu einer Begegnung mit dem Auferstandenen?
Lassen wir uns von Jesus auf einen Weg mitnehmen, der unser Leben verändert? Das Besteigen eines Berges kann sein wie das Aufbrechen aus dem Alltag hin zu einem Ort, der Ruhe und Überblick im Leben schenkt. So wie der Blick von einem Berg Übersicht verschafft, so kann sich das Leben eines Christen verändern. Persönliche Probleme im Leben werden relativ. Nur den Augenblick der Begegnung mit Jesus Christus können wir nicht festhalten. Der Bau der Hütten als Begegnung mit der himmlischen Welt kam nicht zustande.
Es kann die Aufgabe für uns Christen sein, für Jesus den auferstandenen Herrn eine Hütte in unseren Herzen zu bauen.

Liebe Gemeindeglieder!
Steigen Sie gern mal auf einen hohen Berg? Meist ist so ein Gang mit etwas Anstrengung verbunden. Aber mit jedem Schritt gehen wir ein Stück weit von unseren Alltagsproblemen weg. Der Weg ist mühsam und anstrengend. Unsere ganze Kraft wird gefordert. Und so rücken die Stressfaktoren des Alltages weit von uns weg. Und dann sind wir oben auf dem Berg endlich angekommen. Befreit schauen wir uns um und haben bei gutem Wetter einen weiten Blick. Vieles wird klar und übersichtlich. Und wir sind offen für neue Eindrücke. Vielleicht auch für neue Einsichten?
Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs. Allein mit Petrus, Jakobus und Johannes steigt er auf einen hohen Berg. Sie sind allein in rauer und schöner Natur. Und dann geschieht das völlig Ungewöhnliche, Unerwartete. Jesus wird von Gott verwandelt, verklärt.
Wir lesen bei Matthäus: Jesu Angesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Jesus wird verklärt, verwandelt. Das heißt Jesus begegnet den Jüngern in einer völlig neuen Gestalt. Diese Formulierung kennen wir auch aus anderen Bibelabschnitten. Vielleicht fühlen Sie sich an die Ostergeschichte des Evangelisten Matthäus im 28. Kapitel erinnert? In ihr besuchen Maria von Magdala und die andere Maria Jesu Grab. Und dann tritt der Engel des Herrn in weißen Gewändern auf. Der Bote Gottes, der Engel des Herrn kommt herab aus dem Himmel nach einem großen Erdbeben. Er tritt herzu und wälzt den Stein vom Grab weg. Und seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.
Weiß ist die Farbe der himmlischen Herrlichkeit. Weiß ist hier ein Symbol, ein Abbild von Gottes ganz anderer Welt. So können auch wir den Vergleich verstehen, dass Jesu Angesicht wie die Sonne strahlt. Die Sonne hat ein intensives helles Licht. Wir können dieses Licht nicht lange ertragen.
Erinnern Sie sich noch an die totale Sonnenfinsternis vom 11. August 2000? Damals wurden spezielle Sonnenbrillen verteilt, um das Sonnenschauspiel sicher zu beobachten. Wer ungeschützt und lange in die Sonne schaut, verletzt sich selbst. Wir können nicht lange in die Sonne schauen, und so ist es auch mit Gott. Wir können seiner Größe und Herrlichkeit nicht direkt ins Gesicht sehen.
Kein Mensch hat Gott je direkt gesehen. Eigentlich leiden wir Menschen schon darunter, Gott nicht sehen und fassen zu können. Aber es geht wirklich nicht. Selbst Mose begegnet Gott auf dem Gottesberg Sinai nicht direkt.
Dort ist Gottes Angesicht in einer Wolke verhüllt. Wir Menschen können die direkte Begegnung mit Gottes anderer Welt einfach nicht aushalten. Darum finden die Verfasser der Bibel immer wieder Umschreibungen und schöne sprachliche Bilder. Mit dem Bild der Wolke wird Gottes verhüllte Gegenwart beschrieben. Und diese Begegnung mit dem allmächtigen Gott ist vielschichtig und vielgestaltig.
Zur Erscheinung Gottes kommen noch andere Personen kurzfristig dazu. Elia und Mose treten Jesus zur Seite. Die beiden, Elia und Mose, verkörpern die vollständige Himmelswelt. Oder vielleicht stehen sie auch für das Volk Israel. Elia ist einer der bedeutendsten Propheten. Auch ihm ist Gott schon selbst begegnet. In einem leisen Säuseln, in einem Windhauch. Und Mose ist der bedeutendste Lehrer des Volkes Israel. Als Überbringer der 10 Gebote vom Sinai steht Mose für das Einhalten von Gottes Geboten ein. Er hat in Gottes Auftrag das Volk Israel durch die Wüste begleitet.
