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Wiedergeboren zur Hoffnung

von Reinhard Süpke (Oldisleben)

Predigtdatum : 11.04.2021
Lesereihe : III
Predigttag im Kirchenjahr : Quasimodogeniti
Textstelle : Johannes 21,1-14
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Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3)

Psalm: 116,1-9.13 (EG 746)

Lesungen

Reihe I: 1. Petrus 1,3-9
Reihe II: Jesaja 40,26-31
Reihe III: Johannes 21,1-14
Reihe IV: Kolosser 2,12-15
Reihe V: 1. Mose 32,23-32
Reihe VI: Johannes 20,19-20(21-23)24-29

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 116 Er ist erstanden, Halleluja
Wochenlied: EG 107 Wir danken dir, Herr Jesu Christ
Predigtlied: EG 115 Jesus lebt, mit ihm auch ich
Schlusslied: EG 99 Christ ist erstanden

Predigttext Johannes 21,1-14

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:
2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.
3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.
7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See.
8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.
9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.
10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!
11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.
12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr.
13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch den Fisch.
14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Predigt

Liebe Gemeinde, es gibt ein Buch mit lustigen Schülerantworten. Auf dem Cover prangt die Frage: „Nenne drei Hochkulturen!“ Antwort: „Römer, Ägypter, Imker!“ Oder: „Was geschah an Ostern?“ Antwort: „Jesus ist aufgekreuzt!“[1]

Darüber können Lehrer und Pfarrer herzhaft lachen. Aber sie fragen sich auch frustriert: Was hat´s gebracht? Was hat unsere Mühe an den Menschen für einen Sinn, wenn nur noch so eine lachhafte Aussage bleibt? „Was geschah an Ostern?“ Antwort: „Jesus ist aufgekreuzt!“

Wenn wir diese Antwort beim Wort nehmen, dann kann sie uns ein befreites Lachen schenken. Denn „Aufkreuzen“ ist keine saloppe Floskel, sondern ein Fachbegriff beim Segeln. „Aufkreuzen“ heißt demnach:

„hart am Wind segelnd mit mehreren Schlägen ein Ziel anlaufen, sprich im Zick-Zack gegen den Wind segeln.“[2]

„Was geschah an Ostern?“ Antwort: „Jesus ist aufgekreuzt!“

Er hat alle Widerstände, alles Leiden, sogar den Tod überwunden. Und nun ist er bereit, bei jedem von uns „aufzukreuzen“, um mit uns „gegen den Wind“ zu segeln. Um uns mit seiner Kraft durch die Zeit zu begleiten.

Dabei kreuzt JESUS bis heute auch sehr unspektakulär auf. Mitten in der Frustration. Nach Mühen, die erfolglos waren. Wenn wir uns fragen, was hat es gebracht? Dann ist ER völlig unerwartet in der Nähe, um uns die Kraft zu geben, weiterzumachen oder neu anzufangen.

Begleiten wir mal einen Pfarrer, der auch immer mal frustriert ist. Hin und wieder könnte er alles hinschmeißen. In solchen Momenten sagt er: „Wir gehen nach Galiläa und fangen nochmal von vorne an!“ Irgendwann war er endlich im Land Israel.

Dort, am See Genezareth steht in Tabgha eine Kapelle, und innen drin: „Die Mensa Christi!“ – der Tisch Christi. Es ist kein schön behauener Altar. Es ist ein einfacher, nackter Fels!

Dort spielt diese Geschichte, von der Johannes berichtet.

Dort ist Jesus aufgekreuzt – völlig unerwartet nach dem Frust der Jünger nach einer erfolglos durcharbeiteten Nacht…

Jesus hat auf diesem Stein für die frustrierten Jünger Frühstück gemacht! Unser frustrierter Pfarrer ist total hingerissen von seinen Gefühlen. „Ich darf hier sein, an diesem besonderen Ort! Hier haben Petrus, Thomas, Nathanael und andere Jünger mit dem Auferstandenen gefrühstückt! Und aus diesen frustrierten Fischern wurden begeisterte Menschen. Sie waren so angesteckt von der Nähe JESU, dass sie viele andere ansteckten!“

Aber unser frustrierter Pfarrer hatte dann noch einen Gedanken: „JESUS brauchte nicht mehr als einen Stein, ein Kohlefeuer und ein paar frische Fische und die Jünger bekamen neuen Mut! …. Und wir haben eine Kirche drum gebaut. Wir haben Mauern um diesen Platz gezogen.“

Bei so viel Frustration kann nur ein begeisternder Gedanke helfen. Wie wäre es damit: „Was geschah an Ostern?“ Antwort: „Jesus ist aufgekreuzt!“

Erinnern wir uns daran, was bei Johannes geschrieben steht:

Die Jünger gingen fischen. Das hatten sie gelernt, das konnten sie. Aber „in dieser Nacht fingen sie nichts.“ Wieder eine Nachtschicht, die nichts einbrachte. Solchen Frust haben sie in ihrem Beruf oft erlebt.

