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Apostel und Propheten

von

Predigtdatum : 22.06.2014
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 1. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 5. Mose 6,4-9
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Wochenspruch:
"Christus spricht: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich." (Lukas 10, 16)

Psalm: 34, 2 – 11 (EG 718)

Lesungen
Altes Testament: 5. Mose 6, 4 - 9

Epistel: 1. Johannes 4, 16 b - 21

Evangelium: Lukas 16, 19 - 31

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 445, 1 – 5 Gott des Himmels und der Erden
Wochenlied: EG 124, 1 – 4 Nun bitten wir den Heiligen Geist
Predigtlied: EG 295, 1 – 4 oder EG 108, 3 Wohl denen, die da wandeln vor Gott oder
Singt Lob und Dank
Schlusslied: EG 168, 4 – 6 Wenn wir jetzt weitergehen

Hinführung
Die Worte des Predigttexts sind das heiligste Gebet des jü-dischen Volkes, das Grundbekenntnis seines Glaubens. Mit diesem Gebet sind Israels Märtyrer gefallen, beginnt und endet der Tag der frommen Juden.

Dies bedeutet, dass ein respektvoller Umgang mit diesem Bekenntnis notwendig und angemessen ist.
Auch Jesus hat das HÖRE ISRAEL gebetet und es als höchste Weisung bezeichnet, die Gott gegeben hat. So ist dieses Gebet das Zeichen der Verbindung Jesu mit seinem jüdi-schen Glauben und Leben. Zugleich wird es im Konfirman-denunterricht als das höchste Gebot der Christen gelernt.

Am HÖRE ISRAEL wird sichtbar, wie Jesus und wir Christen tief miteinander verbunden sind, denn es ist derselbe EINE Gott, der uns und unser Leben in der Hand hat.
Für Israel ist es ein Bekenntnis mit dem man leben und sterben kann. Lesen wir es mit den Augen Jesu, dann wird es auch unser Bekenntnis.

Wie tief das HÖRE ISRAEL Herzen anspricht, wird für mich deutlich an einer Erzählung von Albrecht Goes (Begegnung in Ungarn. In „Aber im Winde das Wort“ Seite 186-189).

Die Lutherbibel umschreibt in der Nachfolge der jüdischen Gewohnheit den Namen des Gottes Israel mit „der HERR“. Wir tun gut daran, nicht so zu tun, als wüssten wir es bes-ser. Ich möchte die Achtung und Ehrfurcht der Juden vor dem Gottesnamen achten und ihn deshalb nicht einfach blindlings gebrauchen. Martin Buber umschreibt den Namen Gottes mit großgeschriebenem Personalpronomen. ER, DU, IHN.

Am Ende zitiert die Predigt mit Albrecht Goes das hebräi-sche HÖRE ISRAEL:
„Schema Jisrael, Adonai elohenu Adonai aechad.“
Übersetzt. Höre Israel, der Herr unser Gott, ist ein einiger Gott.“
Die Anmerkung gibt eine Hilfe zum Aussprechen durch Be-tonungszeichen:
Schemá Jisraél, Adonái elohénu Adonái aechád.

Gliederung
1. Mahnung und Bekenntnis Israels
2. Gott ist EINER
3. Jesus und das HÖRE ISRAEL
4. Das Wort zu Herzen nehmen
5. Begegnung in Ungarn

Predigt
Liebe Gemeinde,

der Predigttext, den unsere Kirche für den heutigen Sonntag ausgewählt hat, ist das heiligste Gebet des jüdischen Volkes, das „Höre Israel“, das Sch’ma Jisrael“(1).

Es ist seit Jahrtausenden das Bekenntnis, das die Juden in ihrem Glauben zusammen gehalten hat. Ein Wort zum Leben und zum Sterben - in großem Vertrauen. Wir können es vielleicht mit dem VATER UNSER vergleichen. Aber das „Höre Israel“ ist mehr. Denn es ist Gebet und Bekenntnis zugleich.

Wenn wir dieses Gebet des Volkes Israel heute als Predigt-text hören und darüber nachdenken, dann tun wir es, um dabei zu lernen: Gott stellt uns in die Gemeinschaft mit ihm und dem Volk Israel, und wir werden von ihm beschenkt.

