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Wachsam sein

von Gundula Guist (Usingen)

Predigtdatum : 26.11.2017
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Letzter Sonntag des Kirchenjahres: Ewigkeitssonntag
Textstelle : Lukas 12,42-48
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Zum Bibeltext
Im gesamten Kapitel 12 des Lukasevangeliums geht es um die Endzeit und wie man sich darauf vorbereiten soll zu Lebzeiten. Der Abschnitt Lk 12, 35 - 48, in dem der Predigttext steht, ist in der Lutherbibel 2017 überschrieben mit den Worten: „Warten auf das Kommen des Herrn.“ In diesem Abschnitt finden sich 3 Gleichnisse / Bildworte:

1. vom ausbleibenden Hausherrn und treu wartenden Knechten (Lk 12, 35 - 38)
2. vom Dieb in der Nacht (Lk 12, 39 - 40)
3. vom klugen und nachlässigen Hausverwalter (Lk 12,41-48)
(1.) und (3.) beschreiben das Ausbleiben des Hausherrn. Unser Predigttext (3.) macht u. a. drastisch deutlich, was passieren kann, wenn man während des Wartens nachlässig wird.


Zur Predigt
An diesem Sonntag wird in vielen Gemeinden der Verstorbenen des vergehenden Kirchenjahres gedacht. Dazu werden oft auch die Angehörigen schriftlich eingeladen. In der Regel besteht also die Gemeinde zu einem großen Teil aus Menschen, die mit ihrer Trauer in den Gottesdienst kommen und Trost erwarten. Wenige Gottesdienstteilnehmer*Innen werden an das Ende des Kirchenjahres mit seiner Gerichts- und Endzeitthematik denken. Das legt aber der Predigttext nahe. Diesen besonderen Umständen wird versucht in der Predigt Rechnung zu tragen. Dazu wird der Predigttext um das 1. Gleichnis (Lk 12, 35 - 38) erweitert. Damit wird ein positives Beispiel und ein mehr negatives Beispiel (Lk 12,41 - 48) einander gegenüberstellt, um dann mit einem (nicht explizit ausgesprochenen) Rückgriff auf die Emmausjünger (Lk 24, 13 ff.) einen versöhnlichen – aber nicht seichten! – Ausgleich zu schaffen. Die Feier des Abendmahls, die in vielen Gemeinden in diesem Gottesdienst üblich ist, ergänzt die Predigt.


Aufräumen im Lebenshaus tut not
Gott hilft uns dabei

Predigt zum Ewigkeitssonntag:
Lukas 12, 35 - 38; 41 - 48
„Jesus sprach zu seinen Jüngern:
Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun.
Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten und kommen und ihnen dienen. Und wenn er kommt in der zweiten oder in der dritten Nachtwache und findet's so: Selig sind sie.

Petrus aber sprach: Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns oder auch zu allen?
Und der Herr sprach: Wer ist nun der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzt, dass er ihnen zur rechten Zeit gebe, was ihnen an Getreide zusteht? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, solches tun sieht.
Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.
Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit zu kommen, und fängt an, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen, dann wird der Herr dieses Knechts kommen an einem Tage, an dem er's nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn in Stücke hauen lassen und wird ihm sein Teil geben bei den Ungläubigen.
Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kennt und hat nichts vorbereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge erleiden.
Wer ihn aber nicht kennt und getan hat, was Schläge verdient, wird wenig Schläge erleiden. Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.
Liebe Gemeinde,

kennen Sie das Sprichwort: „Herein, wenn’s kein Schneider ist“ – früher sagte man das gerne, wenn es anklopfte. „Herein, wenn`s kein Schneider ist.“ Das Sprichwort ist ein wenig aus der Mode gekommen. Vielleicht, weil man es nicht mehr versteht, vielleicht aber auch, weil man nicht mehr wahrhaben will, was es bedeutet.

Denn: „Herein, wenn‘s kein Schneider ist“, - bedeutet eigentlich: „Herein, wenn’s nicht der Schnitter ist.“ Schnitter, das meint den Tod. Gemeint ist also: Herein, wenn’s nicht der Tod ist.