Wer von uns kennt nicht die Geschichte, die wir bei Lukas finden: Petrus und seine Fischerkollegen haben damals auch eine „ganze Nacht gefischt und haben keinen Fisch erwischt![3]“ Eine von vielen Nächten voll vergeblicher Mühe und Arbeit. Aber aus dieser Nacht wurde für Petrus und seine Kollegen ein besonderer Tag.

Denn als sie stur ihrer Arbeit nachgehen und die Netze reparierten, kreuzte bei ihnen dieser Wanderprediger aus Nazareth auf. Der steigt ins Boot vom Petrus und macht erst einmal aus dem Kahn eine Kanzel. Vom Kahn aus predigt JESUS zu den Leuten am Ufer. Dann will der Prediger es besser wissen als die erfahrenen Fischer. ER sagte zu Petrus, dem Besitzer des Bootes: „Jetzt fahr mal auf den See raus und fisch noch mal ’ne Runde! Da geht heute noch was!“

„Meister“, antwortete Simon, „wir haben uns letzte Nacht schon die Finger wund gefischt, und da ging gar nichts. Aber okay, weil du es sagst, probieren wir es noch mal!“[4]

Das war die erste Begegnung mit JESUS von Nazareth. Wir wissen wie es weiterging. Wir wissen, wie es ausging.

Dieser Mann brachte sie auf einen überraschenden neuen Lebensweg. Sie ließen ihr bisheriges Leben hinter sich und liefen mit ihm durchs Land und erlebten, wie besonders dieser Mann war. Vor allem war er besonders nahe an GOTT. Mit IHM wollten sie leben und mit IHM wollten sie untergehen. Allerdings haben sie nicht an einen Untergang geglaubt. Das konnte JESUS doch niemals passieren!

Wir wissen wie es ausging. JESUS wurde erst bejubelt, dann gekreuzigt.

JESUS wurde auf furchtbare getötet und schließlich begraben.

Aber zuvor wollten die Jünger nicht mehr mit IHM untergehen.  Bis auf die Frauen und bis auf einen der Jünger …

Vorher machte die Zeit mit JESUS, das Leben mit IHM Sinn. Aber sein Tod – noch dazu der Tod der Schande am Kreuz – das machte überhaupt keinen Sinn. Das war einfach nur frustrierend. Und „frustra“ ist lateinisch und heißt „vergeblich“.

Wir wissen wie es ausging. Aber wir wissen auch, wie es weiterging:

JESUS ist von den Toten auferstanden. Und: JESUS kreuzt bei seinen Jüngern auf. Warum werden nur die Jünger erwähnt? Die Frauen haben es etwas schneller begriffen! Obwohl die Türen verschlossen sind, begegnet ER seinen Jüngern. ER schenkte ihnen neu seinen Frieden und das Vertrauen. Aber irgendwie können sie das nicht richtig umsetzen. Wir lesen bei Johannes 21:

Petrus sagt: „Ich gehe fischen.“ Die anderen, die gerade da sind, sagen: „Wir kommen mit dir.“ Wie gesagt: Fischen, das war ihr ehemaliger Beruf. Das konnten sie immer noch, das haben sie nicht verlernt. Aber irgendwie sprudelt in ihren Herzen noch nicht die Freude über diese großartige Nachricht:

„Der HERR ist auferstanden, ER ist wahrhaftig auferstanden!“

Denn dass die Jünger fischen gehen wollen, kann heißen: „Wir brauchen morgen was zu beißen!“

Aber es wirkt irgendwie auch, als ob ein Traum zerbrochen ist. Es bleibt nichts übrig als das Gewohnte.