(1. Mahnung und Bekenntnis Israels)
Höre, Israel,
ER, unser Gott,
ER ist Einer.
Und IHN, deinen Gott, sollst du liebhaben
von ganzem Herzen
von ganzer Seele
mit aller deiner Kraft.

Das ist ein Ruf:
Israel soll zuerst HÖREN.
Und so gilt es auch uns – wenn wir es für uns gelten lassen.
HÖRE! Christengemeinde. HÖRE.
ER, unser Gott, ist EINER.

Überliefert ist das Wort als Abschiedswort des Mose. In der Wüste musste das Volk immer wieder neu lernen, dass es ganz und gar nur dem einen Gott vertrauen musste, wenn es leben wollte. Jetzt stehen sie vor dem gelobten Land. Mose wird nicht mit hinübergehen über den Jordan. Hat er noch etwas zu sagen?

Jetzt gelten doch dann andere Spielregeln. Jetzt kommen sie in feste Städte und in das Land, in dem Milch und Honig fließen. Ein Land, in dem man sicher ist - und sich nicht von einem Tag zum anderen immer nur auf Gott verlassen muss. Jetzt gibt es dann Vorräte und Befestigungen.
Aber da ruft Mose noch einmal: „Höre, Israel.“ Lass dich unterbrechen. Stolpere nicht einfach in das Neue.

Höre, Israel,
ER, unser Gott,
ER ist Einer.
Und IHN, deinen Gott, sollst du liebhaben
von ganzem Herzen
von ganzer Seele
mit aller deiner Kraft.

(2. Gott ist EINER)
Schauen wir auf das, worauf wir heute uns verlassen. Es gibt keine Nachrichten mehr ohne Börsendaten. Die Wirt-schaft ist das Erste und das Letzte. Auf sie muss man ach-ten, auf sie muss man hören. Und wenn man jemandem Gutes wünscht, dann heißt es: „vor allem Gesundheit.“

Was soll da dann das heißen? „Gott ist Einer!“ Wir suchen doch nach vielen Sicherheiten. Und wir sind froh, dass unse-re Welt ganz und gar ohne Gott funktioniert. Da ist es für viele heute schwer an einen GOTT zu glauben. Aber es ist noch viel schwerer, an EINEN Gott zu glauben. Das Volk Israel hatte mit viel Mühe immer wieder zu lernen: EINER ist Gott, ER allein.

Man spricht aus Ehrfurcht seinen Namen nicht aus - und sagt ersatzweise: der HERR. So auch in unserer Lutherbibel.
Im Land angekommen, glaubt man zuerst, man müsste z. B. für die Fruchtbarkeit der Äcker einen anderen Gott vereh-ren. Es ist ja auch viel einfacher, wenn man die Welt in viele Zuständigkeiten aufteilen kann. Ein Gott für das Gute, ein Satan für das Böse. Den Erfolg verdanke ich mir selbst. Gott darf für den Weltfrieden verantwortlich sein. Wir teilen schnell und oft auf — meist ohne, dass wir es merken. Mit meinem Hobby hat doch Gott nichts zu tun. Muss man sich nicht z. B. um die Arbeit mehr als alles andere selbst sor-gen?

Es gibt nur einen Gott. So haben wir es gelernt und sagen es nach. Aber unser Herz weiß es anders. Es hängt an diesem und jenem. Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn Mose seinem Volk sagen kann:

Höre, Israel,
Er, unser Gott,
Er ist Einer.
Und IHN, deinen Gott, sollst du liebhaben
von ganzem Herzen
von ganzer Seele
mit aller deiner Kraft.

Einer - das ist nicht nur Wort der Zahl.
EINER – das meint den Einzigen.

Er ist allein Gott. Er freut sich nicht an versklavten, ver-dummten, verführbaren, bedrohten Menschen. Er ist ein Retter, der in die Freiheit führt. Der Einzige hat Israel aus Ägypten gerettet, aus der Sklaverei. Der Einzige ist Hoffnung und Zukunft und Rettung zugleich.
Auch wenn es Israel immer wieder vergisst. Auch wenn wir es immer wieder vergessen. Gott gebietet, dass wir uns mit allen Kräften – mit Geist, Leib, Seele und allen Gütern – auf ihn richten. Er ist die Mitte unseres Lebens.