Schneider und Schnitter klingen ähnlich. Der Tod schneidet den Lebensfaden ab. Deshalb hat sich wohl aus dem Schnitter umgangssprachlich der Schneider entwickelt. Herein also, wenn´s nicht der Schnitter ist.

Manchmal jedoch klopft er an, der Schnitter – und er klopft und tritt ein, obwohl wir ihm dazu keine Erlaubnis gegeben haben und ihn nicht reingebeten haben. Wenn er klopft und wenn er eintritt, dann ist das irgendwie immer plötzlich – selbst dann, wenn die Tür schon lange offenstand und wir sein Kommen absehen konnten.

„Auch wenn man weiß, dass die Sonne untergeht, erschrickt man, wenn es dunkel wird.“, stand neulich über einer Traueranzeige. Selbst wenn der Tod nicht „plötzlich und unerwartet“ durch Unglück oder Unfall, sondern „nach langer schwerer Krankheit“ als Erlösung kommt, - nachdem er eingetreten ist, ist nichts mehr so wie vorher. Eine Erfahrung, die viele hier während des vergangenen Jahres machen mussten.

Mit dem Tod kommen oft auch die Fragen: Haben wir die Zeit, die uns gemeinsam gegeben war, gut genutzt? Haben wir uns genug gekümmert, umeinander? Sind wir genügend freundlich miteinander gewesen? Hätten wir was anders machen sollen? Hatten wir unser Haus bestellt, als einer ging? Oder war da mehr Unordnung als Ordnung, mehr Streit als Friede, mehr Verpasstes als Gewesenes.

Und wie sieht es nun mit unserem Lebenshaus aus? Wie soll es weiter gehen? Die Bilanzen fallen sicher unterschiedlich aus.

In den zwei Gleichnissen Jesu, die ich zum Beginn der Predigt verlesen habe, geht es auch um Anklopfen, Häuser und Eintreten. In beiden geht es um ein Haus, in dem der Hausherr zunächst nicht anwesend ist. Aber obwohl er nicht da ist, hat er dafür gesorgt, dass während seiner Abwesenheit alles gut laufen kann.

Im ersten Beispiel klappt dies auch. Die Knechte sind aufmerksam, sie warten auf ihren Hausherrn. Und als er schließlich kommt, freut er sich so sehr, dass er den Knechten dient und ihnen auftischt.

Das zweite Beispiel verläuft zunächst genauso. Ein vom Hausherrn eingesetzter Verwalter sorgt gut für die Dienerschaft. Alle haben, was sie zum Leben brauchen. Doch dann wendet sich das Blatt. Die Zeit wird lang bis der Hausherr zurückkehrt. Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Der Verwalter spielt sich selbst zum Hausherrn auf. Er beginnt zu saufen und schlägt die, die ihm anvertraut waren. Als nun der Hausherr zurückkommt, hat er nichts zu loben. Es ergeht dem Verwalter so, wie er vorher mit seinen Leuten verfahren war.

Der in beiden Gleichnissen anklopft ist nicht der Tod, sondern der Hausherr. Er bringt Leben, er bringt Zukunft. Es klopft Jesus Christus, der Herr. Er klopft an und tritt ein. Er freut sich darauf gemeinsam mit seinen Knechten zu feiern. In der Zeit seiner Abwesenheit verlangt er nichts Außergewöhnliches. Nur, dass die Knechte ihn nicht vergessen, ihrer Arbeit verantwortungsvoll nachgehen und sich um die kümmern, die ihnen anvertraut sind.

Die Gleichnisse sind Hoffnung und Ermahnung zugleich: Hoffnung, dass Gott kommen wird und wir dann gemeinsam feiern werden; Ermahnung sein Haus zu bestellen und nicht nachlässig zu werden.

