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Verklärung

von Thomas Hessel (60311 Frankfurt)

Predigtdatum : 16.01.2005
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 4. Sonntag vor der Passionszeit
Textstelle : 2. Mose 3,1-10.(11-14)
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Wochenspruch:

Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60,2)
Psalm: 97

Lesungen

Altes Testament:
2. Mose 3,1-10 (11-14)
Epistel:
2. Korinther 4,6-10
Evangelium:
Matthäus 17,1-9

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 9
Nun jauchzet, all ihr Frommen
Wochenlied:
EG 67
Herr Christ, der einig Gotts Sohn
Predigtlied:
EG 72
O Jesu Christe, wahres Licht
Schlusslied:
EG 459,3
Lasst wandeln uns in diesem Licht

Hinführung:
Im Mittelpunkt von 2. Mose 3,1-15 steht die Berufung des Moses. Er, der zuvor die Schafe seines Schwiegervaters Jethro gehütet hat, wird durch die Anrede Gottes aus dem Dornbusch heraus zur zentralen Gestalt für sein ganzes Volk und für alle, die bis heute auf den Gott der Bibel ihr Vertrauen setzen. Die Predigt soll die Bewegung des Textes nachzeichnen von der Alltagstätigkeit des Moses zur Begegnung mit Gott und deren Folgen.
Moses treibt seine Herde über die Grenze der Steppe hinaus. Er wagt den Weg ins Unbekannte hinein: Und er gelangt so mit seiner Herde bis in das Gebiet des Horeb, der später auch Sinai genannt wird. Im Gebiet dieses heiligen Berges kommt es zur Begegnung mit Gott. Moses sieht einen Busch, der brennt, aber nicht von den Flammen verzehrt wird. Neugierig geworden, begibt er sich hin zum Ort des Geschehens.
Die Gottesbegegnung verändert schlagartig sein ganzes Leben, denn die Stimme aus dem brennenden Busch ruft ihn mit Namen. Wer von uns wäre da nicht überrascht. Moses auf jeden Fall reagiert sofort und stellt sich Gott ganz zur Verfügung. Moses ist offen für das Außergewöhnliche. Er hört die Stimme und ist überwältigt.
Ähnlich überwältig war Blaise Pascal in der Nacht von 23. auf den 24. November 1653: Gott offenbart sich ihm in einem großen Feuer, das er in sich spürte, Als beständige Selbstvergewisserung hat Pascal dieses Erlebnis aufgeschrieben: eingenäht in sein Rockfutter, hat er den Zettel sein ganzes weiteres Leben bei sich getragen. –
In der Predigt soll deutlich werden, dass Gott uns bis heute erreichen kann und will durch sein Wort. Sein Wort kann bis heute in uns das Feuer seiner Offenbarung entfachen. Moses, auf jeden Fall, ist zutiefst ergriffen. Ich möchte den heutigen Hörern anhand des Bibeltextes etwas vermitteln von der Heiligkeit Gottes, dessen Name „Jahwe“ für uns bis heute Offenbarung und Rätsel zugleich ist. Gott lässt sich nicht „handhabbar“ machen für uns Menschen, vielmehr bleibt er immer der Transzendente.

