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Verloren und wiedergefunden

von Gerhard Schäberle-Koenigs (Bad Wildbad-Aichelberg)

Predigtdatum : 28.06.2020
Lesereihe : II
Predigttag im Kirchenjahr : 3. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Micha 7,18-20
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Wochenspruch: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukas 19,10)

Psalm: 103,1-13 (EG 742)

Predigtreihen

Reihe I: 1. Timotheus 1,12-17
Reihe II: Micha 7,18-20
Reihe III: Lukas 15,1-10
Reihe IV: Hesekiel 18,1-4.21-24.30-32
Reihe V: Jona  (3,10);4,1-11
Reihe VI: Lukas 15,1-3.11b-32

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 447, 1-3+6 Lobet den Herren, alle die ihn  ehren
Wochenlied: EG 353, 1-4 Jesus nimmt die Sünder an oder EG 638, 1-3 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt
Predigtlied: EG+ 50 Ich sage Ja zu dem, der mich er schuf oder EG 326, 1-3+5+7 Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut
Schlusslied: EG 335 Ich will den Herrn loben allezeit

Predigttext Micha 7,18-20

Die Hoffnung der Gemeinde auf Gottes Gnade

18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!
19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.
20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

Hinführung

Der Predigttext ist sozusagen ein Nachwort zum Buch des Propheten Micha. Es ist in Sprache und Form wie ein Psalm gebildet. Die Verwandtschaft zu Ps 103 springt ins Auge. Vor allem darin, dass nur und einseitig die Güte Gottes gelobt wird. Der strafende Gott kommt gar nicht in den Blick. Dieses Nachwort schlägt einen ganz anderen Ton an und ist einer anderen Sprachform gehalten, als alles, was zuvor im Micha-Buch zu lesen ist.

Das Micha-Buch selbst geht in seinem Kern auf den Propheten Micha von Moreschet zurück. Er hat, nach Auskunft der Überschrift 1, 1 in den Tagen der Könige Jotam, Ahas und Hiskia gewirkt, das ist im Maximum der Zeitraum von 756 bis 697 v. Chr. Er hat das frevelhafte Treiben der Eliten in Israel mit scharfen Worten angegriffen: Die Reichen sind Räuber, die die einfachen Leute bis auf die Knochen aussaugen und ihre Existenz vernichten. Die Richter sind korrupt, sie richten für Geld. Die Kaufleute betrügen mit falschem Maß und gefälschten Gewichten, die Priester und Propheten reden dem nach dem Mund, der ihnen was in die Tasche steckt. Micha hat Gottes furchtbare Strafe anzukündigen: Jerusalem wird zum Steinhaufen werden, das Land zur Wüste, die Bewohner vertrieben. Außenpolitisch war zu Lebzeiten die Großmachtpolitik Assyriens eine echte Bedrohung für Israel. Tatsächlich wurde Samaria vom assyrischen Heer erobert und das Nordreich Israel hörte auf zu existieren (722 v. Chr.)

Nun finden sich aber im Micha-Buch auch Anspielungen auf spätere Bedrohungen und Katastrophen und die Fortführung der prophetischen Kritik an den Eliten Jerusalems zu Zeiten, da der Prophet selbst gar nicht mehr lebte. Und die Möglichkeit, dass Jerusalem wieder aufgebaut wird, wird als real vorausgesetzt, also die Rückkehr der Verbannten nach der Machtergreifung des Kyros von Persien ist in greifbarer Nähe oder gar schon im Gange. Eine nachvollziehbare Erklärung dafür ist, dass der Kern der ursprünglichen Prophetenworte bewahrt wurde und von Gleichgesinnten in Ehren gehalten wurde, auch in der Weise, dass sie immer wieder ergänzt, erneuert und somit aktuell gehalten wurden. Und das über mehrere Jahrhunderte hinweg. Dann wäre der Schlusshymnus als letztes hinzugekommen.

Der Prophet Micha ist tatsächlich nicht völlig vergessen worden. Das zeigt eine Episode im Jeremia-Buch. Jeremia wurde angeklagt, sein Tod wurde gefordert. Aber dann standen einige von den Ältesten auf und sagten: Da war doch mal der Prophet Micha. Der wurde wegen seiner Kritik auch beinahe getötet. Aber der König Hiskia besann sich und ließ ihn am Leben. Also lasst uns daran ein Beispiel nehmen, und lasst auch Jeremia leben. (Jer. 26)

Das Nachwort zum Micha-Buch, unser Predigttext, ist ein einziger Lobpreis Gottes. Er wird als unvergleichlich besungen, weil er wie kein anderer Vergebung lebt und Güte liebt.