(3. Jesus und das HÖRE ISRAEL)
Wir hören dieses Gebot des alten Israel aus dem Mund Jesu. Wir haben es vorhin in der Schriftlesung gehört – und wir haben es im Konfirmandenunterricht gelernt. Jesus wird nach dem höchsten Gebot gefragt. Und er antwortet mit dem HÖRE ISRAEL.

»Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften.«(2)

Jesus antwortet also als einer, der zur Gemeinde Israels ge-hört. Und er weiß ganz genau, wie wichtig dieses Gebot ist: Gott ist Einer, er allein. Und ihn sollen wir lieben mit allen zur Verfügung stehenden Kräften.

Wer den Gott Israels kennt, weiß, dass die Liebe zu Gott nicht auf Kosten der Liebe zu den Menschen gehen kann. Aber damit es niemand missversteht, fügt Jesus ein zweites Gebot hinzu. „Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.“

Wir Christen meinen: also hat Jesus wenigstens die Liebe zum Nächsten selber geboten. Aber auch da täuschen wir uns. Das Gebot der Nächstenliebe steht auch in den Wei-sungen Israels, nämlich im dritten Buch Mose, Kapitel 19, 18.

Es ist gut, wenn wir merken, wie Jesus selbst in den Ord-nungen seines Volkes daheim ist – und wie er keinen ande-ren Gott verkündet, als den Gott Israels.

(4. Das Wort zu Herzen nehmen)
Das Gebot der Nächstenliebe hilft uns, das Gebot der Got-tesliebe zu verstehen. Das eine macht das andere möglich.
Wir begegnen Gott in seinen Geschöpfen.

Jesus kann selbst sagen: Was ihr einem der Geringsten ge-tan habt, das habt ihr mir getan. (3) Gott trägt oft für uns das Gesicht des Menschen, dem wir gerade begegnen und der uns braucht. Das ist oft schön. Es ist aber oft auch „schön“ anstrengend.

Wie kann man sich auf Gott konzentrieren, ihn mit allen Kräften lieben? Es fängt damit an, dass wir einander die Ge-schichten erzählen, die von Gott und von Jesus erzählt wer-den. Es fängt damit an, dass wir selbst hören. Wie Israel hören auf das, was wir Wort Gottes nennen. Deshalb feiern wir wenigstens Woche für Woche Gottesdienst. Für manche gehört die tägliche Losung aus dem Herrnhuter Losungs-büchlein dazu. Manche lesen deshalb möglichst regelmäßig in der Bibel.

Interessant ist die Hilfe, die das alte Mosewort selbst dem Volk Israel gibt. Ich lese noch einmal:
6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen
7 und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon re-den, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst.

Das Wort zu Herzen nehmen. Die Geschichten und Worte den Kindern zeigen und erzählen. Und bei jeder guten oder weniger guten Gelegenheit davon reden.

Der 1. Psalm, den wir vorhin miteinander gebetet haben, er-zählt davon. „Wohl dem, …der Lust hat am Gesetz des Herrn und sinnt über seiner Weisung Tag und Nacht, der ist wie ein grünender Baum...“

Aber es geht noch viel praktischer weiter. Juden binden sich zum Gebet diese Worte zwischen die Augen und aufs Herz.
Und manche von uns haben schon gesehen, dass an einer jüdischen Haustür ein kleines Kästchen oder Röhrchen be-festigt ist. Und die, die es berühren, wissen: darin stehen die Worte: HÖRE ISRAEL.

8 Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein,
9 und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.

Wir Protestanten tun uns ja oft mit solch äußeren Zeichen schwer. Wir meinen, es gehe beim Glauben um das Denken. Und Jesus selbst schickt den Beter ins Kämmerlein. Aber manche Sitte kann auch hilfreich sein, so wie das Gebet vor dem Essen, das Tischgebet. Es ist etwas Besonderes, wenn das Äußere und das Innere zusammenkommen. Manche Ge-wohnheiten und Sitten können dazu helfen.

(5. Begegnung in Ungarn)
Wie tief das HÖRE ISRAEL für Menschen aus dem Volk Israel gehen kann, wird an einer Erzählung von Albrecht Goes deutlich. Er hat sie 1946 geschrieben (4).