Liebe Gemeinde,
Gott selbst setzt sich in Beziehung zu uns. Er klagt nicht zuerst an. Er straft nicht, sondern er sieht uns und ist bei uns, damit wir die Verbindung zu ihm finden, Wie einst durch die Berichte und Erzählungen überliefert, spricht Gott Menschen an. In dem biblischen Text, den ich heute mit Ihnen betrachten möchte, spricht er zu Moses und ruft ihn in seinen Dienst. Hören wir zunächst einmal den Predigttext aus 2. Mose 3:
1 Mose hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. 2 Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. 3 Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. 4 Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5 Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!
6 Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 7 Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. 8 Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. 9 Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, 10 so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.
[11 Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? 12 Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge. 13 Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? 14 Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt.]
Die geheimnisvolle Selbstbenennung Gottes und sein Zuspruch dem Moses gegenüber, liebe Gemeinde, sind die wichtigsten Aussagen unseres heutigen Predigtabschnittes. Gott spricht zu Moses. Schon seit ihren Kindertagen kennen viele von uns die Geschichte des von Gott auserwählten Mannes, der sich einem eigenartig brennenden Dornbusch nähert. Als Kind hat mich gerade das fasziniert. Jedoch heute könnte ich, wenn ich mit meiner kritischen Vernunft darüber nachdenke, auf diesen Teil der Geschichte verzichten. Nicht verzichten möchte ich dagegen auf die fünf Worte, die Moses auf dem Weg zum Pharao begleiten sollen:
Ich will mit dir sein! Dieser Satz wird später auch GIDEON und JEREMIA bei deren Berufung zugesprochen. Er ist gleichsam die beste AUSRÜSTUNG, die ein eben in den Dienst Gottes Berufener erhalten kann. Das Nötige, was für jeden unbedingt dazugehört, der sich im Namen Gottes auf den Weg macht. Wer diesen Satz bei sich angenommen hat, für den sind es nicht mehr tote Worte, auch nicht Worte, die zu irgendjemand am Rand gesagt sind. Sie richten sich an uns als ganze Menschen. Gott lässt uns nicht alleine, er überlässt uns nicht unserem Schicksal.
Was immer uns betrifft, wir dürfen es vor Gott ausbreiten im Gebet. Gott spricht noch heute zu uns durch sein Evangelium. Es sind Worte der Liebe, Worte der Annahme und des Trostes. Einer erlebt so etwas. Ich könnte es gut verstehen, wenn er sich immer wieder auf diese Worte besinnt. Ich könnte es gut verstehen, einer schreibt diese Worte auf einen Erinnerungszettel und befestigt sie an einer Stelle, wo er oft hinsehen kann. Oder er näht sie in seine Jacke ein, so dass er sie immer bei sich hat. Ich kann es mir gut vorstellen, was es für diesen Menschen bedeutet, in bestimmten Situationen diesen Zettel im Rockfutter zu spüren, ihn knistern zu hören wie ein stilles Feuer.
Solch einen Zettel hat man bei dem französischen Mathematiker und Philosophen Blaise Pascal gefunden. Es ist das berühmte „Memorial“, das Stück Papier, das die Erinnerung an jene ungeheuren Stunden in der Nacht vom 23. auf den 24. November 1653 aufbewahrte. Die Erinnerung an eine große Gewissheit und an ein Feuer, das von oben über ihn kam.
Auf diesem Zettel schreibt Pascal: „ Seit ungefähr abends zehneinhalb bis ungefähr eine Stunde nach Mitternacht Feuer! Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs; nicht der Philosophen und Gelehrten, Gewissheit, Gewissheit; Empfinden, Freude, Friede, Gott Jesu Christi; Freude, Freude, Freude; Tränen der Freude.“
Wie stark PASCAL angerührt, wie stark er entflammt war, merken wir aus diesen Worten, aus dem aufgeschriebenen Erlebnis von dem auf ihn herabgekommenen Feuer. Ebensolch ein eigenartiges Feuer hat MOSES gesehen, als er die Schafe seines Schwiegervaters Jethro hütend, neue Weideplätze im Gebirge suchte. Moses geht einer alltäglichen, profanen Beschäftigung nach, da entdeckt er das Außergewöhnliche, steht er plötzlich vor Gott. Der DORNBUSCH brennt und verzehrt sich nicht.
Wie reagiert einer, der so etwas erlebt? Viele von uns aufgeklärten neuzeitlichen Menschen denken, das darf doch nicht wahr sein. Warum eigentlich nicht? Das unterscheidet Moses von anderen Leuten, er ist neugierig und denkt bei sich: ich will dahin gehen und mir die merkwürdige Erscheinung näher anschauen! In der Feuerflamme des Busches sieht er den Engel des Herrn.