Zwei Auffälligkeiten springen ins Auge: was wir üblicherweise mit „vergeben“ meinen, wird in ganz starken Bildern ausgedrückt. Wenn man nahe am hebräischen Wortlaut bleibt, dann heißt es in V. 18: von Gott: „der die Verfehlungen wegträgt“. Das ist harte Arbeit, braucht große Anstrengung und viel Kraft ist nötig, die Verfehlungen auf die Schultern zu nehmen und fortzutragen. Der Gottesknecht aus Jes 53 kommt einem da in den Sinn: „Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen.“ Es ist dort dasselbe Wort.

Und was wir mit Schulden erlassen übersetzen, wird ausgedrückt mit: „der über die Aufsässigkeit hinweggeht“, sie nicht achtet, sich von ihr nicht aus dem Konzept bringen lässt. Auch hier ist es eine starke körperliche Bewegung, stärker jedenfalls als ein Federstrich, mit dem ein Schuldurkunde durchgestrichen wird. In V 19 geht es dann so weiter: Er tritt unsere Verfehlungen nieder, macht sie platt, wie man Dornengestrüpp niedertritt, um hindurchgehen zu können. Und er wirft unsere Fehler ins äußerste Meer. Sie sind nicht mehr zu finden.

Ich schlage vor, den Predigttext vor der Predigt nach Luther 2017 vorzutragen und dann in der Mitte der Predigt eine Übersetzung, die die tatkräftigen Bilder des Urtexts wiedergibt. Diese Übersetzung ist von Hans Walter Wolf, aus seinem Kommentar zum Michabuch (H.W. Wolf, Micha, Neukirchen 1992, 187).

Die, die Gott mit diesen starken Bildern so loben, identifizieren sich offensichtlich mit dem „Rest seines Erbteils“. Es sind die Übriggebliebenen nach all den Katastrophen, denen so viele zum Opfer gefallen sind. Es sind nur schrecklich wenige, die davon gekommen sind. Aber mit diesem „Rest“ wird Gott seinen Bund weiter aufrechterhalten.

In ihrem Gotteslob brechen sie mit einer langen Tradition. Sie singen ganz einseitig nur den Gott, der Güte liebt. Der Gedanke an Gottes Zorn oder gar Strafen Gottes erscheint gerade nur beiläufig. Das ganze Gewicht liegt auf den Wohltaten Gottes, für die er sich ungeheuer anstrengt.

Darin liegt das Faszinierende an diesem Hymnus. Die, die ihn kreiert haben, sind offensichtlich der Meinung: Jetzt, nach allem, was passiert ist, ist es Zeit, Gott und seine Güte zu loben, noch bevor wir anfangen, die Trümmer wegzuräumen, die Trümmer der Stadt und die Trümmer unseres falschen, gottwidrigen Handelns in uns. Denn, wer sich ein Herz fasst, Gottes Güte zu loben, der kann gar nicht mehr anders, als sich in seinem Handeln an ihm zu orientieren.

Gliederung

I. Das Ganze vom Ende her sehen
II. Die Not der Übriggebliebenen
III. Nach der Katastrophe zuerst Gott loben?
IV. Das meiste Leid ist Menschenwerk
V. Gott aber liebt die Güte. Nur die Güte.

Ziel

Das Überraschende des Textes ist: Es gibt Zeiten auch des Leides, in denen es angebracht ist, den unvergleichlichen Gott zu loben, der die Güte und nur die Güte liebt.

Predigt

So, liebe Gemeinde geht das Buch des Propheten Micha zu Ende. Mit einem wunderbaren Lobgesang auf Gott. Erstaunlich.

