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Versuchung

von Johannes-Michael Worbs (39114 Magdeburg)

Predigtdatum : 09.03.2003
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Aschermittwoch
Textstelle : Matthäus 4,1-11
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Wochenspruch:

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Johannes 3,8)

Psalm: 91,1-4.11-12 (EG 736)

Lesungen

Altes Testament:
1. Mose 3,1-19 (20-24)
Epistel:
Hebräer 4,14-16
Evangelium:
Matthäus 4,1-11

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 362
Ein feste Burg ist unser Gott
Wochenlied:
EG 362
oder EG 347
Ein feste Burg ist unser Gott
Ach bleib mit deiner Gnade
Predigtlied:
EG 138
oder EG 375
Gott der Vater steh uns bei
Dass Jesus siegt
Schlusslied:
EG 157
Lass mich dein sein und bleiben

1 Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« 11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.

jesus
führe mich in die wüste
wo du vierzig tage gefastet hast
der ort wo du herkommst
liegt in mir
(Ernst Eggimann)

Liebe Gemeinde!
Die Passionszeit umschließt unser Christsein in ganz eigener, ausgeprägter Weise. Viele von uns werden sich in diesen Wochen einen Verzicht auferlegen. Zugleich werden wir sensibler im geistlichen Hören, in den Passionsandachten oder Kreuzwegstationen. Den Weg Jesu mitgehen heißt, sich auch in Gedanken unserer eigenen Wüsteneinsamkeit, unserem Lebenshunger, unserem Verhältnis zu Gott stellen.
Wir wissen: es gibt Situationen, die grundlegende Entscheidungen erfordern. In eine solche Situation sieht sich Jesus zu Beginn seiner Wirksamkeit gestellt. Wüste - das ist der heiße Atem der Einsamkeit, lebensbedrohend, verstärkt durch ein vierzigtägiges Fasten. Wüste, das ist auch der Ort des Zweifelns an Gottes Führung. Wir erinnern uns an die vierzig Jahre Wüstenzeit des Alten Israel. Wüste - damals der Ort der Versuchung, des Abfalls von Gott.
Das Matthäus-Evangelium nimmt diese Erfahrung auf und nimmt uns in die Spannung zwischen Taufe, offenbarter Gottessohnschaft Jesu und seiner Versuchung hinein. Nichts ist endgültig entschieden auf dem Weg Jesu, denn, wie der Hebräerbrief es sagt, „er ist in allem versucht worden, wie wir, doch ohne Sünde“. Wüste – der Ort des Mangels. Und dort, wo Mangel herrscht, hat der Versucher scheinbar leichtes Spiel. Nicht nur im Märchen verkaufen bitterarme Menschen sich und andere an teuflische Mächte. So mancher verantwortliche Politiker würde auch heute noch einen Pakt mit dem Teufel eingehen, wenn er Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze schaffen könnte.
Obwohl Jesus das Elementarste, das tägliche Brot, fehlt, weist er das Angebot des Versuchers zurück. Dabei wäre der Sohn Gottes doch der gemachte Mann. Steine zu Brot. Nie mehr Hunger, nie mehr Mangel! Was ist daran teuflisch? „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ - Jesus macht deutlich, dass das Wort des Lebens allein von Gott kommt und dass beides zusammengehört: Das tägliche Brot und Gottes Wort. Auf seinem Weg zu den Menschen wird Jesus Hungernde speisen, aber zugleich wird er sich dem Wunsch entziehen, dass Menschen ihn zu Brotkönig machen.
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ - d. h. auch: Er lebt auch nicht von seinem Arbeitsplatz oder seinem Wohlstand allein. Als im August des vergangenen Jahres die Hochwasserfluten in Deutschland, Österreich und Tschechien in wenigen Stunden Besitz und Wohlstand vieler mit sich rissen, da war es allein die Hilfe und der Zuspruch von Mitmenschen, die Mut und Hoffnung brachten. Diese Erfahrung ist wie das Wort Gottes, das die Beziehungslosigkeit durchbricht. Dort wo Alleinsein beendet wird, dort wo Menschen zu Mitleidenden und Mitsorgenden werden, dort wo die Angst, im Leben zu kurz zu kommen, aufhört, dort wird erfahrbar, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt.
Der Teufel hat nicht mehr zu bieten als Brot allein. „Lass den Hungrigen dein Herz finden“ - das geschieht in Jesu Gegenwart, als er Tausenden Brot gibt. Es ist das Brot dieser Erde und doch ist es mehr als Essen und Trinken, weil dieses Brot Menschen miteinander teilen.