Voller Neugierde ist Moses vom Wege abgebogen. Er verschließt sich nicht! Er ist kein Mensch, der mit Scheuklappen herumliefe oder sich abgrenzte: Wer sich nur auf sich konzentriert und sich gegen die Außenwelt abdichtet, der wird Gott nie sehen. Demgegenüber heißt GLAUBE neugierig sein. Vom normalen Weg abbiegen und sich auf Gott einlassen. GLAUBE heißt auf Gott hören und auch Antwort geben, wenn Gott ruft. Gott ruft in unserem Abschnitt nicht irgend-wie, nicht ziemlich undeutlich, sondern gezielt, MOSES; MOSES!
Und GOTT ruft bis heute eine jede und einen jeden mit Namen. GOTT RUFT: Moses, Moses! Eine ganze Zeit lang sagt er nichts! Er wartet, bis Moses bereit ist zu hören, bis er hörbereit ist. Wer Gott begegnen will, der sollte für das Außergewöhnliche offen sein, und er sollte auf Gottes Ruf reagieren.
Moses antwortet, sich dem Ruf Gottes stellend: Hier bin ich! Dann spricht die Stimme zu ihm: „Ziehe deine Schuhe aus!“ Eine Geste der Ehrfurcht; aber auch ein Ritus aus dem israelitischen Gewohnheitsrecht wonach einer, der auf einen Besitz ein Vorkaufsrecht hat und darauf verzichtet, zur Bestätigung seines Verzichts seine Schuhe auszieht und dem anderen gibt; was in unserer Geschichte heißt: „Der Sinn des Lebens ist nicht nur Selbstverwirklichung, sondern Verwirklichung des Willens Gottes... nicht nur Emanzipation, sondern Selbstübereignung an Gott.“ Das ist der eigentliche Zielpunkt unserer Begebenheit. Moses ordnet seinen Willen dem Willen Gottes nach und unter, KONKRET: Gott will nicht, dass Moses sein religiöses Erlebnis, seine Gottesbegegnung wie ein Stück Privateigentum für sich behält, sondern er soll sie weitergeben an seine Stammesgenossen, die als Sklaven in Ägypten dienen.
Aus seiner unmittelbaren Begegnung mit Gott heraus, soll er Schritte zur Befreiung von Menschen tun: „So geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, dass du mein Volk aus Ägypten führst in ein schönes und weites Land, in ein Land, wo Milch und Honig fließt!“
Das Land ist nicht unbewohnt! Nein, dort leben andere Völkerschaften. Das Land, worin Milch und Honig fließen, ist das Land der Verheißung.
Der FROMME ISRAELIT hat den Namen Gottes nicht ausgesprochen; sondern immer nur umschrieben. Die Auffassung der Zeitgenossen war: Was man benennen kann, darüber kann man auch verfügen. So entzieht sich Gott hier der Verfügbarkeit. Er bleibt der Heilige. Dennoch wird bereits im ALTEN TESTAMENT immer wieder gesagt, dass er für die Unterdrückten und Leidenden eintritt. In der AUSLEGUNGSGESCHICHTE unseres Textes ist das immer wieder von Bedeutung gewesen. So haben sich die AMERIKANISCHEN NEGERSKLAVEN mit dem ISRAEL in der Knechtschaft identifiziert. So kommt es in dem Spiritual „When Israel was in Egyptsland...“ eindeutig zum Ausdruck. Dort heißt es im REFRAIN sich mehrfach wiederholend: „Let my people go!“
Heute noch tritt Gott für die UNTERDRÜCKTEN und LEIDENDEN ein. Er tritt für alle leidende und unterdrückte Kreatur ein. Von denen, die ihn suchen, will er sich finden lassen! Wer offene Ohren hat und bei ihm anklopft, dem wird Gott die Türe auftun. GOTT befreit ins Offene, jedoch nicht ins Leere, sondern in einen durch seine Wesensart der Liebe und der Barmherzigkeit bestimmten neuen Raum. Vor uns liegt das Land des Glaubens und der Fülle, GOTT ist mit uns, wie er bereits im Alten Testament mit seinem Volk Israel war.
Immer wieder bis zum Neuen Testament hin können wir das merken. JESUS ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende!! Im Glauben erfahren wir seine Nähe. Die Nähe dessen, der mit uns unterwegs ist, uns zu segnen und zu begleiten, Ich will mit dir sein! Das soll in jeder Predigt deutlich werden. Dies meint und umfasst auch der Segen, der uns am Ende jedes Gottesdienstes auf dem Weg in den Alltag zugesprochen wird. Auch an den Schnittpunkten des Lebens ist Gottes Segen wichtig und wertvoll für uns Menschen. Gottes Segen ist eine ganz grundlegende Zusage. Es ist ein größerer Schutz als ihn je jemand zu geben vermag. Gott spricht für uns! Er befreit uns jeden Tag zu einem Leben in seinem Angesicht. Und er wird sich immer neu in unserem Leben erweisen, wie er sich selber beschrieben hat. Mit einem Mal leuchten vor uns auf das Feuer seines Geistes und seiner Güte! Amen.

Verfasser: Pfr. Thomas Hessel, Brentanostr. 21, 60325 Frankfurt

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