I. Das Ganze vom Ende her sehen

Manchmal, wenn ich ein Buch geschenkt bekommen habe und mit Freude anfange, es zu lesen, dann kann es mir passiere, dass ich nach 5 Seiten merke: es ist doch nicht so spannend, wie ich gehofft habe. Eigentlich möchte ich es jetzt nicht weiterlesen. Ich klappe es zu und schaue nur noch geschwind, wie es denn ausgeht. Ich schlage die letzten beiden Seiten auf, lese und staune: Hoppla, das ist ja überraschend. Spannend ist das. Wie kommt denn das zustande? Und schon bin ich wieder drin im Lesen und will unbedingt herausfinden, wie das Buch zu diesem Schluss kommt.

Wir haben mit unserem Predigttext sozusagen ganz nach hinten im Micha-Buch durchgeblättert und schon mal reingeschaut, wie ausgeht. Nach allem, was wir von dem Propheten Micha und seine Zeit wissen, kann es gar nicht gut ausgehen.

Er hat den Mächtigen und Großen und Reichen gehörig die Leviten gelesen. Und das war nötig. Denn sie hatten sich erdreistet, den einfachen Leuten ihre Häuser wegzunehmen und die Bewohner zu verjagen. Sie haben die anständigen Leute ausgesaugt bis auf die Knochen und den Kindern auch ihren Schmuck und ihre Spielsachen weggenommen. Die Kaufleute und Händler benutzten falsche Maße und gefälschte Gewichte und betrogen die Leute nach Strich und Faden. Die Richter fällten ihre Urteile gegen Schmiergeld. Sie waren durch und durch korrupt. Und genauso die Propheten. Sie redeten dem gut zu, der ihnen was in die Tasche steckte. Und  alle zusammen setzten dem noch die Krone drauf und sagten: Was kann uns schon passieren. Gott ist ja mit uns.

Micha hat im Auftrag Gottes ein schlimmes Strafgericht angedroht. Eure Stadt wird ein Trümmerhaufen werden, das Land zur Wüste und die Bewohner werden in die Fremde verschleppt werden.

Es kam so. Und das Heulen war laut und lang. So viele Menschen waren in der Katastrophe nicht davongekommen. Ein großer Klagegesang müsste eigentlich am Ende stehen: Herr, du hast uns bestraft für alles, was wir angerichtet haben. Wir sind am Ende. Die Trümmer sind zu groß für uns. Wir kommen nicht mehr weiter. Wir sind so wenige. Wir sind ja nur der klägliche Rest. Es ist alles trostlos.

II. Die Not der Übriggebliebenen

Dieser klägliche Rest, das sind die Übriggebliebenen, das sind die, die davongekommen sind. Es sind nicht die Auserwählten. Es sind nicht nur die Guten. Keiner kann sagen: Ich habe es verdient, davonzukommen.

Immer wieder hört man davon, dass Menschen, die ein großes Unglück unerwarteter Weise überlebt haben, sich hinterher fragen: Warum ich? Warum bin gerade ich davongekommen und so viele andere nicht? Sie bekommen Schuldgefühle, obwohl das bei Lichte betrachtet gar keinen Grund hat. Aber manche dieser Menschen tragen schwer daran. Sie erkennen nämlich, dass sie selbst es nicht mehr verdient haben, zu überleben, als die anderen. Sie sind nicht besser, sie sind nicht schlechter. Warum also gerade ich? Manche treibt das in Verzweiflung.

Auch jener klägliche Rest, der lange nach der Katastrophe nach Jerusalem zurückkehren konnten, wird sich mit solchen Fragen rumgeschlagen haben. Vielen war zum Klagen zumute.

III. Nach der Katastrophe zuerst Gott loben?

Stattdessen aber stimmen sie am Schluss diesen überwältigenden Lobgesang an: „Wo ist ein Gott wie du es bist!“

Wie kann das zugehen? Lassen Sie mich etwas erzählen. Ein ganzes Menschenalter war vergangen seit der Katastrophe. Die meisten, die sie verursacht haben, waren bereits verstorben in der Fremde. Und viele, die nichts dafür konnten, die nur Opfer des Unrechts waren, auch. 1000 Kilometer von der Heimat entfernt. Auch der Prophet Micha war lange tot. Aber seine Worte waren noch da. Manche von den Rückkehrern hatten sie im Reisegepäck. Ein schmales Bündel von Blättern. Sie beschlossen, dieses Büchlein jetzt neu herauszugeben. Oder vielmehr das erste Mal. Denn früher durfte es gar nicht verbreitet werden. Es war nur im Untergrund zugänglich für Eingeweihte. Etwa so wie die graue Literatur der DDR-Friedensbewegung, die nur von Hand zu Hand weitergegeben wurde, oder wie die Flugblätter der Weißen Rose, der Geschwister Scholl. Sie wollten es aber jetzt zum ersten Mal allen zugänglich machen. Jeder sollte wissen, wie es zur Katastrophe gekommen war, und auch, dass da eine Stimme war, die gewarnt hatte und das Unglück vorhergesagt hatte. Bevor sie es aber verbreiteten, schrieben sie noch ein Nachwort. Sie schrieben diesen Lobgesang des unvergleichlichen Gottes auf die letzte Seite. Unser Predigttext. Sie meinten, jetzt angesichts der Trümmer sei die richtige Zeit, erst einmal einen Lobgesang anzustimmen.

