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Versuchung

von Winfried Klotz (64739 Höchst)

Predigtdatum : 13.02.2005
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Aschermittwoch
Textstelle : 1. Mose 3,1-19.(20-24)
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Wochenspruch:

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Johannes 3,8)
Psalm: 91,1-4.11-12 (EG 736)

Lesungen

Altes Testament:
1. Mose 3,1-19 (20-24)
Epistel:
Hebräer 4,14-16
Evangelium:
Matthäus 4,1-11

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 362
Ein feste Burg ist unser Gott
Wochenlied:
EG 362
oder EG 347
Ein feste Burg ist unser Gott
Ach bleib mit deiner Gnade
Predigtlied:
EG 293
Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all
Schlusslied:
EG 347
Ach bleib mit deiner Gnade

1 Die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? 2 Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; 3 aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! 4 Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. 6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. 7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.
8 Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten. 9 Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? 10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. 11 Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? 12 Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. 13 Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß. 14 Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. 15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. 16 Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. 17 Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen -, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.
[20 Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben. 21 Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. 22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! 23 Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. 24 Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.]

Liebe Gemeinde!
Das ist doch eine verrückte Geschichte, wie der Mensch auswandert aus der Geborgenheit seiner Gottesbeziehung, aus der Geborgenheit seines Gartens, nur um durch Grenzüberschreitung Wissen zu erlangen und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Eine notwendige Geschichte, so werden einige sagen, ich selbst zu sein, wissen, was gut und böse ist, ja, bestimmen, was gut und böse ist, das braucht der Mensch! So erst wird der Mensch zum Menschen! Oder? So geht der Mensch heraus aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, das ist doch das Motto der Aufklärung seit Kant. Also eine höchst aktuelle Geschichte, ihre Überschrift in der Lutherbibel „Der Sündenfall“ sollte dringend verändert werden in „Von der Selbstbefreiung des Menschen“, - oder? Nur, dass diese Geschichte so übel ausgeht, ist das nicht ein Missgriff des Erzählers, der nicht akzeptieren konnte, dass der Mensch frei sein muss, sein Leben selbst in die Hand nehmen muss? Hat die Bibel ein gestörtes Verhältnis zur Emanzipation des Menschen?
Liebe Zuhörer! Ist das wirklich der Horizont unserer Geschichte? Geht es wirklich um die notwendige Emanzipation des Menschen, die ein bevormundender Gott nicht zulassen kann? Ist das nicht genau die Schiene, auf der der Versucher argumentiert? Seid nicht so blöd, ihr Menschen, auch wenn ihr fast alles haben und genießen dürft, lasst euch auch den Rest nicht vorenthalten! Denn gerade dadurch, dass ihr euch auch das Verbotene aneignet, werdet ihr wissend, nehmt ihr euer Leben selbst in die Hand. Ist es das, was wir brauchen?
Fremde Kirschen schmecken gut, es ist reizvoll da 150 zu fahren, wo hundert geboten ist, den Konkurrenten im Betrieb so richtig vor anderen zu blamieren, das hebt die eigene Stimmung und klar, die fremde Frau fasziniert mehr als die eigene. Aber zu welchem Ziel das alles, welche Freiheit gewinnen wir denn daraus, dass wir Grenzen niederlegen, der Lust unserer Augen und der Gier unseres Herzens folgen? Heutige Moral sagt: Genieße und lass dich nicht erwischen! Hasse, wenn dir einer querkommt! Nimm dir, was dir zusteht, du lebst nur einmal! Wer so lebt, hat ein Problem, nicht nur ein äußerliches mit seinen Mitmenschen, sondern auch ein persönliches. Prägt unser Tun nicht unsere Person, macht Untreue nicht beziehungslos und Hass einsam? Sind solche Menschen nicht hoffnungslos in sich selbst verstrickt?