Albrecht Goes, als Sanitätsoffizier im Krieg, wird zu Beginn des Jahres 1944 nach Ungarn geschickt. Dort wird er bei einem jüdischen Arzt und seinem erwachsenen Sohn ein-quartiert. Der Gelbe Stern zur Ausgrenzung der Juden ist soeben auch dort eingeführt. Jeder hat Angst - vor dem, was kommt – auch wenn man noch nicht die ganze Schrecklichkeit weiß.

Der Arzt und sein Sohn bitten den einquartierten Offizier Goes um Schutz. Und er weiß doch, dass er gar nichts weiß und nichts kann. Da fällt dem Deutschen plötzlich dieses Wort ein.

„Höre Israel, der Herr unser Gott, ist ein einiger Gott.“
Er sagt es ganz unvermittelt ins die Stille - und er sagt es auf Hebräisch: „Schemá Jisraél, Adonái elohénu, Adonái aechád.“(5)

Albrecht Goes schreibt weiter:
„Kaum, dass ich das Wort ausgesprochen habe, kaum dass hier in der ungarischen Stube die hebräischen Laute ver-klungen sind, geht eine Bewegung durch die beiden (Quar-tiergeber). Tränen stehen dem Vater in den Augen, und der Sohn blickt zu mir her mit einer erschütterten Glut. Sie ge-hen auf mich zu. Sie geben mir die Hand. Was Fremde war und Angst – es ist alles versunken. Der Herr, unser Gott, ist ein einiger Gott.“

Ich wünsche es auch uns - dass wir als Christen mit den Ju-den begreifen und immer wieder festhalten: Gott ist da und verlässt seine Menschen nicht.

„Der Herr, unser Gott, ist ein einiger Gott.“
Amen.

Gebet zum Eingang
Treuer Gott,
durch Mose und die Propheten hast du Israel deinen Willen kundgetan.
Du hast deinem Volk den Retter verheißen.
Hab Dank, dass du Hilfe und Rettung nicht auf Israel be-grenzt hast.
Auch wir dürfen deine Kinder sein.
So segne unser Feiern in der Verbundenheit mit Israel
und im Aufblicken auf Jesus Christus, unsern Herrn.
Nach Gottesdienstbuch Württemberg 2004, Seite 159

Fürbittengebet
Lasst uns im Frieden den Herrn anrufen
um den Frieden, der von oben kommt:
um das Heil unserer Seelen
und den Frieden der ganzen Welt.
Lasst uns den Herrn anrufen:
G: Herr, erbarme dich.

Für Juden und Christen
dass sie einander mit Respekt begegnen.
Dass sie das Vertrauen in dich, den einen Gott
immer neu lernen, bewahren und weitergeben.
Lasst uns den Herrn anrufen:
G: Herr, erbarme dich.

Für die Bewahrung seiner Kirche
und die Einigkeit unter allen Christen;
für dieses sein Haus
und alle, die sich darin versammeln;
für alle, die sein Wort predigen,
dass sie die Wahrheit verkündigen;
für die ganze Gemeinde
und alle, die zu ihr gehören.
Lasst uns den Herrn anrufen:
G: Herr, erbarme dich.

Für alle, die politische Verantwortung tragen,
dass Gott sie leite;
für diesen Ort,
das ganze Land und alle, die darin wohnen;
um das rechte Wetter
und die Fruchtbarkeit der Erde;
um Gottes Segen für unsre Arbeit
und um friedliche Zeiten.
Lasst uns den Herrn anrufen:
G: Herr, erbarme dich.

Für alle, die unterwegs und in der Fremde sind,
für die Kranken und Leidenden,
die Gefangenen und Verfolgten,
(die Flüchtlinge und Hungernden,)
dass Gott uns in aller Gefahr und Not bewahre.

Lasst uns den Herrn anrufen:
G: Herr, erbarme dich.

Nimm dich unser gnädig an,
rette und erhalte uns.
Dir allein gebührt Ruhm, Ehre und Anbetung, dir, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Amen.
Nach der Chrysostomus-Liturgie, Gottesdienstbuch Württemberg 2004, Seite 280

Verfasser: Dekan i. R. Eberhard Dieterich
Eugen-Gaus-Straße 30, 89518 Heidenheim

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