Sein Haus zu bestellen, dass kann vieles heißen. Es kann heißen, wirklich mal den Keller aufzuräumen, - aber auch Dinge aus der Welt zu schaffen, die einen schon lange bedrücken. Miteinander zu reden. Miteinander zu lachen. Miteinander traurig zu sein. Miteinander Erinnerungen zu teilen. Miteinander neue Hoffnung zu schöpfen.

Sein Haus zu bestellen kann ganz konkret heißen, sein Testament zu machen. Es ist eine bedrückende Erfahrung, dass in vielen Familien die Zeit der Trauer auch die Zeit der Erb-streitigkeiten ist. Wenn diese Fragen rechtzeitig vor dem Tod geklärt wurden, besteht nach dem Tod weniger die Gefahr von Streit.

Sein Haus zu bestellen kann heißen sich selbst und anderen zu verzeihen; mit vertanen Chancen, Lebenssackgassen oder Verstrickungen barmherzig umzugehen. Es kann heißen: sich Zeit zu nehmen, sich Blumen zu schenken, sich in die Arme zu nehmen, sich zu besuchen, sich umeinander zu kümmern.
Es verabschiedet sich leichter, wenn das Haus bestellt ist – für denjenigen, der geht und für diejenigen, die bleiben.

Manchmal ist es schwierig, sein Haus zu bestellen, denn es hat sich so viel angesammelt. Man hat Angst auf irgendeine Miene zu treten oder alten Schmutz aufzuwirbeln. Lieber nicht dran rühren. Alles hängt voll Erinnerung.
Und nie ist unser Lebenshaus auf Dauer aufgeräumt.

Für mich fehlt in der Bibel ein drittes Gleichnis in diesem Reigen.

Das erste erzählt ja von Knechten, die tatsächlich die ganze Zeit aufmerksam warten – das gelingt mir in meinem Lebenshaus ehrlich gesagt nicht.
Das zweite erzählt von einem Verwalter, der das Warten aufgeben hat und verantwortungslos zu handeln beginnt – so will ich nicht sein, da stemme ich mich immer wieder dagegen.

Da fehlt mir nun ein drittes Gleichnis: für diejenigen, die nicht immer aufmerksam warten, aber doch hin und wieder merken in ihrem Leben, dass es etwas aufzuräumen gibt. Die zwar regelmäßig scheitern - aber doch versuchen, einigermaßen Ordnung in ihrem Lebenshaus zu halten.

Mit Bezug auf andere Bibeltexte, meine ich, wir könnten ein drittes Gleichnis ergänzen.

Nachdem Jesus die beiden Gleichnisse erzählt hatte, sprach Petrus: Herr, wer kann dann selig werden!
Und der Herr antwortete: Selig ist der Knecht, der nicht nachlässt, wenn er auf den Herrn wartet. Und wenn er merkt, dass er nachgelassen hat, dass er dann kommt und sagt zu seinen Mitknechten: Der Herr hat sich Zeit gelassen und wir sind nachlässig geworden. Helft mir das Haus zu bestellen, dass wir bereit sind unseren Herrn zu empfangen. Die Knechte helfen ihrem Mitknecht. Sie sortieren, stellen um, werfen vieles weg. Gerade als sie meinen, dass das Haus zu groß und ihre Kraft zu klein wären, klopft der Herr. Doch sie erkennen nicht, dass es der Herr ist. Sie halten ihn für einen Mitknecht. „Du musst uns helfen“, sagen sie. „Unser Herr kommt, und unser Haus ist nicht bestellt.“ Am Abend ist alles sauber und aufgeräumt. Da spricht der Knecht zu seinen Mitknechten: „Ich danke euch. Lasst uns gemeinsam zu Abend essen.“ Der Mitknecht aber, der der Herr ist, nimmt das Brot, dankt und bricht es. Da erkennen die Knechte ihren Herrn. Überrascht stellten sie fest: Er war mitten unter ihnen gewesen die ganze Zeit.




Und Jesus schloss: So wird es denen gehen, die um Hilfe bitten – sie werden Hilfe erfahren.
Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Gundula Guist
Kirchstraße 10, 61250 Usingen

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