Sehen Sie, das ist der Gang unserer Geschichte: in ihr wird der Mechanismus von Übertretung des göttlichen Gebots und Beziehungslosigkeit sichtbar gemacht. Der Mensch, der sein Leben in die Hand nimmt, nicht indem er das Gute tut, sondern indem er Gottes Gebot übertritt, wird einsam und gerät in Angst.
Adam und seine Frau verstecken sich vor Gott, als der in der Abendkühle im Garten spazieren geht. Sie haben Angst vor Gott, sie sehen sich auf einmal schutzlos ihm gegenüber. Beziehungslosigkeit und Angst bestimmen das Verhältnis zwischen Gott und Mensch und zwischen Mensch und Mensch, ja auch zwischen Mensch und Natur. Und wie das nächste Kapitel von Kains Mord an seinem Bruder Abel zeigt, - es ist ja nichts anderes als eine Fortführung unserer Geschichte, - macht Beziehungslosigkeit gepaart mit Neid den Menschen fähig zum Mord am eigenen Bruder.
Damit bewegen wir uns nicht mehr bei Adam und Eva, Kain und Abel, nicht mehr nur im Horizont biblischer Weisheit im Angesicht Gottes, sondern in unserer Zeit. Was die Bibel schildert, ist doch genau das, was gestern und heute und morgen geschieht. Was ist los mit der Menschheit, dass sie, fähig zu viel Gutem, doch soviel Schlechtes, Leben minderndes und zerstörendes tut? Man möchte sagen, es ist los mit den Menschen, was immer mit ihnen los ist. Aber die Bibel öffnet uns den Blick für Gottes heilvolle Absichten mit der Menschheit, gerade indem sie ihre Verlorenheit offenbart. Der Mensch scheitert am Gebot Gottes, er scheitert in der Beziehung zu Gott, obwohl er doch als Gottes Gesprächspartner geschaffen ist, er verliert den Halt, das Vertrauen, aber das ist von Gott her nicht das Ende.
Hier könnte ein Einwand kommen: Das alles, mit der Übertretung des Gebots, ist doch reichlich konstruiert. Gebote, Richtig und Falsch, sind relativ. Wie kann Gott den Menschen danach richten, ob er sein Gebot hält? - Bleiben wir auf dem Boden. Leben hat seine Regeln. Es ist zu allen Zeiten erkennbar, was Leben fördert und was Leben mindert und zerstört. Gott will, dass Leben gelingt und nicht zerstört wird. Er ist ein Gott des Lebens, seine Gebote bewahren unser Leben. „Was vor 3000 Jahren gültig war, das muss heute nicht gelten“, so sagt man. Ich gebe zu, es gibt Veränderungen, aber auch Konstanten. Warum sonst lernen auch heutige Konfirmanden die Zehn Gebote. Das große Problem aber liegt darin, dass wir Menschen ohne lebendiges Vertrauen zu Gott unfähig sind zur Erkenntnis seiner Gebote.
Die Folgen menschlicher Beziehungslosigkeit sind und täglich vor Augen. Der Mensch, als Gottes Gegenüber geschaffen, zu Großem fähig und auch zu Schrecklichem, verliert seine Signatur, sein Gott-Entsprechen. Er ist sprachlos, vertrauenslos, verloren gegenüber Gott. Sprache dient nur noch zum Abwälzen von Schuld, zur Beschuldigung, zu Anklage und Feindschaft und zur Täuschung des Mitmenschen.
Mancher wird meine Aussagen über den Menschen als zu negativ empfinden. Aber es geht hier nicht um moralische Schlechtigkeit, sondern um gestörte Beziehung zu Gott. Unser Blick soll ja viel weiter gehen als nur zur Wahrnehmung der Not des Menschen. Gott hat doch immer wieder die Beziehung zum Menschen aufgenommen, bei Abraham und Mose, bei den Propheten, und er hat durch Jeremia einen neuen Bund, eine neue Verbindung angekündigt. „Ich werde ihnen mein Gesetz in Herz und Gewissen schreiben. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein, sagt der Herr… Ich will ihnen ihren Ungehorsam vergeben und nie mehr an ihre Schuld denken.“ (Jer. 31, 33b und 34b)
Genau das hat Gott gültig für alle Zeit und völlig genügend für jeden Menschen durch Jesus Christus getan. Hier kommt unsere Beziehungslosigkeit an ihr Ende, sie ist ans Kreuz geheftet und gestorben. Auferstanden aber ist mit Jesus ein neuer Adam, ein neuer Mensch, der in beständiger Gemeinschaft mit Gott steht, denn alle Schuld ist vergeben. Wie? Durch den Glauben an Jesus Christus. Durch den Glauben, der IHN Herr sein lässt in unserem Leben. Durch den Glauben, der auf IHN wartet und IHM vertraut. Amen.

Verfasser: Pfr. Winfried Klotz, Centallmenweg 20, 64739 Höchst

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