Aber die Versuchung trägt auch andere Züge. Mitten in der heiligen Stadt, dort wo das religiöse Leben, die Gottesverehrung ihr Zentrum haben, dort auf dem Tempelberg, soll sich Jesus als Gottes Sohn beweisen. Irritierend für uns: Der Teufel hat scheinbar die Bibel auf seiner Seite. Er kennt die Psalmenworte, wo es heißt: „Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.“ Worte des Gottvertrauens im Munde des Widersachers! Jesus könnte also vor aller Welt beweisen, wer er ist. Verlockend diese einfache Lösung. Nach dem Motto: Du musst nur richtig glauben. Nimm Gott beim Wort. Und wenn es schief geht? Wenn diese einfache Lösung zu kurz greift? Oder wenn Glaube und Gebete scheinbar doch nicht erhört werden? Der Teufel ist kein Atheist. Er würde nie sagen: Gott gibt es dann nicht. Der Versucher würde vielleicht so sprechen: Du hast eben dann nicht richtig geglaubt oder gebetet. Erst diese Argumente stoßen Menschen in tiefste Verzweiflung, zerstören Gottvertrauen.
Dann ist der Versucher am Ziel. Jesus setzt dagegen: „Du sollst den Herrn deinen Gott nicht versuchen“. Gott ist kein Produkt unserer Wünsche. Er ist kein Wunderveranstalter. Dort, wo in Jesu Gegenwart Wunder geschehen, sind sie eng mit dem Vertrauen auf Gott verbunden. „Dein Glaube hat dir geholfen“, das ist ein oft gesprochenes Jesuswort an wunderbar geheilte Menschen. Wir wissen aus der Passionsgeschichte: Auch die religiösen und doch gottfernen Führer, wollen von ihm Wunder sehen, und noch als Jesus schon am Kreuz hängt, fordern sie ihn auf: „Steig herab vom Kreuz“. Jesus widersteht diesem Denken. Und auch für Christen muss die Kraft des Gottvertrauens nicht dort enden, wo ein Mensch erfährt, dass er nicht mehr gesund werden kann, dass es ein Wunder der Heilung nicht geben wird. Gottes Wille über unserem Leben wird souverän bleiben und Glaube wird sich dort bewähren, wo wir sprechen können: „Dennoch bleibe ich stets an dir“. Gott als Lebensversicherung und Wunderdroge -Jesus schneidet diesen teuflischen Weg ab. Er selbst wird den dunklen Leidensweg aus Missverständnissen und Anfeindungen gehen. Jesus nimmt dieses Kreuz auf sich und zeigt uns so, wer Gott ist: der Mitleidende, Liebende, Verstehende und Heilende.
Aber der Versucher gibt noch nicht auf. Er spielt seinen letzten Trumpf aus. Auf einem hohen Berge bietet er Jesus die Weltherrschaft an. Die Sache hat nur einen Pferdefuß: Jesus muss den Teufel als alleinigen Herrn anerkennen.
„Jesus Christus herrscht als König“ - mancher Gläubige würde dies gern auch wörtlich so sehen. Mit Macht, notfalls auch mit Gewalt, endlich einmal in dieser Welt Frieden und Gerechtigkeit durchsetzen. Dann geht es all den Schurkenstaaten an den Kragen. Jesus als Weltpräsident. So mancher träumt auch in unseren Tagen von einer politisch-christlichen Machtergreifung. Aber ein Blick in die Geschichte des Christentums zeigt uns, dass selbst die edelsten und besten religiösen Absichten einer christlichen Weltverbesserung beim Herrn der Finsternis enden. Wo immer religiöse Fanatiker meinen, Gottes Willen umsetzen zu wollen, beginnt furchtbares Unglück. Wer das Reich Gottes auf Erden herbeizwingen möchte, hat bereits dem Teufel die Hand gereicht. „Du sollst Gott deinen Herrn anbeten und ihm allein dienen!“
Das Festhalten am Bekenntnis zu dem einen Gott, bringt alle Versuchung zum Schweigen. Dies bleibt letztlich auch der Prüfstein für uns, die wir durch die Taufe in Jesu Gemeinschaft berufen sind. Uns bleibt Versuchung nicht erspart. Die Teufel der Gegenwart haben keine Hörner oder Pferdefüße. Sie haben oft die schlagenden Argumente, die schnellen, einfachen Lösungen und die öffentliche Meinung auf ihrer Seite.
Die Versuchung, sich auf dem religiösen Markt sein privates Gottes- und Glaubensbild zusammenzustellen, ist real. Jesus widersteht der Versuchung, einen Weg ohne dieses Bekenntnis zu dem alleinigen, einzigen Gott zu gehen. Er geht den Weg des Weizenkorns, das in den Tod fällt, aber nur so Frucht bringt. Die Frucht des Lebens, die uns leben lässt. Am Ende unseres Bibelabschnittes heißt es: „Und siehe da traten Engel zu ihm und dienten ihm.“ So wie Jesus gestärkt wird, so stärkt Gott alle, die an dem Bekenntnis zu ihm festhalten. In allen Anfechtungen und Schwierigkeiten werden wir als Christen und Gemeinde nicht ohne Trost und Stärkung bleiben.
Die Boten Gottes haben viele Gestalten und sie sind unterwegs zu uns. Auch heute. Amen

Gebet nach der Predigt:
Herr, wir danken dir, dass du diesen Weg gegangen bist, aller Versuchung widerstanden hast. Du allein bist unsere Zuversicht, unsere Kraft. Lass uns widerstehen allem, was uns von dir trennen will. Amen.

Verfasser: Pfr. Johannes-Michael Worbs, Breite Str. 7, 39114 Magdeburg

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