Ich lese ihn noch einmal in einer Übersetzung, die näher an dem ursprünglichen Wortlaut ist.

„Wer ist ein Gott wie du, der Vergehen wegträgt,
an Aufsässigkeit vorübergeht
beim Rest seines Eigentums!
Nicht hält er seinen Zorn für immer fest,
denn er ist einer, der Güte liebt.
Er wird sich unser nochmals erbarmen,
er wird unsere Vergehen zertreten.
Du versenkst in die Tiefen des Meeres
alle unsere Verfehlungen.
Du wirst Jakob die Treue schenken
und Abraham die Güte,
die du unseren Vätern geschworen hast
seit den Tagen der Vorzeit.“ (1)

IV. Das meiste Leid ist Menschenwerk

Gott liebt die Güte und er hält die Treue. Und er setzt seine ganze Kraft ein, um die Verfehlungen fortzutragen, auf seinen Schultern. Mit kräftigen Schritten tritt er das ganze Dornengestrüpp, das aus dem falschen Leben gewuchert ist, zu Boden. Und zuletzt wirft er alles Schändliche, alle Falschheit und allen Betrug ins Meer – auf Nimmerwiedersehen. So tut Gott. Er ist einzigartig, darum: Wo ist ein Gott wie du?

Da ist kein Laut von Strafen drin, auch keine Bitte um Verschonung. Einfach nur Lob des guten, des unvergleichlichen Gottes.
Das war mutig, nach allem, was geschehen war, Gott so zu besingen. Er ist nur gut. Er straft nicht. Er zerstört nicht. Und auch wenn nur noch ein Rest seines Volkes übrig ist, so bewahrt er ihn.
Es war mutig, jetzt nicht die Klage über Gottes Strafen und die Bitten um Vergebung anzustimmen.

Sie hatten sich ein Herz gefasst und aufgehört, das ganze Elend, das hinter ihnen lag und die Mühsal, die noch vor ihnen lag, Gott in die Schuhe zu schieben. Aber wenn die Katastrophen nicht Strafen Gottes waren, was waren sie dann?

Nun, alles, was an Unrecht und grenzenlosem Leid zwischen Menschen, zwischen Völkern und innerhalb der Völker sich ereignet, ist Menschenwerk.

  • Dass den Menschen in Syrien ihre Häuser zerbombt werden und die Bewohner vertrieben werden oder getötet, es ist Menschenwerk.
  • Dass kleinen Bauern in Südamerika ihr Land geraubt wird, um darauf in großen Stil Mais für europäische Schweine anzubauen, ist Menschenwerk.
  • Dass in manchen Millionenstädten in Asien die Menschen an vielen Tagen nicht mehr aus dem Haus gehen, weil draußen keine Luft zum Atmen ist, es ist Menschenwerk.
  • Und dass die Schwalben bei uns keine Insekten mehr als Nahrung finden, auch das ist Menschenwerk.

Darum: lasst Gott aus dem Spiel, wenn es um die verheerenden Folgen von eurem verkehrten Tun geht. Der strafende Gott ist gar nicht nötig. Die Menschen machen das selbst.

V. Gott aber liebt die Güte. Nur die Güte.

Es ist für uns ungewohnt, den strafenden, den zornigen Gott mal außen vor zu lassen. Auch der Prophet Micha ging ganz selbstverständlich davon aus, dass Gott das schändliche Treiben der Oberen in Israel furchtbar bestrafen wird. Und als in Deutschland gegen Ende des Krieges ganze Städte zerbombt wurden, da dämmerte es vielen: Das sind die Strafen Gottes. Und später hieß es dann, in der Rückschau: Die Leute wurden wieder fromm, oder gläubig. Die Kirchen wurden wieder voll.