Es fühlt sich vielleicht auch an, als ob sie meinen: JESUS liebt uns, klar, aber ER denkt sicher: „Das war so vergeblich mit denen! Die drei Jahre mit ihnen waren so frustrierend. Mal sehen, ob ich was Besseres finde.“

Jedenfalls: Petrus und Kollegen fischen sich wiedermal die Finger wund – und es ist einfach nur vergeblich, frustrierend. Nicht mal das Fischen klappt…

Und da kommt dieser unbeschreibliche Moment.

Jesus kreuzt auf. ER kreuzt nicht nur an Ostern auf. ER kommt oft unerwartet aber rechtzeitig. 

Was für ein einfacher, aber wunderbarer Satz steht in der Geschichte bei Johannes: „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer…“

JESUS kreuzt bei denen auf, die ganz unten sind. Die frustriert sind – aus welchem Grund auch immer. Worum haben wir uns im Leben bemüht? Um gelingende Beziehungen? Um sinnvolle Arbeit? Um Gerechtigkeit im Land? Um eine Generation von Christen, die voller Freude ihren Glauben leben?

Was würden Sie ergänzen? Was war für Sie alles vergeblich? Womit haben Sie sich vielleicht heute Nacht schlaflos hin und her gewälzt – und nun ist ein neuer Tag da. Was soll der bringen?

„Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer…“

Der auferstandene Jesus Christus steht am Ufer unserer Frustrationen. ER kommt immer gerne dorthin, wo wir frustriert aufgeben wollen.

Das können Sie in der gesamten Bibel finden: GOTT beruft und befähigt nicht die, die auf dem hohen Ross sitzen. Sondern die, die scheinbar vergeblich gelebt haben.[5]

  • Joseph wurde als Sklave verkauft, ins Gefängnis geworfen – bis er Minister wurde und nicht nur seine Familie rettete, sondern ein ganzes Land!
  • David musste lange vor Saul fliehen, bevor er König wurde.
  • Und Petrus musste erkennen, dass die Kraft zum gesegneten Leben nicht von daherkommt, dass er als Fischer so ein toller Hecht war.

An welchem Ufer stehen Sie heute? JESUS ist schon lange da. Aber manchmal kreuzt ER besonders spürbar auf. Dann braucht es oft nur einen Schritt des Vertrauens.

Wenn wir frustriert sind könnten wir uns diese Antwort selber sagen: „Jesus ist aufgekreuzt!“

Jesus kreuzt immer irgendwo auf. Völlig unerwartet ist ER da! Besser: ER macht sich bemerkbar! ER kommt am Ufer jedes neuen Tages zu uns. ER kommt gerne zu uns, wenn wir aufgeben wollen.

Denn ER hat ja versprochen, immer da zu sein. Er kreuzt auf! – d. h.: ER schenkt Momente, in denen ER uns seine Nähe spüren lässt und uns stärkt – früh am Morgen, nach langer Arbeit – oder mitten im Stress … auf einer Kirchenbank oder an einem unscheinbaren Stein.

JESUS kreuzt auf – um mit uns gegen den Wind zu segeln. Und selbst, wenn es im Zickzack – Kurs weitergeht. Wir werden das Ziel zu erreichen.

Vor unseren Gemeinden und unserem Leben liegt noch mancher Zickzack–Kurs. Wie sollen wir das schaffen?
Wie kommen wir durch diese Zeiten?

Manchmal scheint die Welt auf einem Vulkan zu tanzen.[6]
Das alles kann entmutigen. ABER …!!

Aber JESUS kreuzt immer wieder auf – wo und wann auch immer.

Denn ER ist auferstanden und sein letzter Gruß am Kreuz war nicht das letzte Wort. Sondern es kam das erste Wort nach seiner Auferstehung: „Friede sei mit Euch!“ Amen.

Verfasser: Pfarrer Reinhard Süpke, Karl-Liebknecht-Str. 12, 06578 Oldisleben

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Anmerkungen:

[1] „Nenne drei Hochkulturen: Römer, Ägypter, Imker“ Neue witzige Schülerantworten / Lena Greiner, Carola Padtberg / SPIEGEL Bestseller
[2] https://www.modellskipper.de/Maritimes/maritime_Begriffe_Deutsch_Abschnitt_S/aufkreuzen
[3] https://www.heilpaedagogik-info.de/fingerspiele/sonstige-fingerspiele/25-ich-habe-gefischt.html
[4] So in der „Volxbibel“
[5] Die folgende Aufzählung kann gekürzt oder weggelassen werden.
[6] Hier kann Aktuelles aus den Nachrichten der letzten Tage eingefügt werden.


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