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Wachsam sein

von Peter Wagner (Fehl-Ritzhausen)

Predigtdatum : 22.11.2015
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Letzter Sonntag des Kirchenjahres: Ewigkeitssonntag
Textstelle : Matthäus 25,1-13
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Wochenspruch:
"Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen." (Lukas 12, 35)

Psalm: 126, 1 - 2. 5 - 6

Lesungen
Altes Testament: Jesaja 65, 17 - 19 (20 - 22) 23 - 25

Epistel: Offenbarung 21, 1 - 7

Evangelium: Matthäus 25, 1 - 13

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 450 Morgenglanz der Ewigkeit
Wochenlied: EG 152 Wir warten dein, o Gottes Sohn
Predigtlied: EG 147 Waches auf, ruft uns die Stimme
Schlusslied: EG 153 Der Himmel, der ist


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus, Amen.

Liebe Gemeinde,

Ewigkeitssonntag 2015. Letzter Sonntag im Kirchenjahr. Die Gedanken wandern in die Vergangenheit: Menschen, die letztes Jahr noch unter uns waren, haben uns verlassen. Da sind Lücken entstanden, die niemand zu schließen vermag und Wunden, die erst noch heilen müssen. Selbst wenn der Abschied schon länger zurückliegt, so lässt gerade dieser Tag frisch vernarbte Wunden schmerzen.

Zugleich wirft dieser Sonntag Fragen auf: Was ist der Sinn meines Lebens, wofür lebe ich? Woraus schöpfe ich meine Kraft, was ist mein Lebenselixier? Und: was wird mit mir sein, wenn einmal mein eigener Name schwarz umrandet in der Zeitung steht, am letzten Sonntag im Kirchenjahr genannt wird oder eine Kerze für mich auf dem Altar brennt? Alles aus und vorbei, oder habe ich eine Zukunftsperspektive über den Tod hinaus?

Jesus Christus gibt eine Antwort, die das Leben und Sterben jedes Menschen eingebettet sieht in die Liebe Gottes. Die Liebe, mit der er uns ins Leben gerufen hat, mit der er uns durch die Zeit, die uns zur Verfügung steht, geleitet; eine Liebe, die um uns wirbt, damit wir am Ende unserer Tage in den ausgebreiteten Armen Gottes ankommen. Mehr noch: Christus erzählt, wie es sich mit dem Himmelreich verhält, am Ende aller irdischen Tage und dieser Welt:

Textlesung

Liebe Gemeinde,

da steht ein himmlisches Hochzeitsfest an, ein Freudenfest! Schon die Hochzeit zu Kana im Johannesevangelium, bei der Jesus Wasser zu Wein verwandelt, lässt erahnen, was damit gemeint ist: Da geht’s rund; da wird nicht gespart und gekleckert, sondern geklotzt! Kein kurzes Festchen, sondern dauerhafte, überschwängliche Freude in ewiger Gemein-schaft mit Gott ist angesagt! Warum? Weil Gott ein Gott der Freude und des Lebens ist, der seine Geschöpfe liebt. Ein Gott, der uns das Beste, was er uns schenken konnte, geschenkt hat: seinen Sohn Jesus Christus, der unser Bruder geworden ist. Einer, der auch um die Widrigkeiten des Lebens weiß, der seinen Sohn sterben ließ, damit wir leben können. Er weiß um Schmerz und Trauer, ist denen nah, die einen Verlust erlitten haben und ihn noch immer nicht begreifen können. Mehr noch: mit der Auferweckung seines Sohnes hat Gott den Widrigkeiten, ja selbst dem Tod, Grenzen gesetzt. Die Botschaft lautet: Das Leben siegt! Und mit ihm die Freude! Das Fest ist in Vorbereitung! Denn der Bräutigam, der Auferstandene, ist angekündigt. Und wir? Wir sind auf dem Weg, um ihm entgegen zu gehen und ihn zu erwarten – wie die zehn Jungfrauen mit ihren Lampen.

Doch der Bräutigam lässt auf sich warten. Niemand weiß, wann genau er eintrifft. Das kann schon ganz schön nervig sein, wenn man warten muss, oder? Da wird der Gedulds-faden immer dünner, vielleicht mischt sich sogar Ärger unter die Gedanken: „Wo bleibt der denn nur?“

Da kommt die Müdigkeit und mit ihr die Einstellung: „Ach, er kommt ja eh noch nicht, bis der Bräutigam da ist, haben wir noch alle Zeit der Welt!“ Und das Öl in den Lampen wird immer weniger … Deshalb schwingt im Gleichnis Jesu auch eine Mahnung mit: „Seid wachsam, habt genug Vorrat dabei! Ja, es kann lange dauern, doch dann wird der Bräutigam ganz plötzlich auftauchen!“

Damit aber wird deutlich: Jesus nimmt uns nicht die Verantwortung für unser Leben ab. Wachsam zu sein ist unsere Sache! Auch die Frage nach dem „Öl“ in unseren Lebenslampen und dem ausreichenden Vorrat unseres Lebenselixiers, das die Lampen am Leuchten hält, muss jeder und jede für sich selbst klären. Gewappnet zu sein für eine lange Wartezeit sowie hier und jetzt im Leben klug zu handeln – das ist angesagt! Dann verpasst man den Bräuti-gam, den wiederkommenden Christus, nicht. So bleibt einem eine böse Überraschung, was das Fest betrifft, erspart.

Eine russische Legende, die Willi Hoffsümmer* in seinem Buch „Kurzgeschichten“ erzählt, beschäftigt sich mit diesen Überlegungen: „Ein reicher Mann dachte auch im Sterben nur an das, woran er sein Leben lang gedacht hatte: an sein Geld. Mit letzter Kraft löste er den Schlüssel vom Band, das er am Hals trug, winkte der Magd, deutete auf die Truhe neben seinem Lager und befahl, ihm den großen Beutel Geld in den Sarg zu legen.

Im Himmel sah er dann einen langen Tisch, auf dem die feinsten Speisen standen. ‚Sag, was kostet das Lachsbrot?’ fragte er. ‚Eine Kopeke’, wurde ihm geantwortet. ‚Und die Sardine?’ ‚Gleich viel.’ – ‚ Und diese Pastete?’ ‚Alles eine Kopeke.’ Er schmunzelte. Billig, dachte er, herrlich billig! Und er wählte sich eine ganze Platte aus. Aber als er mit einem Goldstück bezahlen wollte, nahm der Verkäufer die Münze nicht. ‚ Alter’, sagte er und schüttelte bedauernd den Kopf, ‚ du hast wenig im Leben gelernt!’ ‚ Was soll das?’ murrte der Alte. ‚ Ist mein Geld nicht gut genug?’ Da hörte der die Antwort: ‚ Wir nehmen hier nur das Geld, das einer v e r s c h e n k t hat.“

Liebe Gemeinde, die Liebe, die den Nächsten im Blick hat und die in ihm Gottes Geschöpf sieht; im Vertrauen auf Gott das ganze Leben zu gestalten und seinem Sohn Jesus Christus nachzufolgen – das ist ein gutes Öl und Lebens-elixier in unseren Lebenslampen. Und Gott selbst ist die Quelle, wo wir immer wieder rechtzeitig auftanken können. So werden unsere Lichter durchhalten bis der Bräutigam kommt und uns mit hinein nimmt in seinen großen Festsaal!

AMEN
Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als alle menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesu, unserem Herrn


*Willi Hoffsümmer: Kurzgeschichten 1 1981, 16. Auflage 1996


Verfasser: Pfarrer Peter Wagner
Kirchweg 3, 56472 Fehl-Ritzhausen

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