Die weisen Menschen, die dieses Nachwort zum Micha-Buch verfasst haben, die dachten anders. Sie hatten ein tiefes Verständnis von der menschlichen Natur. Sie wussten: Wer Angst hat vor dem zornigen, strafenden Gott, der wird Mittel und Wege finden, seine Vergehen kleinzureden, zu vertuschen, die Schuld auf andere abzuschieben, und wenn sie dann ganz klein geworden ist, dann kann man sie ja ein bisschen zugeben, denn so ganz schlimm wird es dann ja nicht sein mit der Strafe. Es ist wie bei fußballspielenden Kindern oder Jugendlichen. Wenn eine Scheibe kaputtgegangen ist, dann kommt das alles: Ich war’s nicht. Die anderen haben viel öfter auf dieses Fenster geschossen. Der hat mich gerempelt und dann konnte ich nicht gut zielen. Auch Polizisten und Kriminalbeamte und Richter erleben dieses Spiel in ihrem Berufsalltag. Und wer sich gut rausgeredet hat, lacht sich ins Fäustchen und macht grade so weiter.

Doch wer sich ein Herz fasst und anfängt, den Gott der Güte liebt, über alles zu loben, der kann gar nicht anders, als die Nähe zu diesem Gott zu suchen. Er wird alles tun, was ihm möglich ist, um diese Güte zu erfahren. Und er wird alles unterlassen, womit er sich entfernen würde von dieser Treue. Und so, wie sie dieses Gotteslob verfasst haben, wird klar: Gott bleibt sich treu. Er liebt die Güte. Er geht seinen Weg. Es sind wir Menschen, die allzu oft einander das Leben zur Hölle machen – im Großen Tag für Tag dort, wo Krieg geführt wird, und im Kleinen manchmal auch.

Wir können froh und dankbar sein, dass jene uns unbekannten weisen Menschen sich ein Herz gefasst haben, und in einer schweren Zeit ihren ziemlich verzweifelten und verzagten Mitmenschen dieses Gotteslob geschenkt haben.

Amen

Eingangsgebet

Herr, deine Güte ist groß,
so viel Gutes lässt du uns zukommen.
Leite unseren Geist, dass wir uns von dem Schweren, das wir ertragen müssen, nicht ganz in Beschlag nehmen lassen.
Öffne unser Herz, stärke unser Vertrauen in deine Treue.
Das bitten wir dich um deines lieben Sohnes willen.
Er hat uns deine Güte neu groß gemacht.

Fürbittengebet

Herr unser Gott,
du liebst die Güte und nicht das Leid.
Darum bitten wir dich für die Menschen, die leiden unter der Gewalt und der Gier und dem Betrug ihrer Oberen.
Wir bitten dich für die Menschen, deren Häuser im Krieg zerstört sind und die nicht wissen, wohin.
Wir bitten dich für die Menschen, die von ihrem Land
vertrieben werden, damit andere großen Profit damit
machen können.
Herr, schenke ihnen dein Erbarmen.

Herr unser Gott,
du liebst die Güte und nicht das Leid.
So bitten wir dich auch für die Opfer von häuslicher Gewalt in unserem Land, für Frauen und Kinder, die missbraucht und misshandelt werden.
Und wir bitten dich für die Menschen fremder Herkunft,
die misshandelt und geschmäht und mit dem Tod bedroht werden.
Herr, schenke ihnen dein Erbarmen.

Herr unser Gott,
du liebst die Güte und nicht das Leid.
Wir bitten dich für uns alle:
Hilf, dass wir aufmerksam werden und empfindlich für
Unrecht, für Hass und für Rohheit, die sich in unserem Land ausbreiten.
Mach uns wachsam, dass wir nicht achtlos vorübergehen am Leid der Opfer, gib uns Mut, für sie einzutreten,
denn du liebst die Güte.
Schenke uns dein Erbarmen.

Verfasser: Pfarrer Dr. Gerhard Schäberle-Koenigs, Schmiedgasse 13, 75385 Bad Teinach

_________________
Anmerkung:
(1) H. W. Wolf, Micha, Neukirchen 1992, 187


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