Mose und Elia sind natürlich lange tot, als Jesu Wirken auf dieser Welt begonnen hat. Aber andererseits glauben wir Mose und Elia in Gottes himmlischer Herrlichkeit aufgehoben. Und so erscheint Jesus zusammen mit ihnen und den Jüngern. Den Jüngern begegnet Gottes schöne und unfassbare Welt, in der alles gleichzeitig ist. Und diese Gleichzeitigkeit ist ein Wunder, liebe Gemeinde. Diese Gleichzeitigkeit können wir Menschen uns nicht erklären. Wir können dieses Wunder nicht begreifen. Wenn Gott zu uns kommt ist alles anders und wunderbar. Die Begegnung mit Gott ist ein Geheimnis. Da stehen Menschen staunend und vielleicht erschrocken davor.
Die Verklärung Jesu, die Verwandlung Jesu in die himmlische Gestalt ist in der orthodoxen Kirche ein wichtiges Fest. Und sie führt Menschen zur Anbetung, zum Lobpreis und zum innigen Gebet.
Aber nicht für alle Menschen ist solche Anbetung möglich. So ist es bei den Jüngern. Sie können diese Begegnung mit dem verwandelten Herrn nicht verstehen. Matthäus berichtet uns das so: Die Jünger fielen auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Diese Strahlung von Jesu Angesicht, dieses gleißende Licht, diese wunderbare Ausstrahlung! Dieses Geheimnis können die Jünger einfach nicht verstehen. Sie fielen auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Sie können die Begegnung mit dem göttlichen Jesus Christus einfach nicht aushalten.
Nur Petrus versucht für sich die Lage in den Griff zu bekommen. Er fragt Jesus: Sollen wir für Euch drei Hütten bauen? Dir eine, Jesus, Elia eine und Mose eine? Petrus scheint die Situation zu begreifen. Und er will diese wunderbare Erfahrung festhalten. Mose, Elia und Jesus sollen nun hier für alle Zeiten in Hütten wohnen. Aber das geht nicht. Wir Menschen können Gottes himmlische Herrlichkeit nicht auf der Erde festhalten. Gottes himmlische Herrlichkeit ist für uns Menschen nicht verfügbar. Gott lässt sich nicht in unsere Hütten einsperren. Und Gott lässt sich nicht von uns für alle Zeit bewahren. So entschwindet diese Verklärungs-Erscheinung den Jüngern so schnell, wie sie gekommen ist. Und Jesus geht mit seinen Jüngern allein den Berg hinab.
Liebe Gemeinde! Und was ist uns nun heute geblieben? Wir leben viele hundert Jahre nach der Erscheinung Jesu auf dieser Erde! Alles ist schon so lange her. Was bleibt uns? Darauf gibt es schon eine sehr gute Antwort. Sie heißt: Auch wir Menschen von heute können auf die Stimme Gottes hören. Denn die Stimme Gottes, diese Botschaft, ist die gleiche geblieben. Sie lautet: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Den sollt ihr hören.“
Auch wir Menschen von heute können Jesus hören. Jesus ist als wirklicher irdischer Mensch durch die Lande gezogen und hat Gottes Willen gepredigt und weitergesagt. Und diese Botschaft hat er seinen Jüngern anvertraut. Wir lesen Jesu Worte in der Bergpredigt. Dort hören wir die Worte:
„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“
Hören auch wir, was Jesus zu uns sagt? Wir Menschen von heute haben eine schöne Aufgabe. Selig seid ihr Friedfertigen, Sanftmütigen und Barmherzigen. Das ist die Gesinnung Jesu. Mit Friedfertigkeit und Sanftmut ist Jesus auf andere Menschen zugegangen und hat ihnen geholfen. Kranken und einsamen Menschen ist Jesus nahegewesen. Hören auch wir die Botschaft? Erkennen auch wir die Einsamkeit unseres Nachbarn? Vielleicht wohnt er auch drei Straßen weiter. Auf einsame Nachbarn hören heißt, Jesu Gesinnung zu leben. Habe ich ein Herz für Menschen in Not? Dann höre ich im anderen Menschen auch unseren auferstandenen Herrn Jesus Christus. Denn Christus hat sich über Leidende erbarmt. Er hat auf Menschen gehört.
Liebe Gemeinde! Wenn wir auf andere Menschen hören, dann bauen wir eigentlich eine Hütte für den Auferstandenen Christus in unseren Herzen: Hören wir auf Christus? Sind wir offen für ihn? Dann ist unser Herz eine Hütte für Jesus Christus. Und diese Hütte ist nicht mit Händen gemacht. Diese Hütte, unser Herz, ist auch nicht verfügbar. Man kann diese Hütte nicht einbetonieren, wie ein festes Haus. Aber hier in unserem Herzen findet eine lebendige Begegnung mit Gott statt. Unsere offenen Ohren sind die beste Hütte für Gott. Und die möge uns Gott heute schenken. Amen.

Verfasserin: Pfrn. Ursula Wolf, Dieskaustr. 16, 39340 Haldensleben

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